Einmal quer durchs Baltikum – Teil II

Wenn ihr gerade erst eingestiegen seid: Wir stehen gerade auf einem tollen Campingplatz in der Nähe von Riga. Ihr habt also schon einiges verpasst. Fangt am besten mit Teil I an, den gibt’s hier.

Tag 10 – Halbzeit

Heute lassen wir es ruhig angehen. Line bringt zwar Kaffeewasser aus dem Hahn mit, aber die Farbe des Wassers begeistert uns nicht wirklich. Wir sind ja in einem Moorgebiet und genauso sieht auch das Wasser aus dem Hahn aus. Wahrscheinlich trinkbar, aber eben auch leicht braun und es riecht nach Eisen ( sicher seehr gesund). Eine Alternative haben wir (noch) nicht, ahnen aber schon warum es hier im Supermarkt überall Kanister mit Wasser zu kaufen gibt. Also vorerst Moorkaffee, dafür mit Rührei. Heute wollen wir endlich mal Outdoor bleiben, also keine Stadt, kein Museum oder ähnliches. Wir starten Richtung Keneri Nationalpark. Auch auf dem Weg finden sich erstaunlich viele Schotterpisten, bis auf ein paar Bremsrillen sind aber alle fahrbar. Vor Ort laufen wir kurz durch den Wald und anschließend einen wunderschönen Rundweg durchs Moor. Immer auf Holzstegen entlang mitten durch Seen.

Auf der Hälfte befindet sich ein Holzturm als Aussichtspunkt. (Von dem tatsächlich niemand ein Foto gemacht hat.)

Danach geht es weiter, genauer gesagt zurück, aber genauso schön.

Schon halb 3 sitzen wir wieder vor dem Wohnwagen, dieses Mal mit frischen Zimtschnecken und klarem Wasser für den Kaffee. Es ist zwar nicht sonderlich warm, das Wasser aber sehr angenehm. Also beschließen wir, unsere SUP aufzupumpen und eine kleine Runde zu fahren.

Am Abend schmeißen wir den Grill an, holen uns die Kunstfelle aus dem Wohnwagen und genießen den Sonnenuntergang.

Tag 11

Während es zu Hause fast 40 Grad sind, genießen wir hier angenehme 23 Grad. Das heißt, wir könnten draußen frühstücken. Noch bevor wir die Jugend wecken, fahren wir mit den SUPs auf den stillen See.

Wir waren zwar lange unterwegs, aber Frühstück hat trotzdem niemand gemacht! Also schnell alle zusammenrufen und gemeinsam essen – natürlich draußen. Danach geht es erneut nach Riga, wir haben noch ein paar Dinge auf dem Zettel. Gleich zum Tagesstart einen schwer verdaulicher Brocken – das KGB‑Museum. Zum Glück sind wir zeitig da und können uns gegenüber noch einen leckeren Kaffee gönnen.

Schon beim Kaffee haben wir das Haus im Blick. Von hier aus gar nicht so hässlich wie gedacht, im Gegenteil! Das hatten wir nicht erwartet, zumal es das Museum am originalen Schauplatz ist.

Danach geht es hinein und wir erfahren die nächsten schauerlichen Geschichten. Wie grausam Menschen sein können, wenn sie Macht haben. Beklemmend!

Weitere Bilder erspare ich euch. Wen das Thema interessiert, der sollte dort unbedingt hin. Kleine Triggerwarnung: Was ihr hier seht, sind nicht die grausamsten Szenen dort und in Kombination mit den Fakten vom Guide auch nichts für schwache Nerven. Genauso prachtvoll wie das Gebäude von außen ist, so ist das Jugendstilviertel, welches wir uns jetzt ansehen, natürlich gleich um die Ecke. Jugendstil haben wir natürlich alle schon gesehen, aber hier wird das noch mal auf eine andere Ebene gehoben!

Das Viertel ist nicht riesig, aber alles frisch renoviert und passend zum blauen Himmel wie gemalt. Das Laufen und Schauen macht hungrig und wir suchen was zum Essen. Wir hatten von einer Pizzeria gehört, die phänomenal sein soll, und suchen sie. Ganz unscheinbar in einem alten Holzhaus werden wir fündig, das Sturis, und finden sogar einen Platz draußen.

Natürlich bestellen wir die beiden empfohlenen Pizzen, einmal mit Pfifferlingen und einmal Beef und Schokolade.

Wenn ihr Essensfotos von uns seht, bei denen das Essen angebissen ist, seid euch sicher, es roch lecker und hier war es das auch. Auf jeden Fall beste Pizza der Stadt – ohne eine andere probiert zu haben! Danach geht es mit Zwischenstopp bei einer alten Markthalle (im Holzhausviertel) zurück zum Campingplatz.

Der Abend wird entspannt! Chillen, Grillen, Schaukeln und SUP‑Fahren – mehr nicht.

Die Stimmung ist einfach herrlich und so schleiche ich mit Kamera noch ein paar Mal um den Wohnwagen.

Tag 11 – Gauja Nationalpark

Das Frühstück verlegen wir aufgrund der Temperaturen nach drinnen. Der Nachteil an der Abendsonne ist, dass unser Essplatz morgens im Schatten liegt.

Wir lassen uns Zeit, trotzdem rollen wir vor 10:30 Uhr vom Platz. Das Problem ist, da macht er erst auf und vorher ist niemand da, dem wir unseren Schlüssel für die Duschen geben können. Wozu haben wir aber Aufkleber vom Caddy dabei? Also kleben wir den Schlüssel einfach an die Tür und brechen auf zum Gauja-Nationalpark. Dazu müssen wir einmal durch Riga, nur dieses Mal mit Wohnwagen hinten dran.

Auch am nächsten Platz bestehen die letzten 5 Kilometer wieder aus Schotterpiste, aber das sind wir ja schon gewohnt.

Wir kommen pünktlich an und werden von der Chefin freundlich auf dem Jaunzageri Camping begrüßt. Sie zeigt uns alles und wir merken, dass sie besonders stolz auf die sauberen Sanitäreinrichtungen ist – zu Recht! Der Platz ist schön, gleicht eher einem Park mit kleinem Flusslauf. Auch hier hat jeder Stellplatz einen Picknickplatz und eine Feuerstelle. Leider schätzt sie unseren Wohnwagen als zu groß ein, um direkt am Fluss zu stehen. Nach kurzer Enttäuschung (Micha) und 2× Umparken (auch Micha) und an die Bremsen gewöhnen (alle außer Line, die scheint immun zu sein) sind wir happy!

