Einmal quer durchs Baltikum – Teil I

Bei unserer Ostseerunde fehlten uns noch die Baltikumstaaten. Das haben wir im Sommer 2026 endlich behoben.

Die Tage vor der Abfahrt sind aufregend wie selten, 2 Theaterpremieren und 1 Abiball, zwischendurch packen und direkt nach der Party los. Trotzdem starten wir schon weit vor Mittag am ersten Julisonntag. Die Strecke ist heute nicht so weit – wir wussten ja nicht, wie wild der Abiball wird… Die Stimmung ist gut, das Reiseziel haben dieses Mal die Kinder ausgesucht, also Kinder ist eventuell nicht mehr der richtige Begriff mit 15 und 18 Jahren. Das mit der Stimmung ändert sich allerdings schlagartig als wir bemerken (ok, Line bemerkt) dass wir den nagelneuen Pass von der Jüngsten nicht dabei haben. Ich, Mich, habe ihn zwar in eine Handtasche gesteckt aber leider in die falsche und die steht jetzt zu Hause. Mist! Wir beschließen aber weiter zu fahren und hoffen darauf, nicht kontrolliert zu werden. An der polnischen Grenze klappt das gut, ist auch niemand zu sehen der kontrollieren könnte. Bei Poznan verlassen wir schon die Autobahn und steuern den Campingplatz bei Körnik an. Er liegt prinzipell schön an einem See, allerdings liegt er auch mitten in einer Sportanlage. Uns egal, für eine Nacht völlig ok.

Wir sind so zeitig dran, dass wir das gute Wetter nutzen und einen Spaziergang in die Stadt unternehmen.

Die Stadt ist ganz nett, ein kleines Schloss, eine Promenade mit Restaurants und Cafés. Genau das Richtige für unseren ersten Urlaubstag.

Alt werden wir aber nicht, der Abiball… Nun spüren wir, dass die 4-Sterne des Platzes eventuell etwas übertrieben sind. Es ist echt laut und die Duschen bräuchten neben der Reinigung auch eine Renovierung. Mehr gibt es hier nicht.

Tag 2 Warschau

Line hat perfekte kleine Etappen geplant und so rollen wir gegen 13:30 Uhr auf den nächsten Campingplatz. Wir stehen in einem kleinen Wald am Ortsrand von Warschau. Der Platz nennt sich Camping WOK und wie der letzte auch, ist er nicht ganz billig.

Es gibt aber ausreichend und saubere WCs und Duschen und der Betreiber ist total freundlich. Lange schauen wir uns aber nicht um, sondern fahren gleich Richtung Innenstadt. Die Parkplatzsuche gestaltet sich überraschend einfach (nicht billig) und so flanieren wir kurz darauf durch die wirklich wunderschöne Altstadt.

Und was isst man, wenn man in Polens Hauptstadt ist? Genau, wir essen in einem kleinen süßen Restaurant Pieroggen, drei Sorten mittig auf dem Tisch, und jeder kostet mal. Es war sehr lecker! Falls ihr jetzt hungrig seid: Wir waren im Bella Kaffeteria.

Danach machen wir uns auf ins sogenannte Kultviertel auf der anderen Flussseite. Wir hatten den Tipp im Netz gelesen, außer Plattenbauten und urbanem Wirrwarr war hier aber nichts zu holen.

Auch wenn das hart klingt, das Schönste auf der anderen Seite war der Blick auf die Altstadt. Den genießen wir auch ausgiebig von der neuen, spannenden Fußgängerbrücke.

Danach gibt’s natürlich auch noch einen Kaffee im Straßencafé, bevor es zurück zum Stellplatz geht. Allerdings sind unsere Vorräte alle, also müssen wir noch den polnischen Lidl aufsuchen.

Tag 3 – immer noch Warschau

Irgendwie ist die Stimmung heute genauso wie das Wetter: Es regnet. Wir wollen natürlich trotzdem wieder nach Warschau rein, nehmen also erneut das Auto. Heute ist Kultur angesagt, leider haben heute fast alle Museen in Warschau geschlossen. Ja, wir hätten das vorher nachlesen können, haben wir aber nicht. 😉 Also Alternativprogramm. Das Wahrzeichen von Warschau ist dieser riesige Backsteinbau im Zentrum. Ein Geschenk der Russen und bis heute zu besichtigen.

Also, rauf da. Mit dem historischen Fahrstuhl fahren wir ganz hoch, aber auch da ist das Wetter nicht besser. Trotzdem gehen wir raus auf die Plattform, bezahlt ist bezahlt!

Gemütlich ist aber etwas anderes, also wieder runter und etwas anderes suchen. Line hatte vorab schon einen Foodcourt in einem alten Industriekomplex herausgesucht, der scheint jetzt perfekt. Das Essen ist lecker und die Atmosphäre sehr cool!

Auf Shoppen haben wir aber keine Lust, also wieder raus in den Regen. Mit dem Auto fahren wir zurück und stellen uns wieder auf den gleichen Parkplatz wie heute Morgen, denn gleich gegenüber ist das Museum of Modern Art. Hier verbringen wir die nächsten Stunden zwischen politischer Kunst und großen Werken. Okay, einen Teil davon sitzen wir auch einfach vor der riesigen Glasscheibe und schauen den Turm von vorhin an (Teile der Familie behaupten, das war schöner als der Surrealismus). Eine gute Nachricht erreicht uns am Abend: Der Reisepass ist per Express-DHL auf dem Weg nach Riga. Auch wenn die Grenzübergänge problemlos blieben, spätestens an der Fähre hätten wir ein Problem (so die Recherche von Line).

Tag 4 – Auf ins polnisch Lappland

Wir haben nicht nur genug vom Wetter (8 Grad und Regen), sondern auch von der Großstadt. Also ziehen wir weiter. Erst hoffen wir noch auf eine Regenpause, um im Wigierski Nationalpark eine Runde spazieren zu gehen, aber statt Pause, kommt zum Regen auch noch Sturm. Weil das noch nicht reicht, gesellt sich ein leichtes Klackern aus dem Frontbereich des Autos dazu. Außer dem Geräusch ist noch nichts zu spüren, also fahren wir vorsichtig zum Campingplatz. Eigentlich wunderschön am See gelegen, wenn man ihn durch das Mistwetter sehen würde.

Wir kochen erst mal Kaffee und telefonieren mit VW (also eigentlich mit einem Freund bei VW). Zwischendurch krieche ich dann im Regen unters Auto und fotografiere mal alle Bauteile, die es sein könnten. Und siehe da…

Ich will euch hier nicht mit technischen Details langweilen, daher: Die Gelenkwelle machte die Geräusche. Es folgen Telefonate mit ADAC Deutschland, ADAC Polen und ADAC Litauen, weil der nächste Händler schon über die Grenze ist. Das sprengt allerdings die denkbaren Szenarien des ADAC. Also lassen wir das mit dem ADAC und gehen ins Bett.

Tag 5 Totalausfall

Das Wetter ist etwas besser und wir schauen nach dem Frühstück zumindest kurz, wie schön der Platz eigentlich ist.

Danach machen wir uns auf nach Littauen, aber ganz langsam und vorsichtig. Die ersten 5 Kilometer sind Schotterpiste, dann noch etwas enge Landstraße und dann endlich Autobahn. Das Klackern begleitet uns ständig und wird auch lauter. Jeder Kilometer stärkt die Hoffnung, bis zum VW-Händler zu kommen. Nach der Grenze (wieder ohne Kontrolle – danke EU) ist dann aber Schluss. Nichts geht mehr und wir müssen das Gespann ausrollen lassen. Zum Glück landen wir auf einer Tankstelle und stehen nicht im Weg. Also rufen wir wieder beim ADAC an. Dieses Mal schicken sie einen Abschlepper, der auch nach kurzer Überzeugungsarbeit unseren Wohnwagen mitnimmt.

Erster Stopp ist dann auch unser Wahlcampingplatz, nämlich Kaunas Lake Camping. Dort lasse ich Familie und Wohnwagen zurück und fahre mit dem Abschlepper zu VW. Allerdings recht erfolglos, der Händler meint nämlich, dass er erst in 2 Wochen einen Termin hat (das Wort „Mobilitätsgarantie“ überhört er zufällig). Zum Glück, hat das gleiche Unternehmen noch eine freie Werkstatt gleich nebenan. Dort darf ich mein Auto lassen. Wie lange es dauert? Wissen Sie nicht, Leihwagen haben sie nicht, Auftrag gibt es nicht. Lasse ich das Auto trotzdem da? Ja, was sonst?

Als ich die Werkstatt verlasse, habe ich noch keine Ahnung, wie ich wieder zum Wohnwagen komme, schließlich sind wir eine gute halbe Stunde durch den Ort gefahren. Nur auf eins ist Verlass: auf das Wetter. Während es in Strömen regnet, lade ich mir die Bolt-App und bestelle mir einen Fahrer. Was soll ich sagen – ich werde augenblicklich zum Fan. 5 Minuten später sitze ich im Auto und erhalte Tipps zu unserer weiteren Reise.

Als wir wieder vereint sind, kommt sogar die Sonne raus und wir machen einen kleinen Spaziergang. Der Platz liegt, wie der Name vermuten lässt, direkt an einem See, leider aber auch ziemlich dicht an einer großen Straße.

So langsam finden wir uns mit der Situation ab und schmieden Pläne für die nächsten Tage. Das müssen wir auch, denn unser Pass liegt nun tatsächlich schon in Riga, wir sind aber bisher nicht einmal im richtigen Land. Das Problem vertagen wir auf Montag (heute ist Freitag). Am Abend sitzen wir tatsächlich das erste Mal im Urlaub auch vor dem Wohnwagen, wenn auch nur kurz.

Tag 6 Kaunas

Irgendwie sind wir alle müde. Line steht zwar früh auf, um zu duschen, schläft aber danach noch einmal ein. Erst gegen 10 wecken wir die Jugend zum Frühstück. Das Wetter animiert heute auch nicht zum Beeilen. Kurz nach Mittag bestellen wir uns wieder einen Bolt und lassen uns zum Zentrum fahren. Nach einem letzten heftigen Schauer verziehen sich auch die Regenwolken und wir bummeln durch Kaunas.

Wir bekommen einen leckeren Kaffee mit kreativem Muster und unsere Laune bessert sich minütlich.

Danach bummeln wir weiter und stellen fest, an Kirchen mangelt es hier nicht.

Aber auch nicht ein kleinen süßen Kunstwerken.

Wir machen uns gerade auf den Weg zur nächsten Kirche – Kirche der Auferstehung Christi, weil man da wohl hoch kann und einen tollen Blick hat. Da klingelt mein Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung sagt auf Englisch etwas, was ich kaum glauben kann: Unser Auto ist fertig! Wie cool ist das denn? Also Bolt-App raus, Fahrer bestellt und nichts wie ab zur Werkstatt. 15 Minuten später sitzen wir im Caddy und fahren nun wieder mobil zur besagten Kirche.

Jetzt genießen wir um ein Vielfaches entspannter den Ausblick…

Danach haben wir Hunger und finden direkt neben der Kirche das Kuhne, ein kleines, aber sehr leckeres Restaurant. Line bestellt zum ersten Mal eine Suppe, die uns ab hier vielfach begegnen wird. Es handelt sich nämlich um das Nationalgericht von Litauen, vielleicht sogar vom Baltikum. 😉 – die Rote-Bete-Suppe.

Schlagartig ist alles wieder schön. Satt und sonnig fahren wir noch zur Festungsanlage in Kaunas.

Bevor wir zurückfahren, dürfen die „Kinder“ noch eine Runde schaukeln und wir laufen ein Stück am Fluss entlang, hier fließen nämlich Memel und Neris zusammen. Klingt vielleicht spannend, ist es aber nicht.

Jetzt ist Urlaub und wir holen uns einen Rosé vor den Wohnwagen – Prost!

Tag 7 Villinius

Wir frühstücken heute ziemlich zeitig, wir haben nämlich beschlossen, nur mit dem Auto nach Vilnius zu fahren und abends zurück. Die Fahrt ist unproblematisch und nach anfänglicher Parkplatzverwirrung (der Automat bleibt für uns ein Rätsel) entscheiden wir uns für das Parkhaus im Skyline Vilnius. Es heißt nicht nur so, sondern befindet sich auch genau da.

Wir wollen aber Altstadt, also überqueren wir die Neris und tauchen in das alte Litauen ein. Na gut, erst lachen wir noch über die Skaterbahn im Design der landestypischen Suppe!

Nun sind wir aber wirklich im älteren Teil der Stadt. Uns fällt auf, dass alles sehr sauber ist. Und es gibt offensichtlich noch viel mehr Kirchen als in Kaunas.

Direkt an dem Turm im Bild oben, finden wir eine Fliese mit der Aufschrift „Stebuldas“, also Wunder, im Boden eingelassen, und dank Internet wissen wir auch kurz darauf, was es damit auf sich hat. Also umrunden wir die Fliese jeweils 3 × im Uhrzeigersinn und haben einen Wunsch frei. Danach geht es weiter. So langsam, wie sollte es anders sein, bekommen wir Hunger.

Wir landen auf dem Markt und suchen uns selbstbewusst, trotz Regenprognose, einen Tisch draußen. Wohlwissend, dass der Sonnenschirm uns nicht retten wird. Es geht aber (fast) alles gut und wir beobachten das Treiben ringsum. Dabei bemerken wir immer wieder Leute, die vor etwas stehen bleiben und plötzlich wild anfangen, zu winken.

Von der anderen Seite können wir es dann auch erkennen: einen runden Monitor, der uns im Minutentakt mit Menschen in anderen Ländern verbindet. Ton gibt es nicht, also bleibt nur Winken, Zeichensprache und Freuen. Ein ganz anderes Erlebnis bekommen wir am Tor der Morgenröte mit der goldenen Madonna-Ikone. (siehe die nächsten Bilder) Schon beim Eingang, aber auch direkt im Raum, weisen diverse Schilder auf ein Foto- / Videoverbot hin. Stört das die Einheimischen und Touristen? Natürlich nicht! Da wird gefilmt, gepostet, fotografiert und als wäre das nicht genug, baut ein Pärchen ganz entspannt das Stativ für seine 360‑Grad-Kamera auf. Es gibt Dinge, die verstehen wir einfach nicht!

Wir ziehen weiter, was wir sonst sehen, gefällt uns aber echt gut!

Irgendwann haben wir genügend Kirche gesehen und betreten die Republik Užupis, ein alternatives Stadtviertel mit eigenem Charme und vor allem eigener Verfassung. Diese ist gleich am Start großflächig aufgehängt. Dort steht z. B. „Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein“, aber auch, dass man Katzen haben darf und keine haben muss.

Zwischendurch gibt es natürlich Kaffee und Kuchen. Wirklich zufällig regnet es gerade stark, als wir hier ankommen und die ausgefallensten Gebäcke verkosten.

Wir machen uns auf den Rückweg und überlegen im Auto, was wir wohl zu Abend essen. Zeppelinas – das litauische Nationalgericht! Alle Nichtfahrer googeln und schlussendlich landen wir auf dem Campingplatz, bevor wir etwas gefunden haben und ordern litauisches Essen bei Bolt. Es war okay, aber der Wunsch nach Zeppelinas bleibt.

Tag 8 – Berg der Kreuze

Ich gehe mit Line am See entlang zum Supermarkt, um frische Brötchen zu holen. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und koppeln erstmals nach der Reparatur wieder an. Das Auto läuft problemlos und wir sind erleichtert. Viel zu sehen gibt es hier nicht: ein paar Seen, wenig Wald und sehr viel Acker. Wir halten Ausschau nach interessanten Wegweisern am Straßenrand, aber auch da werden wir nicht fündig. Einen Stopp machen wir natürlich doch, wir kommen am Berg der Kreuze vorbei. Der Parkplatz ist gut ausgebaut und dank eines netten Reisebusfahrers, der uns Platz macht, finden wir einen Parkplatz. Mit einigen anderen Touris machen wir uns auf den Weg. Dieser ist mittlerweile beleuchtet und nagelneu ausgebaut.

Die Gefühle vor Ort sind gemischt. Irgendwie ist Ehrfurcht dabei, aber auch Verwirrung, Unglaube und vieles mehr. Hier ein paar Bilder. Was aber bleibt, ist: Man muss sich das ansehen.

Das Ganze dauert allerdings nicht so lange und mehr gibt es dort auch nicht zu sehen. Also springen wir wieder ins Auto und fahren ein Stück weiter zum Campingplatz. Der ist tatsächlich so nah, dass wir kurz überlegen, ob wir bis Riga weiterfahren. Wir entscheiden uns dagegen und sind super happy damit! Der heutige Campingplatz der Sunny Nights Camping ist ein absoluter Glückstreffer! Natürlich suchen wir vorher recht intensiv nach geeigneten Plätzen, aber endgültig sieht man das erst vor Ort.

Der ganze Platz befindet sich auf einer alten Apfelbaumwiese und wird liebevoll gestaltet. Passend zum besser werdenden Wetter, gibt es hinten dran einen tollen kleinen Badesee.

Das lassen wir uns nicht entgehen, also rein ins Wasser und danach mal das tun, was man auf solchen Plätzen eben macht. Wir schaukeln in der selbst gebauten Schaukel für zwei Personen, spielen Badminton, lesen und entspannen einfach. Ich habe noch den Wunsch der Tochter im Kopf: Zepellinas essen, aber vegetarisch. Ich telefoniere ein wenig rum und finde schließlich ein top-bewertetes Restaurant in der Nähe. Am Telefon sagt die nette Bedienung, dass sie zwar keine auf der Karte haben aber nach Rücksprache mit der Küche, machen sie uns welche. Also reservieren wir und freuen uns auf das Essen.

Pünktlich um 18:00 Uhr sind wir beim Forrest, dem Restaurant.

Wir werden superfreundlich begrüßt und erfahren, dass die Quark-Zeppelinas die originale Variante sind.

Im Bild seht ihr natürlich die Variante für mich, mit Schinken. Einfach lecker! Immer wieder kommt die Bedienung vom Telefon an unseren Tisch. Sie freut sich, mal wieder Englisch sprechen zu können, hat nämlich mehrere Jahre in den USA gelebt. Daher erzählt sie uns einiges. Auch ein paar Informationen zum Berg der Kreuze gibt sie uns. Ein Kreuz von ihr steht wohl auch da. Sie hat es aufgestellt, bevor sie wegging. Wir erfahren auch, dass die Kreuze eigentlich aus Protest gegen die Russen aufgestellt worden. Immer wenn diese sie planiert hatten, standen nach der nächsten Nacht noch mehr da. Nach dem Nachtisch nehmen wir uns noch einen unschönen Punkt der deutschen Geschichte vor. Im Wald befindet sich eine Gedenkstätte für jüdische Bewohner, die hier von den Nazis erschossen wurden. Gerade in heutiger Zeit gehört aber genau so etwas für uns dazu, gerade wenn es auf dem Weg liegt.

Tag 9 – Lettland

Wir können endlich draußen frühstücken und das geht kaum besser als unter alten Apfelbäumen. Danach überqueren wir die nächste Grenze und befinden uns ganz unaufgeregt in Lettland. Wie schon geschrieben, ist auch diese Etappe nicht weit. Wir haben uns für einen Platz etwas außerhalb von Riga entschieden. So haben wir zwar die Großstadt vor der Tür, aber die Ruhe der Natur um uns. Die letzten Kilometer sind allerdings nicht leicht. Aus dem Asphalt wird nämlich Schotter. Das sieht auf Reisberichtsfotos zwar cool aus, fühlt sich innen aber nicht so gut an.

Die Strecke ist zum Glück nicht so lang und wir kommen am Platz Bejas Kompleks an. Wieder mal zu früh, wir müssen noch 10 Minuten warten, bis das Tor sich öffnet. Habe ich gestern geschrieben, dass der Platz toll war?! Der heute ist mindestens genauso toll. Schon bei der Reservierung haben wir gesehen, dass wir direkt am Wasser stehen. Nun sehen wir, dass dies sogar ohne Nachbarn sein wird.

Auf dem Bild oben stehen wir mittig im Bild. Zu unserem Stellplatz gehören ein Grill, eine Picknickhütte, eine Mülltonne und ein (nicht riechendes) Plumpsklo und zur Freude der Jugend: 2 Schaukeln. Jackpot!

