Plansee im Sommer – der Wolken-Tripp ( Teil I )

Wir befinden uns mitten im Jahr 2020 – dem Jahr der Corona-Pandemie und lange war unklar, ob es diesen Tripp überhaupt geben wird. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht geamcht, am Ende aber entschieden zu fahren. Da wir beim Campen die sozialen Kontakte gut einschränken können und selbst wenn diese nötig oder gewünscht sind, dann sind wir draußen.

So genug Virus, es ist Mittwoch, die Kids bekommen heute Zeugnisse und wir starten kurz nach dem Mittag – mit Traditionen soll man ja nicht brechen. 😉 Line hatte tatsächlich heute schon frei und daher vergessen wir nichts. Selbst die Kinder merken, irgendwas ist anders und bestätigen mir heute erstmalig gute Laune bei der Abfahrt… OK, als ich nach 100km an mir runterschaue, sehe ich, dass ich sowohl Schuhe als auch Hose vergessen habe zu wechseln. Da müssen wir wohl mal shoppen gehen. Wir haben heute tatsächlich kein Ziel, wollen uns nur so weit wie möglich nach Süden bewegen, ohne, dass es in Stress ausartet. Am Ende des Tages, und das ist schon recht früh am Tag, landen wir auf dem Camping Paradies Franken, der Name ist eventuell etwas übertrieben aber es ist ein schöner Platz. Das Personal ist herzlich und umsichtig, so bekommen wir einen Platz ohne abhängen – perfekt! Da wir mit unserem neuen Caddy (Vorstellung hier im Blog) unterwegs sind, muss er erstmal als Fotomodell herhalten. Fährt sich übrigens Top, so als Gespann.

Nach dem Abendessen wollen wir mal schauen, was der Ort zu bieten hat. Unser Jüngster ist so geschafft vom Tag, dass er sich statt spazieren zu gehen, lieber den digitalen Genüssen widmen muss. Egal. Sagen wir mal so – es ist nett dort!

Donnerstag 16.7.

Heute geht’s richtig los! Erstmal mit dem Regen, dann mit dem Stau aber es geht los! Da wir es nicht eilig haben, stellen wir uns erst in den Stau und genießen den Regen, beschließen dann aber doch einen kleinen Umweg zu fahren. Laut Handy gibt es in der Nähe ein Outlet und ich wittere die Chance, die vergessene Hose und Schuhe auszugleichen – Check! Dann geht’s aber wirklich voran, so richtig weit ist es nicht mehr und wir kommen, dank unserer krummen Abfahrtszeit, gut über den Fernpass nach Reutte. Den Platz am Plansee kennen wir ja schon aus 2018, wir sind trotzdem gespannt. Es hat sich einiges geändert, die Rezeption ist weg! Zum Glück steht die neue gleich daneben. Wir bekommen einen Platz zugewiesen und was soll ich sagen, wir sind begeistert. Also nicht vom Wetter, das ist echt mieß aber von unserem Stellplatz. Wir haben einen tollen Blick auf den See und wenn die dicken Wolken endlich verschwinden, können wir ihn sicher auch genießen. Um auf den Platz zu kommen, braucht es aber die Hilfe der netten Holländer von nebenan. Die Einfahrt ist wieder so steil und mittlerweile völlig matschig, dass der Mover munter durchdreht. Pünktlich zum Abendessen steht aber alles und wir sehen die Regentropfen an den Fensterscheiben herunterlaufen…

Freitag 17.7.

Regen! Aktuell gehen wir so zeitig ins Bett, man könnte denken wir sind zur Kur. War wohl stressig in letzter Zeit! Trotzdem schlafe ich wie ein Baby, nur Line schleicht sich schon mitten in der Nach raus, ok halb 8. Sie spaziert zum Wasser, zum duschen und versorgt uns alle mit frischen Brötchen. Wir dehnen das Frühstück schon mächtig aus aber es will einfach nicht aufhören zu regnen. Wir gehen also auf die Jagd! Normalerweise lieben wir es in den Märkten vor Ort regionale Lebensmittel zu kaufen, mit Maske ist das irgendwie komisch. Wir brauchen auch 3 Lebensmittelgeschäfte, eh wir alles haben was wir wollen, leider regnet es immer noch. Nach dem Kaffee hält es uns aber trotzdem nicht mehr. Also kramen wir den Kindern ihre schwedischen Regenmützen raus (in Schweden selbst erst einmal benutzt) und machen uns los. Am Ende stapfen wir 6km am See entlang und genießen die frische Regenluft. Ist ja auch bei Regen schön…

Am Abend gibt es leckere Schlutzkrapfen und weil es immer noch regenet, auch einen Film von der Festplatte.

Samstag 18.7.

Was ist denn hier passiert??? Wo sind die Wolken und der Regen? Kaum ringt man diesem Mistwetter was gutes ab, zack Sonnenschein! Also frühstücken wir bei wolkenlosem Himmel, draußen. So hatten wir das geplant. Nun kann man auch mal die Fotos machen, um die Kollegen zu Hause neidisch zu machen, das wird ja bei Regen nix.

Wir beginnen nun mit unserer Familienwunschliste für den Urlaub. Irgendwer hat „Rad fahren“ darauf vermerkt, also ab auf die Räder. Line hat zielsicher den nächstmöglichen Anstieg ausgesucht, es wird also von den beiden „Kleinen“ heftig gezetert. Der Weg ist aber toll, führt am See entlang, nur eben etwas oberhalb…

Oben angekommen brauchen alle erstmal Pause. Der Blick ist toll und eine „Hollywood“ – Bank ruft geradezu „kommt her“. Machen wir! Das Ziel für heute ist die Seeumrundung, also sitzen wir nicht allzulange. Der Aufbruch wird von einem Geräusch begleitet, was nichts gutes verheißen lässt. Ein Blick in die Runde – Mist mein Reifen ist platt! Das Ventil gibt noch einen letzten Ton von sich und erscheint dann wieder dicht. Gut vorbereitet wie wir sind, haben wir natürlich Flickzeug und Luftpumpe dabei – Genauer gesagt, liegt es im Wohnwagen, ganz unten unter meinem Bett. Hilft hier natürlich wenig. Zum Glück sind wir nicht die einzigen und borgen uns eine Pumpe. Erst scheint alles gut, solange bis die Helfer mitsamt der Luftpumpe weg sind. zzzzzsch…. Reifen platt. Wir brechen den ersten Versuch ab. Line fährt mit den Kindern zurück und holt das Auto, ich schiebe hinterher und suche mir eine Möglichkeit zur Uferstraße abzusteigen. Nachdem sie mich eingesammelt hat, mache ich mich gleich ans Flicken. Tatsächlich ein Loch im Schlauch.

Wir lassen uns natürlich nicht abhalten und starten erneut. Um den See schaffen wir nicht mehr, also starten wir Richtung Heiterwanger See, diesmal ohne Anstieg und dennoch direkt am See entlang. Die beiden Seen liegen direkt nebeneinander und wurden irgendwann einmal durch einen Kanal verbunden. Der Reifen hält und wir finden ein Plätzchen zum entspannen und genießen.

Die Kinder werfen circa 5936 Steine und freuen sich über jeden einzelnen Hüpfer, ich ärger mich, dass ich die große Kamera nicht im Rucksack habe und Line sitzt auf dem Steg und freut sich, dass es nicht regnet. Irgendwann wollen wir weiter, ein Stück noch am anderen Seeufer entlang. Wieder nehme ich mein Rad hoch und wieder zzzzzsch….. -Luft raus, verdammte Sch….

Diesmal habe ich Flickzeug mit und mache mich an die Arbeit. Die Kinder wenden sich, ohne weitere Aufregung, den noch verbliebenen Steinen zu. Mittlerweile bin ich geübt und schaffe es, mit nur einem blauen Fleck den Schlauch zu entnehmen. Wieder ein Loch, dank dem nahen See gut zu erkennen. Diesmal schaue ich etwas genauer und finde: „…Röslein sprach, ich steche dich, dass du ewig denkst an mich….“ganz am Rand des Reifens eine … ich steche dich… Dorne. Die hat sich jedes mal beim Aufheben des Rades in den Schlauch gebohrt, danach war sie friedlich. Ich habe sie für immer im See versenkt. („Half ihr auch kein Weh und Ach…“) Auf geht’s am Seeufer lang. Der Weg ist toll, erst durch den Wald und dann nah am steilen Seeufer entlang. Dann wird er allerdings eher zum Trial, mit fiesen Wurzeln und wir beschließen umzudrehen. Auf dem Rückweg kommt die Meldung von Kind 2: „Ich kann nicht mehr treten!“ Diesmal kein Ausdruck der Erschöpfung sondern – wie soll es anders sein – das nächste technische Problem. Ein Kettenglied hat sich aufgebogen und verklemmt sich nun in der Schaltung. Reparieren geht nicht, also nutze ich es eine Weile als Roller, Line nimmt mein Rad, die „Große“ das von Mama. Später dürfen wir vorfahren und Line schiebt das letzte Stück zurück zum Campingplatz. Wir haben noch gar nicht richtig Luft geholt, da kommt Line schon mit dem Rad in der Hand auf den Platz gelaufen – dafür muss sie jetzt duschen – darf sie!

Das Thema Radtour ist heute nicht zu retten, wir schmeißen also den Grill an und lassen den Tag bei einem wunderbaren Sonnenuntergang ausklingen.

Sonntag 19.7.

Was soll ich sagen!? Nach dem technischen KO gestern, probieren wir heute ein anderes Sportgerät. Bei bestem Wetter pumpe ich mit unserer Tochter die SUP’s auf (Wollt ihr wissen welche Boards wir verwenden: klickt hier). Irgendwie haben wir die genau wegen diesem See! Als wir vor 2 Jahren hier waren und das klare glatte Wasser gesehen haben, wollten wir da drauf! Dieses Jahr hat gefühlt jeder eins dabei (Viele Grüße an die Kontrollgruppe Autobahn – Überladung checken). Das ist aber egal, wir genießen den See von der Wasserseite. Am Campingplatz startend bleiben wir immer Richtung Ostspitze in Ufernähe und staunen wie tief man hier ins Wasser schauen kann.

Als der hintere Campingplatz in Sicht kommt, suchen wir uns eine schmale Passage und wechseln ans andere Seeufer. Kann es sein, dass es hier noch schöner ist? Definitiv! Ohne Straße und etwas wilder zeigt sich hier das Ufer, allerdings nun im (leichten) Gegenwind. Unser Jüngster nimmt daher Mamas Angebot gern an und chillt etwas, während Line ihn zieht.

14 Kilometer und 10 Rühreier später sitzen wir zufrieden vor dem Wohnwagen und genießen wieder den grandiosen Ausblick!

Montag 20.7.

Was gestern so gut gekkappt hat, kann heute keine schlechte Idee sein! Die Sonne lacht, der See ist spiegelglatt also auf die SUP’s und los! Wir werden mutiger und nehmen Picknick und Handtücher mit. Es geht zu unserem Lieblingsplatz am Heiterwanger See (der Steg vom Samstag!). Bis auf die kurze Zitterpassage im Kanal – hier sind die Wellen der Ausflugsschiffe besonders toll, ist es herrlich!

Wir genießen nicht nur die Fahrt, sondern auch die Zeit dort. Die Kinder erobern den Steg und lassen sich nur murrend von zwei Teenagern verjagen, die denken, sie müssen ihre Karrieren ankurbeln, indem sie unter Beobachtung aller für ihre Smartphones auf dem Steg posieren – amüsant! Irgendwann geht es zurück und wir bekommen zu spüren, wie schnell man Wind unterschätzt! Zum Glück sind wir immer in Ufernähe aber auch so verlangt uns dieses kleine bisschen Wind alle Kraft ab, um vorwärts zu kommen. So heftig hätte ich das nicht gedacht! Also, wollt ihr euch ein Sup anschaffen? Überschätzt euch nicht. Leider haben wir oft Leute gesehen, die zu Zweit mit kleinem Kind mitten auf dem See waren. Da will man gar nicht an ein undichtes SUP denken… Wir haben es jedenfalls gut wieder zurück geschafft und den kaputten Kindern leckere regionale Sachen aufgetischt – Spieleabend!

Dienstag 21.7.

Wir sitzen zu zweit vor dem Wohnwagen und warten auf das Erwachen der Generation Zero (also unsere Kinder). Ok Anfangs saß Line draußen und hat auf uns drei gewartet aber ich kam zu erst. Um Neun halten wir es nicht mehr aus und wecken die Beiden zum Frühstück, draußen bei Sonnenschein. Dabei überlegen wir, wie wir entspannt den Vormittag füllen. Am Nachmittag gibt es DAS Highlight des Urlaubs, zumindest wenn man den Wunschlisten der Kinder glaubt, ok unserer auch! Aber zurück zum Vormittag. Wir entscheiden uns, und ja es war ein Fehler, für die Hängebrücke über den Fernpass. So oft sind wir schon drunter durchgefahren, also hoch da. Das dachten scheinbar heute ziemlich viele und so versuchen wir mit Maske einen Minimalabstand einzuhalten. Das heißt, immer schön langsam weitergehen. Spaß sieht anders aus. Irgendwie ist es auch ein doofes Gefühl, nur darüber zu gehen, um anschließend gleich wieder zurück zu laufen, da gibts nämlich nix… Unterhalb der Burg ist aus einem ehemals beschaulichen Burghof (so zumindest 2009) eine durchorganisierte Touristenfabrik geworden. Nö, das gefällt uns nicht. Schnell weg!

Wir fahren auf direktem Weg zu Mc Donalds in Reutte. Passt nicht? Richtig! Wir treffen uns auf dem Parkplatz mit Jörg. Er wird die nächsten Stunden unser Guide, it’s Canyoning-Time! Wir folgen ihm quer durch Reutte und staunen über welchen Industrieparkplatz er uns führt. Hinterher erfahren wir, dass dies das Stahlwerk ist, welches natürlich mit Wasserkraft angetrieben wird. Daher direkt am Fluss, an dem Fluss den wir nun bezwingen wollen. Bevor man den Fluss bezwingt, muss man den Anzug bezwingen! Oder heißt es bezwängen? Fühlt sich zumindest so an. Nicht weniger als 30 Minuten später machen wir uns auf den Weg. Nach oben, immer nach oben, schließlich wollen wir anschließend im Fluss wieder runter. Wir schaffen es, springen als erstes mal in den eiskalten Fluss, alle außer Jörg (wie macht der das bei der Hitze???)