Wir koppeln aber nur ab und starten Richtung Sigulda. Hier soll es ein paar spannende Höhlen und Burgen geben. Erst mal treibt uns aber der Hunger. Das erste Restaurant fällt durch, bevor wir drin sind (Imbissbudenflair), das Zweite glänzt dafür auf voller Linie.

Allgemein fällt uns auf, dass die Restaurants an der Straße hier in Litauen echt toll sind. Es gab keins, das nicht lecker war. Dieses hier war es aber ganz besonders!

Danach suchen wir die Höhlen. Wer jetzt etwas Wildes, Ursprüngliches erwartet, den muss ich enttäuschen. Das waren wir wohl auch ein wenig. (Ganz nett)

Viel Zeit verbringen wir hier auch nicht und suchen nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Wir finden ganz in der Nähe noch ein kleines, süßes Schloss und statten ihm einen kurzen Besuch ab.

Dann geht es zurück zum Campingplatz…

Wir nutzen die Liegestühle und schauen ein wenig auf den Fluss. Vielleicht gab es auch schon ein Gläschen Wein …

Am Abend machen wir natürlich ein Feuer an und sitzen lange draußen. Die Insekten haben sich scheinbar an uns gewöhnt und kommen nur noch selten zum Blutsaugen.

Tag 12 – Tag am Meer

Line ist schon früh wach und sitzt mit Blick auf die Gauja (den Fluss) draußen. Da wir aber irgendwann auch loswollen, bereitet sie schon mal Frühstück vor und so langsam kommen alle anderen auch aus ihren Betten. Wir haben entschieden: Heute geht es ans Meer. Das Wetter passt hervorragend dazu, also los. Line hat bei den Vorbereitungen von ein paar Höhlen am Strand gelesen, dahin zieht es uns. Der Parkplatz ist natürlich zahlungspflichtig und eigentlich ist das hier alles ein großer Campingplatz. Wir lassen uns nicht davon stören und machen uns auf den Weg am Strand entlang. Nach 5 Minuten erreichen wir schon das Ziel unseres Tages. Die Entfernung hat auch gereicht, die meisten Besucher haben nämlich eher aufgegeben und somit ist es hier gar nicht so voll.

Wir finden die Höhlen, nicht ganz so spektakulär wie die am Strand in Norwegen (Blog), aber für ein Foto allemal gut! Oder für 25…

Danach setzen wir uns in den Sand und überlegen, was wir weitermachen wollen. Das Münchhausen-Museum ist ganz in der Nähe (ja, der Lügner aus Deutschland, hatte wohl hier seine Frau und daher auch Haus und Hof). Da das Wetter aber immer besser wird, vor allem wärmer als angesagt, beschließen wir, hier zu bleiben.

Ich gehe mit einer Tochter noch einmal zum Auto, Volleyball holen, und schauen, ob es am Kiosk etwas Essbares gibt. Das wird ein schräges Mittagessen, aber zur Not helfen eben auch mal TUC-Kekse und Chips.

Die nächsten Stunden verbringen wir dann tatsächlich badend und volleyballspielend und, man glaubt es kaum, tobend.

Auf dem Rückweg halten wir wieder an einer der besagten Raststätten an, sitzen draußen und speisen lecker. Und wer jetzt denkt, dort gibt’s nur Dinge mit viel Fleisch, der irrt. Natürlich gibt es die, aber eben auch leckere vegetarische Alternativen.

Am Campingplatz angekommen gibt es natürlich erst ein Glas Wein mit Blick auf den Fluss und anschließend die restlichen Chips am Lagerfeuer.

Tag 13 – Auf nach Estland

Unser letztes Frühstück am Fluss. Danach fahren wir weiter und bemerken erstmals nicht mal die Grenze nach Estland. Die befindet sich mitten im Ort Wałk. Wir wollen den Staub vom Auto und Wohnwagen waschen und Bargeld abheben. Auf der Suche nach Waschstraße und Bankomat müssen wir sie übersehen haben. Irgendwie ein toller Gedanke, eine Grenze zu übersehen. Wir steuern grob den Peipussee, den drittgrößten See Europas, an. Da wir an den anderen schon waren, liegt es nahe, auch hierhin zu fahren. Zusätzlich soll es dort die Zwiebelroute geben. Da wir nah an der russischen Grenze sind, baut sich in meiner Fantasie eine tolle Küstenstraße nach dem Vorbild des Gardasees mit Häusern, die Zwiebeltürme besitzen, wie in alten russischen Märchen.

Die Realität ist nüchterner. Denn, den See können wir meist nur erahnen und Zwiebelstraße heißt sie, weil es dort Zwiebeln gibt, die zum Essen. Zwar treffen hier die Kulturen aufeinander, aber sichtbar wird das – zumindest für uns – nicht so sehr. Wir versuchen trotzdem unser Glück, biegen mehrmals Richtung Ufer ab, immer in der Hoffnung, ein kleines verträumtes Restaurant zu finden – Fehlanzeige. Das Einzige, was wir finden, ist ein Reh, welches unbedingt die Straße queren will. Mit dem Auto konnte ich noch ausweichen, aber dann kam ja hinten noch der Wohnwagen. Autsch!

Wir halten an und begutachten den Schaden. Das Reh finden wir gar nicht, scheint also überlebt zu haben, und der Wohnwagen hat zum Glück auch nur ein paar kleinere Blessuren. Erst die Aufregung legen lassen, noch eine kurze Absprache mit einem Anwohner zum Vorgehen (das Reh ist ja nicht mehr da…), dann die letzten paar Kilometer zum Campingplatz. Am nördlichen Ende wird es dann erstaunlich voll. Alle Straßen sind mit Autos vollgeparkt, so eng, dass wir kaum durchkommen. Auf dem Campingplatz dann ähnlich voll, aber wir bekommen einen schönen Platz und machen uns erst mal was zu essen.

Da der Platz keinen direkten Zugang zum See hat, gehen wir anschließend die 50 Meter durch den Wald. Okay, der wirkt groß und aufgrund des leichten Windes auch mit ordentlichen Wellen. Wenn wir es nicht wüssten, würden wir denken, wir sind am Meer, an einem sehr braunen Meer, denn durch den Wind ist auch der Boden recht aufgewühlt.

Wir laufen etwas am Strand entlang, es ist tatsächlich stellenweise voller als an der Ostsee zu ihren besten Zeiten. Richtig viel Spaß macht das also nicht, daher nehmen wir uns die nächste Bank, die etwas höher steht, holen uns ein Eis und genießen den Ausblick.

