Die höchsten Campingplätze der Alpen – Unser Resümee

Bereits im Jahr 2018 entstand in unseren Köpfen die Idee. Eine Tour zu den höchsten Campingplätzen der Alpen. Die Recherche dazu ist natürlich relativ einfach. Campingplätze mit solchen Superlativen, geben dies natürlich an.

Also stellen wir für Sommer 2022 nun endlich unsere Tour zusammen. Wir starten unsere Tour in Deutschland, das macht die Anreise überschaubar und wir wollen ja nicht gleich unser Höhenmeterpulver verschießen.

Der höchste deutsche Campingplatz ist auf 1150m Höhe der Camping Bergheimat in Oberjoch.

Wie der Platz ist? Wir mögen ihn. Es ist ein relativ kleiner Platz (zumindest erscheint es so) direkt an der B308. Er liegt zwischen Bad Hindelang und der Österreichischen Landesgrenze. Wie man es von einem Platz in den Alpen erwartet, liegt er am Hang. Die Zufahrt ist recht steil aber machbar, rechts und links gehen Wege terrassenförmig ab, dort stehen jeweils nur ein paar Camper. Die MitarbeiterInnen waren super freundlich, es gibt einen kleinen Shop für das Wichtigste. Eine Premiere gab es für uns, die Bestellung der Brötchen erfolgte Online über die Website des Platzes mit einer Kennung. Ansonsten bot der Platz recht viel für größere Kids. Tischtennisplatten, Trampolin, Schach und einen kleinen Pool. Es gab eine saubere wenn auch recht kleine Abwaschgelegenheit im Haupthaus, draußen leider nichts. Die Toiletten / Duschen waren ausreichend und sauber im Haupthaus. Etwas weiter oben gibt es noch ein neugebautes WC/Dusch-Gebäude mit nur 2 Kabinen. Warum dies so eine Anziehungskraft ausübte, dass auch die Camper von ganz unten kamen, wissen wir nicht. Oft gingen wir dann nach unten anstatt uns anzustellen.

Das Auto kann man hier gern stehen lassen! Einige Wanderungen starten direkt am Platz, für einige kann man zu Fuß oder mit dem Rad zur nächsten Bergbahn laufen. Die Bushaltestelle ist ebenfalls nicht weit.

Den kompletten Blog zu unseren Erlebnissen in den deutschen Alpen findet ihr hier:

Campen auf dem höchsten Campingplatz Deutschlands. Die erste Station unserer Alpentour 2022

Als nächstes fahren wir einmal komplett durch Österreich und steuern den höchsten Campingplatz Italiens an. Dieser befindet sich in Südtirol, direkt in den Dolomiten der Region Alta Badia. Das ist übrigens der italienisch sprachige Bereich Südtirols… Das Camp Sass Dlacia ist mit 1680m wohl der höchste offizielle Platz in Italien und auch in den Dolomiten.

EDIT: Dank eines Hinweises von Hans (siehe Kommentar unten) wissen wir nun, dass es noch einen kleinen süßen Platz im Aosta-Tal gibt, der unglaublicherweise auf über 1950m liegt und daher nicht nur der höchste Italiens ist, sondern auch höher als der Schweizer Platz, der als höchster der Alpen gilt. Da müssen wir also hin!

Wie ist der Platz? Spektakulär! Es ist doch ein recht großer Platz und irgendwie typisch italienisch. Er hat Charme und ist quirlig, still ist es nie so richtig. Die Stellplätze verteilen sich auf einem riesigen Areal, überall spenden große Bäume Schatten, erlauben aber trotzdem immer tolle Ausblicke auf die Berge. Leider ist, trotz 5 Nächten Mindestaufenthalt laut Internet, ein ständiges Kommen und Gehen. Zum einen auch schon früh und noch spät zum anderen hören das, durch die lauten Schotterwege, auch alle umliegenden. Die Duschen und WC’s sind für italienische Verhältnisse ordentlich und ausreichend. Es gibt große Abwaschräume und (was uns freut) die Möglichkeit draußen abzuwaschen. Es gibt einen großen Shop, mit sehr moderaten Preisen, die Auswahl an Brötchen ist ok. Sie schmecken nicht nur gut, sind wegen des Kilopreises auch noch wesentlich günstiger als in Deutschland. Die Rezeption ist prinzipiell auch freundlich, nur manchmal etwas überlastet und daher im Stress. Kletterzeug und E-Bikes gibt’s direkt am Platz. Lasst euch abends nicht die Bar mit Bier, Lagerfeuer und Panoramablick entgehen!

Auch hier starten viele Wanderungen und Klettertouren direkt am Platz, Bushaltestelle ist direkt davor. Allerdings ist die Straße recht steil, wer körperlich nicht fit ist, sollte lieber den Bus nach St.Kassian nehmen.

Den kompletten Blog mit den Erlebnissen in den italienischen Dolomiten lest ihr hier:

Alta Badia – Ein Paradies in den italienischen Dolomiten

Die zweite Station unserer Alpentour 2022

Von Italien geht es zurück nach Österreich, dem dritten und höchsten Campingplatz auf unserer Tour auf 1820m. Es handelt sich dabei um den Campingplatz Zeinissee an der Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol.

Camping Zeinissee

Wie ist der Platz? Traumhaft! Achtung wir sind voreingenommen, wir waren schon mal hier. Wer Luxus, Animation und einen schönen Badestrand sucht, der ist hier falsch! Dafür gibt es ein tolles Panorama, viel Ruhe und eine sehr nette Familie Lorenz, welche den Platz führt und sich toll um alles kümmert. Es ist ein recht kleiner Platz, der erst im Juni die Saison eröffnet (reserviert also unbedingt vorher!) Die WC und Duschräume sind immer sauber, es gibt einen Außenabwaschbereich mit Dach und tollem Ausblick. Leckere frische Brötchen gibt es morgendlich im Stoffbeutel. Den hängt man einfach für den nächsten Tag wieder an den Haken, so vermeiden alle Müll. Der Platz liegt zwar direkt am See, ist aber nicht unbedingt zum Baden geeignet. Zum einen zeigt die Höhe von über 1800m schon temperaturmäßig ihre Härte, zum anderen ist der See sehr schlammig (der Boden) und das Wasser eiskalt. Wir waren nicht drin! Achtung, entsorgt werden darf nur wenn die Chemietoilette mit Bio-Flüssigkeit befüllt ist (das gibt es zwar an der Rezeption, hilft ja aber nichts wenn schon die blaue Flüssigkeit drin ist.

Viele Wanderungen starten direkt am Platz, für alle anderen kann man den Postbus kostenlos nutzen (mit Gästekarte, MTB’s nimmt er auch mit, e-Bikes nicht). Das Auto sollte man auf jeden Fall nutzen um die Silvretta-Hochalpenstraße zu bestaunen.

Den kompletten Blog mit all unseren Touren am Zeinissee lest ihr hier:

Zeinissee – Klettern, wandern und runterkommen

Die dritte Station in den Alpen 2022 führte uns nach Österreich.

Wer jetzt aufmerksam gelesen hat, der merkt: Da fehlt noch was. Richtig. Wir haben den höchsten Schweizer Campingplatz Arolla ausgelassen. Nicht weil der uninteressant ist, sondern dafür nehmen wir uns später mal Zeit.

Camping in den Dolomiten – höher geht es in Italien kaum

Zur Erinnerung, wir stehen noch auf dem Campingplatz Bergheimat, dem höchsten Deutschlands. Falls ihr den Blog noch nicht kennt, hier ist er:

Campen auf dem höchsten Campingplatz Deutschlands. Die erste Station unserer Alpentour 2022

Heute wollen wir weiter und so sind wir schon zeitig unruhig. Wir packen zusammen, ok wir frühstücken erst gemütlich und packen dann. Line geht bezahlen und ich hänge den Wohnwagen an. Punkt 10 Uhr rollen wir los, bis Österreich sind es nur wenige hundert Meter aber wir wollen weiter. Unser Ziel ist Italien, genauer gesagt Südtirol. Ein kleiner Stau auf dem Brenner, ansonsten kommen wir gut durch. Nur die letzten Kilometer schlängeln sich in endlosen Serpentinen nach oben. Ja ja, wer auf einen hohen Campingplatz will, der muss da natürlich auch nach oben fahren. Mit der einen oder anderen Pause zum Luft holen – bevor durch die Kurven Schlimmeres passiert – kommen wir auf dem Campingplatz Sass Dlacia auf 1680m an. Der Platz ist damit der höchste in in den Dolomiten, bietet ganz nebenbei ein unglaubliches Bergpanorama.

Es ist sicher keine Überaschung. Was tun wir, nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben? Richtig! Erstmal einen Kaffee trinken. Dabei kamen wir auf die Schnapsidee, wir könnten nach dem Kaffee noch schnell in den nächsten Ort runter fahren, um noch ein paar Sachen einzukaufen. Die Kinder bekommen wir natürlich jetzt nicht mehr hier weg. Muss ich dazu sagen, dass das WLAN auf dem Platz hervorragend ist?! Also Fahrräder vom Wohnwagen und auf geht es. Der Ort ist toll, kleine Läden, eine süße Kirche und auch hier wird alles von diesem tollen Bergpanorama eingerahmt. Neben dem Einkauf für das Abendessen gibt es auch noch einen leckeren italienischen Espresso.

Danach geht es zurück… nach oben und wir haben bei den 200 Höhenmetern mit vollem Rucksack genügend Zeit nachzudenken, ob das mit dem Fahrrad wirklich so eine gute Idee war. Als wir es geschafft haben, fühlt es sich zumindest gut an. Heute koche ich und Line spielt mit den Kindern eine Runde Tischtennis. Nach dem Essen statten wir der Bar noch einen Besuch ab. Keine normale Bar, läge sie am Meer, wäre Strandbar der perfekte Name. Sie liegt aber auf dem Campingplatz also: Bar. Die Stimmung ist traumhaft, Lagerfeuer, kühles Bier und schon wieder dieses tolle Panorama.

Tag 2

Die Unruhe auf dem Platz weckt uns, also uns Alte, die Jugend schläft unbeeindruckt weiter. Wir nutzen die Chance und gehen gemeinsam Brötchen holen. Danach ist sogar noch ein 1.Kaffee drin, bevor wir die Kinder wecken. Nach dem Frühstück wollen wir wandern aber es dauert. Wir versuchen entspannt zu bleiben und irgendwann können wir tatsächlich los. Start der Wanderung ist praktischer Weise am Hinterausgang des Campingplatzes, so bleibt das Auto erneut stehen. Die Wanderung beginnt ganz unschuldig am Eingang des “Naturparks Fanes-Sennes-Prags“ und führt, vorbei an der Capanna Alpina über eine tolle Weidewiese mit kleinem klarem Bach.

Ein angenehmer Spaziergang wurde prophezeit aber das war hinterlistig! Denn gleich danach schlängelt sich der Weg steil bergauf und auch die Sonne im Rücken hilft da nur wenig. Alle paar Meter müssen wir anhalten und Trinkpause machen. Aber bei wirklich jeder Pause bewundern wir die unglaubliche Aussicht, die sich vor und hinter uns auftut.

Irgendwann ist der steile Weg vorbei und erneut stehen wir vor einer wunderschönen Alm. Die Lagazuoi-Alm mit der Rifigio Scotoni. Sehr einladend! Wir kehren also auch auf ein Radler ein. Natürlich nur für mich, die Kinder trinken Skiwasser. Allerdings ist bei den beiden danach die Luft raus. Erst recht, als sie auch noch den sich weiterhin schlängelnden Weg in den steinigen Wänden vor uns ausmachen können. Es liegen noch gut 300 Höhenmeter vor uns aber die Kinder setzen sich auf die Wiese und chillen. Sie sind ja zum Glück groß und wir genießen gern mal die Ruhe. Ok, dafür haben wir uns wohl den falschen Weg ausgesucht. Ruhe hat man hier heute nicht. Aber wem will man das übel nehmen. Erstens ist der Weg echt toll und Zweitens sind wir ja auch da.