Wir bleiben aber nicht lange am Platz, sondern starten gleich nach Riga. Dort liegt ja unser Pass und den wollen wir als Erstes holen. Das klappt und wir sind erleichtert!

Die anschließende Parkplatzsuche gestaltet sich einfacher (und günstiger) als für eine Hauptstadt erwartet. Zwei Minuten später sind wir schon am Domplatz und …

essen, was sonst, das lettische Nationalgericht – Erbsen mit Speck. Klingt komisch, ist aber lecker! Naja, wir essen nicht gleich, denn nach ca. 30 Minuten erklärt uns die Bedienung, dass es noch 30 Minuten dauert. Wir schwanken ein wenig zwischen genervt und entspannt, aber am Ende schmeckt es und wir sind milde gestimmt.

Danach nehmen wir die klassische Touristenroute, 3 Brüder (älteste Häuser von Riga)

… das Schwedentor

…Pulverturm

und vieles mehr:

Die Petrikirche kennen wir zwar aus meiner Heimatstadt, aber nur hier gibt es einen Lift bis ganz nach oben. Heute passt auch das Wetter und wir genießen den Blick.

Es gibt übrigens eine kleine Hürde beim Ausblick. Ihr müsst euch in die Hände des in die Jahre gekommenen Lifts begeben…

Von oben haben wir die historischen Zentralmarkthallen gesehen, dahin geht es nun. Die Hallen gefallen uns, nur ein gemütliches Café fehlt. Also schlendern wir nur einmal durch.

Direkt daneben befindet sich das Ghettomuseum und auch wenn es die Stimmung deutlich abkühlt, besuchen wir es. Was da vorgefallen ist, ist einfach grausam. Gut, dass diese Verbrechen an solchen Orten in Erinnerung bleiben.

Danach brauchen wir eine Pause und finden am Livu-Platz ein Café für uns.

Auf dem Rückweg stoppen wir noch kurz am Supermarkt und sitzen danach schon fast bei Dämmerung am See und essen Abendbrot. Natürlich nutzen wir dafür unsere private Picknickhütte mit Blick aufs Wasser.

Am Abend wird es frisch und wir ziehen um und spielen im Wohnwagen Uno. Immer mal wieder unterbrochen von Fotopausen…

Die Hälfte unseres Roadtrips ist nun vorbei. Wie es in Lettland und Estland weitergeht, lest ihr gern im zweiten Teil.

Kopenhagen – die Hauptstadt der glücklichsten Menschen

Wir waren eine Woche zu Hause (kennt ihr den Blog vom Sommer Part 1? Hier ist er), Zeit genug, den Wohnwagen neu zu packen und ein wenig zu arbeiten. Wir starten erst Samstag, dafür aber recht früh. Es geht Richtung Norden, genauer gesagt nach Kopenhagen. Unsere Tochter hat sich das gewünscht und der Sohn ist schon wieder in den Alpen zum Biken. Wenn wir nach Dänemark wollen, führt kaum ein Weg an Hamburg vorbei und das heißt regelmäßig Stau. Heute auch! Wir gehen erst mal ins Soltauer Outlet und hoffen, dass der Verkehr weniger wird. Wird er aber nicht, also stellen wir uns artig hinten an. Das ganze dauert bis 19:30 Uhr, dann haben wir die dänische Grenze erreicht und wir übernachten auf dem ersten Campingplatz hinter der Grenze.

Hier gibt es keine Parzellen, aber genügend Platz, wir lassen also den Wohnwagen angehängt und starten gleich nach dem Frühstück (Dank des Wetters draußen) nach Kopenhagen. Trotz voller Straßen stehen wir kurz nach 12 Uhr an der Schranke vom Campingplatz. Wir haben uns Chralottenlund Fort Camping ausgesucht und spüren nun den Nachteil eines vollautomatischen Campingplatzes. Wir stehen vor dem Tor, dafür haben wir auch einen Code, aber der funktioniert erst ab 12:30 Uhr. Zum Glück stören wir niemanden bei der Ein- oder Ausfahrt und rollen 12:31 Uhr durch die Schranke auf die Insel, die früher mal ein Fort war.

Der Platz gefällt uns ganz gut, direkt hinter dem Erdwall befindet sich das Meer, bis in die Innenstadt sind es mit dem Rad oder der S-Bahn ungefähr 20 Minuten. Trotzdem ist es recht ruhig.

Das Bad und die Abwaschräume befinden sich in einem der Erdwälle und sind ok. Nach einem Kaffee machen wir natürlich auch das, was so nahe liegt, wir packen unsere Badesachen und gehen vor ans Meer. Es ist zwar sonnig und angenehm, aber trotzdem schafft es keiner von uns 3en ganz ins Wasser, erst recht nicht, nachdem eine der beiden Damen Fußkontakt mit einer Krabbe hatte. OK, also Baden beendet und wir nehmen die Räder, um Kopenhagen einen ersten Besuch abzustatten. Für Radfahrer ist Kopenhagen echt ein Paradies! Überall breite Radwege, die Ampeln geben einen Countdown und es gibt Haltegriffe an den Kreuzungen, um nicht absteigen zu müssen – wir lieben es. Wer ins Zentrum fährt, landet zwangsläufig in Nyhaven. Die alten bunten Häuser gefallen allerdings nicht nur uns, sondern allen Touristen. Nach den obligatorischen Bildern…

… ziehen wir recht schnell weiter. Nicht ohne uns über die Dreistigkeit mancher Touristen zu wundern. Für das beste Foto (denken sie), ist es vielen völlig egal, ob es Regeln gibt und ob sie diese überschreiten. Wir fragen uns warum!? (siehe Schild im nächsten Bild)

Kopenhagen ist im Vergleich zu anderen Hauptstädten recht übersichtlich und so kommen wir an diesem Nachmittag noch ganz entspannt an diversen Highlights vorbei. Als Erstes bestaunen wir das königliche Theater.

Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die moderneren Viertel von Kopenhagen. Und das gute Wetter scheint alle ans Wasser zu ziehen! Auf einem breiten Holzsteg geht es um das Theater herum zum Ofelia Plads. Hier ist das Baden verboten, scheinbar gilt das aber nur bei Regen…

Gleich daneben finden wir die Kissingstairs, natürlich legen wir eine kleine Pause ein, sitzend und küssend!

Ausgeruht und geküsst geht es zu ihrer Majestät, also zumindest zum Palast.

Leider wurden wir nicht zum Kaffee eingeladen, also weiter zur Fredenkskirche. Wir erinnern uns an ein Fotoshooting vor dem Dom von Helsinki und versuchen die Bilder zu wiederholen. Ihr dürft gern selbst entscheiden, ob es gelungen ist – Blog Helsinki!

Die Königsfamilie hat uns zwar nicht eingeladen, aber einen Cappuccino gab es trotzdem.

Wir sind jetzt schon verliebt in die Stadt! Auch wenn all diese Sehenswürdigkeiten nur einen Steinwurf auseinander liegen, so langsam ist es Zeit etwas zu Essen und dafür fahren wir natürlich nicht zum Wohnwagen, das geht hier besser! Unser Kind hat Broens Streetfood direkt am Wasser entdeckt und wir folgen ihr dorthin.

Im ersten Moment sieht es auch recht spannend aus, aber unsere Ansprüche sind dann doch zu hoch. Lecker, teils vegetarisch, bezahlbar und überraschend – das gab es nicht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau! Allerdings haben wir später erfahren, dass die bessere Location für Streetfood woanders ist, nämlich im Industriehafen das Reffen Streetfood. Also setzen wir uns auf die Räder und suchen auf dem Heimweg nach etwas essbarem. Fündig werden wir bei einem Italiener ein paar Straßen weiter. In der Cantina gibt es echt ausgefallene Kombinationen wie Ravioli mit Brennessel-Mascapone und Pizza mit Kartoffelscheiben. Nicht typisch dänisch aber lecker. Und weil das Wetter immer noch toll ist, nehmen wir unsere am Wohnwagen selbstgemachten Lillet mit auf den Wall und genießen den Blick auf das Meer.

Tag 2 in Kopenhagen

Line ist scheinbar mitten in der Nacht aufgestanden, auf jeden Fall sitzt sie geduscht und lesend vor dem Wohnwagen als wir aufstehen. Frische Brötchen gibt es direkt am Eingang zum Campingplatz, also frühstücken wir gemütlich und planen den Tag. Die Räder zu nehmen, scheint uns heute riskant, es ist Regen angesagt. Also probieren wir die Öffis aus. Dazu laufen wir zum Bahnhof nach Hellerup. Es gäbe dorthin auch einen Bus, dafür müssten wir aber eine Zone mehr bezahlen und das Tagesticket würde wesentlich teurer. Soweit ist es dann auch nicht. Die Fahrt ist mega entspannt, kein Vergleich zu anderen Hauptstädten wie zum Beispiel Paris (wir waren Ostern dort – Blog). Wir steigen in Norreport aus und schlendern durch Strøget zum Magasin du Nord.

Dabei finden wir die älteste Konditorei Dänemarks, es ist uns allerdings zu voll, wir schauen also nur durch die Fenster. Nicht vorbeikommen wir hingegen an einem Laden voller Quietscheenten. Hineingehen ja, kaufen nein. Im Magazin du Nord, vergleichbar mit dem KaDeWe oder dem Lafayette in Paris gibt es jetzt das, was wir brauchen. Schutz vor dem Regen und megaleckeres Smørrebrød.

Der Regen ist vorbei und wir sind satt – eine perfekte Ausgangssituation um weiterzuziehen. Der Stadtteil Christianshavn steht auf dem Programm.

Die „Vor Frelsers Kirke“ ist mit ihrem außergewöhnlichen Kirchturm schon von weitem zu sehen, also schauen wir uns das mal näher an. Aufgrund der Warteschlange wählen wir zwar die Turmbesteigung ab, aber auch das Innenleben der Kirche ist beeindruckend!

Ich weiß nicht, ob ich jemals eine so riesige Orgel gesehen habe. Direkt gegenüber finden wir zufällig das Illustrado, eine ganz kleine Galerie mit Zeichnungen und Bildern von Kopenhagen, nach langem diskutieren, abwägen und vergleichen, finden wir das perfekte Kunstwerk für unsere Wand zu Hause und sind glücklich.

Wir ziehen einfach weiter und ohne es zu wissen, steuern wir direkt auf die Freistadt Christiana zu. Was das ist, wissen wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht. Wir haben von einer Graffiti-Wall gelesen und einer Kunstausstellung.

Der Eingang ist vielversprechend und so tauchen wir von jetzt auf gleich in eine völlig andere Welt ein. Mitten in Kopenhagen, eigene Gesetze, eigene Steuern, eigenes Geld, aber vor allen Dingen ganz anders, als der Rest. Hier haben sich Künstler und Lebenskünstler zusammengefunden und etwas Surreales erschaffen. An vielen Stellen ist das Fotografieren verboten, aber an genauso vielen bitten Bilder darum. Also haben wir es festgehalten, versucht zumindest.

Falls ihr dorthin wollt, nehmt euch Zeit, taucht ein und genießt diese ganz andere Art von Gastfreundschaft. Es gibt dort Galerien, Cafés, Restaurants und sogar ein Festivalgelände. Alles bunt und laut und spannend!

Am anderen Ende werden wir wieder ausgespuckt und finden uns in dem Kopenhagen wieder, welches wir vor 2 Stunden verlassen hatten. Anders, aber nicht weniger charmant. Wir suchen uns eine ruhige Bäckerei in der Nähe der Oper und können trotz strömendem Regen draußen sitzen und aufs Wasser schauen.

Neben dem Regen spüren wir heute auch unsere Füße, also beschließen wir, die nahegelegene Bushaltestelle zu nutzen und zurück zum Campingplatz zu fahren. Essen machen wir heute ausnahmsweise selbst und spielen danach noch eine Runde.

Tag 3 in Kopenhagen

Der Tag beginnt zwar sonnig, aber kompliziert. Wir haben tatsächlich bereits im Dezember reserviert aber keinen Stellplatz für die ganze Woche bekommen. Das heißt, wir müssen heute umziehen. Auf einem „normalen“ Campingplatz fährt man dazu einfach von einem zum anderen Platz. Hier nicht! Es gibt ja kein Personal, also müssen wir vor 12:00 der Schranke am Ausgang beweisen, dass wir den Platz verlassen haben. Erst dann stoppt die Stromversorgung auf unsere Kosten usw. Und wie am ersten Tag starten wir den neuen Strom erst 12:30Uhr mit dem neuen Code an der Einfahrt. Da die Vormieter ihren Stellplatz auch erst kurz vor 12 verlassen, frühstücken wir ausgiebig und ziehen danach um. Pünktlich 12:30 Uhr setzt der Regen ein und wir fahren mit dem Auto zum Bahnhof. Von dort geht es mit Öffis und mehrmals sehr ergiebigem Nass von oben zur Neuen Carlsberger Glyptothek. Die Schlange ist zum Glück nicht sehr lang. Die Wartezeit reicht gerade so aus, um online Tickets zu kaufen. Im Keller können wir die nassen Jacken, Rucksäcke und Regenschirme ablegen und stürzen uns dann, ganz ungewöhnlich für uns, in das kunsthistorische Getümmel.

Es handelt sich natürlich um ein Kunstmuseum, die Frauen sind total beeindruckt, ich warte noch, dass es mich packt! Aber ich bin ja leicht glücklich zu machen, Kaffee und Scones reichen schon aus!

Aber ja, das Haus ist beeindruckend, die Kunst natürlich auch!

Spätestens als wir, wirklich zufällig, echte Werke von van Gogh, Monet, Degas und Picasso vor unserer Nase haben, weiß ich zumindest, dass es etwas Großes ist, hier zu sein.

Wir erkunden weiter die endlosen Räume, von einer Epoche zur anderen.

Mittlerweile ist es kurz vor 17:00 Uhr, wir schlendern nur noch ein wenig durch die Räume, eigentlich mit dem Plan, zum Ausgang zu gehen.

Als wir vor einem Raum mit unglaublich vielen Steinköpfen stehen, spricht uns eine Mitarbeiterin des Museums an. Sie fragt uns, wo wir herkommen und wechselt nach unserer Antwort sofort ins Deutsche. Erst erfahren wir, was wir schon wissen, nämlich, dass das Museum gleich schließt. Aber dann fragt sie uns, ob wir denn die Mumien schon gesehen haben. Mumien? Haben wir nicht! Weil es zu lange dauern würde, uns den Weg zu erklären, bringt sie uns kurzerhand hin und erlaubt uns noch kurz nach unten zu gehen, obwohl die Treppe schon geschlossen war. An der Stelle nochmal vielen Dank! Wir hätten sie verpasst!

Das ist schon ein seltsames Gefühl, vor Leichen zu stehen, die seit über 2500 Jahren tot sind.

Auf dem Rückweg noch einen Blick auf eine 5000 Jahre alte Holztruhe geworfen…

…und wieder rauf ins Tageslicht. Wir verlassen das Museum und stellen glücklich fest, dass es aufgehört hat zu regnen.

Die beiden letzten Programmpunkte für heute, befinden sich zum Glück in unmittelbarer Nähe. Also laufen wir erst durch den botanischen Garten, der leider durch das graue Wetter und die große Baustelle ein wenig an Charme verliert.

Und weil Kopenhagen nicht mit einem Schloss allein auskommt, nehmen wir auf dem Weg zur Bahn noch das Schloss Rosenburg mit – Check!

Wir fahren bis zum Bahnhof Hellerup mit den Öffentlichen und versorgen uns anschließend mit leckerem indischem Essen aus einem der vielen kleinen Restaurants. Das genießen wir dann am Wohnwagen und lassen den Abend ausklingen.

Tag 4 Kopenhagen

Erinnert Ihr euch, wir sind gestern auf einen anderen Platz umgezogen, nun stehen wir recht nah am Waschhaus. Und in dieses kommt man mit einem Zahlencode. Das ist nichts ungewöhnliches, allerdings nervt esziemlich, wenn jeder einzelne Tastendruck mit einem lauten Piepen quittiert wird. 8x piepsen pro Gast, wir werden also zeitig geweckt. Line gibt als erste auf und setzt sich zum Lesen raus, wir beiden anderen schlafen noch etwas und frühstücken dann alle gemeinsam. Das Wetter ist wieder besser und so setzten wir unsere Sightseeing-Tour fort. Was fehlt uns als anständige Kopenhagentouristen noch? Klar, die kleine Meerjungfrau! Und da geht es als erstes hin!

Sie ist wirklich recht klein, übersehen kann man sie jedoch nicht. Die Traube an Menschen ist nicht zu verfehlen und schon auf dem Fußweg dorthin, sehen wir eine lange Schlange an Reisebussen am Rand halten.

Das ist also das realistischere Bild dieser Attraktion.

Weiter geht’s und nur langsam werden die Menschen weniger.

Danach probieren wir mal ein anderes öffentliches Verkehrsmittel aus, besonders praktisch, weil es in unserem Tagesticket enthalten ist – den Hafenbus. Wobei Bus ein wenig irreführend ist, es handelt sich um Fähren, die rein elektrisch betrieben, Haltestellen im Hafengebiet abfahren. Quasi eine Hafenrundfahrt ohne Text aber in günstig. Wir genießen die Fahrt und bewundern die bekannten Bauwerke mal aus einer anderen Perspektive.

Wir fahren zwar bis zur Endstation, allerdings ist unser Tipp, spätestens 3 Haltestellen vorher auszusteigen (bzw. in ein Boot auf dem Rückweg zu steigen), spannendes kommt danach nicht mehr. Von dort fahren wir mit der U-Bahn nach Nørrebro, einem weiteren Viertel, welches uns spannend erscheint. Als erstes müssen wir aber die 3 Grundbedürfnisse befriedigen: ein WC, Sandwiches und Menschen beobachten.

Während die beiden Damen die Bestellung aufgeben, kümmere ich mich schon mal um den letzten Punkt… Danach geht es aber direkt weiter. Line hat nämlich gelesen, dass es in dieser Gegend das beste Eis von Kopenhagen gibt.

Wir haben die Isoteket gefunden und gekostet. Es war sehr lecker, aber ob es wirklich das Beste hier ist, wir wissen es nicht! Da die Eisdiele direkt gegenüber dem künstlichen See liegt (gibt ja nicht genug natürliches Wasser in Kopenhagen) liegt es natürlich nahe, auch dort unser Eis zu essen.

Danach tauchen wir in den Kiez ein. Jede Menge Grafity, Cafés und Second Hand Läden. Wir stöbern ein wenig herum, kommen aber zu dem Schluss, dass der Geruch dieser Läden, das Einkaufen nicht unbedingt angenehm für uns macht.

Unsere Tochter hat etwas von dem roten und schwarzen Platz gelesen, beide sollen hier irgendwo sein und wahrscheinlich hätten wir beides nicht erkannt, hätte Google uns nicht gesagt, dass wir darauf stehen.

Langsam werden die Beine lahm und wir beschließen uns etwas zum Abendessen zu besorgen. Unser Plan ist es, am Hafen ein Picknick zu machen. Die Kissingstairs bieten sich ja dafür an. Wir hatten vorhin eine Markthalle gefunden, wenn es da nicht das richtige für uns gibt, dann nirgendwo!

Wir decken uns mit süßen und herzhaften Leckereien ein, nehmen an einem Kiosk noch 2 Dosen Cider mit und machen uns auf dem Weg zum Wasser.

Uns empfangen Musik und jede Menge tanzender Menschen, die Stimmung passt perfekt. Wir suchen uns ein Plätzchen mit Musik im Ohr und Blick aufs Wasser und packen unser Picknick aus.

Wir essen, trinken, schwatzen und genießen, bis uns langsam kalt wird. Die Sonne ist schon lange weg. Wir probieren noch ein wenig aus, warum die Stufen so heißen…

… und treten den Rückweg an.

Tag 6 – heute andere Richtung

Nach dem Frühstück setzen wir uns auf die Räder und fahren nach Norden, also nicht ins Zentrum, sondern noch weiter raus aus der Stadt. Wir fahren immer am Strand entlang und können uns nur wundern. Neben dem Radweg gibt es nun auch noch diverse andere.

Würden wir hier weiterfahren, kämen wir irgendwann nach Helsinggör. Machen wir aber nicht. Unser Ziel wurde wieder von unserer Tochter ausgesucht, wir sind gespannt. Die erste Attraktion kommt allerdings überraschend. Wir radeln an einer Tankstelle vorbei, die aussieht als wäre sie direkt aus den 60’ern hierher gekommen. Sehr cool!