Danach geht es Schlag auf Schlag. Wir haben das nun schon öfter gemacht und trotzdem ist das Adrenalin und die Freude in allen Gesichtern zu sehen, zum Glück hat sich heute Nachmittag niemand weiter angemeldet. Wir sind also nur für uns unterwegs. Wir springen, rutschen, seilen uns ab. Apropos abseilen. Hier schwindet zumindest kurzzeitig die Freude im Gesicht des Jüngsten und macht dem Adrenalin und der Angst platz. Eine kleine Panikattake auf dem 18-Meter-Weg am Seil nach unten und die Mama oben, kann ihn nicht sehen… Alle beruhigen sich schnell wieder (die 30-Meter-Passage umgeht er lieber mit dem Guide) und haben kurze Zeit später wieder viel Spaß. Unsere Große springt mittlerweile auch die höchsten Sprünge und ärgert sich, wenn der Guide mich mal noch eine Stufe höher schickt um zu springen. Wir kratzen an den 10m – man muss ja noch Ziele haben. Premiere war für uns die Rückwärtsrolle ins Wasser und die Erlaubnis eines Saltos. Ich liebe es!

Kurz vor Ende der Tour löst ein Kontrollblick auf die Gopro dafür in mir Panik aus. Das kleine Display grinst mich an und teilt mir mit, dass es nun die Karte formatieren wird, und tut es auch! Ich kann nichts dagegen tun! Plötzlich fällt mir ein, dass ich es nichtmal geschafft habe, die Bilder der SUP Tour zu sichern… MIST! Erstmal geht’s weiter, die letzten Spünge genießen, die machen ja ohne Bilder genausoviel Spaß (rede ich mir zumnindest ein). Danke Jörg von Alpin-Sport für die tolle Tour!

Kürzen wir die Spannung ab: Zurück am Wohnwagen den Lieblingsnachbarn zu Hause kontaktiert, um Tipps zur Wiederherstellung zu holen, Datenpass gekauft, um die Software zu laden, dabei gemerkt, dass ich keinen SD-Adapter dabei habe, nach Reutte gefahren Adapter gekauft (natürlich mit SD_karte), den Laptop über Nacht rechnen lassen, über 20.000 Dateien wiederherstellen können, gestaunt wieviele bereits lange gelöschte Winterurlaube da zu Tage kommen, viel Zeit zum Aussortieren gebraucht, am Ende aber fast alles retten können. Puuhhh!

Mittwoch 22.7.

Es gibt ja so Leute, die steigen aus ihrem Auto und du denkst „Ne!!! Freunde werden wir nicht!“ Genau von solchen Menschen oder deren Kindern werden wir heute Morgen geweckt. Kurz nach 7 zeigt die Uhr, da kann man seinen schreienden Kindern schon mal hinterherschreien. Wo wir einmal wach sind, können wir auch Frühstück machen. Draußen natürlich bei feinstem Wetter. Danach geht’s zum Klettern. Für uns das erste mal, Bouldern waren wir schon aber mit Gurt und Seil, das ist neu! Zu unserer Freude bietet Jörg – der Guide von gestern, heute einen Schnupperkurs an. Früh ist voll also wieder Mittag, das passt uns eh besser. Die Kletterwand liegt unmittelbar am Weg, somit ersparen wir uns heute die Wanderung und klettern gleich drauf los. Natürlich gibt es eine Einweisung und so können wir uns unter den wachsamen Augen von Jörg selbst sichern.

Das macht Riesenspaß und wir erwischen uns dabei, beim nächsten Besuch des Sportgeschäftes, an den Klettergurten vorbeizuschlendern. Unser Jüngster hat allerdings sein Erlebnis von gestern noch nicht verdaut und bekommt Panik wenn er sich abseilen soll. Jörg schafft es am Ende, dass er dem Seil vertraut und damit am Berg lang läuft – Super! Während unsere Große sich aber so richtig reinbeißt und alle Routen durchklettert, gibt er sich zwischendurch seinem Forschergeist hin und beobachtet Schmetterlinge.

Das Klettern war anstrengend und so genießen wir einen Kaffee am Wohnwagen. Eigentlich will ich gerade eine zweite Tasse trinken, aber Line hat eine andere Idee. Sie hat (wie immer) vorher das Netz nach Tipps der Region durchsucht und da sie mich mittlerweile gut kennt, weiß sie, womit sie mich bekommt. „Ist nicht weit“ und „lassen wir die Kinder hier“, dann noch „da ist ein toller Aussichtspunkt für Fotos“ und zack, stelle ich den Kaffee weg, schnappe mir die Kamera samt großem Objektiv und wir machen uns auf den Weg. Weit war es wirklich nicht nur 5km hin und zurück. Allerdings sind auf den 2,5 km hin auch 300 Höhenmeter zu bewältigen. Zum Glück waren wir heute morgen nur klettern… Es hilft alles nix, aber ich verrate an dieser Stelle, der Aufstieg war so steil, dass wir öfter aufgeben wollten (ok ich), aber jedes mal finde ich nur ein Stück weiter oben noch einen Pukt, von dem man bestimmt besser hinunter sehen kann.

Wir haben es dann geschafft und ich finde, dass man die schweißnassen Shirts auf den Fotos fast gar nicht sieht. Und?! Klar hatte sie recht, es war genial!

Ganz ohne war es allerdings nicht, schwindelfrei sollte man schon sein. Und man darf sich auch nicht daran stören, dass das Stahlseil an dem man sich festhalten soll nur noch an zwei Haken hängt, statt an vier. Der Abstieg ist daher nicht weniger spannend. Mit Blick auf die dichter werdenden Wolken aber trotzdem alternativlos.

Wir haben es vor dem Gewitter runter geschafft, es war knapp aber geschafft ist geschafft. Als wäre es nicht genug, werden wir mit einem tollen Schauspiel belohnt – gut dass wir so einen tollen Stellplatz haben!

Kaum hat sich das erste Gewitter verzogen, wartet ein toller Regenbogen auf uns. Wir sind in den Bergen, also ändert sich auch das Wetter schnell, das zweite Gewitter „genießen“ wir draußen, unter der Markise bei frisch gekochten Spinatknödeln. Zum Glück zieht es vorbei und wir staunen nur über die Wolken, Blitze und den unglaublichen Donner hier oben.

Donnerstag 23.7.

Der Tag macht seinem Namen alle Ehre, es hat so geschüttet und gedonnert heute Nacht. Was bin ich froh, dass ich nicht mit Zelt da bin. Die Nachbarn schaufeln nämlich schon das Wasser aus den ihren, als wir ausgeschlafen und frisch die Bühne betreten. Hochzeitstag! 10 Jahre voller toller Erlebnisse! Und auch heute wieder schönster Sonnenschein, als wäre nix gewesen. Wir sitzen beim Frühstück und überlegen, was uns dieses Jahr fehlt. Line und ich kommen schnell drauf: Hütten! Wir lieben Fika, auch hier in den Alpen, dann natürlich eine Jause. Gern mit Buttermilch statt Zimtschnecken, aber mit Kaffee. Hier am Plansee und Umgebung sind fast alle Bergbahnen geschlossen und somit irgendwie die Hüttenkultur im Ruhemodus. Das ist doof! Allerdings haben wir eine Bahn gefunden, sie hat offen und bietet den Kindern die gewünschte Action – ich gebe es zu, mir auch und eine Hütte! Wir machen uns also auf zur Almkopfbahn. Hoch wollen wir fahren, runter geht’s per Roller. Jetzt nicht so ein langweiliges Teil mit dem uns Mutti früher vom Kindergarten abgeholt hat, sondern irgendwie cooler! Wir sind gespannt. Dank Gästekarten vom Campingplatz gibt’s Rabatt und wir checken ein. Die nette Dame an der Kasse informiert uns, dass wir noch auf (Kinder)Roller warten müssen weil die alle unterwegs sind. Wir sollen aber schon hochfahren, schaffen wir etwa noch ein Gipfelkreuz? Die Kinder sind nicht ganz so begeistert. Die Stimmung schlägt allerdings sofort um, als der nächste Mitarbeiter unseren Jüngsten mustert und schließlich meint „Du bist doch ein Biker oder?!“ Er strahlt, hat er doch schließlich im letzten halben Jahr, die Sprunghügel im Park für sich entdeckt. Kurz darauf hält er statt einem „normalen Touristenroller“ die Profivariante für Kinder in den Händen. Das Grinsen soll ihn auch den ganzen Tag nicht mehr verlassen. Wir starten also doch mit Rollern nach oben (der Rest von uns hat die Touristenvariante – die sind aber auch cool) und freuen uns oben wie kleine Kinder über die tolle Hütte. Nicht erwandert aber egal, hier brauchen wir jetzt alles was dazu gehört. Zwar kommen wir gerade vom Frühstück, bestellen trotzdem Kaiserschmarrn, Buttermilch, Skiwasser, Radler, Capuccino und Almdudler – so ist es ein würdiger Hochzeitstag. Der „Kleine“ kann nicht sitzen. Während wir genießen, fährt er Roller, immer hin und her, bis er es schafft, einen Mini-Wheeli zu machen – soll er!

Danach gehts abwärts, laut Ticket haben wir 2 Stunden Zeit und die erste halbe ist um. Die Tour startet direkt an der Hütte und führt in einem weiten Bogen zurück zur Talstation. Am Ende zeigt das Handy über 12km an und wir sind echt begeistert. Die Roller machen total Spaß, die Strecke ist abwechslungsreich, führt mal durch den Wald, am Fluss entlang und auch durch kleine Dörfer. An einem Flußbett machen wir Pause und ich zeige dem Jungen mal, wie man das mit dem Wheelie richtig macht. „Rollen lassen, Gewicht nach hinten und dann den Lenker hoch! Perfekt! Beim ersten mal hat Line nicht fotografiert, also nochmal mit etwas mehr Schwung, man will den Kindern schließlich was bieten. Während ich mir die Kiessteinchen aus dem aufgeschrammten Ellenbogen sammle, erfahre ich, dass die beiden Damen gedanklich gar nicht mehr bei uns waren und meinen rekordverdächtigen Stunt weder gefilmt, noch gesehen haben. Nur gelacht haben sie hinterher – frech!!!! Übrigens: es lag 1. am zu kleinen Roller (ich habe natürlich den coolen vom Junior genommen) und 2. am schweren Rucksack!

Leider verlassen nicht nur wir morgen den Plansee, sondern uns auch das Wetterglück. Kaum wieder am Wohnwagen angekommen, gibt es einen Wolkenbruch. Damit sind die SUP-Pläne der Kinder wohl hinfällig.

Zwischenfazit: Der Platz am Plansee ist toll, der See einer der schönsten, die wir kennen und die Gegend bietet viel (wenn auch 2020 etwas weniger) – Hier muss man mal gewesen sein!

Ein paar Fakten zum Platz: Die Stellplätze sind angemessen groß, der Chef hat das recht gut im Auge und verteilt gut! (gegen eine Spende verrate ich die Platznummer von unserem 😉 ) Die Toiletten /Duschen sind ausreichend und immer frisch geputzt, es gibt einen Angstellten, der sich ganztägig scheinbar nur darum kümmert und das macht er gut – gebt ihm ein Trinkgeld! Es gibt ein kleines Restaurant (auch zum Mitnehmen) und morgens natürlich frische Brötchen, vorbestellt oder nehmen was da ist. Man kann sich SUPs, eBikes und Kanus am Platz leihen und die Liegewiese direkt am See nutzen. Die ist zwar vom Platz durch die Uferstraße getrennt, das ist aber meistens kein Problem. Strom ist ausreichend vorhanden, nur für Wasser muss man etwas laufen.

Hier geht’s weiter in die Schweiz – Auch mit Wolken, wenn auch etwas andere!

Im wilden Engadin – Schweizer Wolken ( Teil II )

Teil I findest du hier

Freitag 24.7.

Wir packen im Regen zusammen und starten Richtung Schweiz. Ostern 2019 waren wir schon mal kurz in der Schweiz, malen uns diesen Teil aber ganz anders aus und sind gespannt. Leider spielt der Magen der Großen heute nicht mit und so legen wir einige Zwangspausen ein. Irgendwann beruhigt sie sich und da wir zum Glück auch nur etwas über 150km vor uns haben, gehen wir es entspannt an. Für uns geht’s ins Engadin, auf den verträumten kleinen Campingplatz Sur-En. Schon die letzten Kilometer in der Schweiz sind beeindruckend, links und rechts Berge und hübsche Bergdörfer. Klar es sind die gleichen Alpen wie sonst auch aber doch irgendwie anders. Die Abfahrt zum Campingplatz lässt uns kurz zweifeln, sehr eng und sehr steil aber hey, das Schild sagt da lang, die Navi auch und wir haben zum Glück nicht mehr den riesigen Wohnwagen vom letzten Jahr. War dann doch nicht soo schlimm und wir stehen vor einer uralten überdachten Holzbrücke. Ich denke mir so „niemals!“ als ich auf dem Schild lese, dass hier 10t drüber dürfen. Dann stehen wir auf dem Platz – klein? Naja, geht so! Verträumt? Auf keinen Fall! Es mag an der Situation liegen, dass viele Schweizer 2020 nicht wegfliegen können oder wollen, der Platz ist jedenfalls voll. Und im weiteren Verlauf, haben wir das Gefühl werden es immer mehr.