Unser Ziel ist zum Greifen nah, der Bergsee Lago di Lagazuoi muss direkt nach der Kuppe kommen. Wir machen aber noch einen kleinen Umweg, um sicher zu gehen, dass wir auch keinen schönen Ausblick verpassen. Dann sehen wir ihn.

Lago di Lagazuoi

Was man auf meinem Foto zum Glück nicht sieht, am See ist es furchtbar voll. Es gleicht eher einem Freibad im Hochsommer als dem geschützten Naturdenkmal im Naturpark, was der See eigentlich ist. Es fehlen eigentlich nur der Eisverkäufer und die Pommes. Uns ist das zu viel und wir machen uns nach der Umrundung zurück auf den Weg nach unten.

Irgendwie sind wir falsch abgebogen und stehen in den Anden oder aber die Sonne war zu viel – wir erkennen, kurz bevor wir wieder bei den Kindern ankommen, zwei Alpakas. Woher sie kamen und ob sie dort hingehören, das wissen wir nicht aber es wird schon passen und sah gut aus. Wir sammeln die beiden ein (die Kinder natürlich, nicht die Alpakas) und machen uns nach unserem obligatorischen Picknick auf den Weg nach unten. Die Alm unten, mit ihrem Bächlein war aber dann doch zu schön, um einfach vorbei zu laufen.

Danach geht’s aber wirklich zurück zum Campingplatz und was soll ich sagen, wir bekommen Appetit auf Polenta, die haben wir natürlich nicht da. Also ab auf die Räder und die 200 Höhenmeter hinab nach St.Kassian. Und ja, danach mit leeren Bäuche und vollem Rucksack auch wieder hoch. Wenn wir nicht fit sind, am Ende des Urlaubs dann weiß ich auch nicht. Aber lecker war es trotzdem!

Tag 3

Auch heute sind wir zeitig wach. Der Campingplatz ist wirklich schön aber irgendwie scheint hier jeder unbedingt gaaaanz früh abfahren zu müssen oder noch gaaaaanz spät zu kommen. Auf jeden Fall signalisieren die Schotterwege auch jedes Fahrrad lautstark an die umliegenden Camper. Bis 8 Uhr bleiben wir noch liegen, dann machen wir uns zum Brötchen holen auf zur Rezeption. Das tolle an Italienischen Plätzen (zumindest in dieser Region), man zahlt die frischen Brötchen nach Gewicht, also wie bei uns das Obst. Daher sind die vom Preis nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen aber trotzdem wirklich gut. Bevor es Frühstück gibt, lassen wir die Kinder bis 10 Uhr schlafen. Warum? Sie haben sich einen chilligen Tag gewünscht und der ist heute. Nach dem Frühstück fahren wir 5 Minuten mit dem Rad auf eine tolle Wiese und rollen die Picknickdecke aus. Es gibt alles was man braucht: Panorama zum Bestaunen, Wiese zum Liegen und Lesen und Träumen, große, alte Bäume für den Schatten und ein Bach in dem man herrlich spielen kann. Das tun wir auch wechselweise den ganzen Tag.

Tag 4

Line hat für ihr Reisetagebuch gestern die Wünsche für diesen Urlaub von uns allen eingesammelt. Fahrrad fahren und Klettern stehen ganz oben auf der Liste. Also machen wir uns heute mit dem Rad los. Natürlich erst nach Kaffee und Frühstück vor dem Wohnwagen. Wir radeln los, Ziel ist die Bergbahn in St.Kassian ca. 200 Höhenmeter unterhalb unseres Campingplatzes. Der Hinweg sollte also entspannt sein. Trotzdem höre ich von Line ein ernstes und lautes „Stopp“ nach nicht einmal 5 Minuten Fahrt. Als ich mich umdrehe, sehe ich auch warum. Ich sehe es, Line hat es bereits gesehen, die Tochter sieht es, nur der Jüngste schaut nichtsahnend um sich. Wir wollen einen Downhill-Trail fahren und er schaut sich unwissend um?! Ernsthaft. Er trägt seine Crogs vom Campingplatz. Also: umdrehen und Schuhe wechseln. Dann aber wirklich nach St.Kassian. Kurz darauf stehen wir an der Talstation des Piz Sorega und entscheiden uns für 4 (recht teure) Tagestickets inkl. Räder. Natürlich befolgen wir auch den Tipp, sich oben erst am Pumptrack warm zu fahren. Der sieht nagelneu aus und wurde an einer sehr exponierten Stelle gebaut, quasi ein perfektes Fotomotiv.

Beim Warmfahren entscheidet Line (aus Gründen, die wir hier nicht weiter erwähnen, die aber wohl schmerzhaft waren), dass sie statt Downhill heute ein alternatives Radprogramm wählt. Ich mache mich also mit den Kindern auf, zum Startpunkt der Bike Beats – Alta Badia. Es gibt mehrere Routen und wir wählen glücklicherweise zunächst die einfachste. Die Beiden machen das echt gut, bis es in einer Kurve zu einem „kleinen“ Sturz kommt. Das wird blau! Die „Große“ macht erst einmal Pause. Der „Kleine“ lässt sich aber nicht beirren und so erkunden wir ab sofort zu zweit die Trails.

Wir finden unseren Lieblingstrail, wie soll es anders sein, den Man’s Trail. Dieser ist aber entgegen der Erwartungen, die mit dem Namen verbunden sein könnten, einfach zu fahren, auch für jüngere Biker. Völlig fertig und durchgeschwitzt treffen wir uns am Nachmittag, um in St.Kassin ein Eis zu essen. Wir berichten von unseren Heldentaten auf dem Weg nach unten und Line von ihrer Tour bergauf, mit dem MTB ohne „E“ auf 2109 Hm zur Hochalm Pralongià und dem gleichnahmigen Berggasthof.

Stolz sind wir alle! Am Abend gibt es bei uns: selbstgemachtes Pizzabrot aus der Pfanne und was das Antipasti-Regal in St.Kassian so hergab.

Tag 5

Früh um 6 krabbeln unsere Nachbarn heute aus ihrem Zelt, nicht ohne dies der Welt kund zu tun. Wir schlafen wieder ein, nur um 6:20Uhr von einem vergessenen Schulwecker unserer Tochter erneut geweckt zu werden. Bis um 8:00 Uhr drehen wir uns trotzdem noch hin und her, bevor wir frühstücken. Mit den Brötchen haben wir heute auch schon unsere Kletterausrüstung an der Rezeption in Empfang genommen (gibt es dort für 20,- pro Tag zu mieten). Pünktlich um 10 Uhr stehen wir auf dem Parkplatz des Passo Valparola. Jeder bekommt einen Rucksack mit Kletterzeug und Wasser, dann laufen wir los. Das Bild, was sich uns bietet, ist irgendwie sehr unwirklich.

Zur Erklärung: Wir wollen am linken Bildrand auf das Massiv hochklettern, oben von links nach rechts laufen und dann dort auch wieder absteigen. Leicht wird es nicht, wir hoffen natürlich auf Abenteuer. Davor steht aber die Mühe. Die Sonne brennt schon, als wir über ein großes Geröllfeld gehen. Erste Töne der Erschöpfung sind vom „Kleinen“ zu vernehmen. Wie man beim Laufen so viel schimpfen kann, ist uns immer wieder fraglich. Aber wir kennen ihn ja und wissen, dass sich das bald gibt. Das Gelände wird steiler und wir sehen die ersten Stellungen der Österreicher aus dem ersten Weltkrieg. Zwischen dem Hexenstein und dem Lagazuoi grub das österreich-ungarische Heer Verteidigungsgräben, um sich den feindlichen Angriffen zwischen 1915-17 zu widersetzen. Die Spuren eines weiteren sinnlosen Krieges kann man auch jetzt noch gut erkennen. Traurig und dennoch unglaublich beeindruckend.

Ein Stück weiter bergauf setzen wir unsere Helme auf und legen das Kletterzeug an. Wir befinden uns am Kaiserjägersteig. Der ist sicher technisch nicht sonderlich herausfordernd aber dafür ist das Dolomitenpanorama atemberaubend schön. Kurz: wir sind begeistert.

In diesem Klettersteig überwinden wir 500 Höhenmeter, konditionell ist das also schon ganz ordentlich, trotzdem kommt der Spaß heute nicht zu kurz.

Nach vielen Malen Karabiner umhängen und vielen Pausen erreichen wir das Plateau und sind erneut von dem Ausblick begeistert. Etwas irritiert schauen wir die Touristen mit Flip-Flops und ähnlichem Schuhwerk an. Hatten wir doch die Seilbahn, die bis hier hoch führt, aus den Augen verloren.

Wir nutzen natürlich die Hütte auf dem Berg und füllen unseren Koffeinhaushalt wieder aus. Unser Sohn nutzt die Chance und entscheidet sich mit der Bergbahn nach unten zu fahren und dort auf uns zu warten. Es handelt sich dabei um eine Luftseilbahn, die ohne Stützen einen Höhenunterschied von ca. 600 Hm überwindet. Scheinbar sieht der Bahnfahrer unserem „Kleinen“ die totale Erschöpfung an und erlässt ihm sogar die 10,- Gebühr zugunsten eines stärkenden Eises im Tal. Wir anderen 3 machen uns auf den Weg nach unten…

…und der wird ganz anders, als alles was wir bisher erlebt haben. Kurz nach dem Loslaufen, gehen wir schon durch alte Stellungen, diesmal vielleicht schon die italienischen? Diese enden jedenfalls irgendwann in einem Höhleneingang. Wir hatten vorher schon gelesen (ok Line hat es), dass man diesen Weg nicht ohne Taschenlampe gehen soll. Also holen wir unsere raus und gehen hinein. Bei dieser „künstlichen Höhle“ handelt es sich um den Stollen, den italienische Soldaten in den Berg getrieben haben, um die feindlichen Stellungen zu sprengen. Hier geht es spiralenförmig über Stufen steil hinab und es will einfach nicht enden. Immer wenn ich mal wieder Licht sehe, stellt sich das als kleines Loch in der Stollenwand heraus.

Irre, dass diese ganzen Gräben und Stollen zwischen 1915 und 1917 in den Berg gehauen wurden. Ganze 90 Minuten steigen wir in diesem dunklen Gang hinab und überwinden über 500 Höhenmeter. Irgendwann verliert auch das seinen Reiz und man will einfach nur, dass es zu Ende geht. Geht es und draußen ist es wieder so schön wie zuvor.

Jetzt beeilen wir uns aber, zurück zum Auto zu kommen. Der Parkplatz ist schon fast leer und unser „kleiner“ sitzt geduldig und wartet auf uns. Leider bekommen wir vor Ort kein Eis, also durchgeschwitzt ins Auto und ab zum Wohnwagen – wie gut, dass es ein Gefrierfach gibt und noch besser, dass dort Eis drin liegt. Ich glaube morgen dürfen wir es nicht übertreiben!

Tag 6

Nicht übertreiben? Was hat uns geritten, als wir gestern Abend den Wecker auf 6:00 Uhr stellten. Wahrscheinlich waren es die Glücksgefühle, welche der Klettersteig bei uns hervorgerufen hatte. Oder der Wein.

Line glaubt nicht, dass ich um 6:00 Uhr aus dem Bett komme. Mehr Motivation brauche ich nicht, also laufen wir kurz nach 6 los. Wir wollen den Sonnenaufgang in den Bergen genießen. Natürlich ohne Kinder, die haben sich heute Ausschlafen verdient. Wir laufen heute mal ganz allein zum Col de Locia. Line sprach von einer ganz leichten Tour, ideal für morgens, vor dem Frühstück und vor allem vor dem ersten Kaffee. Keine 10 Minuten später ziehen wir die Jacken aus, nicht weil es so warm ist, sondern weil der Anstieg schon wieder so steil ist. Es waren dann doch 400 Höhenmeter aber ich muss zugeben, lohnenswerte.