Danach geht es zurück und vor dem Wohnwagen gibt es erst Nudeln mit Pesto und anschließend Bananen vom Grill, gefüllt mit Kinderschokolade – lecker!

Abends wird es dann außerhalb des Camps deutlich ruhiger und ich gehe mit Line noch einmal vor. Dieses Mal mit Badehose, fest entschlossen, auch ins Wasser zu gehen. Am Ufer angekommen stürze ich mich todesmutig in die Fluten. Also ich renne einfach ins Wasser. Nach circa 150 Metern renne ich immer noch durch das knietiefe Wasser. Es will einfach nicht tiefer werden. Also werfe ich mich einfach in die flachen Wellen und es ist gar nicht so kalt, man kann es genießen.

Tag 14 – die nächste Hauptstadt Tallinn

Wir lassen es entspannt angehen und die Kinder bis 9:00 Uhr schlafen. Mittlerweile sind wir als Familie eingespielt und so geht das Zusammenpacken schnell. Wir verlassen den Peipussee Richtung Tallinn. Hat sich der Umweg über den See gelohnt? Selbst wenn wir das Reh mal außen vor lassen (wörtlich wäre mir lieber gewesen), ist die Antwort für uns klar: Nein. Aber das können wir erst wissen, wenn wir da waren.

Kurz nach dem Mittag sind wir am Wunschplatz bei Tallinn. Ziemlich weit außerhalb des Zentrums, aber dafür sehr ruhig. Wir können auch gleich drauf fahren und uns einen Platz aussuchen. Alles ist sehr ordentlich, es gibt sogar eine Sauna samt Badeteich.

Ein weiterer Vorteil des Platzes ist die Anbindung mit der Bahn. Die ist zwar fußläufig erreichbar, aber vom Platz nicht zu hören. Genau damit machen wir uns jetzt auf in das Zentrum. Zumindest 3 von 4. Die vierte hat einen Bike-Spot gefunden und lebt lieber ihr Hobby aus. Der Rest erkundet die süße Altstadt von Tallinn.

Wir bummeln durch die engen Gassen, trinken Kaffee und genehmigen uns ein Stück leckeren Kuchen. Während wir in Riga noch die drei Brüder bestaunen konnten, warten jetzt hier die drei Schwestern. Das Thema ist das Gleiche: die ältesten Häuser von Tallinn (unten das vorletzte Bild)

Gestärkt erklimmen wir den Berg zum Dom und finden den tollen Aussichtspunkt. Während wir den Blick genießen und den anderen Touristen beim Selfie-Machen zusehen, stellen wir fest: Tallinn gefällt uns echt gut, wir müssen also dem Bolt-Fahrer von Kaunas (Teil I) recht geben. Der hatte uns genau das versprochen.

Gerade als die Sonne noch mal durch die Wolken blitzt, bestaunen wir die letzte Kirche des heutigen Tages. Erst durch das Licht wird sie so richtig beeindruckend.

Erst um 21:00 Uhr sind wir müde und kaputt zurück am Wohnwagen und froh, jetzt die Beine hochlegen zu können.

Tag 15 – Tallinn – noch einmal

Das Wetter soll heute nicht so toll werden, also Regenjacken und Schirm einpacken und ab zur Bahn. Wir wollen nochmal, dieses Mal alle 4, ins Zentrum von Tallinn. Heute starten wir in der Markthalle, direkt neben dem Bahnhof. Das frische Obst lockt, aber die erste Verkäuferin lässt uns abtreten. Weniger als 500g Obst will sie nicht verkaufen und wir wollen nur was auf die Hand. Der zweite Versuch klappt und wir laufen zufrieden, Obst essend, weiter. Leider schmeckten die Erdbeeren nicht so gut, wie sie aussehen. Habt ihr schon mal in Norwegen Erdbeeren gegessen? Macht das! Die langen Tage im Sommer machen sie viel besser, als man denkt! Okay, hier halt nicht. In der oberen Etage gibt es noch einen großen Bereich mit Vintage-Klamotten, also Second Hand. Ein Laden neben dem anderen, wir probieren viel und lachen meistens darüber. Am Ende kaufen wir aber nichts, irgendwie doch zu schräg.

Line hat ein kleines Viertel mit Street-Art herausgesucht, das Telliskivi-Viertel, und da tauchen wir jetzt ein. Spannende Architektur und zahlreiche Graffiti sind zu sehen. Wahrscheinlich können das einige von euch nicht verstehen, aber wir skippen die Banksy- und Van-Gogh-Ausstellung. So richtig haben wir (Teile der Familie) keine Lust auf „drinnen“ und „ernst“. Stattdessen gehen wir in das Café der Fotografiska. Laut Google hat das heute geschlossen, hat es aber nicht, also bestellen wir Kaffee, Matcha und Zimtschnecken. Beim Essen bewundern wir die großflächigen Fotografien an den Wänden. Auch hier lassen wir die Ausstellung im Obergeschoss aus, es ist uns zu schade, um die Zeit (es gibt noch so viel in der Stadt zu sehen) und das Eintrittsgeld für 4.

Anschließend schauen wir uns noch in einigen der kreativen Läden vor Ort um, danach treibt uns der Hunger in ein leckeres Burger-Restaurant, das Bad Habits in der Markthalle.

Danach probieren wir es wieder mal mit einem Holzhausviertel. So richtig spannend ist es nicht, wir nutzen es daher eher zum Durchlaufen.

Leider wird das Wetter schlechter und gerade am Wasser ist es echt ungemütlich.

Auch dort bleiben wir also nicht lange. Aber bevor wir wieder in die Altstadt eintauchen, schauen wir uns noch dieses monströse Gebäude an, welches von der UDSSR damals für die olympischen Sommerspiele 1980 errichtet wurde. Beeindruckend, aber auch schaurig. Heute ist es nur noch eine verlassenne Ruine. Zu groß, um es zu erhalten.

Wie lange sind wir eigentlich schon ohne Kaffee unterwegs? Zum Glück ist das Roter-Mann-Viertel nicht weit. Hier trifft moderne Architektur auf Kunst und Shopping. Und wir finden auch ein nettes Café – Levier Café Rotermann.

Wir müssen uns entscheiden: den weiteren Weg zum Schloss oder doch wieder in die Innen(Alt)stadt. Wir nehmen den kurzen Weg, irgendwie sind alle fußlahm. Also tauchen wir wieder in die alten Gassen ein.

Wir finden sogar noch ein paar Orte, die wir gestern übersehen haben. Das Café Maiasmokk, welches seit 100 Jahren genauso erhalten blieb (letztes Bild oben) aber auch die weltweit älteste Apotheke, die heute noch in Betrieb ist.