Danach geht es ohne weiteren Stopp zum Bakken. Noch nie gehört? Wir auch nicht! Aber es ist der älteste Freizeitpark der Welt! Und das ist wirklich alt – 1583 begann seine Geschichte. Der Eintritt ist frei, es gibt zwar Tagestickets um alle Geschäfte zu fahren, aber man kann auch einzelne Fahrten bezahlen.

Wir schlendern einmal durch den Park, es ist noch recht leer, wird aber recht schnell voller. Der Park ist echt liebevoll eingerichtet, natürlich gibt es nicht die High-End-Fahrgeschäfte aber darum geht es hier, glaube ich, nicht. Eine Fahrt machen wir dann aber trotzdem. Es geht auf die uralte Holzachterbahn aus den 1930’er Jahren.

Für uns geht es danach weiter, etwas weniger Trubel und mehr Natur. Der Freizeitpark liegt nämlich auch in einem echten Park. Dieser Park ist, wie soll es hier anders sein, königlich. Wir radeln mitten hindurch und bevor wir noch das Jagdschloss, unser nächstes Ziel, erreichen, entdecken wir auch, warum es hier steht.

Neben diesem kapitalen Hirsch, gibt es noch viele weitere Wildtiere. Wir vermuten, sie haben heutzutage nichts mehr auszustehen.

Das Jagdschloss ist zwar restauriert, aber scheinbar nicht mehr im ursprünglichen Sinne in Gebrauch.

Wir laufen einmal um das Schloss und überlegen laut, wie das damals wohl hier war. Das hört ein Däne und spricht uns, schon wieder auf Deutsch, an. Er erzählt uns etwas zum Schloss und den Königen die hier gejagt haben. Als wir hören, dass der Tisch damals fertig gedeckt aus dem Keller nach oben gefahren wurde, damit die Adligen das Personal nicht sehen mussten, können wir nur den Kopf schütteln. Darüber hinaus erzählt er uns, dass ein König durch das Geweih eines kapitalen Hirsches starb, als er diesen, zuvor müde gemachten Hirsch, mit seinem Dolch erlegen wollte. Während die Könige speisten, jagten die Diener das Wild so lange durch den Park, bis die Tiere völlig erschöpft aufgaben. Nun war es bereit für den adligen „Jäger“. Aber dieser müde Hirsch war wohl noch zu wach und hat den Herrscher (so die Geschichte) einfach aufgespießt.

Wir radeln (die Geschichten im Kopf) weiter, zwischen Reiher und Golfplatz hindurch, wieder Richtung Ostsee. So langsam kommt der Hunger. Wir finden schnell ein Restaurant. Es sieht gut aus aber irgendwie sagt es uns nicht zu, nicht entspannt genug. Also fahren wir weiter und Jackpot!

Wir finden, was wir so sehr lieben. Ein Café, das Tvende Hus, mitten in einem tollen Garten. Viele Bäume unter denen Tische stehen und eine total gemütlich eingerichtete Gaststube.

Es sieht hier nicht nur wunderbar aus, es schmeckt auch herrlich! Wir sind glücklich! Danach fahren wir zurück zum Wohnwagen und chillen eine Weile in der Sonne. Heute ist unser letzter Abend und uns dreien ist klar, den werden wir nicht auf dem Campingplatz verbringen. Also schließen wir die Räder wieder ab und radeln direkt ins Zentrum. Das letzte Abendessen genießen wir bei einem Italiener direkt in den historischen Gebäuden.

Der Ausblick kann kaum besser sein, das Essen auch. So schön, dass es schneller weg war als ich es fotografieren konnte! Ja es war teuer aber für den letzten Abend angemessen! Wir haben es genossen! Dafür gibt es den Nachtisch direkt auf die Hand, wir gönnen uns noch ein Eis und lassen dabei die Beine über dem Hafenbecken baumeln.

Danach radeln wir zurück und genießen den schönen Sommerabend bei einem Glas Lillet.

Am nächsten Morgen rollen wir gegen 9:30 Uhr vom Platz und haben tatsächlich in dieser Woche keinen einzigen Mitarbeiter des Platzes gesehen.

Fazit:

Kopenhagen ist eine tolle Stadt! Es gibt viel zu entdecken und man kann dem Trubel gut aus dem Weg gehen. Wir kommen bestimmt noch einmal zurück!

Der Süden Norwegens III – Die Fjorde der Westküste

Nachdem wir an der Südküste bis Oslo ( Teil 1 findet ihr hier ) und danach über die Hardangervidda bis zum Hardangerfjord gefahren sind (Teil II gibt es hier) stehen wir nun auf dem Tysdal Camping und haben eine regnerische Nacht hinter uns.

Tag 15 – Stavanger

Weil das Wetter auch heute nicht so gut werden soll, beschließen wir, die Natur heute mal in Ruhe zu lassen und fahren nach Stavanger. Line erzählt uns schon auf der Fahrt von der Streetart, die in Starvanger überall zu sehen ist. Nach ein wenig Parkscheinchaos (das Unternehmen welches die Parkgebühren per App erhebt, scheint es nicht mehr zu geben) verlassen wir den Hafen in Richtung Altstadt und lassen uns treiben.

Wobei auch der Hafen schon mit den ersten Kunstwerken aufwartet. Aber jetzt rein in die Gassen. Wir kennen viele skandinavische Städte aber so bunt wie hier, das war es noch nie.

Und auch an Kunst finden wir einiges…

Und wir lassen uns von einem Schild locken, welches behauptet, dass es hier die leckersten Zimtschnecken gibt. Wir probieren und sind sehr zufrieden. Ob es jetzt die Besten waren, weiß ich nicht aber sie waren sehr gut und riesig! Das Café ist noch dazu echt süß, also genau so, wie wir es mögen. Was kann es bei Regen draußen jetzt auch besseres geben?

Danach machen wir uns auf den Weg. Von vielen bunten Häusern zu vielen weißen Häusern. Ganz anders aber nicht weniger schön anzusehen.

Jetzt haben wir Hunger (trotz der rieseigen Zimtschnecken)! Wir gehen auf die Suche und das gestaltet sich schwierig! Line will leckeren Fisch (Betonung auf lecker), Kind 1 will vegetarisch und das andere „einfach“ Burger. Ich? Hänge irgendwie dazwischen und würde mich anpassen aber es gelingt uns nicht. Nach 2 Runden durch die Innenstadt brechen wir ab, ein paar Restaurants haben wir zwar gefunden aber nichts, was alle glücklich macht. Also machen wir uns auf dem Weg zum Campingplatz und finden auf dem Rückweg eine Bäckerei, welche für alle etwas passendes bereithält. Wir sind wieder satt und zufrieden, was dazu führt, dass auch die Stimmung wieder steigt. Der Abend endet wie der gestrige: Lesen, Spielen und bei einer Regenpause raus und Fotos machen. Der Platz ist immer noch toll!

Tag 16 – Preikestolen

Wir stehen zeitig auf, ok zeitig heißt 7:00 Uhr und los kommen wir nicht vor 9:00 Uhr. Aber dann machen wir uns auf den Weg zum Touristen-Hotspot Preikestolen. Wir haben lange überlegt, ob wir es machen, aber irgendwie können wir doch auch nicht dran vorbei fahren. Also suchen wir uns auf dem schon gut gefüllten Parkplatz ein freies Plätzchen und laufen los, besser gesagt reihen wir uns in den Menschenstrom ein.

Unser Sohn hat irgendwie den Drang alle zu überholen und ich habe Angst, dass die Wolken noch dichter werden. Also schlängeln wir uns von Stein zu Stein springend, an Leuten mit Flipflops, Kleinstkindern und Gehbeeinträchtigungen vorbei und haben dann oben eine Weile Zeit, den Ausblick zu genießen, bis auch die beiden anderen in gutem Wandertempo erscheinen.

Jetzt sind wir also oben und haben ihn vor uns: den Preikestolen. Man kann nicht abstreiten, dass es beeindruckend ist aber es ist eben auch verdammt voll. Versteht mich nicht falsch, wir sind auch hier und alle anderen mit uns auch. Und wahrscheinlich wünschen sich alle, allein hier zu sein, sind wir aber nicht. Also machen wir das Beste daraus – anstellen, mit Touristen aus aller Welt schwatzen und dann die obligatorischen Fotos.

Das erste Bild zeigt mal anschaulich, wie es im Sommer da oben zugeht. Wir suchen uns einen Platz etwas abseits, können so das Treiben beobachten und picknicken. Und am Ende sind dann doch die Vögel spannender als der Fels.

Lange halten wir oben nicht aus, also steigen wir wieder ab. Dieses Mal aber in gemütlichem Tempo. Leider lockt der Berg auch jede Menge Menschen an, die körperlich weit weg von fit für einen Berg sind. Scheinbar zählt das aber bei besonderen Bergen wie dem Preikestolen nicht. Also heißt es auch bergab, an jeder Menge lahmenden Besuchern vorbeischlängeln. Auf halbem Weg werden die Massen, die uns entgegenkommen noch stärker, auch ist der Kleidungsstil noch „Stadtausflugshafter“, die Erklärung liefern uns diverse Umhängebändchen und Reisebusse auf dem Parkplatz. Auf allem steht der bunte Schriftzug einer Kreuzfahrt-Marke – quasi der Endgegner aller Individualtouristen (sorry)

Noch ein Tipp: vergesst beim Weg nach oben (und unten) nicht die Landschaft anzusehen, auch die ist aufregend und schön. Unten angekommen haben wir genug Menschen für 10 Wanderungen gesehen, besorgen uns Zimtschnecken und ziehen uns zurück in unseren Wohnwagen. OK ein Foto noch, der Preikestolen von unten, aber dann…

Tag 17 – Skadberg

Wir werden früh wach, draußen regnet und stürmt es. Bevor ich aber aufstehe, ist Line schon 3 Mal duschen gewesen – 1x unter der Dusche und 2x auf dem Hin- und Rückweg. Für uns geht es heute weiter der Landschaftsroute folgend. Auch an diesem Tag wieder bei Regen beeindruckend, wenn auch nicht sonderlich fotogen. Unser Ziel ist heute Skadberg-Camping, damit kehren wir auch zurück an die Küste, dieses Mal die Westküste. Wir bekommen einen Stellplatz mit direktem Blick aufs Meer und überhaupt liegt auch dieser Platz herrlich, direkt an einer kräftig türkisblauen Bucht und die Lage entschädigt für die verdächtig wenigen Duschen (dachten wir).

Weil der Regen bald aufhören soll, entschließen wir uns als erstes für ein gemütliches Mittagessen im Wohnwagen und stellen fest, dass der Blick von innen fast noch schöner ist.

Mit diesem Blick warten wir, bis die Wolken etwas auflockern und machen uns dann auf. Wir gehen auf einen von Lines legendären Spaziergängen – es wird also etwas weiter aber es bleibt schön. Unser Ziel ist der Leuchtturm ganz in der Nähe des Campingplatzes. Wir treiben uns mit der Aussicht auf eine Zimtschnecke in dem viel beschriebenen Café direkt am Turm an.

Der Weg dorthin ist wirklich schön und nicht wirklich anspruchsvoll. Trotzdem ist bei unserem Sohn heute irgendwie die Luft raus. Die Stimmung droht zu kippen aber wir haben ja den Trumpf „Café“ gezogen. Daher schaffen wir es und erreichen den Leuchtturm. Der ist zwar nicht spektakulär aber ok.

Hungrig suchen wir den Weg zum einzigen Haus in der Nähe und sehen schon von weitem Leute davor sitzen. Als wir jedoch näher kommen, sehen wir auch deren Thermoskanne. Das Café sollte zwar, hat aber nicht geöffnet. Zack Stimmung im Eimer und wir auf dem Rückweg. Im Wohnwagen gibt es dann genug Zucker und Kaffee für alle und so langsam entspannt sich auch die Lage wieder. Spätestens nachdem ich zum Kaffee trinken 2x Stühle raus und wieder eingestellt habe, grinsen die Kinder auch wieder. Das Wetter wollte mich einfach ärgern. Line und ich machen noch einen Spaziergang am Strand entlang, die Jugend chillt.

Als sich etwas später der Wind legt, mache ich den folgenschweren Fehler und lasse die Drohne steigen. Im Kopf habe ich ein Foto von heranrollenden Wellen mit weißen Schaumkronen im türkisen Wasser.

1.Versuch – So sollte das in etwa aussehen aber es ist noch nicht die perfekte Stelle. Deswegen suche ich mir noch eine andere Position und mache auf dem Weg dorthin ein paar Bilder vom Platz.

Und dann passiert es! Aus dem Nichts taucht ein Austernfischer auf (das sind die schwarz-weißen Vögel mit dem langen orangen Schnabel, die immer über den Strand laufen), schimpft fürchterlich und attackiert die Drohne so heftig, dass sie zu Boden geht. Glücklicherweise auf einer Wiese, dachte ich. Allerdings nutzt der Vogel die Chance und hackt auch am Boden weiter, auf die nun regungslose Drohne ein. Selbst als ich sie holen will, droht er mir mit Prügel. Also schnappe ich sie mir nur schnell und verdrücke mich. Irgendwie habe ich wohl sein Brut-Revier betreten und er/sie ist sauer. Ich jetzt auch, denn offensichtlich hat die Drohne nur noch Schrottwert. (Nachtrag: Dank des tollen Services von DJI hatte ich eine Woche nach dem Urlaub bereits eine Austauschdrohne für unter 100,- zu Hause liegen)

Tag 18 – Viking Camping

Line treibt die Aussicht auf eine freie Dusche schon früh aus dem Bett und kommt mit der Erkenntnis zurück, dass es doch mehr als vermutet sind (weil hinter der ersten Tür mehrere Kabinen stecken, die auch noch sehr sauber sind). Wir frühstücken im Wohnwagen und machen uns auf den Weg. Die heutige Tour ist nur 33 km. Wir müssen zwar noch ein wenig unsere Vorräte auffüllen aber so lange kann das alles nicht dauern. Denken wir! Line hat uns Vagan Viking Camping als neues Ziel ausgesucht. Schon auf unsere Mail zur Frage ob wir Platz bekommen, wurde super freundlich reagiert, wir sind also gespannt. Aber wie es so ist, „vor dem Vergnügen kommt die Arbeit“. Arbeit bedeutet für Line purer Stress – ungefähr 10 km vor unserem Ziel führt uns die Navi von der Hauptstraße nach rechts, auf eine kleine Nebenstraße. Laut Karte bleiben wir auch auf dieser bis zum Platz und wenn ich „klein“ schreibe, meine ich das auch. Sie ist einspurig und die eine Spur auch nicht wirklich breiter als unser Wohnwagen.

Gegenverkehr ist undenkbar aber wer jetzt denkt, dass es sich um eine Einbahnstraße handelt, der irrt. Und natürlich ist dort wenig Verkehr aber ganz ohne Gegenverkehr schaffen wir die 10 km natürlich nicht. Zum Glück wirkt der Amarok von vorn schon im Stand und so verstehen die meisten entgegenkommenden von sich aus: rückwärts bis zur nächsten Ausweichstelle zu fahren. Als dann aber auch noch ein paar Serpentinen auf dieser Straße kommen, ist es mit Lines Gelassenheit endgültig vorbei. Mit einem Zug kommen wir nicht rum, es gibt auch weiterhin nur eine Spur. Am Straßenrand liegen ein paar Steine – als einzige Absicherung vor Hang. Also vorsichtig, immer vor und zurück, vor und zurück, bis es passt. Dann den wartenden fröhlich zuwinken und weiter geht’s…

Kurz danach taucht endlich die Einfahrt zum Campingplatz auf und wir sind irgendwie total beeindruckt. Wir waren schon auf so vielen Plätzen aber so etwas hatten wir noch nie. Der Platz liegt quasi in einer Felsspalte die nach vorn zum Meer offen ist. Der Empfang ist genauso freundlich, wie auch die Mail schon war. Wir fühlen uns willkommen, so mögen wir das!

Weil wir wieder recht zeitig dort sind, bekommen wir den Platz ganz vorn, merken aber schnell, dass so eine Schlucht auch Nachteile hat. Es weht eigentlich immer! ein ordentlicher Wind. Aber ist egal! Wir laden Wohnwagen und Kinder ab und machen uns zu zweit nochmal auf den Weg. Line hat ein paar spannende Spots gefunden, die wir jetzt suchen.

Als erstes soll es zum Nesvåghålo gehen. Wir fahren zum Wanderparkplatz, haben den aber zu unserer Überraschung, ganz für uns allein. Von hier aus geht es zu Fuß über Wiesen, Wälder Weidezäune und durch große Pfützen. Auch hier hat es scheinbar viel geregnet. Zum Glück gibt es hier viele Steine, manche sehen aus wie Trolle, wir hoffen sie sind uns nicht böse, weil wir ihnen auf die Köpfe steigen.

Als wir die Küste erreichen, folgen wir den blauen Farbpunkten, mehr kletternd den vom Wasser glatt gewaschenen Felsen, bis wir endlich diese kleine Höhle erreichen. Ganz vorn am Ufer hat die Natur mal wieder etwas Irres geschaffen. Und wir sind ganz überrascht, hier sind wir ganz allein.

Ich kann gar nicht genug Fotos machen aber irgendwann wollen wir ja auch weiter, also geht es den gleichen Weg zurück. Weiter geht es zum nächsten, noch kleineren Wanderparkplatz. Optimistisch starten wir auf einem gut ausgebauten Kiesweg. Ziel ist ein Felsen, von dem man einen wunderbaren Blick hat. Aber der Weg verändert sich schnell und wir fühlen uns wie kleine Abenteurer, die einen neuen Weg in einem unbekannten Moor suchen. Von Weg kann man nicht mehr reden, alles ist zugewachsen und nass. Und mit nass, meinen wir nass. Oft helfen uns Steine oder Wurzeln aber oft auch einfach nur unsere zum Glück wasserdichten Schuhe. Mehrere Male überlegen wir umzukehren, bleiben aber hart.

Und so ziehen sich die wenigen Kilometer bis wir endlich den trockenen Fels erreichen. Jetzt müssen wir nur noch hinauf steigen und können den Ausblick genießen. Atemberaubend!

Wir genießen die Sonne und die Stille, denn auch hier, auf dem Hådyr sind wir allein.

Danach geht es zurück, erst wieder durch den Schlamm und dann auch zum Camp.

Mit knurrendem Magen kommen wir an und freuen uns auf frisches Brot, Joghurt mit Früchten, Cookies und vieles mehr. Natürlich draußen mit einem herrlichen Blick aufs Meer. Danach können wir es uns nicht nehmen lassen und steigen noch auf zum Vikingergrab. Das liegt ein paar Minuten oberhalb des Campingplatzes und der Weg beginnt quasi direkt an unserem Wohnwagen.

Den Abend lassen wir entspannt ausklingen, mit grillen und Sonnenuntergang genießen.

Tag 19 – Helleren

Line schleicht sich schon früh aus dem Wohnwagen und erkundet nach dem Duschen den Bade- sowie den Angelplatz, erst 90 Minuten später kraucht auch der Rest der Familie aus den Betten. Das Wetter ist schön aber unser Stellplatz ist noch im Schatten, also tragen wir unseren Tisch eben dahin, wo die Sonne scheint. Hier ist der Blick aufs Meer auch gleich nochmal besser.

Nach einem ausgiebigen Frühstück verwerfen wir den Plan zu baden – das Wetter ist zwar schön aber deutlich zu frisch. Wir machen uns auf den Weg nach Helleren. Dort stehen die wahrscheinlich meist fotografierten 2 Häuschen Norwegens.

Die Fahrt dahin ist kurz aber toll und als wir sie finden, sind wir irgendwie ein wenig enttäuscht. Ich ging irgendwie von einsamer Natur aus, dabei ist direkt daneben eine riesige Schotterfläche – die Überbleibsel der alten Titanfabrik hier im Ort. Daneben gibt es noch einen riesigen Parkplatz und ein neugebautes Museum. Dementsprechend voll ist es hier auch wieder. Beeindruckend sind die Felsen über den Häuschen aber dann doch und man schafft es, immer mal wieder ein Foto fast ohne Menschen zu machen (den Rest macht Photoshop).