Schon lange vor unserem Ziel kann man die Sonne erahnen, wandert sie doch hinter den Bergen mit uns mit. Am Ziel unserer heutigen kleinen Tour erwartet uns ein kleines Plateau mit Bank, also perfekt für Frühstück und Wasser. Zeitlich perfekt geplant (oder war es Zufall) kommt die Sonne hinter uns über den Berg. Egal ob wir zeitig aufgestanden sind, ob wir schon geschwitzt haben, jetzt hat es sich auf jeden Fall gelohnt!

Wir genießen die Sonne noch ein paar Minuten und machen uns dann an den Abstieg. Mit der Sonne kommen auch die vielen Wanderer, gut, dass wir schon auf dem Rückweg sind. Die Kinder begrüßen uns mit 3 Dingen: schlechter Laune (weil vom Bruder geweckt), steifem Hals (deswegen die Schwester geweckt) und gedecktem Tisch. Ich schmeiße den Gaskocher an und mache Rührei für alle. Währendessen kümmert sich Line um den, nicht mehr regulär funktionierenden Hals. Die Laune hebt sich allein. Gegen Mittag schnappen wir unsere Räder und starten zum Einkaufen nach St.Kassian. Leider haben wir die Siesta bis 15:00 Uhr vergessen und so stehen wir vor verschlossenen Türen. Also auf die Räder und den Berg wieder hoch, nur um das Gleiche nochmal aber ca. eine Stunde später zu wiederholen. Ansonsten passiert nicht viel, chillen (Wlan macht’s möglich), Steine bemalen (danke Frank&Steffen für die Idee und die Farben) und jede Menge Kekse, Eis und Kaffee)

Tag 7

Heute wecken uns keine Wanderer sondern ein heftiges Gewitter. Trotzdem (oder gerade deswegen) schlafen wir nochmal ein und wachen erst gegen 9:00 Uhr wieder auf. Unseren Hochzeitstag starten wir dann sogar mit Frühstück in der Sonne. Wir fahren mal ausnahmesweise mit dem Bulli (Danke an Volkswagen Nutzfahrzeuge für den T6.1) zur Talstation der Piz Sorega Bergbahn. Line hat es an der Hütte letztens so gefallen, dass wir diese heute mal zu Fuß erwandern wollen. Der Weg zu Gasthof Pralongià ist diesmal (zu Fuß) nicht sehr anspruchsvoll aber dafür (wieder mal) mit tollem Panorama auf die unglaublich beeindruckenden Gipfel der Dolomiten, u.a. auf die Fanesgruppe, auf die Puezgruppe und auf den beeindruckenden Gletscher der Marmolata. Auf diesem Weg ist man selbstverständlich nicht allein und uns nerven die wirklich zahlreichen e-Bike-Fahrer*innen. Manchmal haben wir auch das Gefühl, dass das Bike nicht wirklich unter Kontolle der jeweils Fahrenden ist, sondern eher umgekehrt.

Egal, wir genießen die Aussicht und springen beim nächsten Klingeln schnell vom Weg. Als Belohnung gibt es heute leckeres Südtiroler Essen auf der Pralongia Hütte. Polenta mit Bergkäse und Pilzen, Schlutzkrapfen, Tiroler Gröstl, ja ok und einen Burger! Sieht alles sehr gut aus und schmeckt auch hervorragend.

Danach tun wir beide das, was sich irgendwie in diesem Urlaub so eingeschlichen hat. Wir lassen die beiden „Kleinen“ zurück und laufen noch weiter zum Gipfelkreuz der Störeswiesen. Ab der Hütte ist der Weg deutlich leerer, scheinbar ist der Duft des Essens dort zu verlockend. Uns freut es natürlich! Das Kreuz ist in einer halben Stunde erreicht, der erklommene „Berg“ ist zugegebenermaßen nicht so spektakulär, dafür genießen wir wieder die Aussicht auf die umliegenden Berge der Dolomiten. Wir finden den Lagazoui und können es bei dem Anblick kaum glauben. Sind wir da hoch geklettert? Ihr erinnert euch?! Der Kaiserjägersteig vorgestern.

Dann geht es schnell zurück, die Kinder warten bestimmt schon sehnsüchtig!

Das denken wir! Stattdessen sind sie versunken ins Spiel mit den Hasen des kleinen Streichelzoos. Mit Mühe reißen sie sich los und wir machen uns auf den Weg zurück zur Bergbahn.

Warum wir es so eilig haben? Wir müssen endlich mal wieder richtig einkaufen. Der Platz in den Rucksäcken und die Steigung zum Camp zurück führte dazu, dass wir (zwar täglich) aber nur das Nötigste eingekauft haben. Unsere „Shoppingtour“ wollen wir möglichst mit einem leckeren (italienischen) Eis kombinieren. Wir müssen allerdings feststellen, dass dies hier nicht die Region ist, die Italien zu Ruhm in Sachen Eis geführt hat. Kurz: wir finden keine Gelateria! Na gut, dann eben wenigstens Cappuccino. Den Abend beenden die Kinder mit einem Film, wir sitzen draußen vor dem Wohnwagen und genießen die kühle Bergluft, bis das Licht nicht mehr zum Tagebuchschreiben reicht und die Kuscheldecke nicht mehr ausreichend wärmt.

Tag 8

Schon wieder wachen wir bei Sonnenschein nach einer regenreichen Nacht auf. Das Wetter meint es gut mit uns! Wir wollen heute etwas für unsere Bildung tun und so starten wir, natürlich nach Kaffee und Brötchen, nochmal zum Valparola Pass. Dort befindet sich nämlich das Museum zum großen Krieg. Wir erhoffen uns, zu erfahren warum die Berge hier so unglaublich durchsiebt sind mit Höhlen und Schützengräben und vor allem, wie das zu dieser Zeit überhaupt vollbracht werden konnte. Nach nur einer halben Stunde stehen wir leider, etwas enttäuscht am Ausgang. Das Museum ist eher eine umfangreiche Sammlung an Fundstücken aus der Zeit, schon interessant aber eben nicht das, was wir erwartet haben. Wie die Stellungen und Stollen in oder auf den Berg kamen und was damit passierte wissen wir leider erst, nachdem wir google fragen. Wenn wir aber einmal hier sind, schauen wir uns wenigstens die berühmte Edelweiß-Stellung an. Diese befindet sich zwischen dem Museum und dem von Gräben, Bunkern und Kasematten durchzogenen Sas de Stria. Wir schauen von einer Erhebung nach unten auf die Stellung und die vielen Menschen.

Museum (rechts) mit Edelweißstellung (links)

Wollen wir das? Der Jüngste ist (was auch sonst?) für den Heimweg. Alle anderen wollen auf den Berg. Da der Aufstieg nun mal direkt hier neben uns beginnt, wird der Sohn überstimmt und trottet schimpfend hinterher. Aber schnell wird der Standard-Wanderweg zur Kletterpartie und es macht Spaß, die unterschiedlichen Wege, Gräben und Löcher im Berg zu erkunden (natürlich nur wenn man es schafft auszublenden, was hier vor 100 Jahren passierte). Daran erinnern dann immer wieder Stacheldrahtreste oder auch Kreuze.

Auf einer flachen Stelle suchen wir uns einen Platz zum Picknicken. Essen und Trinken haben wir als Picknick-Fans natürlich dabei. Und Zeit um sich mal hinzulegen und die Ruhe zu genießen ist auch!

Verluste sind einzukalkulieren, also brechen wir nur noch zu dritt auf nach oben, der Kleine bleibt hier und wartet. Darin ist er geübt. Aber er verpasst was! Ja, es geht immer nach oben aber die Gräben werden zu Spalten, die Wege zu leichten, teilweise äußerst schmalen Klettersteigen (ihr braucht keine Ausrüstung dafür, nur gute Schuhe), die felsigen Anstiege zu Leitern und die Löcher zu Höhlen und das Ganze bis ganz nach oben.

Wir sind schwer beeindruckt und merken gar nicht, dass wir uns im Berg dem Gipfelkreuz nähern. Irgendwann endet der Gang und wir stehen auf dem Gipfel – surreal! Passend trägt dieser den Namen Hexenstein.

Hexenstein

Auf dem Abstieg begegnet uns dann ein sehr, sagen wir mal, emotionaler Italiener. Bevor unsere Große von der Leiter ist, will er unbedingt weiter nach oben klettern und beschimpft uns dabei wüst. Das wäre auch eindrucksvoll, würde er mir nicht gerade bis zur Schulter gehen (und ich bin nicht gerade ein Riese). Er lässt sich dann doch „überzeugen“ zu warten. Was uns besonders beeindruckt, eine Italienerin, welche das mitbekommen hat, entschuldigt sich anschließend stellvertretend für ihren Landsmann. Es war ihr peinlich, dass ein Italiener sich so benahm – unseren Respekt hatte sie!

Unterwegs sammeln wir den Kleinsten wieder ein und steigen zurück zum Auto. Irgendwie sind wir beim Rückweg sogar glücklich, dass das Museum nicht mehr bot, sonst hätten wir diese beeindruckende Tour wohl nicht gemacht!

Tag 9

Unseren letzten Tag in den Dolomiten wollen wir entspannt angehen. Die steilen Kletterpartien der letzten Tage spüren wir aktuell alle. Also machen wir uns, bewaffnet mit Picknickdecke und Büchern auf, zu unserer neuen Lieblingswiese oberhalb des Campingplatzes. Das Programm ist bekannt: Lesen, planschen im Bach, rumliegen und Wanderer vorbeiziehen lassen.

Das Nichtstun halten wir bis 14:oo Uhr aus. Die Unruhe treibt uns zu den Fahrrädern beim Wohnwagen. Ein letztes Mal fahren wir den steilen Berg nach St.Kassian hinunter, heute für ein Eis und leckeren Cappuccino. Im Rucksack landen auch noch ein paar Spinatspätzle (typisch für die Region) für das Abendessen. Die sind Mega!

Wir packen schon ein wenig zusammen, wo es morgen hingeht und ob wir einen noch höheren Campingplatz finden, dass lest Ihr demnächst im dritten und letzten Blog unserer Sommer-Alpen-Tour.

Fazit: Die Alpen sind toll, besonders beeindruckend die Dolomiten. Das Alta Badia und der Naturpark Fanes Sennes Prags haben uns in Staunen versetzt! Der Campingplatz liegt traumhaft und die Kulisse macht so manches frühe Wecken wieder gut. Einzig das gute Essen (in jeder noch so kleinen Hütte), wie wir es in der Region um die Seiser Alm und Bozen kennengelernt haben, ist hier nicht ganz so ausgeprägt aber auf „besonderen“ Hütten auf jeden Fall auch zu finden.

Offroad in den Alpen

Der Beitrag enthält Werbung – Fahrzeug wurde von VWN gestellt.

Kaum vom Nordkap wieder zu Hause hatte ich das Glück sowohl Urlaub übrig zu haben als auch durch meine Kooperation mit Volkswagen Nutzfahrzeuge einen coolen Amarok gestellt zu bekommen. Was lag also näher als nochmal los zu fahren. Da die Westalpen schon lange auf meiner Liste stehen (weniger bis gar nicht auf Lines) war schnell entschieden, dort geht’s hin.

Seit 3 Jahren arbeite ich mittlerweile mit VW zusammen, dabei geht es immer um Nutzfahrzeuge, meistens um den Amarok. So durfte ich auch dieses Mal mit dem, extra für den Amarok-Club gebauten, Amarok losziehen.

Es ist Montagmorgen 4:00 Uhr als der Wecker klingelt. Der Amarok ist gepackt und ich starte auf meine 800km Autobahnetappe. Heute geht es recht unspektakulär bis zum Genfer See. Dort werde ich mit herrlichem Wetter empfangen und genieße natürlich einen Cappuccino direkt am Seeufer. Am Dienstagmorgen geht’s dann endlich richtig los. Einmal halb um den Genfer See und die Alpen liegen mir zu Füßen. Zum Start geht’s heute noch nicht auf unbefestigte Straßen. Ich schlängle mich die endlosen Kurven auf den St.Bernhard Pass hinauf. Auch wenn ich ja Offroadabenteuer suche, ist die Strecke absolut empfehlenswert!

