Zeinissee: Staunen, Bouldern, runter kommen / Sommer 2018 Part I

Juli 2018

Wir starten heute kurz nach dem Mittag mit einem komischen Gefühl im Bauch. Einerseits freuen wir uns auf 18 Tage Urlaub in Österreich und Südtirol, andererseits hat uns letztes Jahr, bei unserem zweiten Schwedenurlaub, der Skandinavienvirus erwischt. Ein wenig haben wir Angst, dass uns Schweden fehlen wird. Wir lassen es auf uns zukommen, für alles andere ist es jetzt sowieso zu spät. Die Abfahhrt klappt problemlos, auch die Finger kommen ohne Pflaster aus ( siehe unseren Schweden-Start ). Leider endet die Fahrt nach knapp 70 km auf der Autobahn – nix Schlimmes, nur der übliche Stau. Da stehen wir also so ungefähr 2 Stunden rum, nach ner Weile kennt man seine Nachbarn und nickt diesen anerkennend zu, wenn es mal auf der anderen Spur etwas schneller geht.

Das ändert sich Punkt 16 Uhr – Anpfiff WM Deutschland gegen Südkorea. Auf einmal ist die Autobahn leer und wir folgen dem Spiel wie früher am Radio. Unser Plan, an München vorbei zu kommen, rückt also in Reichweite. Deutschland verliert und wir beschließen, ab sofort für Schweden zu sein.

Die Navi sagt, quer durch München, der Stau auf der Ostumfahrung will das wohl auch, also gehts einmal quer durch. Feierabendverkehr und wir mit 14m-Gespann dazwischen, alles geht gut. Line lässt in der Zeit schon das Handy glühen und sucht einen Campingplatz nahe an der Autobahn. Wir entscheiden uns für den Campingplatz in Wolfratshausen. Eine absolut tolle Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Der Platz ist toll, der Betreiber sehr entspannt und es gibt überall was zu entdecken. Angefangen bei die Außenküche im Mittelalterstil, über die alte, wild dekorierte Kastanie, bis hin zur Lagerfeuerstelle in der schon das Feuer brannte als wir kamen. Hier werden wir sicher wieder mal anhalten.

In der Nacht dann Alarm, die ganze Tüte Kesselchips, die unser Kleinster verdrückt hat, sollte sich rächen und so stehen Line und ich mitten in der Nacht im Waschraum. Einer wäscht Bettwäsche der andere duscht den Knirps. Kesselchips reihen sich seit heute in die Liste der verbotenen Lebensmittel im Wohnwagen ein…

Tag 2

Wir wachen durch dicke Regentropfen auf dem Wohnwagendach auf, Frühstück also drinnen und dann schnell weiter, nun locken die Berge richtig. Jeden Kilometer, den wir weiter fahren, werden die Berge spektakulärer. Viele Kilometer sind es heute nicht, aber durch die kleiner werdenden Straßen geht es nicht mehr so zügig voran. Stört uns nicht, wir sind schon im Genußmodus.

Gegen 13:00 und nach einer letzten steien Passage, kommen wir an der ersten echten Etappe an. Campingplatz am Zenissiee soll die nächsten Tage unser Basislager darstellen. Der Platz ist toll gelegen, auf 1800m Höhe direkt an einem Bergsee (nicht dem Zenissee sondern dem Zeinisbach – das erfahre ich aber erst später). Baden geht hier nicht, dafür kann ich nicht davon ablassen, ihn zu jeder möglichen Tages- und Nachtzeit zu fotografieren. Der Platz ist zwar sehr klein, die beiden Duschen pro Geschlecht schon etwas sportlich geplant, mehr gibts hier aber nicht zu meckern, alles ist sauber und ordentlich und die Dame am Platz stets nett. Die Brötchen hängen jeden Morgen frisch und pünktlich im Baumwollbeutel am vorgesehenen Haken. Toll!