Die Rezeption ist geschlossen (Mittagspause), ein Zettel fordert uns auf, einen Platz zu suchen. Das machen wir doch glatt. Es gibt eine große Wiese und einen schönen Grasstreifen am Inn. Dort finden wir eine Stelle, werden aber von den Nachbarn darauf hingewiesen, dass sie uns lieber nicht da haben wollen, wir sind ihnen zu groß. Wir fügen uns, ok Line fügt sich und ich gehorche. Wir suchen weiter und finden doch noch einen kleinen Platz für maximal 3 Camper, davon suchen wir uns einen aus. Da es bewölkt und diesig ist, müssen wir knobeln, wo wohl die Sonne herkommt. Kleine Vorschau: Perfekt aufgebaut! Das nächste Abenteuer ist der Strom! Was bitte ist das? Chaos auf dem Platz ist das eine aber hier ist selbst an den Stromkästen ein gewusel wie auf einem Bahnhof – Hauptbahnhof einer Hauptstadt! Wir finden noch eine leere Dose aber was zum Geier ist das??? Mist, andere Stecker in der Schweiz – haben wir nicht dabei! Aber wir sind doch echte Offroad-Camper, also Kofferklappe auf, Camping-Picknick-Kiste raus und Kaffee auf dem guten Perkolator von Petromax kochen. Jetzt können wir entspannt warten bis die Rezi aufmacht. Dort gibt es dann nicht nur die Anmeldung, sondern auch kostenlos einen Adapter. Die junge Dame ist übrigens immer nett und freundlich, auch wenn so viel los ist wie jetzt.

Samstag 25.7.

Das Wetter bessert sich, genau wie der Gesundheitszustand der Großen. Daher beschließen wir heute am Inn entlang zu radeln, Ziel ist Scoul.

Die Tour ist zwar nicht weit aber genau wie gewünscht. Wir genießen die Gegend und bestaunen die Berge. Kurz vor Scoul geht es dann ordentlich bergauf und wir sind oben stolz auf uns, es geschafft zu haben. Unser Auftrag heute? Lage checken, Bergbahn auf Rad-Tauglichkeit prüfen und ganz wichtig, Rafting buchen. Alles gelingt uns, lediglich der Einkauf ist etwas schmerzhafter als sonst – die Preise… Davon lassen wir uns aber nicht abschrecken. Danach geht’s zurück, diesmal nehmen wir die andere Inn Seite. Auch schön und wir finden sogar noch ein tolles Plätzchen für eine kurze Rast.

Lange bleiben wir nicht, die Kinder haben gestern beim ersten Rundgang den Pool entdeckt und nun sind sie scharf drauf, genau dort hin zu kommen. Sollen sie! Eigentlich wollte Line heute den ersten Omnia-Kuchen backen, zumindest wenn wir Butter gekauft hätten. Also nur Kaffee, Zimtrollen (ja Zimtrollen gehen immer) und entspannen.

Sonntag 26.7.

ich zitiere mal Lines Reisetagebuch:

1.Ausschlafen

2.Frühstücken

3.Skulpturenwanderung

4.Kuchen backen

5.Chillen

Genauso haben wir es gemacht. Der Skulpturenweg startet direkt am Campingplatz und ist eine kleine Waldrunde. Immer wieder findet man Skulpturen am Weg, manchmal witzig, mal skuril oder seltsam. Zwischendurch überlegen wir, ob es gut war mit den Kindern hier lang zu laufen, das Bild der Statue ersparen wir euch, es zeigte ein nacktes Pärchen, wobei der der lüsterne Mann gerade eine Abfuhr erhalten hat… So bleibt es auf jeden Fall spannend.

Im Laden des Campingplatzes gibt es Butter und so kann Line sogar noch ihren Kuchen backen – Lecker! (Anmerkung: gestern gab es schon Pizza aus dem Omnia – wir werden noch zu hardcore-Omnia-Nutzern) Ja natürlich hätten wir den Tisch abräumen können, den Kuchen ansprechend präsentieren, so am Inn oder so, aber nö! So haben wir ihn gegessen und so war er gut!

Am Abend erkunden wir noch einmal die nähere Umgebung des Platzes. Der ist nämlich größer, als man denkt. Im Wald gibt es noch ein Yoga-Camp, einen Kletterwald, eine Sauna und überall (und ich meine wirklich überall!) Feuerstellen. Daher kommen dann auch die besagten Wolken aus der Überschrift. Denken wir zukünftig an Schweizer, haben wir Bilder von feuermachenden Menschen im Kopf, hier gibt es gefühlt keinen, der nicht Feuer macht… Ein kleiner Strand am Inn gehört auch noch dazu, den nehmen wir ein und genießen dort einen entspannten und ruhigen Abend.

Montag 27.7.

Heute wird der heimliche Höhepunkt des Urlaubs. Zumindest wenn man die Erwachsenen im Nachhinein fragt. Wir saßen bereits im verangenen Jahr im Herbst am PC und haben diese eine Wanderung bestaunt. Mit Blick auf die Fakten aber schnell verworfen, oder doch nicht? Schaffen die Kinder das? Wollen wir ihnen das zumuten? Nein, weg damit. Oder doch nicht??? Worum es geht? Val d‘ Uina, 11km und 1500 Höhenmeter – nur hin! Vor zwei Jahren haben wir die beiden Kleinen in der Bärenfalle mit 900m an ihre Grenzen geführt, nun noch mal 600m höher?

Seien wir mal ehrlich, Kinder machen das nicht, weil die Gipfel so schön sind! Oben dann ja, aber unten loslaufen deswegen?! Wir haben sie bestochen! Wie? Wenn ihr mitkommt, setzen wir für heute das Online-Zeitlimmit komplett aus! Bähm das wirkte, selbst beim Kleinen. Zudem durfte er sein Handy mitnehmen und unterwegs seine geliebten Podcasts hören (aktuell „Harry Potcast“). Wir haben alles gepackt und starten. Schön, dass wir auch hier direkt vom Platz starten können. zu beginn unserer Wanderung auf dem Dorfplatz füllen wir unsere Flaschen mit frischem Mineralquellwasser (Tipp: unbedingt kosten! zwischen Scuol und Zernez sprudeln 20 solcher Quellen) und schon sind wir im Wald. Die Tour ist vom ersten Meter an toll, auch wenn das hier noch nicht unser Ziel ist.

Der Weg ist gut zu gehen und anfangs auch noch ordentlich breit. Unterwegs begegnen uns immer wieder Radfahrer, etwas weiter oben klärt uns einer bei der Trinkpause auf. Dies ist eine Transalpstrecke, Imst-Uina-Stilfser Joch-Riva, die sogenannte Albrecht-Route für die, die keine Straße wollen. Viele fahren von Deutschland an den Gardasee, oder eben schieben.

Irgendwann bleibt der Fluss in seinem Tal, während wir höher steigen und auf einem Hochplateu ankommen. Das Wetter ist perfekt und wir genießen die Aussicht bereits von hier. Unsere Flaschen haben wir bereits neu aufgefüllt. Von den Quellen sind auch die Kinder begeistert. Eigentlich wollen wir langsam Picknick machen, die Rucksäcke sind schließlich voll. Wäre da nicht diese Hütte, mitten im Nichts. Diverse Kreidetafeln bieten, frischen Joghurt, Buttermilch und viel mehr an, alles hausgemacht. Das können wir uns nicht entgehen lassen und kehren ein. Sooooo lecker! Essen brauchen wir nicht aber den Trinkjoghurt mit frischen Himberen genießen wir. Wir lassen die Hütte hinter uns, die letzte Etappe liegt vor uns, wir sehen schon die Felsen, durch die wir gleich klettern wollen. Wie das allerdings mit Fahrrad geht? – da sind wir gespannt.

Als es felsig wird, holen wir endlich unser Picknick raus und rasten an einem kleinen Bachlauf. Nun haben wir auch die Chance, die Biker zu beobachten. Absteigen und tragen ist das Geheimnis – das muss man wollen! Wir laufen hinterher. Die Wanderung war bisher schon toll, hier aber noch um ein vielfaches eindrucksvoller. Links der in den Fels geschlagene Schmugglerpfad und rechts der Fluss – weit unter uns.

Wenn es nicht mehr am Hang lang geht, haben sie eben einen Tunnel gegraben. Der Weg zieht sich immer höher und auf der anderen Hangseite kann man die Wanderer wie Ameisen entlangkrabbeln sehen. Die Speicherkarte füllt sich rasend und ich weiß jetzt schon, dass ich mich nicht entscheiden kann, welche ich nun hier zeigen soll.

Wie die Bilder zeigen, wir haben es geschafft, die Kinder haben es geschafft! Unser Kleiner berichtet uns später flüsternd, wie gern er gemeckert hätte aber er wollte es schaffen! Ich bin, nein, wir sind stolz. 22km und 1,5km hoch und wieder runter, ist auch mit 9 Jahren noch nicht selbstverständlich! Zur Belohnung gönnen wir uns an der Hütte gleich noch ein Stück Bündner Nusstorte und Joghurt, für’s kleine Kind gibt es eine Cola. Gut gestärkt machen wir uns auf den Rückweg. Hier zeigt sich tückisch die Länge der Wanderung und wir sind froh, als wir alle wieder unten sind. Da sowohl der Tag, als auch der Akku am Ende sind, dehnen wir unsere Online-Flat um einen Tag aus und sind die Helden nach dem anstrengenden Tag. Jetzt hat er Zeit mit seiner Schwester in den Pool zu gehen, Handy? Vergessen!

Mittwoch 28.7.

Wir haben versprochen, heute muss keiner laufen! Daran halten wir uns auch, zumindest fast. Wir nehmen den Caddy und unser erster Stop ist das Altfinstermünz. Wer in Geschichte aufgepasst hat, kennt das vielleicht, für uns und alle anderen war es neu. Es handelt sich dabei um eine Zollstation auf der Via Claudia, dem Transportweg der Römer über die Alpen. Alle mussten also da durch. Das große Kind präsentiert stolz ihr Geschichtswissen und gibt kund, dass der Weg absichtlich so schmal war, damit keiner mit seiner Kutsche umdrehen konnte, wenn er nicht zahlen wollte. Kann man sich mal ansehen, wenn man dort in der Nähe ist- check!

Also zurück zum Auto. Beim Aufstieg werden wir, vom kleinen Kind, an unser heutiges Versprechen erinnert. Ja, nur 5 Minuten. Irgendwie müssen wir ja zum Auto zurück kommen. Nächster Stop Samnaun. Das alpine Zollfreigebiet der Schweiz erreicht man über eine tolle Passstraße, mit wirklich engen und dunklen Tunneln. Unter Protest von Line, lege ich auf der Straße den einen oder anderen Fotostopp ein. Ohne geht das nicht.

Samnaun selber?! Was soll ich sagen, es ist schön dort. Wenn einem die Rolex kaputt gegegangen ist, dort bekommt man auf jeden Fall ’ne günstige neue. Am Ende gehen wir nur in einen Laden, kaufen alte Marille von Prinz. Steuerfrei? Also die große Flasche und uns noch ein kleines Racelette-Set eigentlich für zwei, bei uns reicht es auch für 4… Wird aber erst zu Hause ausprobiert. Lange hält es uns nicht in dem kleinen Ort mit Shoppingmeile (die höchstgelegene). Wir mögen ja Rundwege, also immer wenn möglich einen anderen Weg zurück… und so probieren wir die parallele Straße in Richtung Österreich aus. Der Plan ist, in Nauders unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen. Wir finden einen M-Preis und neben Eis gibt es auch alles was wir sonst noch brauchen. Nun fängt trotz des Eis der Magen an zu knurren. Wir finden Nauders zwar schön, aber nix wo wir Essen gehen können.

Hm, Reschenpass, da geht es doch nach Italien. Italien = gutes Essen, das wissen wir spätestens seit unserem Trip nach Südtirol. Also entscheiden wir uns, dem Reschenpass noch ein wenig zu folgen und schwups kommt zu unserer heutigen Länderliste noch Italien dazu, (wenn man man schon mal alles so nah beisammen hat). Wir sind am Reschensee und können es kaum glauben. Nicht ein nettes Lokal mit Blick auf den See, was ist hier los? Zumindest habe ich die Chance, den legendären Kirchturm zu fotografieren. – oft!

Wir rufen eine Belohnung aus, für denjenigen, der ein geeignetes Restaurant findet. Damit haben wir Erfolg. Die Große entdeckt ein Schild und wir folgen diesem, weit, weit, weit den Berg hinauf. Am Ende landen wir in einem kleinen Dorf mit nettem Gasthaus. Essen und vor allem der Kaffee schmecken und die Aussicht ist auch toll. Bei einem kleinen Rundgang durchs Dorf (die 5 Häuser) finden wir einen neuen Freund, der scheinbar auch den Ausblick genießt.

Dann geht’s zurück zum Campingplatz. Baden, Lesen, Kuchen essen.

Hier würde der Post für heute enden! Macht er aber nicht. Wir sitzen gerade beim Kaffee mit Nachbarschweizern, als es seltsam rauscht. Line denkt zuerst an eine Flutwelle des Inn. Ne, das klingt anders. Aber was ist es. Wir haben ungefähr 30 Sekunden Zeit, um darüber nachzudenken. Dann kracht es neben uns und wir bekommen den Sand vom Weg in die Augen geweht. Line schnappt sich Sachen vom Tisch, ich versuche weiteres zu retten und ihr rein zu geben. Ehe wir das gemacht haben, ist der Spuck schon vorbei. Bei uns ist alles gut, sogar die Markise hat es überstanden. Die Kinder waren gerade auf dem Weg zur Dusche. Bis auf die Haare voller Tannennadeln, sind die beiden auch gut drauf. Erst langsam dämmert uns: Wir hatten mächtig Glück! Scheinbar hat ein Fallwind dafür gesorgt, dass auf dem Platz nicht nur Zelte zerstört wurden, sondern nach einer ersten Runde wissen wir, dass es neben ein paar umgestürtzten Bäumen, auch den Kletterwald erwischt hat. Den gibt es nicht mehr! Da ging der Wind in einer Schneise quer durch, den Rest haben dann wohl die gespannten Stahlseile erledigt. Das Gute an allem – es wurde niemand verletzt. Nur deshalb, mal ein kleiner Einblick (links vorher, rechts hinterher)

Der Schock sitzt doch tief und auch wenn alle auf dem Platz scheinbar zur Routine übergehen, ist das Thema für heute Abend klar. Wie soll es auch anders sein, wenn der Traktor, mit ganzen Bäumen am Greifer, immer wieder am Wohnwagen vorbei fährt. Der Kleine nutzt die Chance und erobert sich einen Schlafplatz in unserer Mitte, ok bei 2,20m Bettbreite darf er das.