75% unserer Reisegruppe haben davon aber noch nicht genug und so lassen wir den Sohn zurück und schauen nach einer ganz kleinen Wanderung für den Rest. Beim Einfahren ins Tal haben wir eine alte Bahnschiene gesehen, die verdammt Steil den Berg hinauf geht und irgendwie war uns, als gibt es da im Netz Fotos von Menschen die dort rauf laufen. Wir finden die Schiene und tatsächlich, die alten Gleise sind nun ein Wanderweg – sehr kurz und sehr steil, auch wenn das auf den Fotos nicht so rüber kommt.

Wir kämpfen uns bis ans Ende und entdecken lediglich eine alte aber gut eingezäunte Industrieanlage, schon wieder das Titanwerk. Als wir gerade überlegen wieder zurück zu gehen, empfiehlt uns eine Dame, unbedingt noch den Berg hinaufzuklettern. Wir zögern erstmal, schließlich sitzt sie ja auch hier und ist nicht oben, entschließen uns dann aber doch, was haben wir schon zu verlieren außer Bauchfett.

Wenige Minuten später schon sind wir ihr dankbar, die letzten Meter haben sich definitif gelohnt. Wir stehen nur wenige Meter höher aber der Blick von hier ist toll.

Wir lassen unseren Blick ausführlich über die Felsen und das Meer schweifen und können dann nicht absteigen, ohne uns noch ein wenig auszutoben – fotografisch!

Danach steigen wir wieder hinab, immer den Schienen nach.

Unten sammeln wir den missgelaunten Sohn ein und fahren ins Kaffidyret, ein hübsches, kleines Kaffee in Sokndal. Dort gibt es stimmungssteigerndes Essen und Getränke, also Waffeln, Kuchen und Kaffee.

Wenn wir einmal gute Laune haben, wollen wir gleich noch einen kleinen Spaziergang anschließen und tatsächlich hält die Stimmung sogar während des Rückwegs an. Wir parken wieder mal auf einem Wanderparkplatz, sind ein wenig verunsichert, denn dieser ist recht voll. Trotzdem begegnen wir dann zu Fuß kaum anderen Menschen. Der Weg ist herrlich, führt immer an einem wilden Fluss entlang und ist zur Freude der Kids auch nicht so sehr lang.

Unser Ziel? Ein Wackelstein! Ja genau, wir suchen einen großen Felsbrocken, der wohl durch schieben und drücken hin und her wackeln soll.

Wir haben ihn gefunden aber tatsächlich wackelt er weniger, als erwartet. Ich stelle die Kamera auf und dann schieben wir zu dritt. Und tatsächlich auf dem Video sieht man es dann deutlich – er bewegt sich. Wir genießen noch ein wenig das Wetter und das Wasser im Fluss und dann geht es wieder zum Auto. Auf dem Weg zum Wohnwagen, legen wir noch einen kurzen Fotostopp ein…

…einfach zu sehr Bilderbuch! Aber nun ab zum Wohnwagen und den Abend genießen. Sonne – Tappas und ein Bike-Fotoshooting.

Tag 20 – Flekkefjord

Nach einer nassen und stürmischen Nacht wache ich allein auf, Line ist auf die „Couch“ umgezogen, weil es ihr oben zu laut und wackelig war. Pünktlich beim Losfahren hört der Regen aber auf und wir werden beim Zusammenpacken kaum noch nass. Unser erster Stopp ist schon wieder der Jøssingfjord (da wo die Häuser unterm Fels stehen) heute, bei dem Mistwetter, wollen wir aber in das neue Museum. Ja, wir sind keine Museumsgänger aber das hier macht echt Spaß. Viel zum Ausprobieren, Spielen und Spaß haben. Natürlich rund um das Thema Titan. Die Kinder gehen danach noch in die hauseigene Kletterhalle und wir schon mal einen Kaffee trinken.

Danach das mittlerweile gewohnte Bild, wir fahren im Regen durch die spektakuläre Gegend bis zu Egnes Camping ganz im Süden. Wir haben zwar zuvor einen Platz gebucht, den bekommen wir auch, der gebuchte, gefällt uns aber nicht. Der immer noch starke Regen hilft da auch nicht. Wir beschließen unser Glück an der Rezeption zu versuchen, nachdem wir eine Runde über den Platz gemacht haben. Allerdings sind alle Plätze die wir nennen vergeben. Ganz zum Schluss, meint die Mitarbeiterin, wenn es uns nicht stört könnten wir den Platz ganz unten am Ufer haben. Wir glauben uns zu verhören, wenn es uns nicht stört??? Natürlich nicht! Also wieder anhängen und einmal ans andere Ende des Platzes fahren.

Mit diesem Blick lässt sich doch das Wetter gleich besser ertragen. Also Kaffee kochen, etwas essen und dann machen wir uns nochmal auf in das kleine Örtchen Flekkefjord, um dort ein wenig durch die Straßen zu bummeln.

Tag 21 – Südkap

Das Wetter ist besser, Line sitzt schon draußen und liest, als ich dazu stoße. Wir können draußen frühstücken, danach machen wir uns auf ans Südkap. Es ist mächtig voll, wir ergattern gerade so noch einen Parkplatz, zahlen Eintritt und klettern wie viele andere zum Leuchtturm hinauf.

Wie immer ist es nur solange voll, wie man sich auf direktem Weg zwischen Parkplatz und Attraktion befindet. Kaum sind wir 10 Meter weiter gelaufen, wird es entspannter.

Wir klettern noch ein wenig über die Felsen und durch die unterirdischen Gänge…

…als das Wetter wieder schlechter wird, machen wir uns auf den Rückweg und halten in Mondal. Hier gefällt es uns wieder sehr gut und so lassen wir uns ein wenig treiben.

Der Hunger treibt uns zu Tidemann, dort gibt’s Nachos, Bürger und ein Schrimpssandwich – echt lecker! Ganz zufällig sind wir natürlich nicht hier, es soll hier das beste Eis geben. Wir finden den Laden: Is-Buksen. Es ist lecker und auf jeden Fall das größte Eis was wir bislang gegessen haben. Wenig später stehen wir vor dem Wohnwagen und pumpen zum ersten Mal in diesem Urlaub die SUP’s auf. Es ist zwar immer noch frisch aber zumindest trocken, also nutzen wir den tollen See direkt vor uns, für eine kleine Tour.

Lange halten wir nicht durch, aber zumindest können wir uns jetzt einreden, dass wir die SUP’s nicht umsonst eingepackt haben. Also sitzen wir kurz danach wieder trocken vor dem Wohnwagen und planen den nächsten Tag. Conny und Sirko vom Nordlandblog haben gerade auf ihrer Seite von Skulea geschwärmt, da es ganz in der Nähe ist, beschließen wir, dass das genau das richtige für den letzten Tag ist. Ich checke nochmal meine Mails, eigentlich um zu schauen, ob wir morgen Abend zusammenpacken müssen oder am nächsten Morgen. Da ist leider unser Urlaub schon vorbei. Aber es kommt noch viel schlimmer! Mit großen Augen schauen wir beide auf die Mail der Fährgesellschaft. Morgen! Unsere Fähre geht Morgen! Irgendwie haben wir uns um einen Tag vermacht. Also schnell zur Rezeption, Geld für die letzte Nacht gibt es natürlich nicht wieder aber das hilft nichts. Als der Schock verflogen ist, genießen wir unseren letzten Abend in Norwegen mit einem tollen Blick übers Wasser.

Tag 22 – Heimweg

Irgendwie tut es gut, wir hatten nur ein paar Stunden, um uns darüber zu ärgern, dass dies unser letzter Tag ist. Nun fahren wir (seit langem mal wieder) bei bestem Wetter nach Kristiansund zum Fährhafen. Bevor wir einchecken drehen wir noch mit Wohnwagen ein paar Runden durch die Altstadt. Wir sind auf der Suche nach einem Bäcker. Google hilft und so können wir, beim Warten auf die Fähre, noch ein paar leckere Zimtschnecken verdrücken.

Und dann kommt sie, unsere Fähre und somit das unumstößliche Ende dieser Reise.

Der Rest der Fahrt besteht aus Essen+Fahren+Regen. In Dänemark übernachten wir nochmal auf einem Rastplatz (das geht besser als erwartet) und fahren danach mit frischem Kaffee und dänischen Zimtschnecken bis nach Hause durch.

Fazit:

Der Süden Norwegens ist wilder als erwartet. Es müssen nicht immer die Lofoten und das Nordkap sein, auch hier gibt es jede Menge wilde Natur zu entdecken und wenn man abseits der Hotspots bleibt, ist es auch nicht ganz so voll.

Weiter Blogs über Skandinavien findest du auf unserer Skandinavien-Seite.

Der Süden Norwegens II – Von Oslo über die Hardangervidda

Nach unserer Reise an der Südküste entlang bis Oslo (den ersten Teil findet ihr hier ) beginnen wir nun unsere Route durch das norwegische Hinterland.

Tag 10 – von Oslo gen Westen

Nach der nächsten unruhigen Nacht (der Lärm aus Teil I, ihr erinnert euch) verlassen wir Oslo, natürlich frühstücken wir erst aber dann geht es los. Wir haben uns gegen die ganz große Straße entschieden und so fahren wir durch das wunderbare Nomedal. Unser Ziel ist heute Geilo. Die Fahrt dahin ist genauso, wie wir uns Skandinavien wünschen – rau, einsam und beeindruckend!

Immer mal wieder halten wir an, laufen ein Stück und genießen die Gegend. Das Wetter weiß heute nicht so genau was es will, uns erreichen die ersten Regenschauer in diesem Urlaub.

Kurz vor Geilo stehen erst jede Menge Warnschilder und danach geht es verdammt steil den Berg hinauf, ganz oben angekommen finden wir ein tolles kleines Hotelrestaurant mit regionalem Geschäft daran. Also Mittagessen. Nach traditioneller Pizza (sehr lecker) und Burger (ebenfalls) genehmigen wir uns noch eine Waffel und natürlich auch Kaffee bzw. Tee für Line. Die letzten Kilometer sind dann, dank der weiterhin berauschenden Umgebung, schnell gefahren und wir rollen in das Örtchen Geilo. Irgendwie komisch, sieht sehr touristisch aus aber gleichzeitig auch leer. Die Lösung ist, es handelt sich um ein bekanntes Wintersportgebiet aber eben im Winter. Der Campingplatz ist ebenso klein wie voll. Die nette Dame an der Rezeption schickt uns trotzdem optimistisch auf einen Bereich, der ihrer Meinung nach groß genug ist. Und da hat sie direkt vor uns auch schon ein anderes Gespann hingeschickt. Nun stehen wir beide da und überlegen ob wir das Stück Asphalt wirklich zu unserem Mini-Platz erklären sollen. Wir suchen nochmal das Gespräch mit der Betreiberin und sie stellt uns kurzer Hand ein wunderbares Stück Rasen zur Verfügung, also breiten wir uns aus und kochen Kaffee (jaja, hatte ich gerade, ist aber egal).

Auch wenn der Platz schon gut gefüllt war, es kommen immer noch Camper dazu. Wenn ihr hier also her wollt, kommt nicht zu spät! Wir hatten ehrlicher Weise ein ganz ruhiges Eckchen erwartet, das finden wir hier nicht (da kann der Platz natürlich nichts dafür) aber wir beschließen, uns davon nicht ärgern zu lassen. Line und ich starten einen kleinen Spaziergang zum Fluss und unser Jüngster macht sich auf den Weg zum Bikepark im Ort – er ist happy!

Tag 11 – Schneewanderung

Line ist wieder fit, zu merken an der Kaffeetasse auf ihrem Platz, das ist sehr gut. Sie sitzt schon eine Weile draußen bevor ich dazu komme, die Kinder müssen wir natürlich erst mit etwas Nachdruck wecken. Wir dehnen das Frühstück aus, denn gegen 11 Uhr soll das Wetter besser werden. Das passiert auch und wie nicht anders zu erwarten, gehen wir heute getrennte Wege. Der Biker fährt wieder zum Bikepark und wir wollen den Prestholt Rundwanderweg gehen, dieser führt auf den Kamm von Hallingskarvet, wir genießen den fantastischen Blick auf die Hardangervidda-Hochebene und das Hallingdalen-Tal. Wir fahren mit dem Auto bis hinauf zur Berghütte Prestholtseter, vorbei an unzähligen Ferienhäusern. Hier muss im Winter die Hölle los sein. Jetzt im Sommer ist es entspannt und ich nutze den Weg, um den neuen Amarok in Szene zu setzen.

Die Pestholt-Runde die wir uns ausgesucht haben, startet mit Regen, Wind und exakt 2239 Sherpa-Stufen. Ich vermute, Line hat nicht mitgezählt sondern diese Zahl aus ihren Quellen gezaubert!

Natürlich gehen wir auch hier nicht ganz allein aber Dank der Stufen lassen wir die meisten „Spaziergänger“ schon nach kurzer Zeit zurück. Vermutlich haben sie von den leckeren Waffeln in der Hütte gehört und kehren um.

Auch wenn das verlockend ist, wir klettern zu dritt weiter hinauf und legen in regelmäßigen Abständen Kleidungsstücke ab. Es hat hier oben zwar einstellige Temperaturen aber der Berg wärmt uns recht gut.

Oben angekommen haben wir nicht nur einen tollen Blick, sondern können sogar die Sonne sehen. Selbst der Wind legt sich und so tun wir, was wir nun mal immer tun auf dem Berg – wir picknicken! Trotz Sonne (ok, sie war jetzt nicht durchweg da) ist hier oben von Sommer wenig zu sehen, immer wieder durchqueren wir Schneefelder, die sich auch Anfang Juli noch wehren zu verschwinden. Trotzdem oder gerade deshalb, ist es hier oben toll!

Eines dieser Schneefelder liegt an so einem steilen Hang, dass jeder von uns seine eigene Methode entwickelt. Line nutzt ihren Po, der dank einer norwegischen Outdoor-Bekleidungsmarke trocken bleibt, um runter zu rutschen (böse Stimmen, behaupten, nicht ganz freiwillig). Ich nutze den Snowboardstyle und unsere Tochter macht eine gute Figur als sie wie auf Ski herunter rutscht. Wir haben auf jeden Fall alle unseren Spaß und (dank flacher Schuhe) nun nasse Socken. Aber das war es Wert.

Wie der Name schon sagt, laufen wir eine Runde um den Berg und kehren somit langsam wieder zum Auto und der Berghütte zurück.

Wir entscheiden uns aber tatsächlich gegen Waffeln und machen uns auf den Rückweg. Holen im Tal ein paar Zimtschnecken zum Mitnehmen und statten unserem Sohn einen Besuch ab.

Wir trinken zusammen Kaffee, danach ziehen Line und ich nochmal los. Wir suchen ein ruhiges Plätzchen zum Genießen, unser Sohn ist schon wieder Fahrrad fahren und die Tochter passt auf den Wohnwagen auf. Wir finden einen Fluss mit ganz vielen Steinen und turnen ein wenig übers Wasser und machen uns dann auf dem Weg zum Abendessen.

Am Abend packen wir noch zusammen, denn morgen geht es weiter.

Tag 12 – Hardangervidda

Wir schaffen es gegen 9 vom Platz zu fahren und ab Geilo geht es eigentlich stetig bergauf. Die Hardangervidda (oder der?) empfängt uns echt wild. Nebel, Regen und Kälte und eine unglaubliche Natur!

Trotz Regens steigen wir öfter aus und genießen den Blick – zumindest wenn nicht gerade eine dicke Nebelwolke daher kommt. Nach einer Weile biegen wir auf eine kleine Nebenstraße ab, Line führt uns auf einen Parkplatz (für unseren Geschmack zu viele Busse). Von diesem aus geht es zum Vøringsfossen, also dem berühmten Wasserfall. Es ist jedoch so neblig, das ich anfangs gar nicht begreife wo wir sind.

Als ich es begreife, wird mir klar, ein Foto von allen herabstürzenden Wassermassen zusammen werde ich heute nicht machen. Für alle, die nicht wissen, wovon ich spreche, es gibt am oberen Ausblick einen Punkt, an dem man so in das Tal hineinfotografieren kann, dass man zwar auch das Hochplateau sieht aber eben auch das Tal mit all seinen spektakulären Wasserfällen. Aber das hilft nichts, ich nehme was ich bekomme und ein wenig besser wird die Sicht sogar.

Als wäre die Natur nicht genug, haben die Norweger noch eine spektakuläre Brücke über das Tal gezogen…

Der Regen wird wieder stärker und treibt uns zum Auto. Unser heutiges Ziel ist nicht mehr weit, wir steuern Lofthus an. Dabei lassen wir nicht nur die Berge hinter uns, sondern zum Glück auch den Regen. Trotzdem kommen wir die letzten Kilometer nur sehr langsam voran. Das liegt nicht am Wetter oder der Aussicht, nein, die Straße zum Campingplatz führt mitten durch die großen Obstplantagen der Region und ist so schmal, dass Gegenverkehr fast unmöglich ist und sogar mit Wohnwagen allein wird es manchmal schon eng.

Aber der Weg lohnt sich! Wir kommen auf dem Campingplatz Lofthus an, der eigentlich eine große Obstwiese ist. Scheinbar haben wir den Zeitpunkt perfekt geplant, alles ist voller reifer Kirschen. Wir sind wieder relativ zeitig dran und dürfen uns einen Platz aussuchen. Da wir ja neu erworbene Auffahrkeile besitzen, entscheiden wir uns für den besten Ausblick aber den schiefsten Platz. OK, es rollt zwar beim Kaffeetrinken alles vom Campingtisch aber die Aussicht ist es Wert oder?

Wir überlegen, was wir am Nachmittag noch machen können und Line ist wieder mal gut vorbereitet. Sie schlägt einen kleinen Spaziergang zu den Monketrapene vor, also den Mönchstreppen. Bei dem Wort „Spaziergang“ hätten wir stutzig werden sollen (ihr erinnert euch an unseren Spaziergang in Oslo zur Schanze aus Teil I). Aber gutgläubig wie wir sind, laufen wir los. Es geht durch die Obstplantagen stetig nach oben, anfangs immer mit tollem Blick auf den Sørfjorden.

Irgendwann dämmert uns, dass das alles andere als ein Spaziergang ist aber wenigstens hält sich das Wetter und so kämpfen wir uns schrittweise den steiler werdenden Berg hinauf.

Unterschiedlich laut schimpfend steigen wir an diesem Tag noch 950 Höhenmeter hinauf. Immer erwartend, dass diese komischen Mönchstreppen gleich beginnen. Wahrscheinlich laufen wir längst auf ihnen und denken nur, dass diese Steine hier zufällig liegen. Oben angekommen, sind wir uns aber alle einig, die 10km haben sich gelohnt. Der Ausblick ist traumhaft.

Allerdings machen uns die dicken Wolken etwas unruhig und so steigen wir relativ zügig wieder hinab. Auf dem Campingplatz genießen wir dann einfach dieses Schauspiel aus Fjord, Bergen und dunklen Wolken.

Aber es bleibt vorerst trocken und zu mehr als Abendessen unter den Kirschbäumen sind wir heute nicht mehr fähig.

Tag 13 – Hardangerfjord

Heute lassen wir es entspannt angehen, frühstücken gemütlich draußen und lassen uns viel Zeit. Gegen 10 steigen wir ins Auto und fahren am Fjord entlang Richtung Odda. Unsere Kinder bekommen dort endlich den ersehnten Volleyball, danach geht es aber gleich weiter. So toll finden wir den Ort jetzt nicht. Den Imbiss aus der berühmten Netflixserie Ragnarök kennen wir damals noch nicht, also raus aus Odda, durch den Tunnel und schon sind wir am nächsten Fjord, dem Hardangerfjord.

Der Tunnel, durch den wir dem schönen Wetter entgegengefahren sind, führte direkt unter dem Gletscher hindurch und genau diesen nehmen wir jetzt als Ziel. Wir fahren nach Sundal und erleben einen persönlichen Glücksmoment. Auf dem Weg zum Gletscherparkplatz locken uns Schilder auf einen Hof. Ein herrliches Café erwartet uns und Waffeln gibt es auch. Es hat den süßen Namen Olaløo und ist hiermit ganz offiziell unser Tipp!