Das Drama könnt ihr auf Bild 2 erkennen. Man kann die Apotheke nämlich noch besuchen. Vorn kann man normale Medikamente kaufen und hinten ist ein Museum mit skurrilen alten Dingen, die mal als Medizin galten. Geöffnet bis 18:00 Uhr und fotografiert um 18:02 Uhr. Das heißt für uns aber auch: Essenszeit. Wir laufen schon langsam Richtung Bahnhof. Hier gibt es direkt neben der Markthalle von heute Mittag eine große Area mit Streetfood. Wir suchen uns dort den Tsungel aus, welches dem Namen entsprechend wirkt. Leider wird um uns herum schon fleißig abgebaut und weggeräumt, auch wenn die Öffnungszeiten das nicht erahnen ließen. Auch wenn das Essen lecker war, so richtig willkommen kamen wir uns nicht vor.

Tag 16 – wieder mal ein Gefängnis

Die Nacht war nass und stürmisch und auch zum Frühstück sind es nur noch 12 Grad. So richtig haben wir also keine Lust, herauszugehen. Aber wir sind nun mal so weit weg von zu Hause. Auf dem Platz bleiben ist also keine Option. Wir wollen heute weiter weg von der Stadt, nach Rummu. Der Ort lässt sich schwer beschreiben. Bei gutem Wetter wird er wohl auch irgendwie faszinierend sein.

Es handelt sich wohl um einen alten Tagebau mit angrenzendem Gefängnis. Das Ganze ist heute ein großer Abenteuerspielplatz mit Bad, Tauchbasis, Offroadpark und vielem mehr. Bei dem Mistwetter gerade, bleibt davon nicht viel. Wir zahlen trotzdem den Eintritt und sprinten durch den Regen von einem Gefängnisgebäude zum nächsten.

Wir nutzen eine Mischung aus Audioguide und Neugier, um uns alles anzusehen. Es ist schon spannend, wie der Knastalltag hier aussah. Wenn man dem Guide glaubt, sind einige der Insassen heute noch regelmäßig hier. Zurück im Auto und etwas nass, ist Stimmung ähnlich, wie das Wetter – trüb. Da wird es auch nicht besser, als wir aus der dritten Gaststätte rausgehen, weil es eher einer DDR-Firmenkantine ähnelt. Auf unserer Suche finden wir schließlich zwar kein Restaurant, das offen hat und vegetarische Gerichte anbietet, aber die estländische Steilküste.

Für ein Foto steigen zumindest zwei von vier Leuten aus. Jetzt müssen wir aber etwas Essbares finden, die Jugend ist schon echt mies drauf. Wir steuern Ott & Mattlida an. Es hat offen und ist so süß. Leider ist teilweise die Stimmung schon so im Keller, dass nicht alle das Essen genießen können. Vielleicht liegt es auch an dem gewöhnungsbedürftigen traditionellen Honigkuchen.

Was macht man am besten bei strömendem Regen? Klar, man schaut sich einen Wasserfall an. Also stehen wir kurz nach dem Essen an den Keila-Wasserfällen. Wasser von oben und unten – toll!

Danach reicht es, wir fahren zu Coop und kaufen ein, und weil es uns anlacht, halten wir bei McDonald’s. Burger für die Jüngsten und McCafé für uns.

Tag 14 – Weg aus dem Baltikum

Heute verlassen wir Estland. Schon beim Frühstück freuen wir uns, denn irgendwie gibt es hier in Estland kaum leckere Brötchen. Also packen wir zusammen und fahren eine halbe Stunde bis zum Fährhafen. Weil wir recht früh sind, stellen wir das Auto in der Warteschlange ab und spazieren noch eine Runde an der Strandpromenade entlang. Hier gibt es doch tatsächlich einen Automaten, der uns frischen und vor allem leckeren Kaffee macht.

Danach geht es in den Bauch der My Star. Während das Auto unten parkt, ergattern wir schöne Fensterplätze und genießen die kurze Fahrt.

Schon am Mittag stehen wir wieder an der Schranke von Rastilla Camping in Helsinki. Hier startete unsere Nordkapreise 2021, wir sind also „alte Bekannte“. Wir versuchen erst gar nicht, wieder Tickets im Kiosk zu kaufen, sondern lassen uns von einem Bolt-Fahrer in die Stadt fahren. Schneller und nicht wirklich teuer (zu 4.). In dem Moment, in dem wir aussteigen, hat uns das mediterrane Flair der Hauptstadt sofort wieder eingefangen. Nach einem kurzen Besuch in der Markthalle (die wurde 2021 saniert)…

…stürzen wir uns ins Getümmel. Das Wetter ist auf einmal herrlich. Es fühlt sich an, als wären wir mit der Fähre nach Süden gefahren. Wir bummeln durch die Straßen, kaufen den Mummins-Store halb leer und genießen den Abend.

Schon vor 5 Jahren war die Esplanadi voller Menschen und Musiker. Genauso ist es heute Abend auch. Auf der aufgebauten Bühne spielt eine Band und die Leute hören zu oder tanzen im Park dazu.

Zum Abendessen haben wir uns ein ein ganz regionales Restaurant rausgesucht, wir gehen zum Griechen 😉 Genauer gesagt, ein griechisches Bistro, das Cafetino. Die meisten Tische aus dem Restaurant wurden von Gästen auf die Straße gestellt, leider alle voll. Wir finden drinnen zum Glück noch einen festgeschraubten Tisch und wir lieben es.

Die Karte ist sehr übersichtlich aber eben total lecker. Die Betreiber machen alles selber, wir können quasi zusehen. Auch der Espresso danach ist super.

Auf dem Rückweg finden wir im Park sogar noch einen Eisstand, der noch geöffnet hat. Wir sitzen mit unseren Eiswaffeln am Tisch, beobachten das Treiben und es macht einfach Spaß. Es riecht, klingt, fühlt sich an, als wären wir am Mittelmeer… Erst recht spät lassen wir uns daher vom Bolt-Fahrer abholen und zurück zum Campingplatz bringen.

Tag 15 – Abschied

Line ist wie immer als erste wach, liest aber leise, bis ich aufstehe. Da wir Zeit haben, frühstücken wir ganz entspannt im Wohnwagen. Wir müssen erst Mittag auschecken, also machen wir noch einen kleinen Spaziergang zum Supermarkt. Wir kaufen natürlich nur die Sachen, die unverzichtbar sind. Erdbeermarmelade in der Quetschflasche und Käse in Form eines Elefantenfußes und fast einem Kilo gewicht- lecker! Dann packen wir aber entgültig zusammen und reisen ab. Die Fahrt bis zur Fähre dauert eigentlich nur 10 Minuten, wir suchen uns aber einen Parkplatz in der Nähe des Terminals und unternehmen noch einen kleinen Spaziergang. Hier gibt es nämlich ein Naturreservat mit einem tollen Ausblick auf Hafen und Wälder und ein paar ganz nette Wege.