Oben angekommen, erwischt mich dann doch eine Regenwolke und ich mache mich auf zu meinem nächsten Lager. Ich habe einen sogenannte Pod auf dem Campingplatz Gran Bosco gebucht. Ein Pod sieht aus wie ein umgedrehtes Holzboot und ist innen lediglich mit einem Bett ausgestattet. Das reicht auch. Leckeres Essen gibt’s im Campingplatz-Restaurant. Hier treffen sich gefühlt auch alle Offroader die aktuell in den Westalpen unterwegs sind – daher unbedingt vorher den Platz buchen! Ich habe für 2 Tage gebucht, weil der Platz echt zentral liegt wollte ich verlängern, das war aber nicht möglich.

Tag 3, Mittwoch und die Sonne scheint. Heute geht es endlich runter vom Asphalt und auch gleich zu einem Highlight. Ich will mit dem Amarok auf den höchsten befahrbaren Pass Europas – den Col de Sommeiller. Hier geht es über eine landschaftlich tolle Piste auf knapp 3000m. Offroadmäßig ist das nicht besonders anspruchsvoll aber bei Gegenverkehr wird es schon eng. Für den Pass selber muss man 5,-€ bezahlen. Im Kassenhäuschen sitzt ein junges Mädchen, daneben liegt ein Mountainbike. Sie gibt aber lachend zu, dass sie morgens auf den Berg gefahren wird und nur nach unten mit dem Rad fährt. Oben angekommen habe ich irgendwie ein komisches Gefühl. War es das jetzt? Hierher wollte ich hin und jetzt wirkt das wie ein großer Schotterparkplatz. Der Pass ist ein Sackgasse, am Ende stehen eine Reihe Holzpflöcke (ich muss unweigerlich an St.Peter Ording denken). Früher konnte man scheinbar dort weiter fahren, heute ist Schluss.

Ich nutze das Wetter und gehe zu Fuß auf den nahen Gipfel. So einfach bin ich selten zu einer so grandiosen Aussicht gekommen!

Danach geht’s den gleichen Weg runter, bis zum Campingplatz. Natürlich nicht ohne einen leckeren Kaffee zu trinken und frische Nudeln zu kaufen. Eigentlich hatte ich heute noch eine weitere Tour auf dem Plan aber die Durchschnittsgeschwindigkeit von 14km/h holt mich auf den Boden der Realität zurück!

Donnerstag, die Zeit rennt aber die Sonne scheint dafür! Ich starte recht früh aber erst gibt’s leckeres und günstiges Frühstück auf dem Campingplatz. Ich fahre heute über den Pass Richtung Süden, der Start ist wieder einmal nah am Camp. Erstes Ziel für heute ist die Assietta-Kammstraße.

Ich war ja gestern schon begeistert aber die Tour heute ist (auch wenn das schwer vorzustellen geht) noch schöner. Die Straße führt nach dem Aufstieg einmal am Kamm entlang und eröffnet so immer wieder neue spektakuläre Blicke auf die Berge und das Tal. Die Wege sind herrlich schmal und ich halte ständig an um Fotos zu machen.

Irgendwann geht ein kleiner unscheinbarer Weg links von der eigentlichen Piste ab, ich kann nicht anders und biege ab. Kurz darauf stehe ich vor einem echt steilem Anstieg. Und da sind sie wieder, die beiden Männchen auf meinen Schultern. Der eine sagt, ‚mach das nicht du bist allein‘ aber da hat ihn das andere Männchen schon den Abhang hinunter geschubst. Also hoch geht’s!

Natürlich laufe ich die Strecke vorher ab, will ja den Amarok unbeschädigt wieder abgeben. Mit etwas Adrenalinausstoß komme ich oben an und stelle fest, es hat sich gelohnt. Höher kann man hier nicht und die Allrad-Bullis sind auch alle unten geblieben.

Also heißt es Snomaster-Kühlbox raus und erstmal Pause machen bevor es wieder runter auf den Hauptweg geht! Danach schlängelt sich der Weg wieder zurück ins Tal und ich mache mich auf die Suche nach einer Unterkunft. Leider sagt die erste gebuchte Unterkunft kurz nach der Buchung per Mail ab. Mein Glück! Die neue befindet sich super schön in einem kleinen Ort gelegen. Den Ort mit dem Namen Vinadio bestimmt eine alte Festungsanlage, es gibt nette Restaurants, einen Badesee und immer noch tolles Wetter – was will man mehr? Hier kann man auf jeden Fall nochmal hin!

Freitag heißt Abschied nehmen. Meine heutige Strecke führt schon etwas in den Norden, dadurch komme ich der Heimat etwas näher und kann aber noch auf unbefestigten Alpenstraßen bleiben. Ich habe mir heute die Maria-Stura-Kammstraße vorgenommen. Ich weiß es scheint irgendwann langweilig aber ja, auch diese Straße ist wunderbar. Ich staune wie am ersten Tag. Heute geht es durch schroffe Felsen, Kuhherden und ein verlassenes Dorf.

Bei einem Stopp schließe ich Freundschaft mit einem Ureinwohner…

Zum Mittag geht’s heute raus aus den Bergen, Im Tal finde ich ein kleines Café, kann also nicht nur günstig und sehr lecker essen sondern bekomme auch einen tollen Kaffee – das können sie einfach! Wer dort in der Nähe ist, dem empfehle ich das Cafè ed Elogi.

Bevor es Richtung Heimat geht will ich den Nachmittag für eine letzte Piste nutzen. Das Wetter zieht sich leider zu, bleibt aber trocken. Ich weiß nicht ob das ein Zeichen war, ich habe es in jedem Fall nicht beachtet. Das zweite Zeichen kam als ich vor dem gesperrten Zugang zur Tour stehe. Auch egal, anderen Weg gesucht und nichts wie hoch. Vor mir liegt die Varaita-Maria-Kammstraße, zumindest sagt mir das die Karte. Sehen kann ich nämlich rein gar nichts, ich stecke mitten in den Wolken. Dazu kommt, dass der Weg heute selten Schotterpiste ist sondern eine scheinbar uralte Kopfsteinpflasterstraße mit unangenehm buckligen Steinen.

Spaß macht das jetzt nicht wirklich und ich bin froh als ich gegen Vier wieder in einem Dorf ankomme und auf die Asphaltstraße Richtung Mailand abbiege. Nach einer Zwischenübernachtung nahe der Autobahn rolle ich am Samstag (somit Tag 6) aber insgesamt sehr zufrieden nach Hause.

Fazit:

3000 km gefahren -3000m hoch gewesen – 3 Länder – 3 Tage Offroadpisten

3.0 Liter TDI im Amarok – Die Alpen haben Spaß gemacht und ich komme bestimmt nochmal wieder, dann aber nicht allein.

April am Lago Maggiore

April, 2019

Fahrt in den Süden, wenn ihr es warm haben wollt! Kennt ihr diese Sprüche? Wir kommen also aus der Schweiz (Ostern am Vierwaldstätter See) und fahren an den Lago Maggiore. Die Fahrt zum Lago ist entspannend und die Landschaft echt schön, nach 3 Stunden erreichen wir Maccagno, leider fahren wir an der Abfahrt zu unserem Campingplatz vorbei. An Wenden ist hier nicht zu denken, zum Glück kommt 2 Orte weiter ein Kreisverkehr und wir können wieder in Richtung Campingplatz zurück fahren. Jetzt sehen wir auch, warum wir die Abfahrt nicht wahr genommen haben – Abfahrt wäre auch übertrieben, es ist eher eine kleine Gasse. Den kleinen Platz haben wir schon vorab reserviert und uns erkundigt, ob wir auch drauf passen. Ich würde die Mail mal übersetzen mit: ‚lasst euch überraschen‘. Angeblich soll die Einfahrt schwierig werden. Bereits eine Kreuzung vor dem Lago Camp raubt Line jegliche Entspannung der letzten 3 Stunden. Es sind nur Millimeter aber wir kommen rum, an der Einfahrt sieht es ähnlich aus – geschafft! Denken wir, richtig eng wird es erst danach. Hohe Bordsteine, engste Wege und rechtwinklige Abzweige zwingen uns, den Wohnwagen bereits vor unserem Stellplatz, 2 mal abzuhängen und die Mover zu bemühen. Irgendwann und irgendwie schaffen wir es, alle Nachbarn wissen jetzt, dass wir kommen (nichts Neues, eigentlich). Noch schnell das Sonnensegel rein und den Kuchen auf den Tisch – Kaffee! Der Campingplatz ist sehr schön, wir stehen in zweiter Reihe und können den See vom Kaffeetisch aus sehen, alles sehr familiär und nicht so riesig und die Bäder nagelneu und sauber. Direkt vor dem Platz liegt ein kleiner Kiesstrand, wir hoffen auf Badewetter. So mögen wir das!

Während die Kinder am Platz spielen, erkunde ich mit Line noch die nähere Umgebung. Maccagno ist irgendwann Anfang des letzten Jahrhunderts in einen tiefen Schlaf gefallen, so scheint es. Schmale Gassen, alte Häuser, viel grün, nur das Wetter macht Einen auf „hoher Norden“. Zeitgleich posten Freunde Badebilder von der Ostsee, super, wir freuen uns für sie – NICHT!

Am Abend gibt es leckere Pizza, diese kann man direkt an der Rezeption bestellen und dann wird sie heiß im Cinquicento geliefert. Leider treibt uns das Wetter nach innen. Wir hoffen auf Tag 2 am Lago.

Dienstag, 23.4.19

Ostern ist vorbei und das schöne Wetter auch, es regnet. Eigentlich tut es das seit gestern ohne Pause aber wir sind ja keine Weicheier! Ich schicke also Line raus, die Wassersäcke aus dem Sonnensegel drücken. Ich brauche eigentlich immer mindestens einen Regenschauer, um das Segel Regenfest aufzubauen. Hier kommt erschwerend der verdammt kleine Stellplatz hinzu, Schnüre abspannen also sehr schwer. Wenn ihr mitgezählt habt, sind wir gerade bei Punkt 4, gegen unseren großen Wohnwagen angekommen, später mehr dazu! Danach frühstücken wir in aller Ruhe und suchen uns einen italienischen Supermarkt. Line und ich lieben das Angebot hier in Italien und sammeln in unserem Wagen diverse regionale Köstlichkeiten. In einer Ecke entdecke ich einen riesigen Schinken in einem Holzegstell. Wir Männer werden es doch wohl schaffen, diesen anzuheben?! Noch bevor Line ein scharfes Foto machen kann, stürzt das ganze zusammen und fällt mit lautem Schäppern zu Boden. Etwas verwirrt schauen uns die Verkäuferinnen an, lehnen aber meine Hilfe dankend ab, warum wohl?! Da der Regen überhaupt nicht nachlässt, beschließen wir die Gegend mit dem Auto zu erkunden und fahren einfach auf den engen Straßen umher…

Wir folgen einer Serpentinenstraße immer weiter nach oben und hoffen, dass uns im Nebel nichts Großes entgegen kommt. Ausweichen ist scheinbar unmöglich. Ab und zu passieren wir kleine Bergdörfer, nicht gänzlich verlassen aber auch nicht gerade ein touristischer Hotspot. Irgendwann werden die Kinder ungeduldig, sie haben keinen Sinn für das Schöne. Ok, das Schöne muss man heute verdammt weit im Nebel suchen aber ich schwöre, Line und ich sahen es. Also gehts nach unten, ein Cafe suchen. Wieder am Seeufer angekommen finden wir ein nettes Restaurant mit dem Namen Tiffany mit tollem Blick über den See. Die dicken Autos auf dem geschotterten Parkplatz zeigen uns, dass wir hier nicht nach den Preisen für unseren Capuccino fragen sollten. Dafür gibts Kuchenbuffet, Eis und einen Fensterplatz. Alle sind zufrieden.