Leider ist das Wetter bei Ankunft noch nicht besser, so findet das erste Urlaubskaffeetrinken im Wohnewagen statt. Danach nutzen wir eine Regenpause, um unsere Kinder auf die nächsten Tage einzustimmen – wir nötigen sie zu einem kleinen Ausflug zum Stausee, direkt neben dem Zeinisee. Sie mosern ein wenig. Wir bekommen schon so langsam einen Eindruck, wie toll es hier ist. Am Ende werden es 5 km Spaziergang und wir lassen uns müde zu einem Monopoli-Spiel überreden. Die Runde soll uns den ganzen Urlaub begleiten, da sie einfach nicht enden will…

Tag 3

Wir öffnen gegen 8 ganz vorsichtig das Rollo vom Wohnwagen, immerhin sind wir bei Regen eingeschlafen. Empfangen werden wir vom Tag mit traumhaftem Sonnenschein. Also raus und Frühstücken mit frischen Brötchen und Blick auf den See. Unser Plan heute: Silvrettahochalpenstraße. Vom Campingplatz haben wir die Silvretta-Card erhalten, die meisten Lifte und Passstraßen sind somit kostenlos zu nutzen. Die Straße ist echt spektakulär und wir wissen jetzt, warum sie für Wohnwagen gesperrt ist. Es vergeht keine Minute bis Adlerauge (der Jüngste) in unmittelbarer Straßennähe eine Horde Murmeltiere entdeckt. Kurzer Fotostopp – eingefangen.

Am Silvrettastausee stellen wir das Auto ab und starten zur ersten Wanderung. Das Ziel ist irgendwie noch unklar, um den See, ins Klostertal oder auf den Berg? Wir sind uns unsicher und die Kinder benötigen heute unsere volle Motivationskunst, um überhaupt zu laufen. Am Ende schaffen wir knapp 9 Kilometer am See entlang. Ein Picknick und Klettern am Fels stellt den Höhepunkt für heute dar.

Im Anschluss geben wir uns noch das Vergnügen der vollständigen Silvretta-Straße (ich wünsche mich gerade in Lines neuen GTI, sie dafür, glaube ich, auf den Campingplatz), eine irre Straße, auf der uns immer mal wieder ein paar Radfahrer begegnen – ihnen gehört unser Respekt!

Die Wanderung von heute ist ausbaufähig, finden wir. Zurück am Wohnwagen, entscheiden Line und ich beim Kaffee, dass heute noch mehr geht und wir starten alleine noch einen kleinen Aufstieg zum Zeinisee (diesmal der echte) überhalb des Platzes. Wir sind ganz allein und genießen den Ausblick. Ein Blick auf den inneren Kompass bestätigt, ein Sonnenaufgangsfoto hier oben könnte spannend sein, also müssen wir hier nochmal her.

Den Abend beschließen wir mit Wein, Bier und (nein kein Gesang) Grillfleisch.

Tag 4

Es ist nach halb 9 morgens. Juhu die Kinder sind im Urlaubsmodus und schlafen aus. Nachdem sie endlich aus dem Bett kommen, sucht heute unser Jüngster den Frühstücksplatz aus. Nein, nicht vor dem Wohnwagen, sondern direkt am Seeufer. Also tragen wir Tisch, Stühle und alles andere auch über den Campingplatz. Manchmal tun ja Kinder einfach etwas, was wir Erwachsene auch gern wollen, aber wir sind viiiiieeeel zu erwachsen, hier auch und so freuen wir uns, dass er es für uns getan hat.

Heute wollen wir von Ischgl auf die Idalpe. Laut Internet gibt es hier einen Erlebnispfad für die Kinder – der Adventure Stage. Dieser ist problemlos von der Mittelstation der Bergbahn zu erreichen. Es wurde nicht zu viel versprochen, gleich zum Start gibt es den ersten Bergsee mit kleinem Kletterturm und so geht es auch weiter. Immer wieder gibt es Stationen zum Klettern, Blancieren oder wir entdecken Frösche im kleinen Bachlauf. Am schönsten See machen wir Picknick und ärgern uns, dass wir nix zum Grillen dabei haben, denn hier gibt es mehrere Grillstellen und fertig gehacktes Brennholz. Lange hält es die Kinder nicht am Picknick-Platz, der Urinstinkt von Team Schwarz bricht durch und die beiden werfen ihre Sachen von sich, Baden ist angesagt. Also zumindest solange, bis der erste große Zeh im Wasser war. Es ist saukalt! Line und ich bleiben also draußen, die Kinder aber hält das nicht auf.