Donnerstag 29.7.

Wir brechen heute nach dem Frühstück zu einer kleinen entspannten Wanderung auf. Ziel sind die Hängebrücken im Val Sinestra. Dazu parken wir das Auto vor einer historischen Kirche in Ramosch und laufen los. Die Route haben wir aus der Wander-App Komoot. Eigentlich soll man oben in Sinestra parken und runter laufen, es muss ja aber auch anders rum gehen, denken wir. Die App und ich, wir sind noch immer keine Freunde (waren wir schon im Elbsandsteingebirge nicht)! Schnell merken wir, dass wir zu tief gestartet sind und die ersten 6 Kilometer nur dazu dienen, bis an den Startpunkt zu kommen. Sollen wir den Kindern das sagen??? Wir warten erst mal ab und laufen weiter. Unterwegs wird es immer heißer und noch vor dem eigentlichen Startpunkt legen wir die erste Rast am Fluss mit Picknick ein. Zack schon hängen 4 Paar Füße im Wasser, das hilft unheimlich.

Aber nur kurz, der weitere Aufstieg ist zwar wirklich schön aber steil. Hinzu kommt, dass der Wind von gestern auch hier sein Unwesen getrieben hat. Immer wieder müssen wir am steilen Hang umgefallene Bäume umklettern. Glücklicher Weise kommt uns ein Forstabreiter entgegen, der Rückweg ist damit dann frei! Am Ende schaffen wir es bis zur ersten Hängebrücke, gerade noch so auch drüber. Dann brechen wir ab (ganz knapp vor der Meuterin). Wir suchen einen kurzen Rückweg, den kürzesten überhaupt, wenn es den gibt?!

Die Rettung: der nahe Fluss lockt und wir beschließen, dem lockenden Gurgeln nachzugeben und noch eine Pause einzulegen. Mittlerweile ist es so warm, dass diese verrückten Kinder ein Wetttauchen im Gebirgsbach veranstalten. Allein vom Zuschauen bin ich schon ausreichend abgekühlt.

Der Rest ist zwar landschaftlich schön aber irgendwie ist die Luft raus und wir bekommen die Kinder unter gutem Zureden gerade noch bis zum nächsten Dorf, Vna. Unsere erste belebende Erfrischung finden wir wieder an einer der Mineralquellen mitten im Dorf. Das hindert uns aber nicht daran im nächsten kleinen Gasthof 2 Liter Getränke zu bestellen, in Windeseile auszutrinken und die Kinder schwatzend, im schattigen Garten sitzen zu lassen. Line und ich machen uns an den Abstieg und holen die beiden danach mit dem Auto ab. Aus der ursprünglich geplanten kleinen Runde werden so wieder steile 15km. Verraten wir aber nicht! Fast hätten wir gar nicht bemerkt, was für ein tolles Dorf dies hier ist…

Donnerstag 30.7.

Ausschlafen! Heute geht’s es erst Mittag los für uns. Rafting steht auf dem Plan. Zum Glück vergisst man das Schwitzen und die Hitze in den engen Neoprenanzügen schnell, sonst würde man das nur einmal machen! Nach einer Stunde schwitzen, stehen wir vor den Autos am Inn. Es sind einige Familien zusammen gekommen, viele mit kleineren Kindern und wir hoffen, dass die Tour nicht zu langweilig wird. Beim Warten rechnen wir kurz nach und stellen fest, dass die erste Raftingtour unseres Jüngsten bereits 6 Jahre her ist. Da war er drei! Wir sind Rabeneltern! Aber dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr, es geht los! Völlig unerwartet bietet der Guide uns an, dass wir in einem Extraboot fahren können, welches erst noch von weiter oben kommt – das machen wir doch gern. Also warten wir und sind dann mit dem Guide ganz allein im Boot. Super!

Wir erleben zum ersten mal, dass die Tour von einem Fotografen begleitet wird. Er fährt mit dem Anhänger für die Boote die ganze Zeit, von Brücke zu Brücke und macht coole Fotos. Die kosten zwar etwas ( ich glaube 16€ mit Stick), aus unserer Sicht aber schon lohnenswert. Die Tour ist toll und nicht nur die Kinder haben Spaß. Wenn es mal ruhiger zugeht, genießen wir die Ausblicke ringsum. Die sind wirklich spektakulär. Wir erfahren von unserem Guide zum Beispiel auch, dass in der alten Trinkhalle „Büvetta Tarasp“ die beiden Mineralquellen Lucius und Emerita sprudeln. Sie sind die reichhaltigsten Mineralquellen im Unterengadin und schon das Gebäude ist grandios. Das Wasser soll heilende Wirkung haben. Das spüren wir auch immer, wenn wir aus den Brunnen der Gegend das Wasser trinken und dass machen wir täglich!

Glücklich kommen wir zurück zum Campingplatz, wir kochen Kaffee und die Kinder verkrümeln sich sofort in den Pool. Den Abend verbringen wir mit Freunden. Annina, eine Amarok-Fahrerin der ersten Stunde kommt mit Familie. Wir haben uns bereits 2012 bei einem Treffen im Mammutpark kennengerlernt , mittlerweile sind wir Admins bei der Amaroker-Facebookgruppe. Nun sitzen wir mal alle zusammen und schwatzen, bis es spät wird. Am Abend kommt Regen und trotzdem ist der übliche Holzfeuergeruch hier im Camp da. Trotzdem Gute Nacht!

Freitag, 31.7.

Unser letzter echter Tag bricht an. Nach dem Frühstück mit luxus Brötli für 1,40€ das Stk. machen wir uns erneut auf nach Scoul, diesmal wieder mit den Rädern. Wir fahren mit der Bergbahn auf Motta Naluns. Der Guide im Fahrradladen konnte uns zwar keine geführte Trail-/Techniktour anbieten, aber er hat uns den Hinweis gegeben, mit den Kindern besser auf der Rollerpiste zu bleiben. Das machen wir dann auch und genießen ein letztes mal die herrlichen Berge hier. Die Kinder sind happy, müssen sie sich doch heute kaum anstrengen (nur der Berg bis zum Lift, der ist auch nicht ohne). Bevor wir starten, gibt’s natürlich oben noch einen Kaffee, wir können einfach nicht aus unserer Haut.

12 Kilometer geht es bergab, gut ausgeschildert und meist auf Schotterpisten, ohne große Rast (außer an der Quelle, mit gleich zwei verschiedenen Wassern) sausen wir durch die tolle Altstadt (unbedingt ansehen!) gleich weiter Richtung Campingplatz.

Die Kinder wollen den Pool am letzten Tag noch mal so richtig auskosten. Line und ich haben einen anderen Plan: Kaffee und im Inn baden. Punkt eins ist fest, der zweite eher so optional.

Bis zu den Knien habe ich es auch geschafft und dafür auf andere Weise Stärke demnonstriert (trotz verletzter Schulter, daher der Gesichtsausdruck)

Samstag 1.8.

Heimweg. Auch das ist mittlerweile traditionell: Wir zögern den Heimweg raus. Zwar sind die Sachen schnell gepackt, trotzdem lassen wir uns viel Zeit. Wo die Kinder sind? Natürlich im Pool! Heute lassen sie sich überreden und wir gehen gemeinsam noch mal zum Inn. Alle springen hinein und sind so, gut gekühlt für den Heimweg. Kurz nach dem Mittag hängen wir dann endlich den Wohnwagen an und ziehen los.

Wir kommen absolut staufrei durch, fahren durch unsere späte Abfahrt sicher den Meldungen hinterher. Dank Corona gibt es auch heute unterwegs Picknick, ist nicht schlimm, wir haben ja alles dabei!

Fazit: Das Engadin sieht uns bestimmt wieder. Die Landschaft ist toll. Der Campingplatz hat auch das Zeug dazu, leider war er bei uns viel zu voll. Lange Schlangen vor Dusche und WC, das ist zu aktuellen Zeiten einfach doof. Ein Waschhaus mehr und ein paar neue Stromkästen und der Platz wären genial. Wobei er auch so durchaus schön war.

Winterurlaub in Österreich – Vorerst der Letzte

Zum Glück hatten wir in einer Zeit Winterferien, in der das Thema Corona noch nicht die ganze Welt lahmgelegt hat. Wir konnten also unsere Reise nach Jerzens im Pitztal antreten. Wie die letzten Jahre schon mit unseren Lieblingsnachbarn und natürlich auch mit Stau. Darum soll es aber gar nicht gehen. Wir hatten eine tolle Woche. Zumindest empfindet man das so, jetzt wo wir wegen dieses Virus alle zu Hause hocken.

Als wir ankamen wurden wir mit Kaiserwetter begrüßt, also Boards raus und den Berg genießen.

Genossen haben wir traditionell nicht nur den Berg sondern vor allem auch das Essen. Die Kinder sind zum Glück alle so groß, dass sie mittlerweile alles fahren und so konnten wir zum Mittagessen die Selbstbedienung an der Bergstation größtenteils vermeiden und lieber in der Stalderhütte oder der Tanzalm (der leckerste Kaiserschmarrn am Berg!) einkehren. Lecker wie immer!

Nach dem Sonnenschein folgte Mistwetter, nach dem Mistwetter Sturm.

Also blieben die Lifte 2 Tage geschlossen – ok der Schlepplift am Skischulhang war auf! Den konnte man aber nur halb runter fahren, weil man sich dann bereits wieder in die Schlange einreihen musste. Also kein Ski, kein Snowbaord. Ich bin tatsächlch das erste mal im Skiurlaub spazieren gegangen…

Den Abend rundeten wir mit Sauna im benachbarten Hotel ab. Wenn es bei einem Mal bleibt, können wir damit leben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit entschieden die Bahnbetreiber, dass der Sturm nun vorbei sei und wir endlich wieder das tun dürfen wesegen wir da waren, also Skisachen an und nach oben. Wir durften noch 2 herrliche Schneetage genießen…

Dank des frischen Schnee, den der Sturm irgendwie unbemerkt mitgebracht hat, wurde der eine oder andere (also ich) manchmal etwas übermütig, passiert ist dieses Jahr zm Glück aber nichts!

Ein Urlaub im Pitztal geht für uns natürlich nicht ohne Besuch des Mountaincamps, genauer gesagt ohne Besuch der Gaststätte des Camps. Hier gibts die leckeresten Forellen und Steaks vom Pitztalrind, diesmal sogar frisches Wild. Wenn nicht alle so großen Hunger gehabt hätten…

Aus heutiger Sicht also ein toller Urlaub. Manchmal hilft es den Sturm mit etwas Corona-Abstand zu sehen.

April am Lago Maggiore

April, 2019

Fahrt in den Süden, wenn ihr es warm haben wollt! Kennt ihr diese Sprüche? Wir kommen also aus der Schweiz (Ostern am Vierwaldstätter See) und fahren an den Lago Maggiore. Die Fahrt zum Lago ist entspannend und die Landschaft echt schön, nach 3 Stunden erreichen wir Maccagno, leider fahren wir an der Abfahrt zu unserem Campingplatz vorbei. An Wenden ist hier nicht zu denken, zum Glück kommt 2 Orte weiter ein Kreisverkehr und wir können wieder in Richtung Campingplatz zurück fahren. Jetzt sehen wir auch, warum wir die Abfahrt nicht wahr genommen haben – Abfahrt wäre auch übertrieben, es ist eher eine kleine Gasse. Den kleinen Platz haben wir schon vorab reserviert und uns erkundigt, ob wir auch drauf passen. Ich würde die Mail mal übersetzen mit: ‚lasst euch überraschen‘. Angeblich soll die Einfahrt schwierig werden. Bereits eine Kreuzung vor dem Lago Camp raubt Line jegliche Entspannung der letzten 3 Stunden. Es sind nur Millimeter aber wir kommen rum, an der Einfahrt sieht es ähnlich aus – geschafft! Denken wir, richtig eng wird es erst danach. Hohe Bordsteine, engste Wege und rechtwinklige Abzweige zwingen uns, den Wohnwagen bereits vor unserem Stellplatz, 2 mal abzuhängen und die Mover zu bemühen. Irgendwann und irgendwie schaffen wir es, alle Nachbarn wissen jetzt, dass wir kommen (nichts Neues, eigentlich). Noch schnell das Sonnensegel rein und den Kuchen auf den Tisch – Kaffee! Der Campingplatz ist sehr schön, wir stehen in zweiter Reihe und können den See vom Kaffeetisch aus sehen, alles sehr familiär und nicht so riesig und die Bäder nagelneu und sauber. Direkt vor dem Platz liegt ein kleiner Kiesstrand, wir hoffen auf Badewetter. So mögen wir das!

Während die Kinder am Platz spielen, erkunde ich mit Line noch die nähere Umgebung. Maccagno ist irgendwann Anfang des letzten Jahrhunderts in einen tiefen Schlaf gefallen, so scheint es. Schmale Gassen, alte Häuser, viel grün, nur das Wetter macht Einen auf „hoher Norden“. Zeitgleich posten Freunde Badebilder von der Ostsee, super, wir freuen uns für sie – NICHT!

Am Abend gibt es leckere Pizza, diese kann man direkt an der Rezeption bestellen und dann wird sie heiß im Cinquicento geliefert. Leider treibt uns das Wetter nach innen. Wir hoffen auf Tag 2 am Lago.