Es geht zurück zum Wohnwagen, da der Regen gerade nur nieselt, übereden wir die Kinder zu einem kleinen Spaziergang durch die Stadt, auch wenn wir die Gassen von gestern schon kennen (ist ja eine kleine Stadt) sind wir wieder verzückt, die Kinder bestimmt auch, unterdrücken ihre Begeisterung einfach besser.

Erst in der Dämmerung kommen wir nass und frierend zurück und zaubern uns aus den Leckereien ein tolles italienisches Mahl, ein Limoncello darf natürlich nicht fehlen.

Mittwoch der 24.4.

Es regnet, es regnet, es regnet. Langsam trübt sich die Stimmung, daher bleiben wir einfach im Bett. Line hält es als erste nicht mehr aus und stapft 08:15 Uhr mutig in den Regen hinaus. Als wäre das nicht genug, bemerken wir, dass ein Kinderfenster dem Regen nachgegeben hat, es ist feucht und ich muss es erstmal provisorisch kleben (rufe parallel unsere Werkstatt wegen einem Termin zur Reparatur an, achja Punkt 5 ihr wisst). Beim Frühstück halten wir Rat, was wir heute machen. Als erster einstimmiger Punkt auf unserer Tagesliste: Schirme kaufen. Wir haben zwar einen dabei und auch Regenkleidung aber mit Schirm ist’s doch schöner!

Die vielen geplanten Wanderungen verschieben wir – wahrscheinlich – auf unseren nächsten Besuch am Lago. Heute entscheiden wir uns schon wieder für das Auto. Wir wollen unser Glück weiter südlich versuchen und fahren am See entlang. In Santa Catarina del Sasso halten wir trotz des Regens an und gehen ein Stück. Wir wollen uns das in den Stein gehauene Kloster doch ansehen. Der Weg ist nicht weit und das ganze Ensemble ist doch recht sehenswert. Vor allem im Inneren der Kirche gibt es viel zu bestaunen. Die Kinder beeindruckt am Meisten, dass dort die Gebeine des Klostergründers aufgebart sind. Die Kinder dachten bisher, Mumien gibt es nur in Ägypten.

Nach einer Spende und dem Anzünden einer Kerze – ok wir müssen unserem Jüngsten noch erklären, dass man es nicht als Wucher bezeichnen kann, wenn man für seine Spende nur ein Teelicht bekommt – fahren wir weiter Richtung Süden. In Angira suchen wir uns ein kleines schnuckeliges Cafe und haben Glück. Der Latte schmeckt hier so lecker, dass wir glatt 2 trinken, also jeder und die Kinder sind mit ihrem Kuchen (auch 2Stück) glücklich. Und wir haben gleich noch einmal Glück, das Wetter wird etwas besser, es hört sogar auf zu regnen. Wir beschließen daher, zu Fuß den Schildern auf eine Burg, der Rocca, zu folgen die sich am Ortsrand des Ortes befindet. Eine gute Idee, zwar begeistert uns die Kunstausstellung nicht so sehr, die Burg mit ihrem Garten, dem Turm und dem Ausblick dafür um so mehr.

Danach geht es auf direktem Weg zurück, direkt ja aber natürlich nicht ohne Fotostopp. Mögen die Regenwolken uns auch alle nerven, für ein Foto gibts kaum was besseres.

Der nächste Schock erwartet uns bei der Rückkehr. Während sich das Wetter im Süden besserte, wurde der Campingplatz von einem heftigen Sturm heimgesucht. Unsere Nachbarn entschuldigen sich fast dafür, dass unser Sonnensegel zusammengebrochen ist. Es hat die Leinen zerissen und liegt nun auf dem Wohnwagendach. Punkt 6 – jetzt reicht’s! Heute Abend nutze ich das WLAN in voller Bandbreite – ich habe einen Plan! Aber erstmal gibt es heute, selbstgemachte Pizza aus der Pfanne. Das Experiement glückt, trotz kleiner Pfanne prächtig. Wahrscheinlich lag es aber auch an den Zutaten – frisches Olivenöl, sizilianisches Meersalz und frisch geschnittener San Daniel sowie Oliven aus der Region waren unser heutiger Belag. Noch am selben Abend präsentiere ich Line unseren neuen Wohnwagen im Internet. Es gibt doch tatsächlich einen LMC mit Kinderzimmer im Aufstelldach, das spart gut einen Meter Länge und 20cm Breite. Dazu ist er holzfrei und mit 12 Jahren Garantie auf Dichtigkeit wirkt er meiner (gerade entwickelten) Regenphobie entgegen. Wider Erwarten sind schnell alle begeistert und ich mache mich an die Suche (auch den letzten Wohnwagen habe ich quasi im Urlaub entdeckt, böse Menschen sprechen da von Mustern). So endet der Abend suchend für mich und für Line mit einem Buch und Wein.

Donnerstag der 25.4.19

Heute mal kein Regen, dennoch zu frisch, um draußen zu frühstücken. Wir wollen heute das Schiff nehmen, welches uns in 15 Minuten nach Cannobi ans Westufer bringt. Schon von unserem Campingplatz aus lässt sich erahnen, dass es ein schönes Städchen ist und so lassen wir uns auf Wunsch unserer Kinder „treiben“ (wo sie das nun wieder herhaben). Ok, ein wenig steuern wir schon, das merken die beiden aber zum Glück nicht, denn unser Ziel ist eine uralte Brücke aus dem 12. Jahrhundert. Zwischendurch können wir nicht an einem Bäcker vorbei und kaufen leckeres Foccacia (Pizzabrot) und im nächsten Laden Oliven und Öl. Hält allerdings alles nicht lange.

Wir laufen weiter und so langsam schwant es auch den Kindern. Ihr Protest gegen die unerwartete Wanderung wird lauter aber wir treiben sie an, in der Hoffnung, dass es sich lohnt. Und es hat sich gelohnt! Unglaublich, dass ein so zartes Bauwerk schon 800 Jahre dort oben im Felsen steht. Ich bin begeistert, Line auch. Die Kinder – geht so aber sie schimpfen zumindest nicht mehr, sondern lassen Steine über das Wasser springen.

Es ist kalt und regnerisch, das Bergwasser hat ca. 4 Grad aber hey, wenn ich unter der Brücke durch fotografieren will muss ich Opfer bringen und so geht’s danach mit knallroten Beinen, nassen Shorts unter der Jeans weiter. Line und die anderen Wanderer hat’s gefreut!

Wir genießen den Augenblick und machen das, was wir am Besten können – Picknick. Als es wieder zu tropfen beginnt, machen wir uns auf den Rückweg. Auch heute sollen es wieder über 12km werden. Wir haben schon echt tolle Kinder, dass sie das meist klaglos mitmachen. Durch die tollen Gassen geht es zurück an den See. Wir haben nun die Möglichkeit gleich mit dem Schiff zu fahren oder noch Eis zu essen und Kaffee zu trinken. Ratet mal! Wir fahren also 17:30 Uhr mit dem Schiff zurück.

Der Regen wird wieder stärker und wir nehmen vom Schiff den kürzesten Weg in den Wohnwagen. Tee, Nudeln, Film – das ist die Reihenfolge der folgenden Aktivitäten.

Freitag, 26.04.19

Line schreibt in ihr Urlaubstagebuch: ‚Geht eigentlich noch mehr Regen? Ja es geht!‘ Und genauso ist es. Wir bleiben noch länger im Bett, frühstücken noch ausgiebiger und lassen uns von den Kindern zu einem Regenfilm überreden. Ich nutze den Regen zu weiteren Wohnwagenrecherchen. Wir kriechen ins Bett zurück und überlassen den Kindern, die Couch – schwer zu ertragen, wir wollen doch raus und was sehen! Nach Sturm, Hagel und Starkregen wird es gegen Eins etwas heller. Unser Kleinster ist fest entschlossen weiter Ninjago-Staffeln zu schauen. Soll er, wir aber müssen raus. Unsere Wege trennen sich also für die nächsten 2 Stunden und wir begeben uns…. wieder mal… mit dem Auto zum Lago Delio. Die Straßen dorthin sind wieder spektakulär, eng und verschlungen, schmiegen sie sich an den Berg, immer wieder geben sie den Blick auf den Lago Maggiore frei.

Der See – ein Stausee – ist enttäuschend und so verweilen wir nicht lange, sondern nutzen die letzten Liter Diesel im Auto, um in die Nähe des Bergdorfes Piero zu kommen. Dazu müssten wir allerdings noch mindestens 60 Minuten laufen, das ist uns mit dem Kind im Wohnwagen zu lange. Fotos aus der Ferne müssen also reichen. Zwischendurch können wir sogar mal die Sonne erahnen! Heute dient der geliehene Amarok mal ausgiebig als Fotomodel…

Danach gehts schnell zurück zum Kind, die Sorge war unbegründet, er liegt noch so wie wir ihn verlassen haben. Trotzdem gibts erst mal Fika. Danach gammeln wir ein wenig und quatschen. Der Gedanke an einen neuen Wohnwagen wird immer klarer, auf einmal reden wir nicht mehr vom Herbst, sondern davon, dass es eigentlich cool wäre, ihn schon im Sommerurlaub zu haben – mein Ehrgeiz ist geweckt! Am Abend gehen wir aus. Wir nehmen nicht die Pizzeria neben dem Platz sondern laufen ein Stück in den Ort und ergattern gerade noch einen Tisch im Ristorante Concordia. Zu unserer Überraschung wählen die Kinder Käse- und Schinkenplatte als Vorspeisen aus, eine sehr gute Wahl!

Satt und glücklich (einen Espresso gab es natürlich auch) machen wir uns auf den Rückweg, die Gedanken zwischen dem leckeren Essen und dem Limoncello im Kühlschrank.

Samstag der 27.04.19

Man glaubt es kaum, die Sonne scheint! Wir beschließen diesen Tag am See zu genießen und pumpen nach einem gemütlichen Frühstück Lines neues SUP auf. Anschließend paddeln wir alle 4 abwechselnd über den See, unterbrochen nur von Obst zum Mittag. Davon brauchen wir mehr!

Nachmittag spazieren wir in den Ort und essen ein leckeres italienisches Eis, schauen den Kletterern an der Felswand zu und genießen die zurückgewonnene Wärme.

Am Abend wird gegrillt und natürlich weiter SUP gefahren, wir kosten jeden Sonnenstrahl aus!

Sonntag der 28.4.19

Uns weckt die Sonne und wir wollen heute endlich wandern. Vergessen sind die Regentage, wir sind voller Energie, nur unsere Kinder müssen wir heute etwas zu ihrem Glück zwingen. Gegen 10 sind wir aber startklar und verlassen den Campingplatz immer bergauf, uralte steinerne Wege entlang. Der Weg ist anstrengend und soll eigentlich in 1,5 Stunden ans Ziel, Luino führen. Die Zeitangabe ist aber Utopie! Wir finden einen der herrlichen Aussichtspunkte und machen erstmal Picknick, im Moment ist es egal, dass aus den 7km doch 13 werden, noch dazu 500 Höhenmeter, erstmal genießen wir alle den Blick. Auf dem Weg konnten wir einen Imker beobachten, der scheinbar seinen Bienen auch einen Seeblick gönnen wollte, ob man das am Honig schmeckt?

Danach geht es erst einmal wieder runter bis direkt an den See, dabei druchqueren wir eine alte verlassene Siedlung, die Natur hat längst wieder Besitz ergriffen, die Kinder finden es toll und lassen sich in die Ruinen locken.

Leider geht es danach genauso steil wieder hinauf. Wir wissen mittlerweile, dass die Längenangabe für die Straße galt, die direkt am Ufer die beiden Orte verbindet. Die Kinder lockt nur noch das Versprechen auf ein Eis weiter. Am frühen Nachmittag beginnen wir also Abstieg Nr.2. Unser Weg führt uns, so denken wir, durch die Gärten eines alten Schlosses. Wir treffen den Besitzer des Gartens, der uns sofort allerlei interessante Dinge erzählt. Er fängt an mit den ursprünglichen Burgherren und endet damit, dass Siebenschläfer nur die Kerne seiner Weintrauben essen und daher auch das Interesse an den kernlosen Exemplaren sehr hoch ist. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg. Scheinbar haben wir ein Schild übersehen, erst beim Fotos ansehen, entdecken wir das „Durchgang verboten“-Schild. Es hat sich aber gelohnt.