Wir besteigen also den Vuosaari Peak und genießen die Aussicht.

Dann geht es aber ein letztes Mal zurück zum Auto…

…und direkt zum Fährhafen. Neben dem Warten passieren exakt 2 Dinge: Ein Womofahrer rasiert unseren Zusatzspiegel (ist geklärt und ersetzt) und wir treffen das Maskottchen der Finnlines. Und natürlich machen wir ein Foto, wenn die Kinder schon zu groß sind dafür.

Dann geht es auf die letzte Fähre (für diesen Urlaub) und wir schauen wehmütig zurück auf die finnischen Schären.

Auf dem Schiff genießen wir 2 Tage mit Lesen, Spielen, Meer anschauen und sogar einen Saunagang gönnen wir uns. Leider sind die Saunen nach Geschlechtern getrennt und alleine macht das ganze echt wenig Spaß. Die Jugend ist währenddessen im Fitnessraum und trainiert mit 1a Seeblick.

Kurz nach 21:00 Uhr kommen wir in Travemünde an und rollen vom Schiff. Kurzer Familienrat und wir entscheiden, gleich nach Hause zu fahren (ohne Zwischenübernachtung).

Fazit: Nach Schweden, Norwegen und Finnland haben wir mit den Baltik-Staaten die Ostseerunde voll gemacht. Wir wollten das und wir haben den Urlaub genossen. Die Städte sind toll, die Menschen auch und das Essen ist grandios. Wir sind begeistert, wie modern die Länder im Jahr 2026 schon sind, cool. Die Erinnerungskultur ist beeindruckend. Aber: Die Landschaft unterscheidet sich nicht so sehr von uns. Es gibt tolle Orte, allerdings: die Dichte dieser Orte ist einfach in Skandinavien höher. Dabei spreche ich nicht von Hotspots sondern auch von der Weite finnischer Wälder, der Einsamkeit der Hochebenen und vielem mehr.

Wart ihr schon mal im Baltikum?

Einmal quer durchs Baltikum – Teil I

Bei unserer Ostseerunde fehlten uns noch die baltischen Staaten. Das haben wir im Sommer 2026 endlich nachgeholt.

Die Tage vor der Abfahrt sind aufregend wie selten zuvor. Zwei Theaterpremieren und ein Abiball, zwischendurch packen und direkt am Tag nach der Party los. Trotzdem starten wir schon weit vor Mittag am ersten Julisonntag. Die Strecke ist heute nicht so weit – wir wussten ja nicht, wie wild der Abiball wird… Die Stimmung ist gut, das Reiseziel haben in diesem Jahr die Kinder ausgesucht. Also, „Kinder“ ist eventuell nicht mehr der richtige Begriff mit 15 und 18 Jahren. Das mit der Stimmung ändert sich allerdings schlagartig, als wir bemerken (ok, Line bemerkt), dass wir den nagelneuen Pass von der Jüngsten nicht dabei haben. Ich, habe den zwar in eine Handtasche gesteckt, aber leider in die falsche und die steht jetzt zu Hause. Mist! Wir beschließen aber, weiterzufahren, und hoffen darauf, nicht kontrolliert zu werden. An der polnischen Grenze klappt das gut, ist auch niemand zu sehen, der kontrollieren könnte. Bei Poznan verlassen wir schon die Autobahn und steuern den Campingplatz bei Körnik an. Der Campingplatz liegt prinzipiell schön an einem See, allerdings liegt er auch mitten in einer Sportanlage. Uns egal, für eine Nacht ist das völlig ok.

Wir sind so zeitig dran, so dass wir das gute Wetter nutzen und einen Spaziergang in die Stadt unternehmen.

Die Stadt ist ganz nett: ein kleines Schloss, eine Promenade mit Restaurants und Cafés. Genau das Richtige für unseren ersten Urlaubstag.

Alt werden wir aber nicht, der Abiball… Nun spüren wir, dass die 4-Sterne des Platzes eventuell etwas übertrieben sind. Es ist sehr laut und die Duschen bräuchten neben der Reinigung auch eine Renovierung. Mehr gibt es hier nicht. Für uns braucht es das aber nicht, wir wollen nur schlafen.

Tag 2 Warschau

Line hat perfekte kleine Etappen geplant und so rollen wir gegen 13:30 Uhr auf den nächsten Campingplatz. Wir stehen in einem kleinen Wald am Ortsrand von Warschau. Der Platz nennt sich Camping WOK und wie der letzte auch, ist er nicht günstig, aber deutlich komfortabler.

Es gibt ausreichend und saubere WCs und Duschen und der Betreiber ist mega freundlich. Lange schauen wir uns aber nicht um, sondern fahren gleich Richtung Innenstadt. Die Parkplatzsuche gestaltet sich überraschend einfach (nicht billig) und so flanieren wir kurz darauf durch die wirklich wunderschöne Altstadt.

Und was isst man, wenn man in Polens Hauptstadt ist? Genau, wir essen in einem kleinen hübschen Restaurant Pieroggen, drei Sorten mittig auf dem Tisch, und jeder kostet mal. Es war sehr lecker! Falls ihr jetzt hungrig seid: Wir waren im Bella Kaffeteria.

Danach machen wir uns auf ins sogenannte Kultviertel auf der anderen Flussseite. Wir hatten den Tipp im Netz gelesen, außer Plattenbauten und urbanem Wirrwarr war hier aber wenig zu holen.

Auch wenn das hart klingt, das Schönste auf der anderen Seite war der Blick auf die Altstadt. Den genießen wir auch ausgiebig von der neuen, spannenden Fußgängerbrücke.

Danach gibt’s natürlich auch noch einen Kaffee im Straßencafé, bevor es zurück zum Stellplatz geht. Allerdings sind unsere Vorräte aufgebraucht, also müssen wir noch den polnischen Lidl aufsuchen.

Tag 3 – immer noch Warschau

Irgendwie ist die Stimmung heute genauso wie das Wetter: Es regnet. Wir wollen natürlich trotzdem wieder nach Warschau rein, nehmen dafür erneut das Auto. Heute ist Kultur angesagt, leider haben heute fast alle Museen in Warschau geschlossen. Ja, wir hätten das vorher nachlesen können, haben wir aber nicht. 😉 Also Alternativprogramm. Das Wahrzeichen von Warschau ist dieser riesige Backsteinbau im Zentrum. Ein Geschenk der Russen und bis heute zu besichtigen.