Lecker ist es, wir fahren weiter zum Parkplatz. Allerdings müssen wir den Kindern versprechen, heute nicht zu wandern. Also entscheiden wir, dem Gletscher zwar etwas entgegen zu laufen aber bis ganz ran, das wird heute nichts.

Das Tal ist herrlich und wir genießen etwas Zeit am Gletscherbach.

Eigentlich ist es so schön hier, dass es gar nicht stört, nicht zum Gletscher zu gehen. Trotzdem denke ich mir, was wenn er so nah ist, dass wir uns ärgern. Also hole ich die Drohne raus und mache mich zumindest digital auf den Weg dorthin.

Der Gletscher hat sich aber mittlerweile so weit zurückgezogen, dass der See zu dem der Wanderweg führt gar nicht mehr unbedingt als Gletschersee zu erkennen ist. Wir beschließen, dass wir nichts verpassen und fahren mit dem Auto weiter am Fjord entlang. Wo es uns gefällt, steigen wir aus und genießen, ‚wir‘ meint hier natürlich Line und mich. Die beiden anderen genießen, indem sie im Auto sitzen bleiben. Ist aber auch in Ordnung.

Auf diesem Weg können wir auch wieder mal eines der Designer-WC begutachten…

Am Ende (oder ist es der Anfang) vom Fjord angekommen warten wir auf die Fähre nach Lofthus zurück. Wir hoffen auf ein leckeres Eis, um die Wartezeit zu überbrücken. Wir bekommen zwar eins, allerdings abgepackt und in einem personallosen Kiosk. Selbst bedienen, selbst scannen, selbst bezahlen. Alles unter den Augen diverser Kameras – 1984 von Orwell lässt grüßen. Dafür ist das kleine Hafenstädtchen umso schöner anzusehen.

Tag 14 – Landschaftsroute E13

Nach dem Frühstück packen wir zusammen, wir wollen gegen 9 Uhr weiterfahren, Richtung Südwesten. Vorher testen Vater und Jugend aber erstmal wie stark unser Mover ist. Irgendein sicherheitsbewusster Mitreisender hat bei Ankunft einen Keil hinter das Rad gelegt, der natürlich von vorn unmöglich zu sehen ist. Also muss unser Mover damit fertig werden – ich kann euch sagen 1:0 für den Mover. Das Ganze geht ohne Schäden ab, Lines Kopfschütteln auch. Los geht’s. Wir fahren die E13 entlang, eine ausgewiesene Landschaftsroute.

Das wissen wir allerdings nur, durch Lines Vorbereitung. Der Regen und die Wolken vermiesen uns nicht nur die Sicht. Leider ist auch das Aussteigen größtenteils wenig vergnüglich, wir können daher nur erahnen, wie schön es hier ist. Ab und zu wird der Regen aber mal etwas weniger, unser Glück, (wir vermuten) sogar an den richtigen Stellen. Also schnell raus und ein Foto machen, bevor es wieder stark regnet.

Auch die Wettervorhersage sieht nicht gut aus und so beschließen wir, auf ein Zwischenziel zu verzichten und melden uns bei Wathne Camping an – Platz ist frei, kommt vorbei. Die Tour dauert dann heute doch mehr als 4h und das bei immer stärker werdendem Regen. Wir haben also die Nase voll, als wir endlich ankommen. Ein kleiner Platz, eigentlich ganz gemütlich und nach unserem Geschmack. Allerdings erzählt uns der Betreiber, dass die ganzen freien Plätze schon vergeben sind und er uns nur einen „Notplatz“ direkt an der Hauptstraße anbieten kann – gut, dass wir vorab angefragt haben. Ärgerlich! Kurze Lagebesprechung – nein hier bleiben wir nicht! Also die 13km zurück, da gab es schon einen Platz, der sah auch ganz nett aus. Und was soll ich sagen?! Volltreffer!

Wir werden supernett empfangen und dürfen uns einen Platz aussuchen. Etwas ungläubig fragen wir nochmal nach, ob das auch für die Plätze direkt am Wasser gilt. Gilt es und so stehen wir wenig später auf dem schönsten Stellplatz unseres Urlaubs! Was sagt ihr?

Und als ob dieser Glücksfall noch nicht genug ist, kommt kurz danach sogar immer mal die Sonne heraus. Tysdal Camping liegt übrigens nicht, wie man erwarten könnte, an einem Fjord sondern an einem See, eben dem Tysdalsvatnet. Deswegen aber nicht weniger beeindruckend. Heute passiert nicht mehr viel, Lesen, Chillen, Kaffeetrinken. In den Regenpausen zieht es mich nach draußen. Ich verliebe mich einfach in diesen Blick und zwar bei jedem Lichtwechsel etwas mehr.

Wie unsere Reise weitergeht, was wir am Preikestolen erleben und welchen unglaublichen Platz wir entdecken lest ihr in Teil III – Klick hier.

Der Süden Norwegens I – wilder als man denkt

Was soll das denn werden? Klitschnass sitzen wir alle im Auto, der Sommer ist kühl und nass und genau in dem Moment der Abfahrt erwischt uns ein Regenguss als wolle die Natur uns sagen: Macht das lieber nicht.

Wir fahren natürlich doch los, sind schließlich gespannt auf Norwegen. Dieses Mal auf den Süden. Allerdings führt uns unsere erste Etappe lediglich bis Hamburg und dort auf den Knaus Campingpark. Die Geografen wissen jetzt schon Bescheid, wir haben es trotz Stau sogar schon an Hamburg vorbei geschafft. Die erste Verwunderung, warum der ganze Platz voller fußballbegeisterter Tschechen ist, verfliegt schnell – Fußball-EM ist auch in HH. Kurz überlegen wir, ob wir nochmal in die Stadt hineinfahren, beschließen dann aber nur zu Fuß etwas Essbares zu jagen und landen im Tennis-Vereinsheim zum Burger essen. Durchaus zu empfehlen.

Tag 2 – Auf nach Skandinavien

Nach dem Frühstück (frische Brötchen von der Rezeption) starten wir endgültig nach Skandinavien. Auch wenn Dänemark nur unser Transitland ist, freuen wir uns wieder einmal hier zu sein. Die Fähre von Hirtshals geht erst morgen, also bleibt sogar noch etwas Zeit für eine kleine Wanderung. 40 Kilometer vor dem Fährhafen suchen wir uns einen Campingplatz und landen auf Tornby Strand Camping. Auch wenn der Name Strandcamping ein wenig täuscht, es ist ein netter Platz und dafür, dass es uns zu kalt für den Pool ist, kann er ja nichts.

Ach ja, unser Caddy passt zu Hause auf das Haus auf, weil VW so lieb war, uns einen Amarok für unsere Abenteuer zur Verfügung zu stellen. Wir stellen nur den Wohnwagen ab und machen uns wieder auf den Weg. Die Wolken warnen uns zwar, aber wir wollen die kleine Wanderung zum berühmten Leuchtturm von Rubjerg Knude wagen. Ok, Wanderung ist vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber ein Spaziergang ist es schon und wir haben Glück mit dem Wetter. Die Wolken sind eher Schauspiel als Bedrohung.

Die Wanderdüne mit Leuchtturm, wirkt auf uns ein wenig wie eine Mondlandschaft. Für uns, auf jeden Fall beeindruckend und den Fußweg wert.

Ja! Natürlich klettern wir im Leuchtturm die Stufen nach oben, auch wenn die Aussicht von oben nicht wirklich eine andere ist, aber das gehört doch irgendwie dazu…

Windig ist es, also wieder runter in den Sand, noch schnell ein paar Fotos gemacht (das Licht ist auch einfach zu schön um es zu verschwenden) und dann geht es zurück zum Basislager.

Tag 3 – Fähre nach Norwegen

Wir haben Zeit. Bis zum Hafen brauchen wir nur ein paar Minuten und die Fähre geht erst nach dem Mittag. Wir nutzen diese daher und schauen uns (diesmal wirklich) Hirtshals an. Beim letzten Mal fiel der Bummel leider dem Sturm zum Opfer, aber heute ist es sonnig und der Wind eine Seebriese, also los geht’s.

Pünktlich zur Mittagszeit reihen wir uns dann in die Schlange der Schifffahrer ein und warten. Also erst essen wir (frisch versorgt im Netto von Hirtshals) und danach spielen wir zwischen den Autos eine Runde (oder 100?) Boule. Keine Angst, weder mit Metallkugeln noch Plastik. Wir entscheiden uns für die Stoffvariante, auch wenn die Profis jetzt laut aufstöhnen.

Die Tickets wurden für ColorLine gebucht. „Geschwindigkeit ist keine Hexerei“ (Johann Nestroy) Dank des schnellen Schiffes sollen wir schon am frühen Abend in Norwegen sein. Line hat allerdings gerade ganz schlechte Erinnerungen an unsere Sturmüberfahrt nach Bergen. Hoffen wir mal, dass das Wetter so bleibt. Das Wetter scheint sich für gestern zu entschuldigen und wir können die Fahrt tatsächlich genießen. So wie den Cappuccino und die heiße Schokolade natürlich auch.

Pünktlich um 14:30Uhr rollen wir schon von der Fähre und machen uns auf den wieder kurzen Weg zum ersten Campingplatz in Norwegen. Wir haben vorab Bufjord Camping gebucht, nur 40 Kilometer östlich vom Hafen in Kristiansand und sind gespannt auf unseren Start in Norwegens Süden. Und dann sind wir da! Norwegen, eine kleine Bucht, Möwen, Boote und viel Natur. So haben wir das geplant. Der Platz ist echt schön und wir suchen uns auf der Wiese am Wasser ein freies Plätzchen – nicht, dass es dort voll war.

Das Wetter ist so schön, dass Line und ich beschließen noch eine kleine Runde am Wasser zu wandern, die Kinder bleiben da und wir genießen die Ruhe, die Wellen und die Vögel.

Wir laufen einmal um die Landzunge herum und entdecken wieder mal unglaubliche Steinformationen, als hätte sich das Eis erst gestern hier lang geschoben.

Wir kehren zum Wohnwagen zurück, also das wollen wir zumindest, müssen uns aber erst an die abenteuerliche Beschilderung norwegischer Wanderwege gewöhnen. Solange schlagen wir uns unseren Weg durch das Dickicht.

Dank perfektem Handyempfang finden wir den Weg zurück und lassen den Abend bei einem Glas Wein und einer Runde ‚Mensch Ärger dich nicht‘ direkt am Wasser ausklingen.

Tag 4 – Weiter nach Osten

Wir frühstücken draußen und verlassen dann diesen tollen Platz, ein wenig wehmütig aber gespannt was noch kommt. Das Abenteuer startet gleich beim Losfahren, die Straßen hier im Süden sind enger als gedacht.

Wir wollen auf dem Weg zum nächsten Platz noch einen Stopp in Arendal machen. Vielleicht sehen wir ja jemanden, der wie Elsa oder Anna aus Frozen aussieht (haben wir nicht!). Und weil wir gerade bei Abenteuern sind, versichere ich (nicht nur Line), dass es sicher kein Problem ist, diese Straße ins Zentrum mit dem Gespann zu fahren. Sagen wir mal so, wenden an einem steilen Berg in mehr als 10 Zügen kann ich. 😉

Es war verdammt eng, aber wir haben es geschafft und wenn wir einmal in der verkehrsberuhigten Zone stehen, mache ich natürlich noch ein Foto. Ok, ein paar Fotos und die Zeit reichen auch fast, damit Line wieder normale Atemfrequenz erreicht. Wir starten einen neuen Versuch und finden einen Parkplatz, natürlich nicht kostenlos, aber daran muss man sich in Norwegen wohl gewöhnen. Nun aber los in die Altstadt, wir wollen unsere erste Fika (ja eigentlich schwedische Institution aber auch in Norwegen geht das) in diesem Urlaub genießen.

Nach Zimtschnecken und einem kleinen Bummel machen wir uns aber wieder auf den Weg. Unser Ziel ist heute das Sørlandet Feriesenter ein Campingplatz direkt am Wasser, aber scheinbar ziemlich groß.

Wir bekommen einen schönen Stellplatz, zwar nicht direkt am Wasser, aber mit schönem Blick und der Weg zum Pool ist auch nicht weit. Wir bauen auf und Line hat für uns noch eine kleine tolle Wanderung herausgesucht. Also setzen wir uns wieder ins Auto und fahren 10 Minuten bis zum Wanderparkplatz. Ab da geht es zu Fuß, erst durch den Wald und dann über Felsen, immer auf der Suche nach dem nächsten Wegweiser.

Gemeinsam schaffen wir es und nach ein wenig systematischem Vorgehen, finden wir auch, wonach wir suchen. Die Natur hat einen wunderbaren Pool geschaffen, Jettegrytene på Sild genannt und den männlichen Part der Familie kann nichts davon abhalten da hineinzuspringen.

Glücklich machen wir uns alle auf den Rückweg.

Am Abend schauen wir uns dann nochmal auf dem Campingplatz um und finden noch unser Programm für den nächsten Tag. Es gibt einen Bootsverleih am Platz, also werden wir morgen (abwechselnd) Kapitän*in. Wir buchen sofort und sind voller Vorfreude.

Tag 5 – unsere Yacht

Gleich nach dem Frühstück übernehmen wir unsere Yacht. Ok, vielleicht übertreibe ich ein wenig, vielleicht ist es eher ein Boot. Einen Führerschein braucht man in Norwegen ab 10 PS also tuckern wir mit 9,9PS durch die Schären. Das Wetter ist toll und wir genießen die Natur.

Ein wenig komisch ist unser Gefühl schon, als wir die Schäre verlassen und uns klar machen, dass wir jetzt quasi auf dem offenen Meer sind. Also halten wir uns vorsichtshalber immer in Ufernähe auf und steuern auf das kleine Städtchen Risør zu.

In Risør parken wir gefühlt das einzige Mal in diesem Urlaub kostenlos, und zwar mit Boot im Gästehafen. Nach einer kleinen Suche finden wir auch noch ein Plätzchen und bummeln durch den wirklich schönen Ort. Wie soll es anders sein, natürlich auf der Suche nach einem Cappuccino und Zimtschnecken – erfolgreich!

Satt und zufrieden geht es wieder an Bord und wir cruisen noch ein wenig an der Küste entlang. Irgendwann entdecken wir einen geeigneten ruhigen Platz auf einer Insel und legen für ein Picknick an. Boot fahren hat schon was – wenn uns auch irgendwie der Motorenlärm nervt.

Danach geht es zurück zum Campingplatz, wenn er schon einen Pool hat, wollen wir den auch mal ausprobieren. Ok ich stehe daneben und schaue, Line traut sich und schwimmt eine Runde – einer muss ja auch aufpassen!

Lange bleiben wir aber nicht, wir wollen nach dem Abendessen noch eine Tour im Sonnenuntergang machen. Das Boot müssen wir ja erst morgen wieder abgeben.

Und es lohnt sich! Mit dem Sonnenuntergang wird das Wasser spiegelglatt und wir genießen es einfach auf dem Wasser zu treiben. Aber irgendwann ist alles zu Ende und wir beenden unser Hochseeabenteuer.

Tag 6 Rognstranda

Wir frühstücken im Nebel, irgendwie werden wir mit den norwegischen Lebensmitteln nicht warm – ja das ging uns bisher irgendwie immer so. Norwegen ist toll aber (sorry liebe Leute in Norwegen) das Essen im Supermarkt irgendwie nicht (für uns). Aber egal, das Frühstück schmeckt, dank Schokocreme, überall gleich. Bevor wir zusammenpacken, fragen wir nochmal an der Rezeption, ob wir eine Nacht verlängern können. Könnten wir aber wir müssten einen anderen Platz nehmen. Wir entscheiden, wenn wir schon zusammenpacken müssen, fahren wir weiter. Als wir schon Mittag in Rognstaranda Camping ankommen wissen wir, es war die richtige Entscheidung. Der Platz befindet sich auch wieder direkt am Wasser aber ‚das Norwegen‘ ist schon wieder komplett anders. Weil wir so zeitig da sind, bekommen wir einen Platz in der ersten Reihe und was macht man da? Genau! Wir kochen uns einen Kaffee, holen die Stühle raus und genießen.

Lange hält es uns aber nicht, wir wollen auf die Felsen klettern und den Ausblick genießen. Wir heißt wieder mal wieder, Line und ich aber das ist ok. Teenager, die nicht dabei sind, können auch nicht schimpfen. Und je länger wir laufen, desto sicherer sind wir, sie hätten geschimpft.

Warum sie geschimpft hätten? Weil wir entscheiden weiter zu laufen, wenn wir einmal hier oben sind. Line hatte etwas von Brücken in den Schären gelesen und die wollen wir uns ansehen. Am Ende wird es eine sehr anstrengende warme Wanderung, hat es sich gelohnt? Naja, nett war es schon, schaut selbst.

Durstig und hungrig schaffen wir es zurück zum Campingplatz und wenn wir einmal etwas trinken, werfen wir doch auch gleich den Grill an und genießen das schöne Wetter. Wenn das Wasser so nah ist, kann man es nicht mal einen Spaziergang nennen, wenn man nochmal das Wasser an der Küste genießt.

Tag 7 – Das Ende der Welt

Frühstück draußen, da kann der Tag nur gut beginnen. Uns zieht es schon wieder weiter. Auf unserem Weg zum nächsten Platz halten wir aber noch bei Biltema an (ja danach auch noch bei einem anderen Baumarkt). Ich könnte jetzt behaupten, dass wir da nur halten, weil unsere Tochter für ihre Zeichenkünste einen Radiergummi benötigt. Den möchte sie zwar auch, aber ehrlicher Weise bin ich auf der Suche nach einem neuen Auffahrkeil. Der alte liegt nämlich noch da, wo wir ihn das letzte Mal benutzt haben. Möge er anderen Campern helfen. Wir bekommen beides und können nun wieder radieren und in Waage parken.

Aber schnell wieder raus aus dem Trubel und hin zum nächsten Campingplatz – Vøra Camping. Frühes erscheinen sichert gute Plätze! Da unsere Etappen aktuell weniger als 100km sind, kommen wir immer zeitig auf dem Platz an und das beschert uns, auch heute, einen guten Stellplatz, mit Holzterrasse vor dem Wohnwagen. Wir müssten nicht mal abhängen. Machen wir trotzdem, denn wir haben nach dem Essen (und Kaffee ok) noch etwas Tolles vor.

Wir machen uns nämlich auf, ans Ende der Welt. Keine Ahnung, warum gerade hier das Ende ist aber es soll schön sein. Der Weg dorthin ist es auf jeden Fall, nur als wir ankommen, denken wir, dass wir uns verfahren haben. Das Ende der Welt und ein riesiger Parkplatz? Souvenirbude und Imbiss? Sagen wir mal so, das Ende der Welt wird gut vermarktet.

Wie so oft im Norden beobachtet, sowie man etwas weiter geht, als bis zur ersten Picknickstelle (hier doch eher zum Restaurant) verläuft es sich und wir sind teilweise ganz für uns allein. Der Turm mit dem Feuerkorb ist nett anzusehen aber so richtig gut gefällt uns der Ausblick davor. Das Meer liegt spiegelglatt und schmiegt sich fast an die rundgewaschenen Steine an. Wir nehmen uns Zeit und genießen, chillen und beobachten die Boote am Horizont.

Zu viel Zeit! Wir wollen noch einen Kaffee und vor allem ein paar Zimtschnecken essen aber dafür scheint es hier zu spät. Und auf unseren Reisen ist es so, entweder springt uns ein Café direkt an oder wie finden ewig keins. Heute also die zweite Variante. Wir entscheiden uns für den abgesicherten Modus und steuern in Træleborg das Espresso-House an, zwar unromantisch in einem Einkaufszentrum aber offen. Danach geht es zurück zum Campingplatz. Unser Sohn will sich den Beachvolleyballern am Strand anschließen und wir anderen genießen noch ein wenig unsere Terrasse und natürlich schon wieder den Sonnenuntergang.