Dienstag, 23.4.19

Ostern ist vorbei und das schöne Wetter auch, es regnet. Eigentlich tut es das seit gestern ohne Pause aber wir sind ja keine Weicheier! Ich schicke also Line raus, die Wassersäcke aus dem Sonnensegel drücken. Ich brauche eigentlich immer mindestens einen Regenschauer, um das Segel Regenfest aufzubauen. Hier kommt erschwerend der verdammt kleine Stellplatz hinzu, Schnüre abspannen also sehr schwer. Wenn ihr mitgezählt habt, sind wir gerade bei Punkt 4, gegen unseren großen Wohnwagen angekommen, später mehr dazu! Danach frühstücken wir in aller Ruhe und suchen uns einen italienischen Supermarkt. Line und ich lieben das Angebot hier in Italien und sammeln in unserem Wagen diverse regionale Köstlichkeiten. In einer Ecke entdecke ich einen riesigen Schinken in einem Holzegstell. Wir Männer werden es doch wohl schaffen, diesen anzuheben?! Noch bevor Line ein scharfes Foto machen kann, stürzt das ganze zusammen und fällt mit lautem Schäppern zu Boden. Etwas verwirrt schauen uns die Verkäuferinnen an, lehnen aber meine Hilfe dankend ab, warum wohl?! Da der Regen überhaupt nicht nachlässt, beschließen wir die Gegend mit dem Auto zu erkunden und fahren einfach auf den engen Straßen umher…

Wir folgen einer Serpentinenstraße immer weiter nach oben und hoffen, dass uns im Nebel nichts Großes entgegen kommt. Ausweichen ist scheinbar unmöglich. Ab und zu passieren wir kleine Bergdörfer, nicht gänzlich verlassen aber auch nicht gerade ein touristischer Hotspot. Irgendwann werden die Kinder ungeduldig, sie haben keinen Sinn für das Schöne. Ok, das Schöne muss man heute verdammt weit im Nebel suchen aber ich schwöre, Line und ich sahen es. Also gehts nach unten, ein Cafe suchen. Wieder am Seeufer angekommen finden wir ein nettes Restaurant mit dem Namen Tiffany mit tollem Blick über den See. Die dicken Autos auf dem geschotterten Parkplatz zeigen uns, dass wir hier nicht nach den Preisen für unseren Capuccino fragen sollten. Dafür gibts Kuchenbuffet, Eis und einen Fensterplatz. Alle sind zufrieden.

Es geht zurück zum Wohnwagen, da der Regen gerade nur nieselt, übereden wir die Kinder zu einem kleinen Spaziergang durch die Stadt, auch wenn wir die Gassen von gestern schon kennen (ist ja eine kleine Stadt) sind wir wieder verzückt, die Kinder bestimmt auch, unterdrücken ihre Begeisterung einfach besser.

Erst in der Dämmerung kommen wir nass und frierend zurück und zaubern uns aus den Leckereien ein tolles italienisches Mahl, ein Limoncello darf natürlich nicht fehlen.

Mittwoch der 24.4.

Es regnet, es regnet, es regnet. Langsam trübt sich die Stimmung, daher bleiben wir einfach im Bett. Line hält es als erste nicht mehr aus und stapft 08:15 Uhr mutig in den Regen hinaus. Als wäre das nicht genug, bemerken wir, dass ein Kinderfenster dem Regen nachgegeben hat, es ist feucht und ich muss es erstmal provisorisch kleben (rufe parallel unsere Werkstatt wegen einem Termin zur Reparatur an, achja Punkt 5 ihr wisst). Beim Frühstück halten wir Rat, was wir heute machen. Als erster einstimmiger Punkt auf unserer Tagesliste: Schirme kaufen. Wir haben zwar einen dabei und auch Regenkleidung aber mit Schirm ist’s doch schöner!

Die vielen geplanten Wanderungen verschieben wir – wahrscheinlich – auf unseren nächsten Besuch am Lago. Heute entscheiden wir uns schon wieder für das Auto. Wir wollen unser Glück weiter südlich versuchen und fahren am See entlang. In Santa Catarina del Sasso halten wir trotz des Regens an und gehen ein Stück. Wir wollen uns das in den Stein gehauene Kloster doch ansehen. Der Weg ist nicht weit und das ganze Ensemble ist doch recht sehenswert. Vor allem im Inneren der Kirche gibt es viel zu bestaunen. Die Kinder beeindruckt am Meisten, dass dort die Gebeine des Klostergründers aufgebart sind. Die Kinder dachten bisher, Mumien gibt es nur in Ägypten.

Nach einer Spende und dem Anzünden einer Kerze – ok wir müssen unserem Jüngsten noch erklären, dass man es nicht als Wucher bezeichnen kann, wenn man für seine Spende nur ein Teelicht bekommt – fahren wir weiter Richtung Süden. In Angira suchen wir uns ein kleines schnuckeliges Cafe und haben Glück. Der Latte schmeckt hier so lecker, dass wir glatt 2 trinken, also jeder und die Kinder sind mit ihrem Kuchen (auch 2Stück) glücklich. Und wir haben gleich noch einmal Glück, das Wetter wird etwas besser, es hört sogar auf zu regnen. Wir beschließen daher, zu Fuß den Schildern auf eine Burg, der Rocca, zu folgen die sich am Ortsrand des Ortes befindet. Eine gute Idee, zwar begeistert uns die Kunstausstellung nicht so sehr, die Burg mit ihrem Garten, dem Turm und dem Ausblick dafür um so mehr.

Danach geht es auf direktem Weg zurück, direkt ja aber natürlich nicht ohne Fotostopp. Mögen die Regenwolken uns auch alle nerven, für ein Foto gibts kaum was besseres.

Der nächste Schock erwartet uns bei der Rückkehr. Während sich das Wetter im Süden besserte, wurde der Campingplatz von einem heftigen Sturm heimgesucht. Unsere Nachbarn entschuldigen sich fast dafür, dass unser Sonnensegel zusammengebrochen ist. Es hat die Leinen zerissen und liegt nun auf dem Wohnwagendach. Punkt 6 – jetzt reicht’s! Heute Abend nutze ich das WLAN in voller Bandbreite – ich habe einen Plan! Aber erstmal gibt es heute, selbstgemachte Pizza aus der Pfanne. Das Experiement glückt, trotz kleiner Pfanne prächtig. Wahrscheinlich lag es aber auch an den Zutaten – frisches Olivenöl, sizilianisches Meersalz und frisch geschnittener San Daniel sowie Oliven aus der Region waren unser heutiger Belag. Noch am selben Abend präsentiere ich Line unseren neuen Wohnwagen im Internet. Es gibt doch tatsächlich einen LMC mit Kinderzimmer im Aufstelldach, das spart gut einen Meter Länge und 20cm Breite. Dazu ist er holzfrei und mit 12 Jahren Garantie auf Dichtigkeit wirkt er meiner (gerade entwickelten) Regenphobie entgegen. Wider Erwarten sind schnell alle begeistert und ich mache mich an die Suche (auch den letzten Wohnwagen habe ich quasi im Urlaub entdeckt, böse Menschen sprechen da von Mustern). So endet der Abend suchend für mich und für Line mit einem Buch und Wein.

Donnerstag der 25.4.19

Heute mal kein Regen, dennoch zu frisch, um draußen zu frühstücken. Wir wollen heute das Schiff nehmen, welches uns in 15 Minuten nach Cannobi ans Westufer bringt. Schon von unserem Campingplatz aus lässt sich erahnen, dass es ein schönes Städchen ist und so lassen wir uns auf Wunsch unserer Kinder „treiben“ (wo sie das nun wieder herhaben). Ok, ein wenig steuern wir schon, das merken die beiden aber zum Glück nicht, denn unser Ziel ist eine uralte Brücke aus dem 12. Jahrhundert. Zwischendurch können wir nicht an einem Bäcker vorbei und kaufen leckeres Foccacia (Pizzabrot) und im nächsten Laden Oliven und Öl. Hält allerdings alles nicht lange.

Wir laufen weiter und so langsam schwant es auch den Kindern. Ihr Protest gegen die unerwartete Wanderung wird lauter aber wir treiben sie an, in der Hoffnung, dass es sich lohnt. Und es hat sich gelohnt! Unglaublich, dass ein so zartes Bauwerk schon 800 Jahre dort oben im Felsen steht. Ich bin begeistert, Line auch. Die Kinder – geht so aber sie schimpfen zumindest nicht mehr, sondern lassen Steine über das Wasser springen.

Es ist kalt und regnerisch, das Bergwasser hat ca. 4 Grad aber hey, wenn ich unter der Brücke durch fotografieren will muss ich Opfer bringen und so geht’s danach mit knallroten Beinen, nassen Shorts unter der Jeans weiter. Line und die anderen Wanderer hat’s gefreut!

Wir genießen den Augenblick und machen das, was wir am Besten können – Picknick. Als es wieder zu tropfen beginnt, machen wir uns auf den Rückweg. Auch heute sollen es wieder über 12km werden. Wir haben schon echt tolle Kinder, dass sie das meist klaglos mitmachen. Durch die tollen Gassen geht es zurück an den See. Wir haben nun die Möglichkeit gleich mit dem Schiff zu fahren oder noch Eis zu essen und Kaffee zu trinken. Ratet mal! Wir fahren also 17:30 Uhr mit dem Schiff zurück.

Der Regen wird wieder stärker und wir nehmen vom Schiff den kürzesten Weg in den Wohnwagen. Tee, Nudeln, Film – das ist die Reihenfolge der folgenden Aktivitäten.

Freitag, 26.04.19

Line schreibt in ihr Urlaubstagebuch: ‚Geht eigentlich noch mehr Regen? Ja es geht!‘ Und genauso ist es. Wir bleiben noch länger im Bett, frühstücken noch ausgiebiger und lassen uns von den Kindern zu einem Regenfilm überreden. Ich nutze den Regen zu weiteren Wohnwagenrecherchen. Wir kriechen ins Bett zurück und überlassen den Kindern, die Couch – schwer zu ertragen, wir wollen doch raus und was sehen! Nach Sturm, Hagel und Starkregen wird es gegen Eins etwas heller. Unser Kleinster ist fest entschlossen weiter Ninjago-Staffeln zu schauen. Soll er, wir aber müssen raus. Unsere Wege trennen sich also für die nächsten 2 Stunden und wir begeben uns…. wieder mal… mit dem Auto zum Lago Delio. Die Straßen dorthin sind wieder spektakulär, eng und verschlungen, schmiegen sie sich an den Berg, immer wieder geben sie den Blick auf den Lago Maggiore frei.

Der See – ein Stausee – ist enttäuschend und so verweilen wir nicht lange, sondern nutzen die letzten Liter Diesel im Auto, um in die Nähe des Bergdorfes Piero zu kommen. Dazu müssten wir allerdings noch mindestens 60 Minuten laufen, das ist uns mit dem Kind im Wohnwagen zu lange. Fotos aus der Ferne müssen also reichen. Zwischendurch können wir sogar mal die Sonne erahnen! Heute dient der geliehene Amarok mal ausgiebig als Fotomodel…

Danach gehts schnell zurück zum Kind, die Sorge war unbegründet, er liegt noch so wie wir ihn verlassen haben. Trotzdem gibts erst mal Fika. Danach gammeln wir ein wenig und quatschen. Der Gedanke an einen neuen Wohnwagen wird immer klarer, auf einmal reden wir nicht mehr vom Herbst, sondern davon, dass es eigentlich cool wäre, ihn schon im Sommerurlaub zu haben – mein Ehrgeiz ist geweckt! Am Abend gehen wir aus. Wir nehmen nicht die Pizzeria neben dem Platz sondern laufen ein Stück in den Ort und ergattern gerade noch einen Tisch im Ristorante Concordia. Zu unserer Überraschung wählen die Kinder Käse- und Schinkenplatte als Vorspeisen aus, eine sehr gute Wahl!

Satt und glücklich (einen Espresso gab es natürlich auch) machen wir uns auf den Rückweg, die Gedanken zwischen dem leckeren Essen und dem Limoncello im Kühlschrank.

Samstag der 27.04.19

Man glaubt es kaum, die Sonne scheint! Wir beschließen diesen Tag am See zu genießen und pumpen nach einem gemütlichen Frühstück Lines neues SUP auf. Anschließend paddeln wir alle 4 abwechselnd über den See, unterbrochen nur von Obst zum Mittag. Davon brauchen wir mehr!

Nachmittag spazieren wir in den Ort und essen ein leckeres italienisches Eis, schauen den Kletterern an der Felswand zu und genießen die zurückgewonnene Wärme.

Am Abend wird gegrillt und natürlich weiter SUP gefahren, wir kosten jeden Sonnenstrahl aus!

Sonntag der 28.4.19

Uns weckt die Sonne und wir wollen heute endlich wandern. Vergessen sind die Regentage, wir sind voller Energie, nur unsere Kinder müssen wir heute etwas zu ihrem Glück zwingen. Gegen 10 sind wir aber startklar und verlassen den Campingplatz immer bergauf, uralte steinerne Wege entlang. Der Weg ist anstrengend und soll eigentlich in 1,5 Stunden ans Ziel, Luino führen. Die Zeitangabe ist aber Utopie! Wir finden einen der herrlichen Aussichtspunkte und machen erstmal Picknick, im Moment ist es egal, dass aus den 7km doch 13 werden, noch dazu 500 Höhenmeter, erstmal genießen wir alle den Blick. Auf dem Weg konnten wir einen Imker beobachten, der scheinbar seinen Bienen auch einen Seeblick gönnen wollte, ob man das am Honig schmeckt?

Danach geht es erst einmal wieder runter bis direkt an den See, dabei druchqueren wir eine alte verlassene Siedlung, die Natur hat längst wieder Besitz ergriffen, die Kinder finden es toll und lassen sich in die Ruinen locken.

Leider geht es danach genauso steil wieder hinauf. Wir wissen mittlerweile, dass die Längenangabe für die Straße galt, die direkt am Ufer die beiden Orte verbindet. Die Kinder lockt nur noch das Versprechen auf ein Eis weiter. Am frühen Nachmittag beginnen wir also Abstieg Nr.2. Unser Weg führt uns, so denken wir, durch die Gärten eines alten Schlosses. Wir treffen den Besitzer des Gartens, der uns sofort allerlei interessante Dinge erzählt. Er fängt an mit den ursprünglichen Burgherren und endet damit, dass Siebenschläfer nur die Kerne seiner Weintrauben essen und daher auch das Interesse an den kernlosen Exemplaren sehr hoch ist. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg. Scheinbar haben wir ein Schild übersehen, erst beim Fotos ansehen, entdecken wir das „Durchgang verboten“-Schild. Es hat sich aber gelohnt.