Von hier ist es nur noch ein Katzensprung. Wir steuern die erstbeste Gelateria an und genießen unser Eis in Luino. Aus Mittag um 12 ist nun 14:30 Uhr geworden. Beim Eis essen verpassen wir unser Schiff zurück nach Maccagno. Warten, Bus oder Bahn? Nach kurzem Disput beruhige ich mich wieder und wir schlendern durch die Stadt bis das nächste Schiff kommt. Weit kommen wir aber nicht, denn wir entdecken eine tolle kleine Bäckerei mit Cafe. Wir können die Kinder überzeugen und bestellen uns einen leckeren Americano (eigentlich wahrscheinlich ein 8facher Espresso… aber sooo gut). Die Kinder bestaunen die kunstvollen Kuchen und Torten, Sieger der Herzen wird eine Einhorntorte. Zum Glück lassen sie sich darauf ein, dass wir nur Mandorlinis mitnehmen, die sehen lecker aus und sind es auch!

Den Abend beschließen wir bei leckerer Pizza, Espresso und zum Nachtisch werden natürlich die mitgebrachten Mandorlinis geteilt.

Montag der 30.4.2019

Heute ist der Tag der Abreise, wir hatten geplant in 2 Etappen nach Hause zu fahren, ganz entspannt und vielleicht noch was Schönes unterwegs anschauen. Gestern Abend kam uns allerdings die Idee, den Lago Maggiore direkt mit dem Gardasee zu vergleichen. Vom letzten Herbsturlaub am Gardasee kennen wir dort einen angenehmen Campingplatz der schnell von der Autobahn zu erreichen ist. Also geht es heute nicht nach Norden, sondern erstmal Richtung Osten. Alle freuen sich, im Herbst war es schön, das schürt die Freude. Wir zirkeln den Wohnwagen aus dem Platz und starten auf die 300km Etappe. Ohne Stau und Stopp kommen wir an und sind schon Mittag am Gardasee. Erstmal einkaufen und mit den lokalen Leckereien eindecken. Ein kleiner, schneller Imbiss im Wohnwagen und danach überlegen, wie der Tag enden soll. Wir entscheiden uns, nach Lazise rein zu laufen und die Stimmung zu genießen. Es sind deutlich mehr Touristen hier, als im Oktober aber gerade noch verträglich. Wir ziehen wieder einmal durch die Gassen, essen Eis, trinken Kaffee und lassen uns dann mit Blick auf den See einen Aperol Spritz schmecken. Die Kinder spielen solange mit den Wellen des Sees, die aufgrund der starken Regenfälle der letzten Tage über die Promenade schwappen.

Der letzte Tag im April ist auch unser letzter Urlaubstag. Traditionell schlendern wir noch einmal zum See hinunter, um uns zu verabschieden und starten dann kurz nach 10 Uhr Richtung Heimat. Die Fahrt führt über den Brenner, landschaftlich eine tolle Route. Dieses Mal haben wir jedoch kaum Augen dafür. Mittlerweile habe ich den passenden Wohnwagen für uns gefunden. Ein Händler hat noch einen im Vorlauf, wenn wir ihn noch vor dem nächsten Urlaub haben wollen, müssen wir bis Ende April konfigurieren und bestellen – das heißt: heute! Während ich also unser Gespann den Brenner hoch ziehe, liest uns Line den Ausstattungskatalog vor. Bevor wir Insbruck passieren haben wir das Geschäft telefonisch fest gemacht. Wenn wir zu Hause sind, heißt es warten und natürlich unseren Dicken reparieren lassen und verkaufen.

Fazit: Kommen wir nochmal an den Lago Maggiore? Bestimmt. bei hoffentlich besserem Wetter und mit einem kleineren Wohnwagen. Schön war es!

Weitere Blogs von Familien die mit Kindern Campen findet ihr in der Blogparade von unterwegsmitkind.de

Limoncello am Gardasee

Oktober 2018

Diese Herbstferien schauen wir uns Deutschland an! Sicher! Ganz sicher! Oh, schau mal wie schön es am Gardasee im Oktober ist!

So ungefähr spielte sich unsere Planung diesmal ab. Am Ende fuhren wir mit Freunden an den Gardasee, bereut haben wir es nicht!

Aber von vorn. Die Kinder sind schon eine Woche mit der Oma in den Alpen und werden von uns erst auf dem Weg eingesammelt. Das Packen und der erste Teil der Anreise gelingen uns also stressfrei. Auch der Verkehr meint es halbwegs gut mit uns und wir sind pünktlich zum Abendessen an der ersten Station angekommen. Das Suchen nach einem Campingplatz fällt diesmal aus, die Chefin der Pension in der meine Eltern schlafen, erlaubte uns direkt auf ihrer Wiese zu stehen. Etwas schief, dafür mit Frühstück für 10,- und das für uns alle 4 zusammen. Ein perfekter Start, zudem gibt es noch einen unverbauten Blick auf das Alpenpanorama vom Bett aus – der Urlaub hat begonnen.

Gleich nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns und brechen auf, Richtung Brenner. Das Wetter ist herrlich und wir genießen die Aussicht auf unser Sommerdomizil 2018, die Seiser Alm (den Blog dazu gibt’s hier). Schon kurz nach dem Mittag sind wir da und werden von unseren Freunden in Empfang genommen. Die beiden sind mit ihren Kindern, diesmal ohne Wohnwagen unterwegs und so haben sie einen Platz ausgesucht, der Beides bietet, Bungalows und Campingplatz. Die Wahl fiel auf den Platz Spiaggia d’Oro in Lazise. Wir inspizieren erstmal – es ist alles da, alles sauber und ordentlich, dass der Platz riesig ist (also für unsere Verhältnisse) merkt man zum Glück erst beim Schlangestehen zum Brötchenholen. Danach gibt’s frischen Kaffee von Steffi – so kann das immer gehen im Urlaub! Leider heißt uns das Wetter nicht so willkommen, wie wir es verdient hätten. Es fängt an zu regnen als wir gerade das nahe gelegene Lazise besuchen – natürlich zu Fuß!

Was liegt näher, als uns ein nettes Restaurant zu suchen. Wir haben Glück und finden etwas, was uns allen gefällt! Ein großer runder Tisch im Wintergarten und das Essen ist sehr gut. Die Wartezeit verkürzt uns Steffi mit einer Anleitung zum Serviettenfalten, die Mädels sind begeistert. Line notiert am Abend: ‚der Wein war gut, die Kinder lieb, das Essen lecker‘ Wir können hier noch so lange sitzen, der Regen wird eher stärker als schwächer, also patschen wir irgendwann durch die Nacht zum Campingplatz zurück. Sie bleibt feucht und als wir am Morgen aus dem Wohnwagen klettern ist unter uns alles schlammig. Das ist allerdings auch das einzige Anzeichen des schlechten Wetters vom Vortag. Die Sonne scheint und wir frühstücken draußen – wir hatten es schon kälter im Sommerurlaub. In Bardolino ist Weinfest, das erklärt zum Einen, warum der Campingplatz noch gut gefüllt ist und zum Anderen, warum eine weitere Freundin genau dort an der Hafenpromenade auf uns wartet. Irgendwann kommen wir auch mit den Rädern dort an. Hier ist die Hölle los. Menschenmengen wie morgens in der Londoner U-Bahn (was man so hört…), von wegen idyllisches Herbsttreiben. Egal, nun sind wir einmal hier, also setzen wir uns entspannt auf die Kaimauer und beobachten die anderen Leute und unsere Kinder. Irgendwo kommt regelmäßig Weinnachschub her, so wird die Kehle nie trocken, aber das wieder Aufstehen natürlich nicht leichter. Eis ist da allerdings ein geeigneter Motivator.

Nach dem leckerem Eis (es soll nicht das letzte in diesem Urlaub sein..) machen wir uns auf, durch die Menschenmassen, an den Marktständen entlang. Irgendwie sind wir verwöhnt, von der Genussregion Südtirol (kein leeres Versprechen) und daher nicht so begeistert vom Angebot. Wir kaufen natürlich trotzdem ein paar Leckereien, die wir am Abend bei einem Picknick am See verspeisen. Da wir das Ostufer gewählt haben können wir natürlich den ersten traumhaften Sonnenuntergang dabei genießen.

Der nächste Morgen startet mit 2 Dingen, die nun zur Regelmäßigkeit werden: 1.Sonnenschein und 2. der Countdown unseres Jüngsten bis zu seinem Geburtstag. Heute werden wir also mit einer lauten SIEBEN geweckt. Wir gehen heute mal getrennte Wege. Ohne unsere 4 Freunde machen wir uns gegen 11:00 (ja unsere Kinder sind im Urlaubsmodus) nach Sirmione auf. Unterwegs entdecken wir einen Eurospin-Laden und machen natürlich sofort Stop. Hier gab es bei unserem Trip nach Südtirol die leckeren Kekse (ohne Palmöl) – rein – Korb voll Kekse -raus und weiter. Sirmione gefällt uns! Wir parken etwas außerhalb (die Parkplätze werden Richtung Festungsmauern immer teurer) und laufen durch die Festung in die Stadt. Leider ist Montag und was?! Genau, Montag hat der Turm geschlossen, also nix mit von oben runter schauen. Wir schlendern daher durch die herrlichen kleinen Gassen und genießen die warme Sonne.

Dort, wo es so schön ist, muss auch das Essen lecker sein – eine Theorie die scheinbar aufgeht. Wir suchen eine Weile, bis wir das Richtige finden. Eher skeptisch geht Line in ein Restaurant, weil man am Ende Sonnenlicht sieht. Um so begeisterter kommt sie wieder raus. Bingo! Eine Terasse direkt am See, etwas ab vom Trubel und genau ein Tisch für uns 4 frei! Wir bestellen, in Erinnerung an Bozen schwelgend (blog zu Bozen), Pizzabrot mit Olivenöl und Salz, für mich gibt es eine mit Rohschinken. Saulecker!!!! Natürlich muss neben dem Espresso auch noch ein riesiges, leckeres Eis hinterher. Ich könnte glatt Italiener sein! Wir hatten in einem Reiseblog davon gelesen, dass es in Sirmione das leckerste Eis des Gardasees geben soll, dieser Aussage können wir uns anschließen, allerdings ist das Niveau hier überall recht hoch.

Am Abend treffen wir uns dann wieder auf der Terasse des Bungalows, um gemeinsam zu Abend zu essen und das eine oder andere Glas Limoncello zu trinken. Dazu eine kleine Lektion zum nutzlosen, aber doch nachgefragten Angeberwissen: Limoncello oder Limoncino ist egal, beides ist vom Gardasee und beides ist das „original“, eventuell auftretende Geschmacksunterschiede kommen, laut dem netten Ladenbesitzer, nur aufgrund des Alkoholgehaltes. Egal wir trinken beides! Danach geht’s früh ins Bett, wir wollen morgen zeitig starten.