Tag 8 – Oslo

Irgendwie sind wir im Weiterreisen-Flow und so machen wir uns nach dem Frühstück auf in Richtung Oslo. Am Abend gab es noch ein heftiges Gewitter, also müssen wir morgens auch nichts mehr einräumen. 😉 Die Fahrt nervt! Es gibt hier im Süden so unglaublich viele Schwellen, um den Verkehr zu beruhigen. Was mit einem PKW vielleicht etwas stört, nervt mit Wohnwagen extrem und hier kommt wirklich aller paar hundert Meter so ein Ding -Liebe Norweger*innen, macht das weg! Egal, wir kommen auch mit Bubbeln in Oslo an und stellen uns brav in den städtischen Stau. Wir haben uns als Campingplatz den Topcamp Ekeberg ausgesucht, also schlängeln wir uns durch enge Straßen den Berg hinauf. Irgendwie komisch, dass hier oben so viele Menschen sind, mal mit Autos aber auch zu Fuß, oft mit ganzen Getränkekästen in den Händen. Und dann sehen wir eine Bühne und zwar genau dort, wo eigentlich unser Campingplatz sein sollte. Ein freundlicher Security winkt uns, leider nicht ran sondern weiter. Das Internet gibt uns die Antwort, statt einem Campingplatz ist das hier an diesem Wochenende der Platz vom Festival „Tons of Rock“, tja Pech gehabt. Nun muss ein Plan B her und der heißt Bogstad Camping. Wir versuchen auf dem Weg telefonisch unser Glück, werden auf die Website verwiesen und buchen während der Fahrt durch Oslo online. Verdammt, das falsche Datum aber ehe wir das merken stehen wir schon am Eingang und werden nett empfangen. Die Umbuchung ist kein Problem und wir bekommen einen Platz. Line ist seit gestern etwas angeschlagen und ruht sich erstmal eine Runde aus.

Trotzdem wollen wir nachmittags noch einen kleinen Spaziergang (O-Ton Line) zur berühmten Skisprungschanze machen. Aus dem Spaziergang wird dann aufgrund der Steigung doch eher eine kleine Wanderung aber wir kommen irgendwann an und sind beeindruckt. Was für ein Bauwerk und was für eine Aussicht. Es muss sich anfühlen, als ob man direkt nach Oslo in die Innenstadt springt. Wollen wir das ausprobieren? Niemals!

Tag 9 – Stadtbummel Oslo

Line ist irgendwie immer noch angeschlagen, also wollen wir es langsam angehen lassen. Statt des geplanten Linienbusses (schlechte Erfahrungen gesammelt) nehmen wir das eigene Auto und toppen wieder mal unseren Parkgebühren-Rekord und knacken die 50,- Marke. Egal. Wir ziehen zu Fuß los und brauchen eine Weile bis Oslo uns einfängt.

Immer am Wasser entlang kommen wir irgendwann zum neuen Wahrzeichen Oslos, zur Oper. Modern, wirklich beeindruckend und schick.

Größer könnte der Kontrast nicht sein. Direkt vor der Oper liegen kleine Hausboote, diese stellen sich bei näherem Hinsehen als Sauna-Boote heraus. Wir ärgern uns ein wenig, dass wir keine Handtücher dabei haben.

Uns fallen die vielen Regenbogenflaggen auf und je näher wir dem Zentrum kommen, um so intensiver mischt sich Musik zu den Tönen des Windes, der um die Häuser zieht. Wir zücken unsere Handys (mal wieder) und erfahren, dass heute Norwegens größtes LGBTIQ+ Festival Oslo Pride stattfindet. Wir stürzen uns ins Getümmel oder besser gesagt, wir suchen uns ein nettes Kaffee und beobachten die farbenfrohen Fußgänger hier.

Natürlich statten wir auch dem Schloss einen Besuch ab, allerdings ist dies weniger beeindruckend, als andere seiner Art. Dafür ist der Park dahinter mit seinen Kinder-Kunstwerken ganz schön.

Danach geht es zurück zum Auto. Wer sich jetzt denkt, „Was, so kurz nur in Oslo?“ Irgendwie sind wir im Norden so auf Natur und Ruhe eingestellt, dass uns Großstädte nicht lange halten können. Trotzdem statten wir auf dem Rückweg zum Campingplatz, den kleinen süßen Gassen mit Holzhäusern noch einen Besuch ab. Wie so einige Influenzerinnen auch. Ich kann gar nicht sagen was interessanter ist, die Gasse oder das Treiben, was die jungen Damen mit Stativ und Selfie-Stick dort veranstalten.

Und dann finden wir auch noch eine Stelle in Oslo, die so ist wie unser Wunsch-Urlaub. Wir sitzen am Seeufer, eigentlich mitten in Oslo und genießen die Ruhe.

Ok, nur 3 von 4 genießen die Ruhe…

Apropos Ruhe. Irgendwas macht auf diesem Campingplatz Lärm, vor allem nachts. Wir vermuten 2 Quellen. Ein Brummen vom Waschhaus (also geht weit weg davon) und dann ab sehr früh morgens der Rasen-Traktor vom Golfplatz. Und glaubt mir, ich bin nicht empfindlich.

Wir haben genug Stadt! Wir wollen weiter. Lest im nächsten Teil von unseren Erlebnissen auf der Hardangervidda und an den wilden Fjorden Norwegens.

Hier gehts zum TEIL II

Nordwärts

Roadtrip ans Nordkap und rund um die Ostsee

Ein Buch mit 432 Seiten von Naturzeit Vanlife, erschienen im Naturzeit Reiseverlag. Preis: 26,00 €

Ich bin im Winter zufällig über diesen kleinen Verlag gestolpert, als ich auf Instagram herumklickte und dachte mir, das passt doch genau in unser Thema. Hinter dem Verlag und auch dem Buch, welches ich heute hier vorstelle, steckt Stephanie Holtkamp und genau die schrieb ich an. So kam es, dass ich in letzter Zeit öfter mit dem Buch Nordwärts auf der Couch saß und das schlechte Wetter überbrückte. Vom Format her erinnert es an einen klassischen Reiseführer, aber das würde diesem Buch unrecht tun. Das Buch soll, so die Autorin, verhindern, dass man an tollen Orten einfach vorbeifährt, wenn man auf dem Weg in den Norden ist. Das große Ziel ist klar, so steht es ja auch auf dem Buchdeckel, das Nordkap. Wer von euch dieses Ziel hat, unseren Blog bereits studiert hat und gern etwas Papier in den Händen hält, dem bietet das Buch eine tolle Hilfe.

Sehr strukturiert, mit hilfreichen Übersichtskarten gibt es Tipps, was es sich anzusehen lohnt. Dabei ist es ganz und gar nicht Ziel, dass alle die gleiche Route abfahren. Für jede Region werden Tipps aufgeführt, einerseits Sehenswertes, andererseits aber auch Übernachtungsmöglichkeiten. Hier reicht die Spannweite vom Parkplatz mit Frischwasser bis hin zum tollen Campingplatz. Um das ganze noch einfacher zu machen, findet ihr zu allen Tipps auch die genauen GPS-Koordinaten.

So viel Inhalt, das erklärt auch die 432 Seiten. Aber keine Angst, das Buch ist nicht dafür gemacht, es vorher komplett durchzulesen. Es reicht, wenn man es dabei hat und für jede Region einen Blick hineinwirft. Außer es ist März, draußen ist es kalt und es regnet und ihr sitzt auf der Couch. Dann hilft es sogar, euch in Urlaubsstimmung zu versetzen, nicht zuletzt aufgrund der vielen schönen Fotos im Buch. Ihr merkt schon, ich mag es!

Fazit:

Das Buch ist toll! Aber für wen lohnt es sich? Für alle, die gerade ihre Tour in den Norden planen, egal ob das Ziel das Nordkap ist oder nicht. Hier gibt es jede Menge toller Ideen, was man im Norden alles erleben kann. Langjährige Skandinavienurlauber werden sicher vieles schon kennen, trotzdem war es schön zu lesen und liegt auf jeden Fall diesen Sommer im Wohnwagen bereit, wenn wir uns nach Norwegen aufmachen.

Blog Abonnieren

Du möchtest keinen neuen Beitrag vom Schwarz-Blog mehr verpassen? Dann abonniere jetzt gleich unseren Blog und wir senden dir per Mail alle neuen Beiträge.


    Wenn du keine Mails mehr von uns haben möchtest, reicht ein Mausklick aus.

    Freistehen in Skandinavien – Warum eigentlich?

    Das Thema „freistehen“ begegnet uns aktuell auf jedem Kanal. Oft wird gestritten, was erlaubt ist und was nicht. Emotionen kochen da schnell hoch. Gerade in Skandinavien scheint es mittlerweile verpönt zu sein, auf einem Campingplatz zu stehen.

    Oft kann ich (Micha) mich bei solchen Diskussionen nicht zurückhalten, gerade wenn es scheinbar egal ist, ob es Regeln im Gastland gibt. Das Zitat einer Influencerin (Thema Camping/Vanlife) war dabei der Höhepunkt für meine zarte Gemütslage „Kann ich nicht sagen, ich war noch nie auf einem Campingplatz“.

    Um diese Diskussion soll es hier in unserem Blog aber gar nicht gehen, vielmehr wollen wir euch hiermit mal zeigen, was es heißt in Skandinavien auf einem Campingplatz zu stehen. Quasi eine Hommage an das Campen auf dem Campingplatz.

    Auf unseren Reisen steuern wir meist Campingplätze an, gern klein und ruhig. Wir haben also eigentlich die gleichen Wünsche wie die, die um jeden Preis freistehen müssen.

    Schweden

    Natürlich stellen wir euch nicht alle Campingplätze in Schweden vor. Wenn ihr mehr über unsere Reisen lesen wollt, schaut gern auf unsere Skandinavien-Seite.

    Fangen wir mit diesem tollen Blick auf den Vänern an. Der Platz liegt an der Ostseite des großen Sees, man kann direkt am Wasser stehen und wie man sieht, ist Platz kein Problem. Aufgrund der tollen Lage gibt es jeden Abend einen tollen Sonnenuntergang inklusive. Link zum Platz.

    Unsere kleine Reise geht noch ein Stück zurück nach Süden.

    Wir befinden uns in Mittelschweden, ziemlich genau zwischen Jönköping und Västervik. Ich gebe zu, wenn ihr euch das linke Foto anseht, könnte man denken, hä, was ist daran bitte schön? Dazu müsst ihr wissen, dass das rechte Foto vom gleichen Standort aufgenommen wurde wie das linke. Diesen Blick auf den See hat man also, wenn man abends vor dem Camper sitzt. Link zum Platz

    Und noch mal nach Norden, viele von euch kennen diesen Platz wahrscheinlich und nein, er liegt an keinem See, man ist nicht allein und trotzdem lohnt es sich einmal hier hinzufahren. Früher Weiterweg und heute das Offroadcamp Schweden. Mitten in der Wildnis liegt dieses tolle Camp, geführt von einer deutschen Familie, die einen mit spannenden Geschichten und leckerem Essen versorgt.

    Norwegen

    Wir verlassen Schweden und nehmen euch mit nach Norwegen. Lasst uns unsere Reise kurz vor Flam beginnen. Auf dem Weg zu unserem Camp, wir hatten noch 300 m zu fahren, passierten wir einen Parkplatz. Ihr kennt diese Plätze, von der Hauptstraße zweigt ein kleiner Bogen ab und mündet schon ein paar Meter weiter wieder auf der Hauptstraße. Parken, Pinkeln, Picknicken – würde ich sagen. Auf diesem aber standen Womos, Wohnwagen und sogar Zelte (auf den 2 m Grünstreifen zwischen Straße und Parkplatz) so eng aneinander gequetscht, dass man selbst mit ’nem Smart nicht draufgepasst hätte. An der Hauptstraße! Aber kostenlos. Eine Toilette gab es dort auch nicht. Na ja, wir fuhren die besagten 300 m und standen kurz darauf auf unserem spießigen Campingplatz.

    Und ich schwöre, ich habe aus diesem Foto keine Camper herausgeschnitten! Vom Camp ist man in 2 Minuten am Fjord und somit auch am Startpunkt der legendären Flambahn. Link zum Camp

    Aber es geht noch ruhiger! Wir reisen nämlich zum Sognefjord, genauer auf den Kjornes Camping. Lasst euch vom Startbild der Website nicht täuschen und sagt an der Rezeption, dass ihr nicht auf den befestigten Platz an der Rezeption möchtet, sondern auf den freien Platz etwas weiter „links“. Wir haben es dort geliebt!

    Ja, das ist ein Campingplatz! Und ja, mit Waschhaus, Duschen, Mülleimern und Strom. Und es ist der ideale Ausgangspunkt, um auf dem Gletscher zu wandern oder Kajak zu fahren. Als zusätzliches Highlight wurden wir jeden Morgen von einer Robbe begrüßt, die vor uns im Fjord neugierig den Kopf aus dem Wasser steckte.

    Da ihr ja unseren Blog lesen sollt, jetzt mal noch ein paar Plätze in Norwegen ohne weitere Geschichten:

    Mindresunde Camping mal nicht am Fjord, sondern am See.

    Direkt am Nordfjord mit überragendem Fjordblick. Platz bei Bryggia.

    Direkt vor Bergen mit Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Lone Camping.

    Finnland

    Ruhiger als in Finnland geht, es glaube ich nicht mehr. Das trifft für die Wälder zu, aber eben auch auf die Campingplätze! Gerade in Finnland haben wir auf Campingplätzen tolle Menschen kennengelernt, haben Aussteigern beim Musizieren zugehört und mit Finnen einen Schnaps (oder waren es mehr???) getrunken und viel gelacht.

    Auch hier nun ein paar Beispiele:

    Pyharanta-Camping ganz im Süden Finnland. Gemütlicher kleiner Platz mit eigener Sauna (was sonst) und einer traumhaften Lage in den Schären.

    Im Landesinneren und gefühlt doch am Meer haben wir diesen tollen Platz gefunden. Manamansalon Leirintäalue, man kann es kaum aussprechen, aber so ist das eben in Finnland! Der Platz ist sogar recht groß, aber in dem Wald verläuft sich alles so herrlich, dass das nicht stört. Und hey, da kommt Urlaubsfeeling auf, oder?

    Und weiter geht es Richtung Norden. Im Oulanka Nationalpark fühlten sich die Camps immer wie freistehen an. Freistehen mit Sauna, Strom, Lagerfeuerplatz und frischen Brötchen. So wie hier im Juuman Leirintäalue

    Ok, ich gebe euch recht. Oulanka ist jetzt nicht der Hotspot in Skandinavien – Warum eigentlich nicht? Ist herrlich hier! Aber selbst in unmittelbarer Nähe zum Nordkap gibt es Plätze, die traumhaft ruhig sind. Unsere Wahl fiel auf das Nordkap Basecamp.

    Natürlich sind das längst nicht alle Plätze, auf denen wir waren und ja, es gab auch mal etwas vollere. Aber, niemals war es so voll wie auf den Parkplätzen, auf denen sich die Freisteher tummelten.

    Also, fahrt auf Campingplätze, lasst etwas Geld bei den Einheimischen und ihr werdet belohnt mit tollen Plätzen, guten Geschichten und dem ein oder anderen Tipp für eure nächste Wanderung.

    Noch ein Tipp von uns. Wenn wir in der Hauptsaison unterwegs sind, bitten wir oft beim Abreisen/Bezahlen den Betreiber auf dem nächsten Campingplatz anzurufen und uns einen Platz am Wasser zu reservieren. Oft kennen die sich nämlich und man kann entspannt auch etwas später anreisen.

    Tromsø im November – Wale, Nordlichter und viel Natur

    Fahrt nicht im November nach Nordnorwegen – zusammengefasst war das die Meinung des Internets und sämtlicher Reiseführer, die wir gelesen haben. Und tatsächlich haben wir uns gefragt, kann das gut werden? Allerdings war unsere letzte skandinavische Winterreise auch schon wieder 4 Jahre her. Damals waren wir Weihnachten in Rovaniemi und haben den Weihnachtsmann besucht. Am Ende machten wir das, was wir immer machen: wir tun es einfach!

    Fjellstua – der Hausberg von Tromsø

    Unsere Reise startet zwar auch dieses Mal mit unserem Caddy, den lassen wir aber bereits in Erfurt stehen. Weiter geht es nämlich mit dem ICE. Wir hatten sehr zeitig gebucht und daher für uns 4 wesentlich weniger bezahlt, als die Fahrt mit dem Auto nach Frankfurt gekostet hätte. (erst recht nach den aktuellen Entwicklungen). Etwas später als geplant (danke Deutsche Bahn – es braucht ja auch Verlässlichkeit) stehen wir auf dem Frankfurter Flughafen und sind erstmal überfordert. Sonst haben wir unsere Klamotten gut verstaut im Schrank vom Wohnwagen. Heute aber zieht jeder einen großen Koffer (immerhin fliegen wir in die Polarregion) und diese Koffer wollen wir jetzt unbedingt abgeben. Nach dem ersten Schock läuft es dann aber wie von selbst. Wir finden den Lufthansa Gepäckschalter und geben alle Koffer ohne Probleme (und ohne Personal) selber auf. Eingecheckt sind wir bereits online – das ist geschafft! Die erste Urlaubsnacht verbringen wir aber noch auf deutschem Boden. Unser Flug geht morgen früh und wir haben mal ganz edel im Hilton eingecheckt. Das Hotel liegt auf dem Flughafengelände, bietet sich also an.

    Hilton Garden Inn

    Nach kurzer Wartezeit (Anreisewelle) erhalten wir unsere Zimmerkarten. 2 Durchgangszimmer in der 9.Etage. Das hatten wir gebucht und wurde uns auch von der netten Dame am Empfang so bestätigt. Leider suchten wir die Durchgangstür im Zimmer vergeblich. Hat sie uns nur die falschen Schlüssel gegeben? Das Zimmertelefon soll helfen. Allerdings rauscht das so, dass die Mitarbeiterin mir sagt, meine Verbindung sei so schlecht, sie versteht mich nicht – achja es ist ja ihr Telefon… Liebes Hilton, Fehler können passieren aber, dass die Lösung so eines kleinen Problems über eine Stunde dauert und der Gast noch 4 Mal anrufen muss, ist das euer Ernst??? Irgendwann haben wir die richtigen Zimmer, Lust auf Essen gehen hat keiner mehr…

    Tag 2 – Es geht los

    Fast wären wir halb 8 mit schlechter Laune aus dem Hotel gegangen. Wäre da nicht Herr Seitz an der Rezeption. Nett nachgefragt, sich entschuldigt und den Kindern als Wiedergutmachung angeboten, sich was von der Süßigkeitenbar zu nehmen. Es kann so einfach sein! Deutlich besser Laune! Danke dafür! Nun aber los. Mit Handgepäck machen wir uns auf die Suche nach unserem Schalter – kann dieser Flughafen wirklich so groß sein? Sicherheitskontrolle haben wir (fast) ohne Beanstandungen hinter uns gebracht. Nur Line hat versucht ein Taschenmesser zu schmuggeln. Da steht sie nun und wird aufgefordert es aus ihrem Rucksack zu holen. Das Problem ist, sie weiß gar nicht wo sie suchen soll, daher wirft sie mit der freundlichen Angestellten einen Blick auf den Monitor. Hat sich doch tatsächlich ein Taschenmesser vom Wandern versteckt. Zum Glück ergibt die Messung, dass es klein genug ist und mit darf. Nun heißt es, warten aufs Boarding. Das ist der Moment, wo unser jüngster das erste Mal verkündet, nochmal fliegt er nicht. Das ist ihm alles zu stressig. Recht hat er!

    Lufthansa Flug nach Tromsø

    Wir haben Glück! Unser Flug wurde umgebucht und so fliegen wir nun ohne Umsteigen direkt von Frankfurt nach Tromsø. Pünktlich 13:00 Uhr landen wir in Tromsø und was soll ich sagen. Sie hatten alle Recht! 0 Grad und Schneeregen, waagerechter Schneeregen. Das trifft uns dieses Jahr besonders hart, denn die Temperaturen zu Hause sind sonnige 20 Grad und unsere Körper sind noch komplett auf Sommer eingestellt. Hilft nichts, wir ziehen die dünnen Fließjäckchen tief ins Gesicht und die Daunenjacken aus dem Rucksack darüber. Dann sprinten wir über das Rollfeld zu unseren Koffern. Erleichterung, alle sind da. (man hörte ja so einiges). Nach den Koffern kommt der Leihwagen dran. Ja, ich bin verwöhnt. Daher wollte ich auch im Urlaub auf einen 4×4 nicht verzichten. Die Suche war gar nicht so leicht. Am Ende bin ich auf die Firma Auto Europe gestoßen. Die Erfahrungen mit dieser Firma habe ich in einem extra Blog beschrieben. Wir können also die nächsten Tage in einem nagelneuen Suzuki Grand Vitara die Gegend erkunden.