Im Anschluss an diesen kleinen Rundweg fahren wir noch ganz nach oben um mit toller Aussicht einen Capuccino zu trinken. Dazu gibt es einen Kaiserschmarn, nicht irgendeinen! Den teuersten, den wir jeh hatten. Die Hütte ist zwar toll aber ob der Preis gerechtfertigt ist!? Mhhh.

Hab ich schon erzählt, dass ich E-Bike-Fahrer, sagen wir mal, wenig mag!? Ich hasse sie! Wie war das früher? Auf dem Berg gab es 2 Arten von Menschen, Wanderer und Mountain-Biker. Beide waren oben verdammt stolz auf sich – zu recht. Und heute? Heute kauft sich so manches Pärchen die buntesten Fahrradklamotten, atmungsaktiv, schweißhemmend , was nicht alles. Um dann den Regler ihrer E-Bikes auf volle Leistung zu stellen und den Berg hinauf zu gleiten. Davon gibt es hier so viele, dass ich anfange, allen echten Bikern meine Anerkennung zuzurufen. Von dem Rest hält mich Line ab!

Im Anschluss laufen wir noch den Walk of Lyrics mit den Songtiteln vieler Künstler entlang. Für Leute mit Höhenangst sind die beiden Hängebrücken ein ganz besonderer Leckerbissen. Die Blicke wenn man auf der Brücke anfängt leicht zu springen – unbezahlbar…

Pünktlich vor Ladenschluss sind wir wieder in Ischgl und können uns mit diversen Landestypischen Leckereien eindecken. Natürlich landet auch Grillfleisch im Korb der Abend ist gerettet. Nach dem Abendessen zieht es mich nochmal zu den beiden Seen. Ich weiß nicht wie viele Fotos ich davon in den vergangenen Tagen gemacht habe…, ein paar passen bestimmt noch.

Tag 5

Line und ich sind aufgeregt! Heute ist der erste Höhepunkt unseres Urlaubs geplant. Ok, bis jetzt war es natürlich auch schön hier, aber heute haben wir etwas Besonderes vor. Lange geplant und nicht zuletzt deswegen auf den Campingplatz gestoßen. Aber von vorn! 8:00 stehen wir auf, Line startet eine Maschine Wäsche, wir anderen ziehen mit unserem Tisch zum Stammplatz am See. Nach dem Frühstück laufen wir los, das Auto kann heute stehen bleiben. Erst entlang des Stausees, geht es dann den Berg hinauf. Es ist die Zeit der Bergrosen und so kann ich kaum davon lassen sie fotografisch in Szene zu setzen. Danach folgt ein Latschenkieferwald, den wir durchqueren.

Heute ist es schon verdammt warm und die Kinder fragen zaghaft, wie weit es noch ist. Wir wissen es nicht, wir wissen nur, dass wir uns 13:00 mit Christoph dem Bergführer treffen wollen, irgendwo oben, neben einer Hütte. Am Ende sind wir doch schneller, als befürchtet und haben noch Zeit für ein ausgedehntes Picknick bis Christoph ( von den Bergführern Galtür) endlich eintrifft. Heute gehts Bouldern. Steht schon ein wenig länger auf unserer Mal-Ausprobieren-Liste und da die Kinder nun groß genug sind, probieren wir. Der Boulderpark hier ist recht berühmt. Zu Recht wie sich herausstellt. Es ist wunderschön hier, weit oben, trotzdem inmitten von Bergmassiven, ein kleiner Bergsee mittendrin und die großen Felsen erwecken den Anschein, ein Landschaftsgestalter hätte sich hier ein Denkmal geschaffen. Natürlich ist alles Natur und wir haben 2 Stunden Zeit es zu genießen. Christoph ist älter als erwartet und hat viel Erfahrung, er gibt uns viele hilfreiche Tipps und nimmt Line ein wenig die Angst (um die Kinder). Nach einer kurzen Einführungsrunde geht es schon an echte Felsen. Die gelingen, Dank der Tipps und den Schuhen schon recht gut. Nur die Füße fühlen sich an, als wären sie schon vor 10 Minuten abgestorben. Hilft nichts, Spaß kostet! Nach und nach werden die Felsen immer Höher und wir tasten uns Einzeln an unsere Grenzen.