Wir schaffen es tatsächlich und sitzen noch vor 10 Uhr im Auto. Es geht die Uferstraße Richtung Norden und schon die Fahrt entlang des Sees ist toll. Früher dachte ich immer, dass sei etwas für Rentner hier, aber nun? Ja naja, vermutlich wissen auch Rentner was schön ist. Heute wollen wir uns aber etwas absetzen, wir nehmen in Malcesine die Bergbahn auf den Monte Baldo. Um genau zu sein, stellten wir uns dafür zunächst eine Stunde in die endlos wirkende Schlange – so außergewöhnlich scheint unser Ausflug dann also nicht zu sein. Oben angekommen, drehen alle Mitreisenden in kurzen Hosen zum Glück gleich wieder um. Es ist frisch hier oben. Wir sind vorbereitet und holen unsere warmen Sachen raus. Im Netz hatten wir gelesen, dass es hier einen unglaublichen Blick auf den Gardasee gibt. Das stimmt soweit, leider gibt es hier auch ein ganz eigenes Wetter mit vielen Wolken. Wir schaffen es trotzdem zumindest für ein paar Minuten den See zu sehen und stellen uns einfach vor, es wäre klar und der Blick könnte über den See schweifen…

Nun, die Sicht nach unten ist schnell weg, damit muss ich klar kommen. Die Bilder in meinem Kopf, die ja eigentlich heute auf die Kamera wandern sollten, müssen nun durch andere ersetzt werden. Es wird sich etwas finden! Nun ist es auch nicht mehr ganz so schlimm, dass uns die Warterei an der Talstation die Wanderung zum Gipfel versaut hat. Wir entscheiden, vernünftiger Weise, nur ein Stück den Kamm entlang zu wandern und dann ein kleines Picknick zu machen. Nun, die warmen Sachen waren klar, das Picknick fällt uns irgendiwe erst hier oben wieder ein. Wir sind schließlich nicht im Wanderurlaub, oder doch?! Zum Glück gibt es an der Bergstation ein überteuertes, labriges Baguette – den Kindern schmeckt es und die „Happy Campers“ (der Kosename unserer Freunde) versorgen unsere Kinder zum Nachtisch auch mit Keksen. Die Kinder finden es zu viert noch besser. Hier gibt es jede Menge Felsen und Steine auf die man klettern kann – um sofort wieder runter zu springen. Wir genießen die Zeit und den Ausblick auf die Berge, der See ist ja nicht zu sehen. Die Sonne zeigt sich auch immer mal wieder und dann ist es gar nicht mehr so kühl.

Mystisch steigt der Nebel immer mal wieder aus den Wäldern auf, als wir beschließen wieder hinab zu fahren – der Kaffee lockt.

Vorher kommt allerdings noch der Abstieg, scheinbar haben die Kinder aber Eis gewittert und rennen voran. Erstaunlich, wie schnell so ein Kind sein kann, obwohl alle Taschen (Jacke, Hose, Bauchtasche) voller Steine sind. Noch erstaunlicher ist, dass die Hosen tatsächlich durch das Gewicht nicht nach unten gezogen werden. In der Gondel angekommen, natürlich nicht ohne Anstehen, genießen wir die Abfahrt, zumindest die Meisten. Die Damen mögen das Kribbeln im Bauch scheinbar mehr, wenn es Liebe ist.

Man könnte denken, wenn man von oben auf Wolken schaut, muss man im Tal schlechtes Wetter haben. Irgendwie steht die Welt aber Kopf, schon auf der Fahrt nach unten merken wir, unten ist es auch sonnig. Allerdings sieht man, dass der See seinen eigenen Nebel mitbringt, als ob er sich verstecken will…

Die Seilbahnfahrt endet in Malcesine (wo auch sonst, eine Seilbahn kann ja schlecht abbiegen) -Tipp: Wenn ihr mit der Bahn fahren wollt, kauft die Karten online, dann könnt ihr zumindest an der ersten Schlange vorbei. Wir lassen uns durch die Gassen der gemütlichen Stadt treiben, auf der Suche nach einem netten Kaffee. Entdecken ein altes Segelboot, sofort keimt der Gedanke einer Segeltour, nach einigen Recherchen im Netz stellen wir fest, dass wir zu spät sind, also nur ein Foto und weiter nach dem Cafe suchen.

Natürlich werden wir fündig und schicken die Kinder zum Eis essen an das nahe Seeufer – fast außer Hörweite…

Auf dem Rückweg zum Auto, wir parken am nördlichen Ende, schauen wir zurück auf die Burg des Ortes und der Anblick ist überwältigend, Benno der Profifotograf würde sagen – episch –

Wir genießen eine Weile und beschließen den Abend nicht auf dem Campingplatz zu beenden, sondern in einem nettem Lokal auf dem Weg dorthin. Line und ich haben jedoch vor dem Essen noch was anderes im Kopf. Ein Bild von Malcesine mit der Burg und dem See, wir haben das bei einer Freundin mal gesehen und waren begeistert, also machen wir uns bei schwindenem Licht und hungriger werdenden Kindern, auf die Suche nach dem perfekten Standort für DAS FOTO. An einem verlassenen und verfallenen Grundstück ist es endlich in Sicht. Eine Lücke im Zaun macht einen Einstieg möglich und gibt den Blick auf den Ort frei, malerisch zwischen den See und die Berge gezwängt. Ich bin zufrieden…

Nach diesem Ausblick fehlt nur noch ein tolles Essen und wir begeben uns, gemeinsam mit den „Happy Campers“, auf Jagd. Die Jagd ist auf Grund der Nutzung vom Internet schnell zu Gunsten der „Happy Campers“ entschieden. Allerdings haben wir ja alle was davon… Wie das halt so ist. Unsere Wahl fällt nach der Recherche auf das kleine Städtchen Castelletto. Steffi hat das Restaurant da Umberto herausgezaubert und so nehmen wir im Hafen Platz, Blick aufs Wasser mit Sonnenuntergang und für die Damen einen Aperol Spritz. So lieben wir Italien… den Gardasee – egal ob es ein Rentnerparadies ist!

Halbzeit! Heute freuen wir uns auf den Markt von Lazise. Wir wollen kosten, schmecken, riechen. Wir wollen das volle Programm an regionalen Köstlichkeiten! Aber erst wollen wir in Ruhe frühstücken, dann geht es los. Zu Fuß, denn unser Campingplatz ist nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt. Dafür trifft uns die Ernüchterung auf dem Markt. Es gibt kaum Lebensmittel, dafür Daunenjacken in allen Farben – wir überlegen ob Lidl vielleicht hier einkauft?! Natürlich gibt es auch Leder und vieles mehr. Line schleicht immer mal wieder um ein Küchenbrett aus Olivenholz herum. Nachdem ich den Preis gelesen hatte, stand er mir wohl ins Gesicht geschrieben und sie traute sich nicht mehr zuzuschlagen. In den Seitenstraßen fand sich dann doch noch der eine oder andere Stand mit Fisch und Käse. Wer jetzt denkt, dass mit dem Nummern ziehen und warten ist typisch Deutsch und ‚Amt‘, wird hier eines Besseren belehrt – an diesem Käsestand musste man das auch tun ( das Foto mitte rechts – roter Kasten zum Nummer ziehen und Display mit der Nummer 40)

Ein Tipp für die Jäger und Sammler unter euch. In Lazise gibt es einen Laden – Paradies bezeichnet es eher! Egal ob Camping, Werkzeug, Hausrat – dort gibt es alles und das meine ich ernst! Der Laden ist nicht groß, die Gänge könnten jemanden mit Platzangst eine Panikattacke bescheren, maximal 50cm breit und bis unter die Decke gefüllt – eben alles. Ich war so begeistert, dass ich kein Foto gemacht habe…

Statt für frischen Fisch entscheiden wir uns für ein leckeres Eis und den Rückweg. Die Kinder wollen heute mal den platzeigenen Pool ausprobieren. Saisonbedingt sind nicht mehr alle Becken geöffnet, aber die 2 Becken mit ein paar kleineren Rutschen reichen ihnen aus. Sie sind begeistert und wir entspannt, fragen uns allerdings, wie es hier im Sommer, bei vollem Platz aussieht. Das wäre jetzt nicht so unser Ding, da sind wir uns einig.

Kaffee und Kekse schieben wir noch dazwischen, bevor wir zum See hinunter gehen und uns ein schönes Plätzchen suchen. Wir bestellen Pizza im Restaurant des Platzes – gegessen wird heute aber mal wieder am Strand. Für die Damen ein Wein, die Männer ein Radler und die Kinder machen sich nass und dreckig – alle sind glücklich.

Nach dem Frühstück – wie immer vor dem Wohnwagen in der Morgensonne – stellen wir die Fahrräder auf das Auto (ich liebe dieses Auto) und machen uns auf den Weg nach Riva del Garda. Auf vielen Reisewebsites liest man von DEM Radweg am Gardasee, spektakulär am Felsen lang, von Riva nach Limone. Den fahren wir heute, so zumindest die Theorie und der Plan. Der Parkplatz ist schnell gefunden, alle sitzen auf den Rädern und wir radeln mitten durch das Zentrum von Riva del Garda. Die Beschilderung ist lausig, aber wir haben ja Handys und Dank EU auch Datenvolumen. Als wir den Radweg am Ortsausgang erreicht haben, stehen wir jedoch vor einem Baustellenschild. Ein Radfahrer erzählt uns von einem Bergsturz und empfiehlt uns eine andere tolle Route. Wir hören interessiert zu, nicken zustimmend, fragen nach. Als er weg ist beschließen wir dann aber doch, unseren ursprünglichen Plan nicht aufzugeben – wir wollen DEN Radweg. Also Räder wieder auf’s Auto und ab nach Limone. Wir rollen den Weg eben von hinten auf. Auch hier ist es nicht so einfach, den Weg zu finden. Wir jonglieren unsere 8 Fahrräder durch die engen Gassen, viele steile Treppen hinab. So langsam bekommen wir etwas Angst vor dem Rückweg, irgendwie geht es immer weiter runter. Unterwegs machen wir einen kleinen Stopp, um uns die Limonaia del Castel – die Zitronen-Gewächshäuser in Limone anzusehen. Der Eintritt ist mit 2 Euro (die Kinder kommen Dank dem netten Herren so rein) erschwinglich, die Anlage auch übersichtlich, aber deshalb nicht weniger schön. Überall wachsen Zitronen, Apfelsinen, jegliche Art von Zitrusfrucht (soweit sich das als Laie beurteilen lässt), man will eigentlich sofort zugreifen. Zusätzlich bieten sich immer wieder tolle Blicke auf den See.

Weiter geht’s auf der Suche nach unserem Abenteuer. Die nächsten Treppen folgen, ebenso wie ungläubige Blicke von anderen Touristen, ab und zu auch ein Kopfschütteln. Schließlich bestätigt uns eine junge Deutsche, dass wir auf dem richtigen Weg sind und so langsam werden die Menschen weniger, und die Wege befahrbar. Wir folgen den immer noch engen Gassen, nun aber wieder den Berg hinauf. Mal schaffen es die Kinder, mal müssen wir schieben. Schließlich kommen wir wieder an der Hauptstraße an und finden den Start des gesuchten Weges. Man hat nicht zu viel versprochen! Auch wenn er atsächlich noch gar nicht bis Riva geht. Er endet nämlich auf halber Strecke einfach, aber das wissen wir hier noch nicht.

Wir genießen die Fahrt und staunen wie der Weg da so am Felsen zu hängen scheint, sensationell.

Aber die Euphorie hält nicht lange, an der ehemaligen Grenze (zwischen Riva und Limone) ist Schluss und wir nutzen die Gelegenheit für ein Picknick. In Ermangelung von Natur auf der alten Grenzstation, uns schmeckt es aber auch dort. Im Anschluss geht nur Eines, umdrehen und zurück. Allerdings fällt uns das gar nicht so schwer. Limone hat uns auf dem Hinweg schon gut gefallen. Was liegt also näher, als nach einem Café Ausschau zu halten und die Kinder mit einem Eis glücklich zu machen. Wir sind heute mal raus…

Kopfschüttelnd sitzen wir wenig später bei einem Capucchino und tun so, als wären es nicht unsere Kinder die dort am Hafen Fange spielen – das Leben kann so schön sein. Die Rückfahrt dauert dann doch etwas länger als geplant. Es ist viel Verkehr und die Straße genauso eng wie beeindruckend.

Das stört uns aber nicht wirklich, erst genießen wir die Fahrt und dann den Limoncello bei den „Happy-Campers“ auf der Terasse. Ein angemessener letzter Abend am Gardasee.