Von hier ist es nur noch ein Katzensprung. Wir steuern die erstbeste Gelateria an und genießen unser Eis in Luino. Aus Mittag um 12 ist nun 14:30 Uhr geworden. Beim Eis essen verpassen wir unser Schiff zurück nach Maccagno. Warten, Bus oder Bahn? Nach kurzem Disput beruhige ich mich wieder und wir schlendern durch die Stadt bis das nächste Schiff kommt. Weit kommen wir aber nicht, denn wir entdecken eine tolle kleine Bäckerei mit Cafe. Wir können die Kinder überzeugen und bestellen uns einen leckeren Americano (eigentlich wahrscheinlich ein 8facher Espresso… aber sooo gut). Die Kinder bestaunen die kunstvollen Kuchen und Torten, Sieger der Herzen wird eine Einhorntorte. Zum Glück lassen sie sich darauf ein, dass wir nur Mandorlinis mitnehmen, die sehen lecker aus und sind es auch!

Den Abend beschließen wir bei leckerer Pizza, Espresso und zum Nachtisch werden natürlich die mitgebrachten Mandorlinis geteilt.

Montag der 30.4.2019

Heute ist der Tag der Abreise, wir hatten geplant in 2 Etappen nach Hause zu fahren, ganz entspannt und vielleicht noch was Schönes unterwegs anschauen. Gestern Abend kam uns allerdings die Idee, den Lago Maggiore direkt mit dem Gardasee zu vergleichen. Vom letzten Herbsturlaub am Gardasee kennen wir dort einen angenehmen Campingplatz der schnell von der Autobahn zu erreichen ist. Also geht es heute nicht nach Norden, sondern erstmal Richtung Osten. Alle freuen sich, im Herbst war es schön, das schürt die Freude. Wir zirkeln den Wohnwagen aus dem Platz und starten auf die 300km Etappe. Ohne Stau und Stopp kommen wir an und sind schon Mittag am Gardasee. Erstmal einkaufen und mit den lokalen Leckereien eindecken. Ein kleiner, schneller Imbiss im Wohnwagen und danach überlegen, wie der Tag enden soll. Wir entscheiden uns, nach Lazise rein zu laufen und die Stimmung zu genießen. Es sind deutlich mehr Touristen hier, als im Oktober aber gerade noch verträglich. Wir ziehen wieder einmal durch die Gassen, essen Eis, trinken Kaffee und lassen uns dann mit Blick auf den See einen Aperol Spritz schmecken. Die Kinder spielen solange mit den Wellen des Sees, die aufgrund der starken Regenfälle der letzten Tage über die Promenade schwappen.

Der letzte Tag im April ist auch unser letzter Urlaubstag. Traditionell schlendern wir noch einmal zum See hinunter, um uns zu verabschieden und starten dann kurz nach 10 Uhr Richtung Heimat. Die Fahrt führt über den Brenner, landschaftlich eine tolle Route. Dieses Mal haben wir jedoch kaum Augen dafür. Mittlerweile habe ich den passenden Wohnwagen für uns gefunden. Ein Händler hat noch einen im Vorlauf, wenn wir ihn noch vor dem nächsten Urlaub haben wollen, müssen wir bis Ende April konfigurieren und bestellen – das heißt: heute! Während ich also unser Gespann den Brenner hoch ziehe, liest uns Line den Ausstattungskatalog vor. Bevor wir Insbruck passieren haben wir das Geschäft telefonisch fest gemacht. Wenn wir zu Hause sind, heißt es warten und natürlich unseren Dicken reparieren lassen und verkaufen.

Fazit: Kommen wir nochmal an den Lago Maggiore? Bestimmt. bei hoffentlich besserem Wetter und mit einem kleineren Wohnwagen. Schön war es!

Weitere Blogs von Familien die mit Kindern Campen findet ihr in der Blogparade von unterwegsmitkind.de

Ostern am Vierwaldstätter See – ein Experiment!

June 2, 2019

Pfingsten ist Römö Zeit! Seit ich campe, fahre ich Pfingsten zum Kiten nach Dänemark. Seit Line dabei ist, fährt sie auch Pfingsten nach Römö. Wir genießen diesen einen Urlaub im Jahr, bei dem wir alles kennen, selten neues Entdecken aber viel Zeit für die Natur und natürlich für das Kiten haben. (siehe unser Römö-Blog). Was genau musste schief laufen, dass wir 2019 mit dieser Tradition brechen?! Die Frage muss allerdings lauten, wer hat das verbrochen, dass wir in Sachsen-Anhalt dieses Jahr keine Pfingstferien haben. Dafür 2 Wochen Ostern, braucht keiner, will keiner – so zumindest unsere Einstellung. Also mussten wir dieses Jahr neu planen. Römö im April war uns zu riskant, es musste was Südliches her. Die Route nach Kroatien war quasi schon fix, als Freunden kurzfristig ein Hausbau dazwischen kam. (kann ja Jedem mal passieren) Zeit, neu zu überlegen – Schweiz wäre nett und dann weiter an den Lago Maggiore – Einstimmig angenommen!

Ich starte am Gründonnerstag erstmal früh halb 6, um den von Volkswagen Nutzfahrzeuge gestellten Amarok V6 aus Hannover abzuholen. Scheinbar bin ich nicht allein aufgeregt. Unser Jüngster hätte ausschlafen können, wartet aber bereits im Bad auf mich – er verkündet: ‚ich komme mit!‘ Ok, er ist wohl genauso gespannt auf die 258PS des Amaroks. Line muss noch ein paar Stunden arbeiten, so trudeln wir alle gegen Mittag wieder ein. Da der Wohnwagen bereits gepackt vor dem Haus steht und das daheimgebliebene Kind Schnittchen geschmiert hat, können wir dann gleich los. Unsere Entscheidung statt der A9 die A71 zu nehmen, bringt uns in die angenehme Situation den Osterverkehr, vor allem im Radio zu verfolgen, bei uns rollt es. Der Luxus des Campens ist ja, dass man auch zwischendurch bequem übernachten kann und so steuern wir kurz nach 17:00 Uhr den Campingplatz am Haselbachsee ( Camping Sonneneck am Haselbachsee ) an.

Wir sind überrascht wie schön es hier, so nah an der Autobahn ist, fast sind wir gewillt länger zu bleiben, ok es lockt die Schweiz aber sonst…

Wir bekommen einen schönen Platz mit Seeblick und spazieren nach dem Aufbau (ok nur abgehängt und stehen lassen) ein kleines Stück am Ufer entlang. Der See lockt nicht nur Camper an, sondern neben diversen Gänsen auch Biber. Wir kommen in den Genuss, uns einen Biberbau ganz aus der Nähe anzusehen, danach gehts zum campingeigenen Griechen.

Nach einer angenehm ruhigen Nacht geht es morgens weiter Richtung Süden, allerdings nicht ohne unseren Jüngsten aus dem Bett zu bitten, nach einer gefühlten Ewigkeit sitzt er seelenruhig am Tisch und untersucht sein Marmeladenbrötchen. Auf was werden wir nie erfahren, während die Mädels die Haare richten, wirken die Männer mit Bart – einer von beiden ist sogar echt. Auf die Idee, Ostern am Bodensee zu verbringen, sind scheinbar noch ein bis zwei andere Camper gekommen. So musste unser zweiter Zwischenstopp (Campingplatz ausgebucht…) ausfallen. Zum Tanken fahren wir trotzdem kurz raus und sind froh, dass es so kam und wir schnell wieder weiterfahren können. Lindau ist voll von Menschen – zu viele, für unseren Geschmack. Während ich tanke, besorgt Line das Pickerl für die Schweizer Autobahn. Erst auf dem Campingplatz in der Schweiz soll uns auffallen, dass die Wohnwagen auch alle so einen modischen Aufkleber tragen. Alle, bis auf unseren! Wir hoffen, dass nicht noch Post kommt, nun sind wir schlauer!

Mittagspause machen wir, dank einer schwachen Kinderblase, auf einem Autobahnrastplatz – dem schönsten, den wir bisher hatten. Unter alten blühenden Kirschbäumen, mit Blick auf einen schönen See in den Bergen. Wenn man es schaffte, die Autobahn im Rücken auszublenden ist es schon Urlaub, mit leckerem Kaffee und Butterbrezeln.

Der Rest der Fahrt ist ein Kinderspiel und ich bereue es nach den ersten alpinen Steigungen schon, dass ich den Amarok nach den 2 Wochen wieder abgeben muss, 3.0 sind eben einfach mal ein Liter mehr, von den 80PS mal abgesehen. Erst als wir von der schön ausgebauten A17 auf eine kleine verträumte Seestraße abbiegen, bemerke ich unsere knapp 14Meter Länge und 2,5m Breite wieder. Das ganze steigert sich, als die Felsen zur rechten nur in einer Art Halbkreis aus dem Berg gehauen sind. Da müssen wir jetzt durch und hoffen, dass die vielen Motorradfahrer auch mit uns rechnen. Alles geht gut und wir werden mit einem tollen Platz belohnt. Reserviert hatten wir einen Tersassenplatz auf dem Campingplatz in Vietznau  und sind uns daher beim Seeblick sicher. Vor dem Genuss dr Aussicht kommt der zweite versteckte Hinweis: Die Art zu Reisen passt gerade nicht mit der Wahl des Wohnwagens zusammen. Die Zufahrt zum Terassenplatz hat einen heftigen Absatz, das metallische Schleifen der hinteren Wohnwagenstützen lockt einige Campernachbarn kopfschüttelnd auf den Weg – Gehts? Muss ja! Der Platz entschädigt dafür, ringsum imposante schneebedeckte Berge und vor uns der türkisblaue See – wir sind da! Wir haben noch nicht ganz abgehängt, da sind die Kinder schon im Pool verschwunden (zur Erinnerung, wir haben den 19.4. und befinden uns in den schweizer Alpen). Wir trinken erst mal einen Kaffee und plündern unseren Römö-Kuchen (etwas Tradition haben wir gerettet).

Am Abend schlendern wir noch ein wenig durch den Ort, irgendwie ist hier noch alles im Winterschlaf, die Läden und Restaurants zu, die Fußwege hochgeklappt aber schön!

Ostersamstag

Lines innerer Wecker scheint noch auf Dienstbetrieb zu stehen (in ihrem Reisebuch wird sie behaupten, mein Schnarchen hätte sie geweckt) und so vergrault mich ihr Föhn – ich will mir gar nicht vorstellen, was sie vorher schon alles gemacht hat. Was solls, raus und Brötchen holen. Die schweizer Preise können uns nicht schocken, wir sind von Römö ähnliches gewöhnt – ohne frische Brötchen ist es aber kein Urlaub. Beim Frühstück schmeißen wir dann sogar noch unsere Heizung an, irgendwie unreal, dass wir gestern im Pool waren. Wir haben gestern Abend die Schifffahrtspläne studiert und fahren heute mit dem selben nach Luzern.

Unser Plan: durch die verträumten Gassen schlendern, guten Kaffee trinken, das beste Eis der Stadt finden und entspannen. Wir stellen jedoch fest, dass Luzern nicht nur größer als gedacht ist, sondern auch beliebter. Nach unserem Weihnachtstripp nach Rovaniemi in Finnland ein nächster Hotspot asiatischer Schnellreisegruppen. Aber sie haben ja recht, es ist schön hier!

Wir verlassen das Seeufer und die berühmten Brücken, somit auch die Menschenmassen. Im Ort geht es steil bergauf immer Richtung Stadtmauer, von oben hat man einen tollen Blick auf den See, die Stadt und natürlich die verschneiten Berge ringsum.

 Von oben entdecken wir ein Restaurant auf einer kleinen Dachterasse, von dort aus hat man sicher einen tollen Blick über Luzern – sieht toll aus, sicher nicht bezahlbar – Schweiz halt.

Auch wenn es hier oben wesentlich entspannter zugeht wollen wir zurück. Uns fehlen die Ruhe und das Meeresrauschen von Römö. Wir schlendern also Richtung Hafen, es ist allerdings Mittagszeit und Hunger macht sich breit. Wir befürchten, dass sich unsere Vorliebe für kleine idyllische Restaurants nicht mit unserem Budget verträgt und gehen daher offenen Auges durch die Gassen. Ein Plakat macht uns aufmerksam und bietet bezahlbare Speisen in der obersten Etage eines großen Kaufhauses an – eigentlich nicht gerade das, was wir im Urlaub mögen aber ein Versuch ist es wert. Was soll ich sagen – am Ende ist es sehr lecker, alles frisch und wir sitzen auf genau der fotografierten Dachterasse und ja, der Ausblick ist toll! Danach geht es mit dem Schiff zurück, wir entspannen wieder langsam und freuen uns auf Pool und Kaffee. Dazu gibt es noch eine Runde Tischtennis mit den Kids – Win-Win (also ich hab gewinne und sie sind glücklich, dass ich mit ihnen spiele). Belohnt werden wir erneut mit einem tollen Sonnenuntergang über dem See. So kann das Wetter bleiben.

Ostersonntag, wir lassen es ruhig angehen. Nachdem wir das obligatorische Eiersuchen erstmalig auf einem Campingplatz hinter uns haben, können wir frühstücken. In Schweden haben wir gelernt, dass eine Wanderung nicht immer früh beginnen muss. Wir lassen uns also Zeit, spielen, malen, lesen und genießen den Blick auf den See. Uns erwartet heute ein kleines Highlight. Wir wollen mit der leuchtend roten Zahnradbahn Rigi Kulm auf den gleichnamigen Gipfel fahren. Ich hatte irgendwo einen Bericht gelesen, dass es bei einsetzender Dunkelheit ein besonderes Spektakel sein soll, dort oben zu sein. Aus diesem Grund starten wir erst 13:00 Uhr. Vorher kann ich schon am Bahnhof direkt am See meine Vorfreude steigern.