Geflasht vom Erlebnis und nach einer Pause am Bergsee, machen wir uns an den Abstieg. Die Kinder sind zwar völlig erledigt und das Wasser ist alle, aber wir schaffen es dennoch zurück zum Wohnwagen. Zum Glück gibt es ja genug Quellen unterwegs, die den Durst löschen können.

Unseren letzten Abend wollen wir im nahen Alpengasthof feiern und sitzen wenig später, frisch geduscht (war nötig) auf der Terasse bei Kasspätzle und Radler. Wehmütig genießen wir den Ausblick auf den See. Sicher steuern wir diesen Platz nochmal an. Die Tage vergingen einfach zu schnell, um alles zu sehen…

Auf dem Weg zum Wohnwagen fragen wir die Kinder, ob sie Lust haben, am nächsten Tag um 5 aufzustehen. Wir wollen unsere Abfahrt noch etwas hinaus zögern und haben daher beschlossen, früh am Morgen zum Zeinissee aufzusteigen. Wider Erwarten sind sie begeistert! Der Wecker ist gestellt und wir gehen voller Vorfreude schalfen. Punkt 5 öffnen Line und ich nicht nur ein Auge, sonder auch das Wohnwagenrollo. Verdammt! Alles bewölkt, so macht das keinen Spaß! Also Wecker auf 6 Uhr gestellt, neuer Versuch. Zum Glück sind die Kinder nicht wach geworden. Nach der Stunde sieht es nicht viel besser aus, egal. Wir wecken die Kinder und staunen wie schnell die beim Aufstehen und Anziehen sind – wenn sie wollen. Kamera und Stativ gepackt (Stativ trägt die ersten 8 Meter großzügig mein Sohn) und hoch geht’s. Die Wolken verziehen sich langsam und so bekommen wir zwar kein perfektes Sonnenaufgangsbild aber die Stimmung ist herrlich. Die Wiesen voller Tautropfen, alles ruhig, fehlte nur der Steinbock, der am See steht und frühstückt…

Hier gehts weiter mit Teil 2

Winterurlaub mit den Nachbarn als Nachbarn

Winterurlaub mit den Nachbarn als Nachbarn

Januar, 2018

Samstag früh. 4:00 Uhr. Die ganze Straße schläft noch, nur wir sind wach und schleichen zum Auto. Dort können wir im Warmen darauf warten, dass die Nachbarn aus ihrem Haus kommen. Aber nix passiert! Alles dunkel, dabei wollten wir pünktlich los! Ein Anruf lässt uns das erste mal in diesem Urlaub lachen. Die 5 Nachbarn sitzen, wie wir, in ihrem Auto und warten auf uns! 10 Meter vor uns. Los geht’s. Passend zum Winter holt uns nach knapp 100 km der Schnee inkl. Straßensperrung ein. Im „Wald“ fällt leise der Schnee und zwar nicht zu knapp… Trotzdem kommen wir super die kleinen Dorfstraßen entlang, um einige Kilometer später wieder auf die, nun sehr leere, Autobahn aufzufahren. 13:00 Uhr die geplante Ankunftszeit (incl. Frühstück). Wenn, ja, wenn uns nicht 20 km vor dem Ziel ein Unfall, kurz vor uns, aufhalten würde. Wir nutzen die Stunde (oder etwas mehr) zum Luft schnappen, wir haben ja Zeit.