    Edit: Nie wieder ein Leihwagen von Hertz

    Leider nahm unsere Leihwagen-Aktion ein unschönes Ende. Die Buchung erfogte ja über Auto Europe, da dort nur vermittelt wird, mieteten wir am Ende von Hertz. Nach ca. 2 Monaten wurde von Hertz etwas mehr als 600,-€ von der Kreditkarte abgebucht. Zufällig genau so viel, wie die Sicherheit, die per Kreditkarte hinterlegt wurde. Angeblich war die Motorhaube zerkratzt (sowohl bei Abholung als auch bei Abgabe schneite es, das Auto stand auf dem Parkplatz). Uns selbst ist kein Schaden aufgefallen. Nach Recherchen im Netz scheint das eine gängige zusätzliche Einnahmequelle von Hertz zu sein. Daher werden wir uns das nächste mal Alternativen suchen. Solltet ihr also einen Leihwagen am Automaten zurückgeben, macht von allen Seiten genaue Fotos (mir fehlte genau vorn).

    Leihwagen von Auto Europe

    Der Flughafen in Tromsø ist zum Glück überschaubar und so parke ich den Wagen direkt vor der Tür. Koffer einladen, im Supermarkt einkaufen und dann ab zum… Genau, ganz ohne Camping geht es dann doch nicht. Über die Seite NorCamp (die nutzen wir auch im Sommer viel als App) haben wir einen Campingplatz in Tromsø gefunden, welcher auch Hütten anbietet. Vielleicht klingt ‚Hütten‘ auch etwas untertrieben. Wir jedenfalls sind begeistert von unserem Holzhaus, direkt am Fluss auf dem Campingplatz „Tromsö Lodge&Camping

    Lodgia vom Campingplatz.

    Wir räumen alles aus Koffern und Einkaufstaschen in Schränke und Kühlschränke, dann machen wir es uns gemütlich und nach einer großen Portion Nudeln mit Tomatensoße weicht die Müdigkeit unserer Lust etwas zu erleben. Wir beschließen also, uns auf die Jagd nach Polarlichtern zu machen. Auch dazu haben wir viel gelesen. Wir brauchen also einen dunklen Platz, mit Blick auf den Himmel. Gar nicht so einfach in einer Stadt, die dauerhaft hell beleuchtet wird. Mit Tee und Schokolade bewaffnet, parken wir am Ende unser Auto mit Blick auf den Fjord. Es ist 22:00 Uhr und der Himmel soll aufreißen – so sagt es die Wetterapp. Aber was interessiert das Wetter in Nordnorwegen so eine App. 2 Stunden später schleichen wir bei Schneesturm zurück zur Unterkunft. Nordlichter? Keine! Ein wenig deprimiert und sehr müde gehen wir also ins Bett.

    Tag 3 – Tromsø bei Regen

    Heute ist Sonntag und Tag der Zeitumstellung. Die Stunde mehr investieren wir in Schlaf, den hat vor allem unser Sohn heute auch nötig. Nach dem Ausschlafen (also wir haben, die Kinder könnten noch) gehen wir zum ersten Mal bei Licht über den Platz. Wir haben nämlich Frühstück mit gebucht und das gibt es im Restaurant an der Rezeption vom Campingplatz. Das Frühstück ist toll, wir sind froh uns nicht selbst versorgen zu müssen und können es daher nur empfehlen.

    Das Wetter ist leider immer noch nicht gut und wir erinnern uns wieder mal an die, die uns vor der Jahreszeit in Tromsø gewarnt haben. Hatten sie Recht? Erstmal egal, wir wollen Tromsø erkunden. Das Netz ist voll von Lob, vom Paris des Nordens ist da die Rede. Wir sind also gespannt. Auch wenn der Campingplatz direkt in Tromsø liegt, nehmen wir das Auto und fahren ein Stück Richtung Zentrum. Unterhalb der Eismeerkathedrale gibt es ein kommunales Gebäude mit einem großen kostenlosen Parkplatz, den nehmen wir und werfen einen Blick auf die berühmte Kirche bevor wir über die ebenso bekannte Brücke laufen.

    Und dann sind wir auch schon im Zentrum von Tromsø. Wenn ich ehrlich bin, springt der Funke noch nicht so richtig auf uns über, das mag am Wetter liegen, obwohl das für Tromsø eher typisch ist. Trotzdem schlendern wir durch die Stadt, an fast allen Souvenirläden schaffen wir es vorbei aber eben nicht an allen. Egal, drinnen ist es trocken und auch meist gemütlich.

    Ein wenig Kultur gibt es auch noch bis der Junior den Wegweiser zu einem Aquarium entdeckt. Robben ansehen scheint bei dem Wetter nicht die schlechteste Idee.

    Danach, wie soll es anders sein, begeben wir uns auf die Suche nach einem netten Cafè. Tatsächlich sind die ersten beiden voll besetzt und wir müssen etwas weiter laufen, Schließlich finden wir das Pust Kafé mit leckerem Kaffee und endlich etwas Süßem. Mittlerweile ist es dunkel und wir machen uns zurück. Ist ja auch schon nach 15:00 Uhr 😉

    Die Kinder schauen einen Film auf der Couch und Line und ich wechseln uns ab bei der Nordlichtsuche. Abends klart es dann sogar auf und wir spazieren noch etwas durch die Dunkelheit aber von Nordlichtern keine Spur. Nun ja, wir sind geduldig.

    Tag 4 Sommarøy

    Unser Sohn kämpft hart gegen das Aufstehen. Irgendwann gewinnen wir und er folgt uns schlecht gelaunt zum Frühstück. Das ist wieder lecker und hebt langsam die Laune, auch die vom Sohnemann. Was uns zusätzlich hilft?! Beim Weg zum Frühstück sehen wir die Sonne, wird es heute besser? Danach setzen wir uns ins Auto und starten Richtung Sommarøy. Weit kommen wir allerdings nicht, nach 5 Minuten Fahrt suchen wir den ersten Parkplatz. Das Licht gibt uns einen kleinen Vorgeschmack, wie toll es hier oben sein kann, wenn es nicht regnet.

    Weiter geht’s! Wir verlassen die Stadt und ja, ohne Stadt fühlen wir uns wohler! Die Straße geht immer am Fjord entlang. Wenn wir überall angehalten hätten, wo es schön war, hätten wir Wochen gebraucht aber auch so gehen wir ständig auf Motivjagd.

    Gegen Mittag erscheint vor uns eine spektakuläre Brücke und jetzt fällt mir ein, was ich vergessen habe. Die Akkus der Drohne liegen geladen am Campingplatz… Also keine Luftbilder des so unglaublich türkisfarbenen Wassers. Egal, wir sind beeindruckt, fahren über die Brücke und laufen danach gleich nochmal darüber.

    Die Brücke führt uns auf unser Ziel, die Insel Sommarøy. Die hätte uns enttäuscht, wäre nicht der Weg dorthin so spektakulär. Auch hier oben merken wir nämlich stark den angestiegenen (Van-) Tourismus. Es gibt viele Verbotsschilder, kaum noch frei befahrbare Wege aber immerhin ein kleines Bistro. Kaffee/ Kakao für alle, Nuggets und Pommes fürs jüngste, dauerhungrige Kind. Eigentlich wollte Line noch auf den Berg hier steigen, die Kinder legen aber Veto ein und sie gibt sich geschlagen. Es geht daher schon wieder langsam zurück. Natürlich nicht ohne Foto-Stopps.

    Und wir können die ersten „Jagd“Erfolge vermelden! Eine Gruppe Schweinswale kommt uns vor die Kamera, eine freche Robbe ist leider zu schnell für mich. Auf dem Weg nach Tromsø biegen wir nochmal Richtung Tromsvik ab. Es soll sich um ein kleines schnuckeliges Fischerdorf handeln. Was soll ich sagen, wir hatten etwas anderes erwartet und so machen wir kehrt. Allerdings ist es auch schon wieder fast dunkel. Einen Zwischenstopp machen wir aber noch. Nordlandblog hat davon geschwärmt, also wollen wir dort auch hin. Kurz vor 4 parken wir, mittlerweile ist es dunkel, unseren Leihwagen vor Eides Landhandel. Hier gibt es alles was die Region so hergibt, frischen Fisch, Käse, Brot aber auch alles, was es im Supermarkt noch so braucht. Wie immer in Norwegen, sind wir beim Einkauf leicht überfordert, dabei kann man die Schilder ganz gut lesen aber alle Wünsche (Ernährungsstrategien) unter einen Hut zu bekommen ist mittlerweile echt schwer. Trotzdem füllt sich der Korb und wir haben die restlichen Tage genug Proviant. Dafür regnet es schon wieder – von Nordlichtern also keine Spur. Den Abend verbringen wir auf der Couch, Line hat zwar noch den Drang sich zu bewegen aber bei dem Wetter hat niemand Lust. Heute Abend gibt’s Pizza – da kann sich jeder drauf legen was er mag – was soll ich sagen, es ist megalecker! Die Zutaten tragen den Namen der von Nordlandblog empfohlenen Pizzeria – daran wird das gelungene Backergebnis wohl gelegen haben.

    Tag 4 – Auf See

    Heute klingelt bereits halb 7 der Wecker. Statt einem gemütlichen Frühstück, gibt es Kaffee to go (der landet auch noch zum Teil in meinem Schoß) und was das Frühstücksbufett so zeitig schon hergibt. Also Knäckebrot, Nüsse, Eier und Kekse. Schnell parken wir das Auto im Parkhaus am Hafen (oder haben wir das Parkhaus gekauft???) und flitzen zu unserem Schiff. Schiff? Genau, wir haben uns vorgenommen, uns heute einen Wünsch zu erfüllen, den wir schon lange haben. Der Campingplatz hat uns daher heute 4 Plätze bei Brim Explorer gebucht und wir gehen auf Walsafari.

    Hybridboot von Brim Explorers

    Bei dem Schiff handelt es sich um ein modernes Hybridboot, so können wir in der Nähe der Wale rein elektrisch fahren und der Dieselmotor stört die Tiere nicht. Wir werden sehr nett von einer Italienerin und einer Niederländerin begrüßt, die Schlange am Eingang zeigt uns allerdings, dass meine romantische Idee, dass wir allein auf dem Boot sind nicht ganz aufgeht. Wir ergattern noch 4 Plätze an einem Tisch, zwar nicht an einem der riesigen Fenster aber wenn die Wale rufen, hält uns sowieso nichts drinnen. Die Beiden erzählen uns schon bei der Ausfahrt aus dem Hafen allerlei Wissenswertes, ihre Begeisterung ist ansteckend, sofern das noch nötig ist… Auch wenn es kalt ist, wir müssen einfach immer wieder raus, die Aussicht ist einfach so hammermäßig!

    Irgendwann ruft unsere Guide, dass sie die Fontaine eines Wals gesehen hat und wir stürmen nach vorn. Tatsächlich, ganz in der Ferne sieht man in regelmäßigen Abständen Wasser weit hochsteigen. Ab jetzt ist die Temperatur egal, mich findet man draußen.

    Und es wird immer besser! Eine Sichtung nach der anderen. Ständig ruft jemand ‚hey da drüben‘ und ich drück auf den Auslöser. Wir sehen jede Menge Orcas, nur ein Finnwal lässt sich bis jetzt nicht blicken. Wir sind trotzdem Happy.

    Es werden am Ende so viele, dass unser Jüngster schon wieder am Handy sitzt. Ok es ist auch verdammt kalt draußen. Und dann passiert es, ich schaue durch den Sucher und er taucht auf, zwar ziemlich weit weg aber doch unverkennbar.

    Finnwal

    Das ganze Schauspiel dauert mehrere Stunden und die Speicherkarte füllt sich gut. Irgendwann geht es dann aber doch, völlig überraschend (ist es wirklich schon so spät), zurück.

    Orcas im Nordpolarmeer

    Der Rückweg bietet dann noch 2 Dinge. Eine echt leckere warme Suppe (vegetarisch, also perfekt fürs große Kind) und, dank der Sonne die sich durchkämpft, nochmal schönere Ausblicke auf die Bergwelt. Und das direkt vom Meer.

    Wir sind glücklich! Reist nicht im November nach Tromsø? Warum eigentlich nicht!? Mit den Gedanken an diese tollen Tiere und ihre galante Art aufzutauchen kehren wir in unsere Lodge zurück und genießen einen heißen Kaffee. Das Wetter soll heute Abend wieder besser werden und so beschließen wir, nach dem Abendessen nochmal unser Nordlichterglück herauszufordern, immerhin haben wir ja auch Wale gesehen.

    Auf unserer Fahrt nach Sommarøy haben wir einen schönen Platz direkt am Wasser gefunden. Dort stehen wir dann also, wieder mit Tee und Schokolade ausgerüstet und warten. Mehr passiert aber auch wieder nicht. Ich gehe immer wieder raus, um zu schauen ob welche da sind. Dabei entstehen zwar schöne Fotos aber immer noch ohne Nordlichter.

    Tromsø bei Nacht

    Nach 2 Stunden geben wir auf, wir sind alle todmüde und fahren zurück zum Campingplatz. Die Kinder schlafen sofort ein und ich stehe am Fenster und träume von Nordlichtern. Was stand im Netz? Wenn sie schwach sind, kann man sie mit bloßem Auge kaum erkennen. Irgendwas ist da, sieht aus wie ein schmaler Wolkenstreifen. Ich hole erst die Kamera und dann Line aus dem Bad. Tatsächlich, da haben wir ewig gewartet und nun einfach so am Campingplatz. Ihr seht hier unser allererstes Nordlichtfoto:

    Die Müdigkeit ist, zumindest bei mir schlagartig weg. Ich schnappe mir Stativ, Kamera und den Autoschlüssel (die Jacke vergesse ich glatt) und begebe mich auf die Jagd nach den Nordlichtern. So richtig stark sind sie nicht aber, trotzdem fange ich ein paar davon ein.

    Eigentlich bin ich schon wieder auf dem Rückweg, da kommen sie nochmal kurz und bieten die Chance die Eismeerkapelle und die Nordlichter in einem Foto zu erwischen. Was für ein Tag. Wale, unglaubliche Berge bei Sonne und nun unser erstes Mal Aurora Borealis (Nordlichter). Alle anderen schlafen schon, ich jetzt auch.

    Eismeerkathedrale mit Nordlicht

    Tag 5 Aussicht auf Tromsø

    Wir schlafen bis 9 und machen uns dann auf zum Frühstück, wie wir merken, etwas spät. Satt werden wir aber trotzdem noch und genauso starten wir entspannt Richtung Talstation des Hausberges von Tromsø dem Fjellheisen. Bereits gestern haben wir die Fahrt gebucht, inkl. einem Tisch im Restaurant auf dem Berg. Aber das natürlich erst für Abends, also haben wir genug Zeit. Bevor wir nach oben fahren, suchen wir den Fußweg nach oben, dieser wurde als Treppe von Sherpas angelegt und heißt daher auch so. Aufgrund des Wetters haben wir uns allerdings dagegen entschieden hoch zu laufen. Es ist nämlich nicht nur feucht sondern auch noch vereist. Aber selbst hier unten bieten sich schon tolle Ausblicke auf die Stadt und machen Lust auf mehr.

    Tromsø

    Ein Blick auf den Fußweg nach oben bestätigt unsere Entscheidung. Vor uns schliddern ein paar Touristen über die Eisplatten und wir begeben uns lieber zur Talstation. Mit einer Gruppe indischer Touristen fahren wir mit der Gondel nach oben, eine von Ihnen trägt tatsächlich Schlappen und das ohne Strümpfe. Wenn man uns dagegen ansieht, könnte man denken wir wollen zu einer Expedition Richtung Alaska. Warm und regensicher eingepackt kommen wir oben an und laufen los. Unsere erste Wanderung in diesem Urlaub. Wir sind happy, die Kinder irgendwie nicht so. Aber da müssen sie heute durch. Der Wind hier oben ist echt eisig, dafür ist die Aussicht unglaublich beeindruckend.

    Tromsø von oben

    Es ist ja bereits früher Nachmittag und die Sonne hat es noch nicht über die Berge geschafft. Also gehen wir ihr entgegen, unser Ziel ist der Gipfel mit dem schönen Namen Floya. Wenn ich ehrlich bin, wandern kann man das heute nicht nennen, eher eine Mischung aus Staunen und laufen. Der Blick wird nach jeder Kurve noch besser.

    Und dann kommt er, der Gegenbeweis zu „fahrt nicht…“ ihr wisst schon. Die Sonne. Und wir können uns nicht satt sehen. Die nächsten Stunden genießen wir einen scheinbar endlosen Sonnenaufgang, oder ist es der Untergang? Egal wir genießen und schon wieder füllt sich die Speicherkarte rasend schnell.

    Und wenn ihr gerade diese Bilder so kritisch anseht, wie ich das auch tun würde. Nein, bei diesem Licht braucht man keine Filter! Die Farben waren genauso wie ihr sie hier seht! Was dieses tolle Sonnenlicht allerdings nicht kann, ist wärmen und so sehnten wir uns doch irgendwann nach einer Heizung und einem Kaffee. Rückweg bis zur Seilbahn! Auf dem Weg holt uns dann die Dämmerung schon wieder ein und wir werfen vor dem Reingehen noch einen Blick auf Tromsø. Langsam gehen die Lichter an und es glitzert unter uns.

    Nun geht’s aber rein, oder vielleicht doch noch mal auf die Aussichtsplattform? Und zack, sind sie schon wieder da. Erst erkennen wir sie kaum, es ist ja noch nicht einmal richtig dunkel. Aber ohne Zweifel, das sind Nordlichter.

    Mit neuen Glücksgefühlen gehen wir dann aber wirklich rein. Aufwärmen und was Warmes trinken. Ok, leckere Blaubeermuffins gab es auch noch dazu. Für 18:30 Uhr haben wir einen Tisch an einem der großen Fenster reserviert. Vorher wollen wir aber nochmal auf Jagd gehen. Diese Lichter machen süchtig. Und sogar die Teenager fangen laut an zu jauchzen, als sie wieder auftauchen. So stehen wir die nächste Stunde gemeinsam mit einigen fremden Menschen da und bewundern die Lichter, die am Himmel tanzen. Wenn man das sieht, wird einem klar, dass die Leute früher da die wildesten Geschichten erfunden haben. Das kann nicht von dieser Welt sein.

    Die Jugend hat allerdings irgendwann das kostenlose WLAN entdeckt und genießt nach einer Weile lieber die Ruhe drin. Wir „Großen“ haben aber noch nicht genug. Irgendwann haben aber auch wir Hunger und wir suchen unseren reservierten Tisch, wie versprochen, direkt am Fenster. Das Abendessen ist, glaube ich, nicht nur deswegen so lecker. Lediglich beim Kinder-Burger war die Küche etwas lieblos unterwegs.

    Tag 6 Nattmålsfjellet

    Wie schnell man doch neue Gewohnheiten annimmt. Heute ist nämlich unser Stamm – Frühstückstisch belegt und wir alle schimpfen erstmal. Lecker ist es dann natürlich auch am Nachbartisch. Danach machen wir uns auf zu dem kleinen Örtchen Ersfjordbotn, nicht weit von Tromsø. Wie der Name schon erahnen lässt, liegt es am Ersfjord und ist der Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung. Das Wetter ist zwar nicht so toll wie gestern aber zumindest ist es trocken, und das reicht uns. Wir suchen uns einen Parkplatz und laufen nach los. Immer bergauf!

    Unser Ziel ist heute das Nattmålsfjellet, ein Bergplateau von dem man einen Ausblick auf die umliegenden Berge und auch Fjorde hat. Wir sind gespannt.

    Wir merken, dass wenig Regen hier oben nicht das Problem ist. Die Wege sind so schlammig, dass wir oft Umwege laufen müssen, um nicht mit den Schuhen darin zu versinken. Aber schon jetzt sind die Ausblicke wieder toll, egal in welche Richtung wir schauen. Oben angekommen hört sogar unser Sohn auf zu schimpfen.