Also, rauf da. Mit dem historischen Fahrstuhl fahren wir ganz hoch, aber auch da ist das Wetter nicht besser. Trotzdem gehen wir raus auf die Plattform, bezahlt ist bezahlt!

Gemütlich ist aber etwas anderes, also nur kurz in jede Richtung schauen, dann wieder runter und etwas anderes suchen. Line hatte vorab schon einen Foodcourt in einem alten Industriekomplex herausgesucht, der scheint jetzt perfekt. Das Essen ist lecker und die Atmosphäre sehr cool!

Auf Shoppen haben wir aber keine Lust, also wieder raus in den Regen. Mit dem Auto fahren wir zurück und stellen uns wieder auf den gleichen Parkplatz wie heute Morgen, denn gleich gegenüber ist das Museum of Modern Art. Hier verbringen wir die nächsten Stunden zwischen politischer Kunst und großen Werken. Okay, einen Teil davon sitzen wir auch einfach vor der riesigen Glasscheibe und schauen den Turm von vorhin an (Teile der Familie behaupten, das war schöner als der Surrealismus). Eine gute Nachricht erreicht uns am Abend: Der Reisepass ist per Express-DHL auf dem Weg nach Riga. Auch wenn die Grenzübergänge problemlos blieben, spätestens an der Fähre hätten wir ein Problem (so die Recherche von Line).

Tag 4 – Auf nach polnisch Lappland

Wir haben nicht nur genug vom Wetter (8 Grad und Regen), sondern auch von der Großstadt. Also ziehen wir weiter. Erst hoffen wir noch auf eine Regenpause, um im Wigierski Nationalpark eine Runde spazieren zu gehen, aber statt Pause, kommt zum Regen auch noch Sturm. Weil das noch nicht reicht, gesellt sich ein leichtes Klackern aus dem Frontbereich des Autos dazu. Außer dem Geräusch ist noch nichts zu spüren, also fahren wir vorsichtig zum Campingplatz. Eigentlich wunderschön am See gelegen, wenn man ihn durch das Mistwetter sehen würde.

Wir kochen erst mal Kaffee und telefonieren mit VW (also eigentlich mit einem Freund bei VW). Zwischendurch krieche ich dann im Regen unter das Auto und fotografiere mal alle Bauteile, die es sein könnten. Und siehe da…

Ich möchte euch hier nicht mit technischen Details langweilen, daher: Die Gelenkwelle machte die Geräusche. Es folgen Telefonate mit ADAC Deutschland, ADAC Polen und ADAC Litauen, weil der nächste Händler schon hinter der polnischen Grenze ist. Das sprengt allerdings die denkbaren Szenarien des ADAC. Also lassen wir das mit dem ADAC vorerst und gehen ins Bett.

Tag 5 Totalausfall

Das Wetter ist etwas besser und wir schauen nach dem Frühstück zumindest kurz, wie schön der Platz eigentlich ist.

Danach machen wir uns auf nach Litauen, aber ganz langsam und vorsichtig. Die ersten 5 Kilometer sind Schotterpiste, dann noch etwas enge Landstraße und dann endlich Autobahn. Das Klackern begleitet uns ständig und wird auch lauter. Jeder Kilometer stärkt die Hoffnung, bis zum VW-Händler zu kommen. Nach der Grenze (wieder ohne Kontrolle – danke EU) ist dann aber Schluss. Nichts geht mehr und wir müssen das Gespann ausrollen lassen. Zum Glück landen wir auf einer Tankstelle und stehen nicht im Weg. Also rufen wir wieder beim ADAC an. Dieses Mal schicken sie einen Abschlepper, der auch nach kurzer Überzeugungsarbeit unseren Wohnwagen mitnimmt.

Erster Stopp ist dann auch unser Wahlcampingplatz, nämlich Kaunas Lake Camping. Dort lasse ich Familie und Wohnwagen zurück und fahre mit dem Abschlepper zu VW. Allerdings recht erfolglos, der Händler meint nämlich, dass er erst in 2 Wochen einen Termin hat (das Wort „Mobilitätsgarantie“ überhört er zufällig). Zum Glück, hat das gleiche Unternehmen noch eine freie Werkstatt gleich nebenan. Dort darf ich mein Auto lassen. Wie lange es dauert? Wissen Sie nicht, Leihwagen haben sie nicht, Auftrag gibt es nicht. Lasse ich das Auto trotzdem da? Ja, was sonst?

Als ich die Werkstatt verlasse, habe ich noch keine Ahnung, wie ich wieder zu Familie und Wohnwagen komme. Immerhin, wir sind eine gute halbe Stunde durch den Ort gefahren. Nur auf eins ist Verlass: auf das Wetter. Während es in Strömen regnet, lade ich mir die Bolt-App und bestelle mir einen Fahrer. Was soll ich sagen – ich werde augenblicklich zum Fan. 5 Minuten später sitze ich im Auto und erhalte Tipps zu unserer weiteren Reise.

Als wir wieder vereint sind, kommt sogar die Sonne raus und wir machen einen kleinen Spaziergang. Der Platz liegt, wie der Name vermuten lässt, direkt an einem See, leider aber auch ziemlich dicht an einer großen Straße.

So langsam finden wir uns mit der Situation ab und schmieden Pläne für die nächsten Tage. Das müssen wir auch, denn unser Pass liegt nun tatsächlich schon in Riga, wir sind aber bisher nicht einmal im richtigen Land. Das Problem vertagen wir auf Montag (heute ist Freitag). Am Abend sitzen wir tatsächlich das erste Mal im Urlaub auch vor dem Wohnwagen, wenn auch nur kurz.

Tag 6 Kaunas

Irgendwie sind wir alle müde. Line steht zwar früh auf, um zu duschen, schläft aber danach noch einmal ein. Erst gegen 10 wecken wir die Jugend zum Frühstück. Das Wetter animiert auch heute nicht, uns zu beeilen. Kurz nach Mittag bestellen wir uns wieder einen Bolt und lassen uns ins Zentrum fahren. Nach einem letzten heftigen Schauer verziehen sich auch die Regenwolken und wir bummeln durch Kaunas.

Wir bekommen einen leckeren Kaffee mit kreativem Muster und unsere Laune bessert sich minütlich.

Danach bummeln wir weiter und stellen fest, an Kirchen mangelt es hier nicht.

Aber auch nicht an kleinen hübschen Kunstwerken.