Anders sieht das der allein reisende Herr hinter uns. Er krabbelt, schon in voller Montur, aus seinem Auto (inkl. Rückenpanzer). Nun, direkt vor uns liegt sein Skigebiet. Der Unfall war nur 20 Meter vor seiner Einfahrt. Hilft ihm aber nix!

Wir sind am Ende aber pünktlich zum Käffchen in der Wohnung und probieren traditionell Lines Urlaubskuchen – Lecker!!! (merken: das nächste Mal 2 Bleche Kuchen backen!) Danach erkunden wir die (bekannte) Gegend, gibt ja immer Neues zu entdecken. Außerdem müssen wir noch jede Menge Geld in Skipässe (warum heißt das nicht Snowboardpässe) und Skischullehrer umtauschen.

 Der Vorteil unserer Wohnung ist, dass sie relativ nah an der Seilbahn liegt (und zufällig direkt über der Apres-Ski-Bar, roter Pfeil).

So kann man schnell mal rauf und runter und wenn man Lust hat (oder vom Kind gezwungen wird) auch, nach dem anstrengenden Tag , noch ne Runde Schlitten fahren.

Das Wetter meint es mal wieder gut mit uns. Alle Kinder sind gesund (war wieder mal knapp) und wir genießen gemeinsam ein paar schöne Tage am Hochzeiger im Pitztal – Der Schnee, unsere Boards und wir, also wie früher. Zumindest bis 12:00, dann ist die Skischule vorbei 😉

Snowboarden. Das war uns vor 10 Jahren noch genug für eine Woche. Mittlerweile wollen wir mehr. Wir genießen also die Gegend und wenn wir können, gutes Essen.

Ein fester Bestandteil unseres Pitztal-Winterurlaub ist daher ein Abstecher zum Mountain-Camp in Jerzens. Ein kleiner netter Campinplatz, im Winter tief verschneit. Ein paar harte Camper (zu denen wir offensichtlich nicht gehören) sind auch da… Deswegen sind wir aber nicht hier, zumindest im Winter nicht ( Hinweis für uns: unbedingt mal im Sommer einplanen!). Wir kommen zum Essen! Der Platz hat nämlich ein hervorragendes Restaurant! Einmal im Jahr gönnen wir uns hier eine ausgezeichnete Forelle ( auf unterschiedlichste Art zubereitet ) aus dem eigenem Gewässer und für die Fleischfraktion (wie mich) gibt’s ein Steak vom Pitztaler Ursteinrind, ebenfalls von den Wiesen rund um den Platz. Das Restaurant ist urig eingerichtet und die Bedienung immer nett. Von uns ein absoluter Tipp für alle die mal in der Nähe sind.

Fast hätte ich es vergessen: Lasst Platz für Nachtisch! Zitroneneis im Kräutermantel, Erdbeereis mit Chili oder Vanille in Mandel, eins besser als das andere!

Auch auf dem Berg haben wir versucht, ein wenig weg vom Massengeschäft mit Selbstbedienung zwischen schwitzenden Menschen in Skiunterwäsche zu kommen. Nicht so leicht mit Kindern im Skischulalter. Trotzdem haben wir es geschafft. Unser Ziel war die Stalderhütte. Sehr gemütlich und scheinbar uralt. Trotz viel Betrieb in der Ferienwoche sind die Mädels von der Bedienung immer gut gelaunt und verdammt schnell. Das Essen natürlich traditionell und gut.

Als wir das erste mal reinkommen, werden nicht wir überschwänglich begrüßt, sondern unser Kleiner. Und zwar von den Damen alle samt im Bunny-Kostüm ( Männer beruhigt euch, es war Fasching). Warum klärt sich schnell! Unser kleiner Chaot hat tags zuvor die Skischulgruppe verloren und hat dann wohl überlegt wie es weiter geht. Nachdem er mit anderen Skifahrern am Hang gesprochen hat, beschloss er mit den Ski die Schlittenbahn bis eben zur Stalderhütte zu fahren, seine Ski abzuschnallen und drinnen nach Hilfe zu fragen. Ihm wurde geholfen (Danke dafür nochmal), nach dem Anruf bei der Skischule bekam er noch Essen und trinken angeboten und war total begeistert von der Bedienung. Natürlich ohne zu wissen, dass wir hier zum Essen hinfahren. Das Gruppenfoto war dann natürlich Pflicht!