Die erste Entäuschung kommt, als wir einsteigen. Nein, nicht in den tollen alten und feuerroten Wagen, sondern in einen modernen, blauen – warum tut man so etwas??? Es hilft aber nichts, wenn wir hoch wollen, müssen wir rein. Wir haben ein Tagesticket und so können wir aus- und einsteigen, so oft wir wollen. Also, nutzen wir das. Wir steigen aus und steigen ein Stück hinab, die Schilder machen auf ein Felsentor aufmerksam, das wird unser erstes Ziel. Der Durchgang durch die verkeilten Felsen ist deutlich beeindruckend. Auch der sich im Anschluss eröffnende Ausblick auf den See direkt dahinter, ist toll. Direkt am Felsentor gibt es eine kleine Selbstbedienungswirtschaft und Selbstbedienung meint hier das volle Programm, vom Einschenken bis zum Bezahlen (oder man füllt einen Abbuchungsauftrag aus und wirft ihn ein.) Die Einladung zur offenen Meditation am Abend lehnen wir heute ab, wir wollen schließlich nach oben!

Wir steigen eine Station tiefer wieder ein, diesmal haben wir Glück und es ist die richtige Bahn: alt, kult und vor allem rot! Damit geht es diesmal bis ganz nach oben. Mittlerweile ist es Nachmittag und wir hoffen auf einen Kaffee in einer urigen Berghütte.

Da der Fahrplan (er wechselte exakt an diesem Tag) für uns unerklärliche Aussagen zum letzten Zug ins Tal enthielt, fragen wir jemanden, der sich auskennen sollte, den Zugführer. Dazu möchte ich sagen, dass alle Angestellten hier entspannt und superfreundlich sind – auffällig! Er erklärt uns, dass aus unseren Nachtfotos vom Berg wohl nichts wird, auch von unserer geplante Wanderung zur Käsealm rät er uns ab. Der Weg ist länger als erwaret und in der Dämmerung nicht zu empfehlen.

Naja, dann wenigstens Abendessen auf dem Berg? Nix da, das Restaurant – es erinnert stark an die Bergrestaurants in großen Skigebieten – schließt 18:00, logisch danach fährt ja auch keine Bahn mehr. Anders als im Fahrplan geschrieben. Wir trinken also wenigstens einen Kaffee – auch der war nicht gut! Was nun? Kinder fragen? Keinesfals, dann müssen wir ja zurück. Also tagt der Geheimrat. Wir beschließen, bis Kaltbad (quasi die Mittelstation) zu laufen, dort unten zu Abend zu essen und dann mit dem letzten Zug hinab zu fahren. Die Wanderung bei herrlichem Wetter entschädigt für das kulinarische Fiasko und wir genießen die Zeit. Auch die Kinder sind endlich im Flow und laufen wild erzählend mit.

 Immer wieder bestaunen wir die riesigen Krokus-Teppiche auf den Wiesen, teilweise liegt sogar noch Schnee.

 So langsam neigt sich der Tag dem Ende und wehmütig denke ich an meine Nachtfotos. Allerdings legt sich die Sonne nochmal so richtig ins Zeug und beschert uns auf den letzten Höhenmetern bis zur Bahnhaltestelle, tolle Augenblicke. Die Kinder merken das allerdings meist nur daran, dass wir ständig stehen bleiben und wahlweise ganz tief durchatmen (genießen) oder Fotos machen.

Gut gelaunt kommen wir in Klatbad an und stellen fest, dass auch hier noch niemand bemerkt hat, dass der Winter vorbei ist. Soll heißen, keine einzige Gaststätte hat auf, nichts! Was ist los mit euch Schweizern? Geht ihr Ostern nicht aus? Wir sitzen also die nächste halbe Stunde hungernd an der Haltestelle. Wir nutzen die Zeit, um gedanklich unsere Reserven im Kühlschrank durchzugehen – zum Satt werden wird es reichen. Viertel Neun kommt dann der Zug und wir fahren zurück zum Campingplatz. Dort gibt es dann ein reichhaltiges Buffett aus Linsensuppe, Kartoffelsalat, Knäckebrot, Käse und Würstchen. Nach knapp 15km wandern schmeckt es allen gut. Heute läuft nix mehr, außer das Wasser ins Abwaschbecken.

Ostermontag, wir wollen weiter. Der Wetterbericht sagt uns allerdings, wir sollten lieber hier bleiben. Wir überlegen, aber der Platz in Italien ist reserviert… Nach unserem Aufsetzer bei der Anreise hat uns der Platzbesitzer angeboten, mit seinem Nobel-Rangrover und Luftfahrwerk den Wohnwagen nach oben zu ziehen. Er ist der Meinung, er könnte seinen Wagen so weit absenken, dass er ohne aufzusetzen hoch kommt. In mir macht sich ein Kampf breit: ‚hoffentlich schafft er es und der Wohnwagen kommt unbeschadet oben an‘ kämpft gegen ‚der blöde Range ist doch auch nichts besseres als unser geliebter Amarok‘. Am Ende schafft er es auch nicht und wir müssen wieder abhängen. Line kennt das Spiel schon und stellt sich als Gallionsfigur vorn auf die Deichsel (damit das Stützrad beim steilen Hang auf der Erde bleibt) während ich den Wohnwagen per Mover das enge steile Stück herauf manövriere. (Punkt 2 zum Thema Wohnwagengröße vs. Vielfahrer).

Kurz darauf erklärt die nette Dame in unserem Navi, dass wir erneut genau die enge Straße nehmen müssen, auf der wir gekommen sind. Einziger Trost, die Felsen sind diesmal nicht auf unserer Fahrspur.

Nutzen wir die Autobahnetappe nach Italien noch für ein kleines Zwischenfazit: Die Schweiz hat uns sehr gefallen, die Gegend um den Vierwaldstätter See auch, hier kommen wir bestimmt noch mal her und schauen uns mehr von der herrlichen Natur an. Nur mit den Hüttengewohnheiten der Schweizer kommen wir noch nicht klar, da haben die bisher besuchten österreichischen und italienischen Teile der Alpen, gefühlt mehr zu bieten. Das nächste Mal werden wir uns sicher auch Schweizer Franken besorgen (verwöhnt vom Bezahlen in € oder dauerhaft Kreditkarte in den skandinavischen Ländern).

Wir sind unterwegs nach Italen. Was uns dort erwartet könnt ihr hier weiterlesen.

Limoncello am Gardasee

Oktober 2018

Diese Herbstferien schauen wir uns Deutschland an! Sicher! Ganz sicher! Oh, schau mal wie schön es am Gardasee im Oktober ist!

So ungefähr spielte sich unsere Planung diesmal ab. Am Ende fuhren wir mit Freunden an den Gardasee, bereut haben wir es nicht!

Aber von vorn. Die Kinder sind schon eine Woche mit der Oma in den Alpen und werden von uns erst auf dem Weg eingesammelt. Das Packen und der erste Teil der Anreise gelingen uns also stressfrei. Auch der Verkehr meint es halbwegs gut mit uns und wir sind pünktlich zum Abendessen an der ersten Station angekommen. Das Suchen nach einem Campingplatz fällt diesmal aus, die Chefin der Pension in der meine Eltern schlafen, erlaubte uns direkt auf ihrer Wiese zu stehen. Etwas schief, dafür mit Frühstück für 10,- und das für uns alle 4 zusammen. Ein perfekter Start, zudem gibt es noch einen unverbauten Blick auf das Alpenpanorama vom Bett aus – der Urlaub hat begonnen.

Gleich nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns und brechen auf, Richtung Brenner. Das Wetter ist herrlich und wir genießen die Aussicht auf unser Sommerdomizil 2018, die Seiser Alm (den Blog dazu gibt’s hier). Schon kurz nach dem Mittag sind wir da und werden von unseren Freunden in Empfang genommen. Die beiden sind mit ihren Kindern, diesmal ohne Wohnwagen unterwegs und so haben sie einen Platz ausgesucht, der Beides bietet, Bungalows und Campingplatz. Die Wahl fiel auf den Platz Spiaggia d’Oro in Lazise. Wir inspizieren erstmal – es ist alles da, alles sauber und ordentlich, dass der Platz riesig ist (also für unsere Verhältnisse) merkt man zum Glück erst beim Schlangestehen zum Brötchenholen. Danach gibt’s frischen Kaffee von Steffi – so kann das immer gehen im Urlaub! Leider heißt uns das Wetter nicht so willkommen, wie wir es verdient hätten. Es fängt an zu regnen als wir gerade das nahe gelegene Lazise besuchen – natürlich zu Fuß!

Was liegt näher, als uns ein nettes Restaurant zu suchen. Wir haben Glück und finden etwas, was uns allen gefällt! Ein großer runder Tisch im Wintergarten und das Essen ist sehr gut. Die Wartezeit verkürzt uns Steffi mit einer Anleitung zum Serviettenfalten, die Mädels sind begeistert. Line notiert am Abend: ‚der Wein war gut, die Kinder lieb, das Essen lecker‘ Wir können hier noch so lange sitzen, der Regen wird eher stärker als schwächer, also patschen wir irgendwann durch die Nacht zum Campingplatz zurück. Sie bleibt feucht und als wir am Morgen aus dem Wohnwagen klettern ist unter uns alles schlammig. Das ist allerdings auch das einzige Anzeichen des schlechten Wetters vom Vortag. Die Sonne scheint und wir frühstücken draußen – wir hatten es schon kälter im Sommerurlaub. In Bardolino ist Weinfest, das erklärt zum Einen, warum der Campingplatz noch gut gefüllt ist und zum Anderen, warum eine weitere Freundin genau dort an der Hafenpromenade auf uns wartet. Irgendwann kommen wir auch mit den Rädern dort an. Hier ist die Hölle los. Menschenmengen wie morgens in der Londoner U-Bahn (was man so hört…), von wegen idyllisches Herbsttreiben. Egal, nun sind wir einmal hier, also setzen wir uns entspannt auf die Kaimauer und beobachten die anderen Leute und unsere Kinder. Irgendwo kommt regelmäßig Weinnachschub her, so wird die Kehle nie trocken, aber das wieder Aufstehen natürlich nicht leichter. Eis ist da allerdings ein geeigneter Motivator.

Nach dem leckerem Eis (es soll nicht das letzte in diesem Urlaub sein..) machen wir uns auf, durch die Menschenmassen, an den Marktständen entlang. Irgendwie sind wir verwöhnt, von der Genussregion Südtirol (kein leeres Versprechen) und daher nicht so begeistert vom Angebot. Wir kaufen natürlich trotzdem ein paar Leckereien, die wir am Abend bei einem Picknick am See verspeisen. Da wir das Ostufer gewählt haben können wir natürlich den ersten traumhaften Sonnenuntergang dabei genießen.

Der nächste Morgen startet mit 2 Dingen, die nun zur Regelmäßigkeit werden: 1.Sonnenschein und 2. der Countdown unseres Jüngsten bis zu seinem Geburtstag. Heute werden wir also mit einer lauten SIEBEN geweckt. Wir gehen heute mal getrennte Wege. Ohne unsere 4 Freunde machen wir uns gegen 11:00 (ja unsere Kinder sind im Urlaubsmodus) nach Sirmione auf. Unterwegs entdecken wir einen Eurospin-Laden und machen natürlich sofort Stop. Hier gab es bei unserem Trip nach Südtirol die leckeren Kekse (ohne Palmöl) – rein – Korb voll Kekse -raus und weiter. Sirmione gefällt uns! Wir parken etwas außerhalb (die Parkplätze werden Richtung Festungsmauern immer teurer) und laufen durch die Festung in die Stadt. Leider ist Montag und was?! Genau, Montag hat der Turm geschlossen, also nix mit von oben runter schauen. Wir schlendern daher durch die herrlichen kleinen Gassen und genießen die warme Sonne.

Dort, wo es so schön ist, muss auch das Essen lecker sein – eine Theorie die scheinbar aufgeht. Wir suchen eine Weile, bis wir das Richtige finden. Eher skeptisch geht Line in ein Restaurant, weil man am Ende Sonnenlicht sieht. Um so begeisterter kommt sie wieder raus. Bingo! Eine Terasse direkt am See, etwas ab vom Trubel und genau ein Tisch für uns 4 frei! Wir bestellen, in Erinnerung an Bozen schwelgend (blog zu Bozen), Pizzabrot mit Olivenöl und Salz, für mich gibt es eine mit Rohschinken. Saulecker!!!! Natürlich muss neben dem Espresso auch noch ein riesiges, leckeres Eis hinterher. Ich könnte glatt Italiener sein! Wir hatten in einem Reiseblog davon gelesen, dass es in Sirmione das leckerste Eis des Gardasees geben soll, dieser Aussage können wir uns anschließen, allerdings ist das Niveau hier überall recht hoch.

Am Abend treffen wir uns dann wieder auf der Terasse des Bungalows, um gemeinsam zu Abend zu essen und das eine oder andere Glas Limoncello zu trinken. Dazu eine kleine Lektion zum nutzlosen, aber doch nachgefragten Angeberwissen: Limoncello oder Limoncino ist egal, beides ist vom Gardasee und beides ist das „original“, eventuell auftretende Geschmacksunterschiede kommen, laut dem netten Ladenbesitzer, nur aufgrund des Alkoholgehaltes. Egal wir trinken beides! Danach geht’s früh ins Bett, wir wollen morgen zeitig starten.