Wir machen uns gerade auf den Weg zur nächsten Kirche – Kirche der Auferstehung Christi, weil man da wohl hoch kann und einen tollen Blick hat. Da klingelt mein Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung sagt auf Englisch etwas, was ich kaum glauben kann: Unser Auto ist fertig! Wie cool ist das denn? Also Bolt-App raus, Fahrer bestellt und nichts wie ab zur Werkstatt. 15 Minuten später sitzen wir im Caddy und fahren nun wieder mobil und erleichtert zur besagten Kirche.

Jetzt genießen wir um ein Vielfaches entspannter den Ausblick…

Danach haben wir Hunger und finden direkt neben der Kirche das Kuhne, ein kleines, aber sehr feines Restaurant mit gutem Essen. Line bestellt zum ersten Mal eine Suppe, die uns ab hier vielfach begegnen wird. Es handelt sich nämlich um das Nationalgericht von Litauen, vielleicht sogar vom Baltikum. 😉 – die Rote-Bete-Suppe.

Schlagartig ist alles wieder schön. Satt und bei sonnigem Wetter fahren wir noch zur Festungsanlage in Kaunas.

Bevor wir zurückfahren, dürfen die „Kinder“ noch eine Runde schaukeln und wir laufen ein Stück am Fluss entlang, hier fließen nämlich Memel und Neris zusammen. Klingt vielleicht spannend, ist es aber nicht.

Jetzt ist endlich Urlaub und wir holen uns einen Rosé vor den Wohnwagen – Prost!

Tag 7 Villinius

Wir frühstücken heute ziemlich zeitig, wir haben nämlich beschlossen, nur mit dem Auto nach Vilnius zu fahren und abends zurück. Die Fahrt ist unproblematisch und nach anfänglicher Parkplatzverwirrung (der Automat bleibt für uns ein Rätsel) entscheiden wir uns für das Parkhaus im Skyline Vilnius. Es heißt nicht nur so, sondern befindet sich auch genau da.

Wir wollen aber Altstadt, also überqueren wir die Neris und tauchen in das alte Litauen ein. Na gut, erst freuen wir uns noch über die Skaterbahn im Design der landestypischen Suppe!

Nun sind wir aber wirklich im älteren Teil der Stadt. Uns fällt auf, dass alles sehr sauber ist. Und es gibt offensichtlich noch viel mehr kirchliche Bauten als in Kaunas.

Direkt an dem Turm im Bild oben, finden wir eine Fliese mit der Aufschrift „Stebuldas“, also „Wunder“, im Boden eingelassen, und dank Internet wissen wir auch kurz darauf, was es damit auf sich hat. Also umrunden wir die Fliese jeweils 3 × im Uhrzeigersinn und haben einen Wunsch frei. Danach geht es weiter. So langsam, wie sollte es anders sein, bekommen wir Hunger.

Wir landen auf dem Markt und suchen uns selbstbewusst, trotz Regenprognose, einen Tisch draußen. Wohlwissend, dass der Sonnenschirm uns nicht retten wird. Es geht aber (fast) alles gut und wir beobachten das Treiben ringsum. Dabei bemerken wir immer wieder Leute, die vor etwas stehen bleiben und plötzlich wild anfangen, zu winken.

Von der anderen Seite können wir es dann auch erkennen: einen runden Monitor, der uns im Minutentakt mit Menschen in anderen Ländern verbindet. Ton gibt es nicht, also bleibt nur Winken, Zeichensprache und Freuen. Ein ganz anderes Erlebnis bekommen wir am Tor der Morgenröte mit der goldenen Madonna-Ikone. (siehe die nächsten Bilder) Schon beim Eingang, aber auch direkt im Raum, weisen diverse Schilder auf ein Foto- / Videoverbot hin. Stört das die Einheimischen und Touristen? Natürlich nicht! Da wird gefilmt, gepostet, fotografiert und als wäre das nicht genug, baut ein Pärchen ganz entspannt das Stativ für seine 360‑Grad-Kamera auf. Es gibt Dinge, die verstehen wir einfach nicht!

Wir ziehen weiter. Was wir sonst noch so sehen, gefällt uns richtig gut!

Nach einiger Zeit stellen wir fest: Wir haben ausreichend Kirche gesehen und betreten die Republik Užupis, ein alternatives Stadtviertel mit eigenem Charme und vor allem eigener Verfassung. Diese ist gleich am Start großflächig aufgehängt. Dort steht z. B. „Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein“, aber auch, dass man Katzen haben darf und keine haben muss. (sehr vernünftig)

Zwischendurch gibt es natürlich Kaffee und Kuchen. Wirklich zufällig regnet es gerade stark, als wir hier ankommen und die ausgefallensten Gebäckstücke verkosten.

Wir machen uns auf den Rückweg und überlegen im Auto, was wir wohl zu Abend essen. Zeppelinas – das litauische Nationalgericht! Alle Nichtfahrerinnen googeln und schlussendlich landen wir auf dem Campingplatz, bevor wir etwas gefunden haben und ordern litauisches Essen per Bolt. Die vegetarische Variante fehlt und so müssen wir schnell noch etwas Vegetarisches kreieren, damit auch alle in der Familie satt werden. Es war insgesamt okay, aber der Wunsch nach Zeppelinas bleibt.

Tag 8 – Berg der Kreuze

Ich gehe mit Line am See entlang zum Supermarkt, um frische Brötchen zu holen. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und koppeln erstmals nach der Reparatur wieder an. Das Auto läuft problemlos und wir sind erleichtert. Viel zu sehen gibt es hier nicht: ein paar Seen, wenig Wald und sehr viel Acker. Wir halten Ausschau nach interessanten Wegweisern am Straßenrand (hat schließlich in Skandinavien auch immer funktioniert), aber hier werden wir nicht fündig. Einen Stopp machen wir natürlich doch (Tipp von guten Freunden). Wir kommen, nicht ganz zufällig, am Berg der Kreuze vorbei. Der Parkplatz ist gut ausgebaut und dank eines netten Reisebusfahrers, der uns Platz macht, finden wir einen Parkplatz. Mit einigen anderen Touris machen wir uns auf den Weg. Dieser ist mittlerweile beleuchtet und nagelneu ausgebaut.

Die Gefühle vor Ort sind gemischt. Irgendwie ist Ehrfurcht dabei, aber auch Verwirrung, Unglaube und vieles mehr. Hier ein paar Bilder. Was aber bleibt, ist: Man muss sich das ansehen.