Dank unserem Nachbarn Alex, haben wir wieder eine tolle Unterkunft und ich muss einfach mehrmals am Nachmittag/ frühen Abend raus auf den Balkon und nachsehen was die Sonne macht. Der Blick entschädigt dann meist für die nassen Socken ( welcher Mann braucht schon Hausschuhe auf dem Balkon 🙁 )

Insgesamt also eine wunderschöne Winterwoche. Keine Verletzten, keine kranken und alle wieder heil zu Hause. Zu Hause hat uns die Grippewelle dann eingeholt und wir liegen mit schönen Bildern im schmerzenden Kopf auf der Couch und träumen von der nächsten Tour in die Berge…

Stubai – vom ersten Schnee und entspannten Polizisten

Stubai – vom ersten Schnee und entspannten Polizisten

Oktober 2017

Wir haben es gewagt und soviel vornweg: das Experiment ist geglückt! Beginnen wir von vorn. Auf dem Rückweg von Italien, Anfang Oktober (hier der Blog dazu) mussten wir ja zwangsläufig durch die Alpen. Ringsum die Berge mit frischem Schnee machten Fernweh, obwohl wir noch gar nicht zu Hause angekommen waren. Es half alles nichts, wir mussten einfach den Kalender befragen. Der Reformationstag ein Dienstag, das ist unsere Chance. Am ersten Arbeitstag den Brückentag zum Urlaubstag umorganisiert und eine Unterkunft gesucht. Line hat eine Regel aufgestellt an die ich mich, als liebender Ehemann natürlich halte – Im Schnee wird nicht gecampt. Eine Unterkunft mit Frühstück ist auch schnell gefunden, einfach aber bezahlbar – passt!

Achja – die Überlegung welcher Berg es werden soll fällt kurz aus – wir lieben den Stubaier Gletscher. Jedes Jahr im April gehört er für ein Wochenende uns, nur uns! Diesmal dürfen die Kinder auch mit. Zum ersten Mal ohne Skischule, wir werden sie also an der Backe haben aber irgendwas ist ja immer 😉 Mitten in unserer Planung scheinen wir auch meine Schwester samt Familie mit unserer Idee zu überzeugen, sie sind spontan dabei.

Wir starten also am Freitag pünktlich mit dem Stundenklingeln der Schule und denken bis München auch, dass wir wohl ganz allein auf dem Gletscher sein werden. So schaffen wir es sogar, einen Stopp bei unserem Lieblings-MC-Donalds in Greding einzulegen. Eine Konstante im Leben braucht schließlich jeder…

Zwischen München und dem Berg dann das übliche Gerangel, welche Spur im Stau denn nun 1 km/h schneller ist. Da ich diesmal ohne Wohnwagen unterwegs bin, mische ich natürlich ordentlich mit. Gegen 21:00 ist das Schauspiel vorbei und wir sind im Tal angekommen. Voller Vorfreude auf Morgen und den Schnee liegen wir zeitig im Bett und nutzen den Luxus von TV im Bett.

Am nächsten Morgen geht’s los. Wir sind aufgeregt und können es kaum erwarten auf den Berg zu kommen, die Kids lassen es ruhig angehen. Unser Jüngster ist trotzdem zuerst angezogen (von uns) und genießt den Ausblick vom Balkon bis alle soweit sind.

Endlich geht es los und wir machen uns kurzentschlossen, doch mit dem Auto, auf den Weg. Der Bus war uns mit den Kindern einfach zu stressig. Der Berg lockt uns schon am Morgen mit herrlichem Sonnenschein.

Punkt 10 Uhr sitzen wir in der neuen Seilbahn und wir sind echt gespannt. An der Dresdner Hütte sind die Schneeverhältnisse eher von der Marketingabteilung als „top“ beschrieben worden als von Wintersportlern aber ab hier wird jeder Meter weißer. Oben angekommen könnte man meinen es ist tiefster Winter.