    Oben gibt’s warmen Tee aus der Thermoskanne und wir genießen es, mal ohne andere Touristen hier oben sein zu können. Was es doch ausmacht, wenn keine Seilbahn nach oben fährt. Danach geht es wieder runter, diesmal zwar einen anderen Weg aber deswegen nicht weniger schlammig. Wir kommen direkt am Sportplatz raus und entdecken jetzt auch den Wanderparkplatz am Ortseingang. Da müssen wir wohl vorhin dran vorbei gefahren sein. Wanderung erledigt, es fehlt also noch ein Kaffee. Auf der Karte haben wir ein kleines Cafè mit dem Namen Bryggejentene entdeckt und das steuern wir jetzt an. Es liegt mitten auf einer kleinen Seebrücke im Fjord, von außen noch recht unscheinbar aber von innen Gemütlichkeit pur. Es ist eine Mischung aus Ladengeschäft und Cafè und wir erwischen sogar noch einen Tisch mit Blick auf den Fjord.

    Bei Kaffee und heißer Schokolade können wir zusehen, wie die Wolken dunkler werden und als wir zurück zum Auto laufen, fängt es an zu regnen. Da hatten wir wohl wieder mal Glück beim Wandern und machen es uns jetzt in unserer Hütte gemütlich. Ich habe mir angewöhnt, in der Hütte immer mal einen Blick auf das Tablet zu werfen. Dort ist die Website offen, die das Bild einer Skykamera zeigt, die nur ein paar Kilometer von uns weg steht. Hier mal der Link dazu: Klick Noch vor dem Abendessen stehen wir daher mit einer Tasse Kaffee in der Hand vor unserer Unterkunft und strecken die Köpfe in den Himmel. Wieder mal sind sie da und wir sind glücklich.

    Wir nutzen die Chance und schießen gleich noch ein paar Erinnerungsbilder von unserem Häuschen auf dem Campingplatz mit Nordlichtern. So schnell wie sie kommen, gehen sie meist auch wieder und wir essen unseren Kühlschrank leer. Es ist zwar nicht der letzte Abend aber morgen haben wir noch etwas Besonderes vor.

    Tag 7 – 2.Chance für Tromsø

    Heute ist unser letzter Tag. Daher freuen wir uns, dass wir unseren Stammtisch zurück erobert haben und lassen uns das Frühstück schmecken. Danach schlendern wir nochmal durch Tromsø. Diesmal ohne Regen, sogar die Sonne ist immer mal da und schon sieht hier alles viel gemütlicher aus.

    Wir laufen immer in Wassernähe in Richtung Folkeparken und genießen den Ausblick aufs Meer und die Berge dahinter.

    Und heute haben wir dann auch den Blick fürs Detail. Ja Tromsø ist ein tolles Städtchen. Direkt neben neuer Architektur stehen kleine, alte Holzhäuser, die so schief sind, dass man sie halten will.

    Eins haben wir aber noch nicht getan. Wir haben noch keinen frischen Fisch gegessen. Ich habe gestern mal das Netz durchforstet und bin auf einen kleinen Fischimbiss gestoßen, direkt am Hafen, den suchen wir jetzt. Er nennt sich Dragøy und befindet sich im Kystens Hus (genau neben dem Sushi-Restaurant mit dem großen Aquarium). Was soll ich sagen, die Community im Netz hat nicht übertrieben. Wir bekommen nicht nur den leckersten Fisch, sondern sind auch über die Preise erstaunt. Eine Fischplatte (siehe Bild) für 20 Euro und das in Tromsø…

    Fischplatte im Dragøy

    Achja, unser Sohn ist auch Happy, hier gibt’s nämlich Krabbenburger (Spongebob lässt grüßen). Danach decken wir uns noch mit den nötigen Souvenirs ein und natürlich etwas Süßes zum Kaffee. Den trinken wir heute auf dem Campingplatz, danach geht es leider ans Kofferpacken. Dafür steht heute noch ein etwas anderer Programmpunkt an. Der Campingplatz hat zum Tapasabend mit Livemusik eingeladen und das lassen wir uns nicht entgehen. Pünktlich 19:00 Uhr sitzen wir also im Restaurant, zum Glück hatten wir einen Tisch reserviert, es wird nämlich schnell voll. Die Tapas sind saulecker, nur der Musiker lässt sich Zeit – typisch.

    Kurz vor 10 fängt er an dann tatsächlich an, es gibt internationale Coverhits. Wir hören noch eine Weile zu, dann schleichen wir uns in unsere Betten. Wir müssen leider morgen früh raus.

    Tag 8 – Heimreise

    Um 5 klingelt heute der Wecker, Frühstück gibt es hier leider so früh nicht, daher sitzen wir bereits eine Stunde später pünktlich am Flughafen (die Flieger waren übrigens auf dem Campingplatz nicht zu hören) und warten bei Baguette und Kaffee auf unser Flugzeug nach Oslo. Diesmal müssen wir umsteigen, die erste Runde übernimmt SAS, ab Oslo dann die Lufthansa. Der 2.Pilot schafft dank Rückenwind sogar die kleine Verspätung herauszuholen. So steigen wir ohne Stress in unseren ICE nach Erfurt (fast ohne Verspätung) und später in unser Auto. Müde aber voller toller Erinnerungen erreichen wir 22:00 Uhr die Heimat.

    Fazit:

    Wir können wieder 2 Punkte von unserer Bucket-List streichen und uns fällt auf, dass wir die mal wieder auffüllen müssen.

    Tromsø im November? Wir sagen, auf jeden Fall machen! Vielleicht hatten wir Glück mit dem Wetter, vielleicht haben wir uns auch einfach darauf eingestellt. Die richtig warme Kleidung brauchten wir dann übrigens doch nicht, es waren immer um die 0 Grad, aber nass.

    Der Campingplatz ist ideal für einen Aufenthalt in Tromsø und wie so oft, ist das Umland für uns spektakulärer (und leerer) als der Ort selbst.

    Edit: Nie wieder ein Leihwagen von Hertz

    Leider nahm unsere Leihwagen-Aktion ein unschönes Ende. Die Buchung erfogte ja über Auto Europe, da dort nur vermittelt wird, mieteten wir am Ende von Hertz. Nach ca. 2 Monaten wurde von Hertz etwas mehr als 600,-€ von der Kreditkarte abgebucht. Zufällig genau so viel, wie die Sicherheit, die per Kreditkarte hinterlegt wurde. Angeblich war die Motorhaube zerkratzt (sowohl bei Abholung als auch bei Abgabe schneite es, das Auto stand auf dem Parkplatz). Uns selbst ist kein Schaden aufgefallen. Nach Recherchen im Netz scheint das eine gängige zusätzliche Einnahmequelle von Hertz zu sein. Daher werden wir uns das nächste mal Alternativen suchen. Solltet ihr also einen Leihwagen am Automaten zurückgeben, macht von allen Seiten genaue Fotos (mir fehlte genau vorn).

    Endlich mal wieder Römö / Dänemark

    Unglaubliche 4 Jahre hat es gedauert, bis wir wieder auf unserer Lieblingsnordseeinsel Römö sein konnten. Erst die fehlenden Pfingstferien, dann 2 Jahre lang Corona-Einreiseregeln, wir sind gespannt, ob wir die Insel überhaupt wieder erkennen.

    Wir haben sie erkannt, viel hat sich auch nicht geändert und das ist in diesem Fall absolut positiv gemeint. Aber von Anfang an! Wir können erst Sonntag vor Christi Himmelfahrt starten, am Samstag gab es noch etwas zu feiern zu Hause. Nach dem Frühstück geht es los und wir schaffen es bis Hamburg ohne Stopp und Stau. Wohlgemerkt bis Hamburg, durch den Elbtunnel holt uns der übliche Stau ein, trotzdem sind wir pünktlich auf der Insel. Pünktlich heißt, wir können uns noch einen Kaffee kochen und diesen in der Sonne genießen.

    Wir haben lange überlegt auf welchen Campingplatz wir auf Römö fahren. Es gibt 3 Plätze auf der Insel, einen direkt am Meer und die anderen eher „hinten raus“. Bisher war für uns immer klar, es gibt nur den am Meer. Leider haben wir den für letztes Jahr reservierten Platz auf Lakolk-Camping auf Drängen von First Camp voll bezahlt und konnten ihn nicht nutzen. Die mündlich versprochene Lösung gab es nicht. Trotzdem zieht es uns letztendlich wieder nach vorn. Wer sparen möchte und daher auf den Spaziergang durch die Dünen zum Sonnenuntergang verzichtet, der ist auf Family-Camping aber gut aufgehoben.

    Diesen kurzen Weg nutzen wir auch sofort nach dem Kaffee und laufen direkt an den weiten Strand vor. Das haben wir vermisst! Die einen spielen mit den Wellen, die anderen machen Fotos und die Damen tanzen eine Weile am Strand…

    Tag 2, 23.5.22

    So mögen wir das! Wir werden von der Sonne geweckt und können draußen frühstücken. Danach packen wir alles zusammen und fahren an den Buggystrand. Auf Römö ist Kite-Buggy fahren nur auf einem bestimmten Strandabschnitt erlaubt, dieser befindet sich ganz im Süden, mit Blick auf Sylt. Der Strand dort ist noch breiter und meist leerer als in Lakolk.

    Jeder holt sein „Spielzeug“ raus und genießt den Tag auf seine Art. Ich fahre endlich mal wieder Buggy und Mountainboard, die Große liest in der Sonne, der „Kleine“ gibt sich dem Sandspielzeug hin und Line, die macht von allem etwas, vor allem aber spaziert sie über die Dünen und genießt den Blick aufs Meer. Natürlich lassen wir auch alle Windspiele, Drachen und Tiere raus, das gehört zu einem Tag auf Römö. Pepe probiert sich am Kite fliegen und kommt nach etwas Übung gut zurecht. Ich glaube, bald kann er aufs Board…

    Erst spät am Nachmittag kehren wir zufrieden, müde und hungrig zum Wohnwagen zurück. Der Nachteil von Wind am Strand?! Sand! Überall! Also alle duschen und danach Nudeln mit Pesto (geht immer). Bevor wir ins Bett fallen, gibt’s sogar noch eine Runde Gesellschaftsspiele. (Fast ganz ohne Streit!)

    Tag 3, 24.5.

    In der Nacht hat es geregnet, allerdings werden wir nicht davon geweckt, sondern von unserer Leseratte. Sie saß gestern mit Basecap in der Sonne und hat gelesen. Das hat zur Folge, dass sie nun 2 fette Brandblasen oben auf den Ohren hat. Alles andere hatte sie eingecremt aber an die Ohren unter den langen Haaren hatte keiner gedacht. Merker: Ohren nicht vergessen! Sie erträgt es aber tapfer und so können wir das Frühstück mit frischen dänischen Brötchen genießen. Danach geht’s, wie soll es anders sein zum Strand. Heute aber direkt in Lakolk, wir wollen ein paar Drachen steigen lassen und das verträgt sich nicht so gut mit den Buggys. Viel zu lange lag das alles in der Garage, heute lassen wir alles raus! Line macht was sie will: zum Meer spazieren.

    Leider wird das Wetter schlechter, bevor die Drachen nass in die Tasche müssen, packen wir zusammen und statten lieber den Kite-Surfern noch einen Besuch ab. Auch diese sind bei Wind immer am Strand von Lakolk zu finden.

    Tag 4, 25.5.

    Halbzeit und das Wetter verspricht nichts Gutes. Wir überlegen, ob wir meine Verwandten aus Tschechien, die mittlerweile viele Jahre in Dänemark wohnen, besuchen. Das Problem: Wenn wir auf Römö sind, haben wir keine Lust wegzufahren. Trotzdem raffen wir uns auf. Heute geht hier eh nichts und auf Kerzenziehen in der Passage von Lakolk hat keiner mehr Lust (unsere Beschäftigung bei vielen Regentagen). Kurz angefragt, die beiden können. Idealerweise liegt der Ostseeort Kolding auf dem Weg, das können wir verbinden. Das Internet verspricht viel was Kolding angeht, wir schlendern durch den Ort und suchen das gelobte Flair. An einigen Orten holt es uns ein, an anderen ist irgendwie Endzeitstimmung mit vielen geschlossenen Kneipen und Geschäften. Trotzdem schaffen wir es die schönen Seiten zu genießen und – das Beste – draußen Kaffee zu trinken! OK, was zu Essen gab es auch!

    Nach dem Essen haben wir uns auf die Suche begeben, in Kolding soll es ein Boot geben, welches ausschließlich die dänische Königin nutzen darf. Nicht auf der Ostsee sondern auf einem kleinen See, direkt am Schloss. Wir haben es gefunden, auch wenn es etwas königlichen Prunk vermissen lässt.

    Danach geht’s zur Verwandtschaft. Wir genießen einen tollen Nachmittag/Abend, lachen viel und die beiden zeigen uns ihre (nicht mehr ganz so) neue Heimat. Wir fahren erst wieder ab, als die Befürchtung aufkommt, dass wir nicht mehr auf den Campingplatz kommen (22:00 Nachtruhe)

    Tag 5, Vatertag

    Ich gehe mit Line Brötchen holen und die Kinder decken, einmalig in diesem Urlaub, den Tisch. Das Wetter passt und wir frühstücken draußen. Zum Vatertag wollen wir nochmal zum Buggystrand. Der ist heute recht nass und verdächtig leer. Das fällt uns aber jetzt noch nicht auf. Also ab durch das flache Wasser an unseren Stammplatz an der Düne. Der Caddy mit seinem Allrad ist schließlich für solche Verhältnisse umgebaut ( den Umbaubericht findet ihr hier). Wir geben uns alle unseren Beschäftigungen hin (diesmal mit eingecremten Ohren) und genießen die Zeit. Aber der Wind wird immer stärker und so muss ich das Buggyfahren irgendwann aufgeben. Auch lesen und spielen macht bei dem Wind und Sand nicht mehr wirklich Spaß.

    Am frühen Nachmittag beschließen wir zurück zu fahren. Die Kinder wollen unbedingt noch ein berühmtes dänisches Softeis essen und wir haben auch nichts gegen Fika einzuwenden. Kaffee haben wir zwar dabei aber bei dem fliegenden Sand, knirscht das immer so doll 😉

    Erinnert ihr euch noch an die wenigen Autos und das Wasser am Strand? Die Autos die noch da sind, stehen alle direkt an der Strandausfahrt. Zwischen ihnen und uns haben die Flut und der Wind mittlerweile einen See von stolzen Ausmaßen gezaubert. Rechts und links hat er kein Ende, das heißt wir müssen durch. Den ersten Versuch breche ich ab, als das Wasser bis zum Schweller steht. Mit einem anderen Auto suchen wir eine flache Stelle. Unser Vorteil ihm gegenüber ist, dass wir dank Fahrwerk und großer Reifen knapp 10cm höher liegen, so nutzen wir kurzerhand eine Gruppe Reiter, welche vor uns durch das Wasser reiten als Orientierung und kommen unbeschadet am anderen Ufer an. Jetzt aber ab: Eis essen!

    Bevor ich nochmal für ein kleines Auto-Fotoshooting zum Strand fahre, ziehen wir unser Aufstelldach ein. Der Wetterbericht hat mittlerweile eine Sturmwarnung herausgegeben. Da wir genug Platz im Wohnwagen haben, wollen wir nichts riskieren.

    Der Campingplatz füllt sich, Partygäste strömen herbei und so ist es mit der Beschauligkeit spätestens heute vorbei. Nach 2 Jahren Pandemie, so befürchten wir, sind wir da etwas empfindlicher geworden. Wir machen uns trotzdem einen gemütlichen Abend, aufgrund des Wetters und der vielen Nachbarn aber im Wohnwagen.

    Freitag, 27.5.

    Wir werden mit Sonne wach und bauen die Stühle und Tisch draußen auf. Ich stelle Caddy und Wohnwagen so, dass wir windgeschützt sitzen können und wir genießen kurz die Sonne. Ein Blick zum Himmel sagt uns aber – schnell wieder einpacken. Wir schaffen es gerade so alles in den Wohnwagen zu schaffen, da geht es draußen auch schon richtig zur Sache. Wir frühstücken also drinnen und im Trocknen weiter. Die nächste Regenpause nutzen wir für einen Strandspaziergang, dachten wir! Wir werden nass bis auf die Knochen (zumindest dort wo keine Regensachen sind), nass und sandig, denn neben dem Regen ist der Sturm immer noch da. Wir schauen uns kurz an und entscheiden: Wir fahren heute statt morgen nach Hause – So entfliehen wir den Partymenschen und dem Regen. Also packen wir zusammen und rollen kurz nach 1 für das obligatorische Gespannfoto nochmal an den Strand. Leider erkennt man dort nicht wie windig es war aber um die Tür zu öffnen, musste man schon mit 2 Händen ziehen.

    Caddy und LMC am Strand

    Auf der Heimfahrt erleben wir etwas, was wir nicht für möglich gehalten hätten! Hamburg ohne Stau! Das ist unglaublich und beschert uns eine Ankunft gegen 22:00 Uhr. Trotz Kürzung (aber nur um eine Nacht) eine tolle Auszeit am Meer!

    4 Jahreszeiten Camping in Skandinavien

    Ein Buch mit 238 Seiten von Conny und Sirko Trentsch, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag. Preis: 24,00€

    Ich(Micha) muss noch vor der Vorstellung dieses Buches etwas zugeben, wir sind diesmal ganz und gar nicht unvoreingenommen. Schon länger verfolgen wir die Reisen von Sirko und Conny auf deren Nordlandblog. Umso mehr waren wir gespannt, als wir erfuhren, dass die beiden nun ein Buch rausgebracht haben. Nun haben wir es zu Hause liegen und wer zuerst auf der Couch sitzt, der hat es auf dem Schoß.

    Wie der Name schon sagt, sind die vorgestellten Roadtrips nach den 4 Jahreszeiten sortiert. Ebenso wenig sollte es überraschen, dass es um die nördlichen Länder Europas geht. In 9 Kapiteln schafft es das Buch, die Jahreszeiten mit den spannenden Reisezielen zu verknüpfen. Hier spürt man die Reiseerfahrung der Beiden. Es sind tolle Erfahrungsberichte mit ebenso tollen Bildern.

    Was ist es aber nun, dieses Buch von Nordlandblog?! Die Antwort ist, es sind viele Bücher. Falls Ihr etwas sucht, um euch an verregneten Herbsttagen dem Fernweh hinzugeben, falls ihr etwas sucht, um im Winter euren nächsten Roadtrip zu planen, wenn ihr etwas sucht, um im Frühjahr die Lust am Reisen zu wecken oder eine Lektüre, um im Sommer im Helsinkier Stadtbad zu entspannen. Für all diese Fälle passt das Buch, vorausgesetzt ihr liebt den Norden genauso wie wir und wie Sirko und Conny.

    Natürlich gibt es schon unglaublich viele Reiseführer, die sich mit dem Norden Europas befassen. Die Frage ist also berechtigt: muss es noch einen geben? Muss es natürlich nicht. Trotzdem lohnt es sich aus unserer Sicht, diesen zu besitzen und auch zu lesen. Die beiden betreiben scheinbar einen enormen Aufwand, um alles erlebte auch nachvollziehbar festzuhalten. Das Buch steckt nämlich voller Tipps, GPS-Daten und vor allem eigenen Reiseberichten. Wir waren mittlerweile natürlich selber einige Male im Norden. Und selbst bei Routen, die wir selber schon so oder so ähnlich gefahren sind, freut es uns, diese mit schönen Bildern auch im Buch zu finden. Die Beiden beschreiben sehr genau ihre gefahrenen Routen, geben Tipps zum Essen und Übernachten und weisen auf tolle Ausflugsziele hin.

    Es gibt natürlich auch einen Punkt, vor dem ich euch warnen muss. Gerade bei Routen, die man selber schon gefahren ist, kann es dazu kommen, dass man sich ärgert. Ärgert, darüber, einige Dinge nicht gesehen zu haben und (so geht es uns immer mal) darüber, dass man sich nicht mehr Zeit genommen hat (nehmen konnte) im Norden zu sein.

    Fazit: Auch wenn wir voreingenommen sind, dieses Buch ist ein absoluter Tipp. Egal ob für euch selbst oder als Geschenk auch egal ob ihr schon im Norden wart oder es gerade plant. Sogar für diejenigen unter euch, die ausschließlich davon träumen, ist dieses Buch ideal.

    Falls Ihr das Buch bestellen wollt, dann macht das doch direkt bei den Beiden: Klick

    Alle Buchvorstellungen findest du hier!