Das Ganze dauert allerdings nicht so lange und mehr gibt es dort auch nicht zu sehen. Also springen wir wieder ins Auto und fahren ein Stück weiter zum Campingplatz. Der ist tatsächlich so nah, dass wir kurz überlegen, ob wir bis Riga weiterfahren. Wir entscheiden uns dagegen und sind super happy damit! Der heutige Campingplatz der Sunny Nights Camping ist ein absoluter Glückstreffer! Natürlich suchen wir vorher recht intensiv nach geeigneten Plätzen, aber endgültig sieht man das erst vor Ort.

Der ganze Platz befindet sich auf einer alten Apfelbaumwiese und wird liebevoll gestaltet. Passend zum besser werdenden Wetter, gibt es hinten dran einen tollen kleinen Badesee.

Das lassen wir uns nicht entgehen, also rein ins Wasser und danach mal das tun, was man auf solchen Plätzen eben macht. Wir schaukeln in der selbst gebauten Schaukel für zwei Personen, spielen Badminton, lesen und entspannen einfach. Ich habe noch den Wunsch der Tochter im Kopf: Zepellinas essen, aber vegetarisch. Ich telefoniere ein wenig herum und finde schließlich ein top-bewertetes Restaurant in der Nähe. Am Telefon sagt die nette Bedienung, dass sie zwar keine auf der Karte haben aber nach Rücksprache mit der Küche, machen sie uns welche. Also reservieren wir und freuen uns auf das Essen.

Pünktlich um 18:00 Uhr sind wir beim Forrest, dem Restaurant.

Wir werden superfreundlich begrüßt und erfahren, dass die Quark-Zeppelinas die originale Variante sind.

Im Bild seht ihr natürlich die Variante für mich, mit Schinken. Einfach lecker! Immer wieder kommt die Bedienung vom Telefon an unseren Tisch. Sie freut sich, mal wieder Englisch sprechen zu können, hat nämlich mehrere Jahre in den USA gelebt. Daher erzählt sie uns einiges. Auch ein paar Informationen zum Berg der Kreuze gibt sie uns. Ein Kreuz von ihr steht wohl auch da. Sie hat es aufgestellt, bevor sie wegging. Wir erfahren auch, dass die Kreuze eigentlich aus Protest gegen die Russen aufgestellt worden. Immer wenn diese sie planiert hatten, standen nach der nächsten Nacht noch mehr da. Heute gibt es dafür wohl immer wieder Brandstiftung. Geblieben ist: die Kreuze werden immer wieder aufgestellt und es werden mehr… Nach dem Nachtisch nehmen wir uns noch einen unschönen Punkt der deutschen Geschichte vor. Im Wald befindet sich eine Gedenkstätte für jüdische Bewohner, die hier von den Nazis erschossen wurden. Gerade in heutiger Zeit gehört aber genau so etwas für uns dazu, gerade wenn es auf dem Weg liegt.

Tag 9 – Lettland

Wir können endlich draußen frühstücken und das geht kaum besser als unter alten Apfelbäumen. Danach überqueren wir die nächste Grenze und befinden uns ganz unaufgeregt in Lettland. Wie schon geschrieben, ist auch diese Etappe nicht weit. Wir haben uns für einen Platz etwas außerhalb von Riga entschieden. So haben wir zwar die Großstadt vor der Tür, aber die Ruhe der Natur um uns. Die letzten Kilometer sind allerdings nicht leicht. Aus dem Asphalt wird nämlich Schotter. Das sieht auf Reisberichtsfotos zwar cool aus, fühlt sich innen aber nicht so gut an.

Die Strecke ist zum Glück nicht so lang und wir kommen am Platz Bejas Kompleks an. Wieder mal zu früh, wir müssen noch 10 Minuten warten, bis das Tor sich öffnet. Habe ich gestern geschrieben, dass der Platz toll war?! Der heute ist mindestens genauso toll. Schon bei der Reservierung haben wir gesehen, dass wir direkt am Wasser stehen. Nun sehen wir, dass dies sogar ohne Nachbarn sein wird.

Auf dem Bild oben stehen wir mittig im Bild. Zu unserem Stellplatz gehören ein Grill, eine Picknickhütte, eine Mülltonne und ein (nicht riechendes) Plumpsklo und zur Freude der Jugend: 2 Schaukeln. Jackpot!

Wir bleiben aber nicht lange am Platz, sondern starten gleich nach Riga. Dort liegt nämlich unser Pass und den wollen wir als Erstes holen. Das klappt und wir sind erneut erleichtert!

Die anschließende Parkplatzsuche gestaltet sich einfacher (und günstiger) als für eine Hauptstadt erwartet. Zwei Minuten später sind wir schon am Domplatz und …

essen, was sonst, das lettische Nationalgericht – Erbsen mit Speck. Klingt komisch, ist aber lecker! Naja, wir essen nicht gleich, denn nach ca. 30 Minuten erklärt uns die Bedienung, dass es noch 30 Minuten dauert. Wir schwanken ein wenig zwischen genervt und entspannt, aber am Ende schmeckt es und wir sind milde gestimmt.

Danach nehmen wir die klassische Touristenroute, 3 Brüder (älteste Häuser von Riga)

… das Schwedentor

…Pulverturm

und vieles mehr:

Die Petrikirche kennen wir zwar aus meiner Heimatstadt, aber nur hier gibt es einen Lift bis ganz nach oben. Heute passt auch das Wetter und wir genießen den Blick.

Es gibt übrigens eine kleine Hürde beim Ausblick. Ihr müsst euch in die Hände des in die Jahre gekommenen Lifts begeben…

Von oben haben wir die historischen Zentralmarkthallen gesehen, dahin geht es nun. Die Hallen gefallen uns, nur ein gemütliches Café fehlt. Also schlendern wir nur einmal durch.

Direkt daneben befindet sich das Ghettomuseum und auch wenn es die Stimmung deutlich abkühlt, besuchen wir es. Was da vorgefallen ist, ist einfach grausam. Gut, dass diese Verbrechen an solchen Orten in Erinnerung bleiben.

Danach brauchen wir eine Pause und finden am Livu-Platz ein Café für uns.

Auf dem Rückweg stoppen wir noch kurz am Supermarkt und sitzen danach schon fast bei Dämmerung am See und essen Abendbrot. Natürlich nutzen wir dafür unsere private Picknickhütte mit Blick aufs Wasser.

Am Abend wird es frisch und wir ziehen um und spielen im Wohnwagen Uno. Immer mal wieder unterbrochen von Fotopausen…

Die Hälfte unseres Roadtrips ist nun vorbei. Wie es in Lettland und Estland weitergeht, lest ihr gern im zweiten Teil.