Wir schaffen es trotz der beiden Mini-Anfänger den Tag zu genießen, allerdings sehen wir uns recht selten. Einer übt mit der mittleren Snowboarden und der andere versucht am Kleinen mit seinen Ski dran zu bleiben. Was ist hier nur passiert, seit der letzten Skischule im Februar. Wir nutzen den Tag bis zum Schluss aus, der Wetterbericht sagt nämlich für morgen nichts Gutes voraus.

Und genauso kommt es! Schon am Frühstückstisch begrüßt uns der Wirt mit der Nachricht: „Der Lift bleibt heute zu! Sturm!“ Irgendwie ist das aber Glück im Unglück. Draußen ist es ungemütlich und neblig, auf der Piste hätten wir heute mit den Kindern keinen Spaß. Da der Lift gar nicht fährt, erhalten wir Erwachsenen einen Tagespass als Entschädigung, quasi als Vorfreude auf April. Was macht man an solch einem Tag?! Das was alle machen – Shoppen! Das Brenneroutlet ist nicht weit entfernt, also schauen wir uns das mal an.

Wir sind scheinbar recht zeitig dort, Parkplätze sind noch ausreichend vorhanden. Dies ändert sich aber zusehends und von Laden zu Laden wird das Genörgel lauter. Unsere Einkaufsliste ist abgearbeitet, nur das wichtigste, Knieprotektoren, gegen geschundene Kinderknie haben wir noch nicht. Es ist Mittag und jetzt platzt das Center aus allen Nähten. Wir beschließen, uns ein nettes Lokal auf dem Rückweg zu suchen. Also nehmen wir den alten Brennerpass und wie das immer so ist bei uns – nix! Wir landen also noch hungriger wieder im Stubaital und ergattern den letzten Tisch in einem gemütlichen Restaurant. Fast hätte ich einen Salat bestellt, da viel mein Blick auf die andere Seite der Karte. Fleischspieß!? Klingt gut! Nehme ich!

Das Essen hat geschmeckt, die Familie ist glücklich! Wir fahren ins Tal hinein und wagen unterwegs einen letzten Versuch. Tada, mitten im Tal, in einem winzigen Sportladen finden wir sie. Knieprotektoren fürs Kind und Line, hat sich der Tag doch gelohnt. Die Kinder genießen den Nachmittag spielend auf dem Teppich der Pension, Line und ich auf dem Bett. Mal nichts tun kann auch schön sein. Zumindest wenn für den nächsten Tag schönes Wetter vorausgesagt wird.

Am Abend gehen wir alle zum Schallerhof .

Im Schallerhof haben unsere Schneewochenenden vor einigen Jahren begonnen. Es mag an meiner sentimentalen Einstellung liegen oder aber auch am Schallerhof, ich finde es hier toll. Das Haus ist sehr einfach und urig eingerichtet, die Zimmer sind sehr günstig, der Chef ist immer nett und das Essen ist echt lecker. (dieses Wochenende war leider schon alles voll) Als Tipp: Der Kaiserschmarrn direkt in der Pfanne serviert, reicht locker für 2 und ist saulecker.

Der Montag startet wie erhofft mit Traumwetter. Also ab in die Autoschlange zur Talstation. Irgendwie haben sich die Gäste über Nacht verdoppelt, da der Verkehr eh allein rollt versuche ich mit dem Handy ein paar Eindrücke zu schießen. Kennt ihr das? Ihr wisst schon vorher, dass es nix wird, fotografiert aber trotzdem, könnte ja… und Spaß macht es trotzdem.