Wir schaffen es tatsächlich und sitzen noch vor 10 Uhr im Auto. Es geht die Uferstraße Richtung Norden und schon die Fahrt entlang des Sees ist toll. Früher dachte ich immer, dass sei etwas für Rentner hier, aber nun? Ja naja, vermutlich wissen auch Rentner was schön ist. Heute wollen wir uns aber etwas absetzen, wir nehmen in Malcesine die Bergbahn auf den Monte Baldo. Um genau zu sein, stellten wir uns dafür zunächst eine Stunde in die endlos wirkende Schlange – so außergewöhnlich scheint unser Ausflug dann also nicht zu sein. Oben angekommen, drehen alle Mitreisenden in kurzen Hosen zum Glück gleich wieder um. Es ist frisch hier oben. Wir sind vorbereitet und holen unsere warmen Sachen raus. Im Netz hatten wir gelesen, dass es hier einen unglaublichen Blick auf den Gardasee gibt. Das stimmt soweit, leider gibt es hier auch ein ganz eigenes Wetter mit vielen Wolken. Wir schaffen es trotzdem zumindest für ein paar Minuten den See zu sehen und stellen uns einfach vor, es wäre klar und der Blick könnte über den See schweifen…

Nun, die Sicht nach unten ist schnell weg, damit muss ich klar kommen. Die Bilder in meinem Kopf, die ja eigentlich heute auf die Kamera wandern sollten, müssen nun durch andere ersetzt werden. Es wird sich etwas finden! Nun ist es auch nicht mehr ganz so schlimm, dass uns die Warterei an der Talstation die Wanderung zum Gipfel versaut hat. Wir entscheiden, vernünftiger Weise, nur ein Stück den Kamm entlang zu wandern und dann ein kleines Picknick zu machen. Nun, die warmen Sachen waren klar, das Picknick fällt uns irgendiwe erst hier oben wieder ein. Wir sind schließlich nicht im Wanderurlaub, oder doch?! Zum Glück gibt es an der Bergstation ein überteuertes, labriges Baguette – den Kindern schmeckt es und die „Happy Campers“ (der Kosename unserer Freunde) versorgen unsere Kinder zum Nachtisch auch mit Keksen. Die Kinder finden es zu viert noch besser. Hier gibt es jede Menge Felsen und Steine auf die man klettern kann – um sofort wieder runter zu springen. Wir genießen die Zeit und den Ausblick auf die Berge, der See ist ja nicht zu sehen. Die Sonne zeigt sich auch immer mal wieder und dann ist es gar nicht mehr so kühl.

Mystisch steigt der Nebel immer mal wieder aus den Wäldern auf, als wir beschließen wieder hinab zu fahren – der Kaffee lockt.

Vorher kommt allerdings noch der Abstieg, scheinbar haben die Kinder aber Eis gewittert und rennen voran. Erstaunlich, wie schnell so ein Kind sein kann, obwohl alle Taschen (Jacke, Hose, Bauchtasche) voller Steine sind. Noch erstaunlicher ist, dass die Hosen tatsächlich durch das Gewicht nicht nach unten gezogen werden. In der Gondel angekommen, natürlich nicht ohne Anstehen, genießen wir die Abfahrt, zumindest die Meisten. Die Damen mögen das Kribbeln im Bauch scheinbar mehr, wenn es Liebe ist.

Man könnte denken, wenn man von oben auf Wolken schaut, muss man im Tal schlechtes Wetter haben. Irgendwie steht die Welt aber Kopf, schon auf der Fahrt nach unten merken wir, unten ist es auch sonnig. Allerdings sieht man, dass der See seinen eigenen Nebel mitbringt, als ob er sich verstecken will…

Die Seilbahnfahrt endet in Malcesine (wo auch sonst, eine Seilbahn kann ja schlecht abbiegen) -Tipp: Wenn ihr mit der Bahn fahren wollt, kauft die Karten online, dann könnt ihr zumindest an der ersten Schlange vorbei. Wir lassen uns durch die Gassen der gemütlichen Stadt treiben, auf der Suche nach einem netten Kaffee. Entdecken ein altes Segelboot, sofort keimt der Gedanke einer Segeltour, nach einigen Recherchen im Netz stellen wir fest, dass wir zu spät sind, also nur ein Foto und weiter nach dem Cafe suchen.

Natürlich werden wir fündig und schicken die Kinder zum Eis essen an das nahe Seeufer – fast außer Hörweite…

Auf dem Rückweg zum Auto, wir parken am nördlichen Ende, schauen wir zurück auf die Burg des Ortes und der Anblick ist überwältigend, Benno der Profifotograf würde sagen – episch –

Wir genießen eine Weile und beschließen den Abend nicht auf dem Campingplatz zu beenden, sondern in einem nettem Lokal auf dem Weg dorthin. Line und ich haben jedoch vor dem Essen noch was anderes im Kopf. Ein Bild von Malcesine mit der Burg und dem See, wir haben das bei einer Freundin mal gesehen und waren begeistert, also machen wir uns bei schwindenem Licht und hungriger werdenden Kindern, auf die Suche nach dem perfekten Standort für DAS FOTO. An einem verlassenen und verfallenen Grundstück ist es endlich in Sicht. Eine Lücke im Zaun macht einen Einstieg möglich und gibt den Blick auf den Ort frei, malerisch zwischen den See und die Berge gezwängt. Ich bin zufrieden…

Nach diesem Ausblick fehlt nur noch ein tolles Essen und wir begeben uns, gemeinsam mit den „Happy Campers“, auf Jagd. Die Jagd ist auf Grund der Nutzung vom Internet schnell zu Gunsten der „Happy Campers“ entschieden. Allerdings haben wir ja alle was davon… Wie das halt so ist. Unsere Wahl fällt nach der Recherche auf das kleine Städtchen Castelletto. Steffi hat das Restaurant da Umberto herausgezaubert und so nehmen wir im Hafen Platz, Blick aufs Wasser mit Sonnenuntergang und für die Damen einen Aperol Spritz. So lieben wir Italien… den Gardasee – egal ob es ein Rentnerparadies ist!

Halbzeit! Heute freuen wir uns auf den Markt von Lazise. Wir wollen kosten, schmecken, riechen. Wir wollen das volle Programm an regionalen Köstlichkeiten! Aber erst wollen wir in Ruhe frühstücken, dann geht es los. Zu Fuß, denn unser Campingplatz ist nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt. Dafür trifft uns die Ernüchterung auf dem Markt. Es gibt kaum Lebensmittel, dafür Daunenjacken in allen Farben – wir überlegen ob Lidl vielleicht hier einkauft?! Natürlich gibt es auch Leder und vieles mehr. Line schleicht immer mal wieder um ein Küchenbrett aus Olivenholz herum. Nachdem ich den Preis gelesen hatte, stand er mir wohl ins Gesicht geschrieben und sie traute sich nicht mehr zuzuschlagen. In den Seitenstraßen fand sich dann doch noch der eine oder andere Stand mit Fisch und Käse. Wer jetzt denkt, dass mit dem Nummern ziehen und warten ist typisch Deutsch und ‚Amt‘, wird hier eines Besseren belehrt – an diesem Käsestand musste man das auch tun ( das Foto mitte rechts – roter Kasten zum Nummer ziehen und Display mit der Nummer 40)

Ein Tipp für die Jäger und Sammler unter euch. In Lazise gibt es einen Laden – Paradies bezeichnet es eher! Egal ob Camping, Werkzeug, Hausrat – dort gibt es alles und das meine ich ernst! Der Laden ist nicht groß, die Gänge könnten jemanden mit Platzangst eine Panikattacke bescheren, maximal 50cm breit und bis unter die Decke gefüllt – eben alles. Ich war so begeistert, dass ich kein Foto gemacht habe…

Statt für frischen Fisch entscheiden wir uns für ein leckeres Eis und den Rückweg. Die Kinder wollen heute mal den platzeigenen Pool ausprobieren. Saisonbedingt sind nicht mehr alle Becken geöffnet, aber die 2 Becken mit ein paar kleineren Rutschen reichen ihnen aus. Sie sind begeistert und wir entspannt, fragen uns allerdings, wie es hier im Sommer, bei vollem Platz aussieht. Das wäre jetzt nicht so unser Ding, da sind wir uns einig.

Kaffee und Kekse schieben wir noch dazwischen, bevor wir zum See hinunter gehen und uns ein schönes Plätzchen suchen. Wir bestellen Pizza im Restaurant des Platzes – gegessen wird heute aber mal wieder am Strand. Für die Damen ein Wein, die Männer ein Radler und die Kinder machen sich nass und dreckig – alle sind glücklich.

Nach dem Frühstück – wie immer vor dem Wohnwagen in der Morgensonne – stellen wir die Fahrräder auf das Auto (ich liebe dieses Auto) und machen uns auf den Weg nach Riva del Garda. Auf vielen Reisewebsites liest man von DEM Radweg am Gardasee, spektakulär am Felsen lang, von Riva nach Limone. Den fahren wir heute, so zumindest die Theorie und der Plan. Der Parkplatz ist schnell gefunden, alle sitzen auf den Rädern und wir radeln mitten durch das Zentrum von Riva del Garda. Die Beschilderung ist lausig, aber wir haben ja Handys und Dank EU auch Datenvolumen. Als wir den Radweg am Ortsausgang erreicht haben, stehen wir jedoch vor einem Baustellenschild. Ein Radfahrer erzählt uns von einem Bergsturz und empfiehlt uns eine andere tolle Route. Wir hören interessiert zu, nicken zustimmend, fragen nach. Als er weg ist beschließen wir dann aber doch, unseren ursprünglichen Plan nicht aufzugeben – wir wollen DEN Radweg. Also Räder wieder auf’s Auto und ab nach Limone. Wir rollen den Weg eben von hinten auf. Auch hier ist es nicht so einfach, den Weg zu finden. Wir jonglieren unsere 8 Fahrräder durch die engen Gassen, viele steile Treppen hinab. So langsam bekommen wir etwas Angst vor dem Rückweg, irgendwie geht es immer weiter runter. Unterwegs machen wir einen kleinen Stopp, um uns die Limonaia del Castel – die Zitronen-Gewächshäuser in Limone anzusehen. Der Eintritt ist mit 2 Euro (die Kinder kommen Dank dem netten Herren so rein) erschwinglich, die Anlage auch übersichtlich, aber deshalb nicht weniger schön. Überall wachsen Zitronen, Apfelsinen, jegliche Art von Zitrusfrucht (soweit sich das als Laie beurteilen lässt), man will eigentlich sofort zugreifen. Zusätzlich bieten sich immer wieder tolle Blicke auf den See.

Weiter geht’s auf der Suche nach unserem Abenteuer. Die nächsten Treppen folgen, ebenso wie ungläubige Blicke von anderen Touristen, ab und zu auch ein Kopfschütteln. Schließlich bestätigt uns eine junge Deutsche, dass wir auf dem richtigen Weg sind und so langsam werden die Menschen weniger, und die Wege befahrbar. Wir folgen den immer noch engen Gassen, nun aber wieder den Berg hinauf. Mal schaffen es die Kinder, mal müssen wir schieben. Schließlich kommen wir wieder an der Hauptstraße an und finden den Start des gesuchten Weges. Man hat nicht zu viel versprochen! Auch wenn er atsächlich noch gar nicht bis Riva geht. Er endet nämlich auf halber Strecke einfach, aber das wissen wir hier noch nicht.

Wir genießen die Fahrt und staunen wie der Weg da so am Felsen zu hängen scheint, sensationell.

Aber die Euphorie hält nicht lange, an der ehemaligen Grenze (zwischen Riva und Limone) ist Schluss und wir nutzen die Gelegenheit für ein Picknick. In Ermangelung von Natur auf der alten Grenzstation, uns schmeckt es aber auch dort. Im Anschluss geht nur Eines, umdrehen und zurück. Allerdings fällt uns das gar nicht so schwer. Limone hat uns auf dem Hinweg schon gut gefallen. Was liegt also näher, als nach einem Café Ausschau zu halten und die Kinder mit einem Eis glücklich zu machen. Wir sind heute mal raus…

Kopfschüttelnd sitzen wir wenig später bei einem Capucchino und tun so, als wären es nicht unsere Kinder die dort am Hafen Fange spielen – das Leben kann so schön sein. Die Rückfahrt dauert dann doch etwas länger als geplant. Es ist viel Verkehr und die Straße genauso eng wie beeindruckend.

Das stört uns aber nicht wirklich, erst genießen wir die Fahrt und dann den Limoncello bei den „Happy-Campers“ auf der Terasse. Ein angemessener letzter Abend am Gardasee.

Es ist Freitag, eigentlich geht es nach Hause aber niemand will gerade dorthin. Wir beschließen also die Heimfarht zu verschieben und das tolle Wetter noch einen Tag zu genießen. Nach der Verabschiedung unserer Freunde verbringen wir einen entspannten Tag am See und am Pool. Auch ich schaffe es mal in den See, ist eigentlich gar nicht so kalt…

Am späten Nachmittag starten wir ein letztes Mal nach Lazise, noch einmal leckeres Eis essen, noch einmal in den tollen Laden gehen in dem es alles gibt und dann zu Abend essen. Beim Bummeln entdecken wir ganz nebenbei noch einen kleinen verträumten Supermarkt. Hier gibt es viele regionale Sachen, eine riesige Auswahl – leider zu spät für uns.

Also auf zum Abendessen. Unser Jüngster eröffnet uns, dass wir heute Muscheln essen, schaun wir mal. Wir bekommen einen schönen Tisch mit Blick auf den See und lassen es uns nochmal richtig gut gehen…

Haben wir Muscheln gegessen? Klar! Muss man das? Nö! Aber es hat gepasst und wir haben viel gelacht. Wir machen uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Es ist immer noch angenehm warm, aber so langsam wird klar, das war’s im Herbst 2018

Weil niemand Lust hat abzufahren, sitzen wir auch am Samstag bis 11:00 Uhr noch am See und genießen das Klima. Dann geht es aber doch los. Irgendwann lässt es sich nicht mehr weiter hinauszögern… Ab in den Stau. Dachten wir. Scheinbar war unsere späte Abreise Gold wert, wir fahren ohne jegliche Behinderung durch die herrlich bunt gefärbten Alpen und sind so schnell wie noch nie, so schnell, dass wir nicht mal mehr den ursprünglich geplanten Zwischenstopp einlegen, sondern direkt die heimischen Betten ansteuern.

Fazit: Limoncello oder Limoncino ist egal, beides lecker. Gardasee im Oktober muss man mal gesehen haben. Die Gegend ist toll, der Kaffee gut und die Städte herrlich – für uns gern nach dem Weinfest! Probiert das Olivenöl, ein Traum!