Zwischendurch müssen wir natürlich immer wieder auf den Vordermann aufschließen und da passiert das unglaubliche. Mitten aus der Autoschlange picken sich diese zwei Österreichischen Polizisten wen? Mich! ‚Ja Hallo, wir haben sie gelasert! Papiere bitte.‘ Jetzt wurde es spannend. Ihr wisst ja, Snowboarder müssen sich zum anschnallen meist hinsetzen. Die beiden Taschen an meiner Snowboardjacke (ja ich war schon fertig angezogen 😉 ) sind unten und vorn. Hinsetzen mit Portemonnaie also unmöglich. So habe ich beschlossen alle wichtigen Dinge ohne selbiges mitzunehmen. Ich befürchte nur, dass die Polizisten nicht meiner Meinung sind, wenn ich denke, dass einzig wichtige auf dem Berg ist die Kreditkarte. Mehr hatte ich nicht dabei. Kam aber anders! Die beiden waren tiefenentspannt und meinten, ich solle mir erstmal einen schönen Tag auf dem Berg machen, heut Abend die Familie in der Pension abladen und dann zu ihnen auf die Wache kommen und die 35,- (für 18 km/h) bezahlen. Das ist ein Vorschlag, den kann ich nicht ablehnen. So zahlt man fast gern! Weiter geht’s im Stau.

Die Wolken im Tal täuschen, oben erwartet uns feinstes Gletscherwetter. Wir genießen einen tollen Tag. Unsere kleine Snowboarderin hat dank Protektoren ihr Vertrauen wieder gefunden und schwingt sich übend den Berg hinab. Der Kleine? Der hat sich zu viel von seinem Cousin abgeschaut, wir geben es auf, an ihm dran zu bleiben, sind uns aber einig, dass er es im Griff hat und schon heil ankommt.

Wir nutzen den Tag bis zur letzten Minute aus. Die Kinder sind kaputt und alle zufrieden. Wie mir aufgetragen wurde, liefere ich die beiden in der Pension ab und fahre zum Revier. Wie im Fernsehen befindet es sich in der ehemalig guten Stube eines alten Fachwerkhauses. Die Tür steht offen und alle sind entspannt. Die bedienen hier echt jedes Klischee!

 Drinnen werde ich freundlich empfangen und bin mir schnell sicher, der Polizist hätte mich nie aus seinem Notizblock rausgefunden, wenn ich nicht gekommen wäre. Aber egal, ich bin hier und zahle! Und dann fragt der mich tatsächlich, ob er noch ein Foto von mir machen kann! So wie im Krimi, vor ner weißen Wand mit Nummer in der Hand. Sie haben morgen eine Gegenüberstellung mit einer Zeugin und ihnen fehlt ein Foto von jemandem in meinem Alter. Nachdem er mir versprochen hat, dass der Täter mir überhaupt nicht ähnlich sieht, bekommt er sein Bild und erklärt mir anschließend wo es die beste Pizza im Tal gibt. Sie schicken mich ins Don Camillo, zufälliger Weise fast genau gegenüber unserer Pension. Sie haben nicht zu viel versprochen. Pizza ist sehr lecker und war super schnell fertig. Also machen wir es uns alle auf dem Bett (der Kinder!) gemütlich und lassen uns die Pizza schmecken.

Der nächste Tag dient leider nur noch der Versorgung mit österreichischen Grundnahrungsmitteln ( Graukäse, Wein, Zirbenschnaps) und einem Foto zum Abschied.

Da wir noch nie so früh losgekommen sind, beschließen wir einen Abstecher. Fahrt ihr ab und an die österreichische A12 lang? Wir auch und jedes mal bewundert Line den tollen Lampenladen Leuchtwurm direkt an der Autobahn (für die Männer: der , der direkt neben dem tollen KTM-Store ist!). Diesmal wollen wir dort mal anhalten und ja ich gebe zu, es lohnt sich. Echt tolle Lampen und auch für unseren Geldbeutel war etwas dabei. Wir schlagen zu und erhalten ungefragt noch einen tollen Rabatt von der netten Dame am Tresen. Wir sind begeistert! 

Nun legen wir den Tempomat in einer Region an, die wir sonst für die Strecke Innsbruck – München für unmöglich hielten und kommen mit einem Ministopp in Greding (ging nicht anders, war die Mitte) pünktlich zur Halloween-Party der Lieblingsnachbarn zu Hause an.

Unser Fazit: Schön, dass die Kinder groß genug sind, um solche Wochenendtripps machen zu können! War toll!