Es ist Freitag, eigentlich geht es nach Hause aber niemand will gerade dorthin. Wir beschließen also die Heimfarht zu verschieben und das tolle Wetter noch einen Tag zu genießen. Nach der Verabschiedung unserer Freunde verbringen wir einen entspannten Tag am See und am Pool. Auch ich schaffe es mal in den See, ist eigentlich gar nicht so kalt…

Am späten Nachmittag starten wir ein letztes Mal nach Lazise, noch einmal leckeres Eis essen, noch einmal in den tollen Laden gehen in dem es alles gibt und dann zu Abend essen. Beim Bummeln entdecken wir ganz nebenbei noch einen kleinen verträumten Supermarkt. Hier gibt es viele regionale Sachen, eine riesige Auswahl – leider zu spät für uns.

Also auf zum Abendessen. Unser Jüngster eröffnet uns, dass wir heute Muscheln essen, schaun wir mal. Wir bekommen einen schönen Tisch mit Blick auf den See und lassen es uns nochmal richtig gut gehen…

Haben wir Muscheln gegessen? Klar! Muss man das? Nö! Aber es hat gepasst und wir haben viel gelacht. Wir machen uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Es ist immer noch angenehm warm, aber so langsam wird klar, das war’s im Herbst 2018

Weil niemand Lust hat abzufahren, sitzen wir auch am Samstag bis 11:00 Uhr noch am See und genießen das Klima. Dann geht es aber doch los. Irgendwann lässt es sich nicht mehr weiter hinauszögern… Ab in den Stau. Dachten wir. Scheinbar war unsere späte Abreise Gold wert, wir fahren ohne jegliche Behinderung durch die herrlich bunt gefärbten Alpen und sind so schnell wie noch nie, so schnell, dass wir nicht mal mehr den ursprünglich geplanten Zwischenstopp einlegen, sondern direkt die heimischen Betten ansteuern.

Fazit: Limoncello oder Limoncino ist egal, beides lecker. Gardasee im Oktober muss man mal gesehen haben. Die Gegend ist toll, der Kaffee gut und die Städte herrlich – für uns gern nach dem Weinfest! Probiert das Olivenöl, ein Traum!

Südtirol:Klettern, Schlemmen, Canyoning / Sommer 2018 Part II

Tag 6

Nach ein wenig Rangiererei sitzen wir Punkt 10 Uhr im Auto und verlassen den Zeinissee in Richtung Brenner. Es geht nach Südtirol und wir sind gespannt. Im Radio verkündet ein Österreicher, dass es auf dem Brenner Stau wegen einer Baustelle gibt. Wir haben keine Lust die Mittagszeit im Stau zu stehen und nutzen den MC Donalds an der Europabrücke für die Pause. Die Aussicht ist grandios, so verschmerzen wir die Gourmet-Küche aus der Friteuse. Wir scheinen heute Glück zu haben. Als wir eine halbe Stunde später im Auto sitzen, ist nicht nur der Stau weg, sondern auch die Baustelle abgebaut. So sind wir bereits 15 Uhr am neuen Platz angekommen. Campingplatz Seiser Alm. Das ist einer der Campingplätze, von dem man irgendwie immer wieder hört. Die Einen raunen ehrfürchtig wegen der Anfahrt – die ehrlich gesagt dauerhaft ein Wechselbad der Gefühle ist, zumindest bei 2,50 x 14,00 Metern. Man weiß nicht, ob man staunen soll, wegen der Gegend, Angst haben soll, dass man ins Tal stürzt, weil die Straße so eng ist oder Panik schiebt, dass einem auf der engen, steilen Straße ein LKW entgegen kommt. Wir beide teilen uns das gerecht auf. Ich staune und Line übernimmt dankenswerter Weise die Panik. Alles geht gut. Am Platz werden wir sehr freundlich empfangen. Wir haben bereits im letzten Jahr reserviert und dürfen uns nun sogar einen Platz aussuchen. Zur Wahl steht ein großer Platz mit Bäumen die Schatten spenden, auf einer Terrase, ruhig gelegen mit herrlichem Bergpanorama oder ein kleinerer, mitten zwischen anderen Wohnwagen ohne Bäume. Wir entscheiden uns für Variante 1 und sollen die nächsten Tage glücklich damit sein.

So schön der Platz am Zeinissee war, die Kinder sind froh über ein paar Grad mehr und den herrlichen Salzwasserpool. Während wir noch das Vorzelt aufbauen – zumindest das Dach gegen die Sonne, sind die beiden uns schon entschwunden und kommen auch erst wieder aus dem Wasser als 19 Uhr die Stunde Schwimmzeit nur für Erwachsene beginnt ( Morgens gibt’s die auch, eine gute Idee). Wir lassen den Abend vor dem Wohnwagen mit Blick auf den Schlern ausklingen. Das ist Urlaub.

Tag 7

Frühstück mit Bergpanorama und frischen Brötchen. Die Brötchen sind hier übrigens günstiger, als zu Hause beim Bäcker. Man zahlt nach Gewicht und das ergibt bei 4 Stück weniger als 1,50€ – wer da aufbackt, dem ist nicht mehr zu helfen. Da wir die Räder dabei haben, wollen wir hier eine Radtour starten. Laut Beschreibung gibt es eine einfache Familientour zum Völser Weiher, klingt perfekt. Nach ca 500m habe ich die Erzählung von Olaf wieder im Ohr. Er ist ein Bekannter, fährt auch mit Amarok + Wohnwagen und ebenso gern MTB wie wir. Ich hatte mich letztes Jahr lustig gemacht, weil er seine Teeni-Tochter hier oben nicht zum Fahren animieren konnte, es wäre ihr zu steil. Was soll ich sagen, die Hälfte der knapp 3 km zum Weiher schiebt unser Kleinster sein Rad, das steilste Stück schafft er nicht mal das, Line übernimmt. Unsere Mittlere zieht aber durch, mit ihren 10 Jahren schafft sie einige Anstiege, die ganz steilen Schotterpassagen muss aber auch sie schieben. Oben angekommen werden wir belohnt. Ein herrlicher kleiner Bergsee, die Dolomiten im Hintergrund und ein großer Badesteg mit angeschlossenem Restaurant. Wir bleiben fast den ganzen Tag und genießen das Leben. Während wir uns in den leckeren Südtiroler Kaffee verlieben, springen die Kinder unzählige Male vom Steg. Gewittergefahr lässt uns zurück fahren und selbst bergab ist es so steil, dass sich der Kleine nicht den Schotterweg hinab traut. Hieran müssen wir wohl arbeiten…

Unser Gefühl trügt nicht, wir sind zwar trocken angekommen aber danach geht’s richtig los. Ein schönes Alpengewitter geht über uns nieder und wir nutzen die Zeit, um mal zu überlegen, was wir im Urlaub auf jeden Fall noch machen wollen. Oha, der Urlaub wird wohl wieder mal zu kurz. Da stehen am Ende so Dinge wie Canoyning, Rafting, Klettern und noch vieles mehr. Sogar Rad fahren findet sich wieder auf dem Wunschzettel. Das verschieben wir aber lieber auf Station 3 unserer Reise. 20 Uhr ist das Gewitter vorbei und wir genießen wieder den Ausblick, diesmal bei herrlich klarer Luft und einem tollen Regenbogen.

Tag 8

Wir müssen langsam anfangen, unsere Liste von gestern abzuarbeiten. Also stehen wir bei herrlichem Sonnenschein 10:30 Uhr an der Bushaltestelle. Auch hier haben wir wieder die regionale Karte erhalten. Hier die Seiser Alm Karte. Damit können wir den Bus kostenlos nutzen, der uns heute zur Seiser Alm Bahn bringt. Lustiger Weise ist dies die einzige Bahn in dieser Gegend, welche nicht Inklusive ist. Egal, wir wollen da hoch und heute die Hexenbänke erkunden. Auf 1800 m angekommen, führt uns der Weg recht steil bergauf.

Nach knapp 2 Kilometern steilem Anstieg, lassen wir uns von den Kindern bequatschen und kehren ein, in das Bergrestaurant Puflatsch. Die Kinder hält es zwar nur kurz auf den Sitzen (sie haben die kleine Minirodelbahn mit Reifen entdeckt), dafür genießen wir den Ausblick und das Essen. Auf dem Berg geht doch kaum etwas über eine zünftige Brettljause (hier sogar mit Obstler) und eine Buttermilch dazu, also bestellen wir. Wir sind satt, trotzdem läuft uns das Wasser im Mund zusammen wenn wir die Marillenknödel am Nachbartisch anschauen. Hey wir sind hier in DER Knödelregion, also sind die bestimmt so lecker wie sie aussehen – bestellt und genossen!

Danach starten wir wieder Richtung Hexenbänke, aber nur, bis wir um den Gipfel herum kommen und freien Blick auf die nächsten Berge haben und auf den Himmel darüber. Schon wieder ziehen dicke Gewitterwolken auf. Wir und die meisten anderen Wanderer ziehen nun doch wieder Richtung Tal, dabei können wir beobachten wir ein Armeeflugzeug ettliche Fallschirmspringer mitten über den Bergen ausschüttet. Wie es denen wohl geht, wenn sie die Gewitterwolken sehen?!

In Seis angekommen, haben sich die Wolken wieder verzogen und die Sonne strahlt mit den Eis essenden Kindern um die Wette. Wir beschließen uns nicht zu ärgern und genießen einen Capucchino (noch immer Südtiroler Kaffee) – lecker!

Tag 9

Irgendwie will die Sonne heute nicht so richtig raus. Im Netz stehen Schauer und Gewitter also fallen die Berge heute aus. Da Südtirol auch einige schöne Städte bereit halten soll, beschließen wir, mit dem Bus (kost ja nix) nach Bozen zu fahren. Ihr erinnert euch an die haarstreubende Anfahrt?! Der Bus fährt zwar den anderen Weg, der ist aber genauso wild und gefühlt noch enger. Wir schaffen es bis fast ins Stadtzentrum, dann gibt der Magen unserer Tochter auf. Zum Glück springen wir rechtzeitig aus dem Bus und nach der unangenehmen Erleichterung ist alles wieder gut. Die Frage ist nur, wo sind wir hier! Wir tippen auf einen Vorort von Bozen aber ein Blick ins Handy gibt Entwarnung. So laufen wir durch ein paar enge Gassen, bewundern das Südtiroler Obst in den Läden, ok wir bewundern nicht nur, sondern kaufen auch und essen gleich auf. Bozen gefällt uns jetzt schon. Kurz darauf sind wir im Stadtzentrum. Ein schönes altes Städtchen, voller interessanter Menschen. Die Kinder sind absolut begeistert von den vielen Spielzeugläden, diese erscheien zwar von außen recht klein, bringen im Inneren aber ein riesiges Sortiment zu Tage. Unsere Kinder leiden im Gegensatz zu Anderen echt leise. Im 3.Laden gibt’s dann die begehrten Hexbugs und sie sind glücklich.

Wir wollen zum Obstmarkt. Ich liebe Märkte! Wir alle lieben Obst! Auch hier gilt: knipsen, kosten, kaufen. So probieren wir uns durch diverse Wurst-, Käse-, Nudel-, Pesto-, Trockenobst-, Schnaps- und Honigstände, bis das Portemonaie leer ist und die Kinderbäuche voll. Dachten wir!

Ein Minieinkaufsbummel in der tollen Hauptverkaufsstraße später, haben alle Hunger und wir machen uns auf die Suche. Hier gibt es echt tolle Bars und Kneipen. Wir können uns nicht entscheiden. Schließlich tun es die Kinder. Wir sind in Italien, also wollen wir Pizza. Klar, wir sind in Italien! Ist uns noch gar nicht so bewusst gewesen, alle sprechen Deutsch…

In einer Nebenstraße finden wir einen freien Platz in einer Pizzeria, dem Nussbaumer. Das Wetter ist doch herrlich und so können wir draußen sitzen. Wir bestellen natürlich Pizza. Das heißt 1 Pizza und ein Focaccio mit Rohschinken ( Merker für uns: Eine Verkäuferin im Spar sagt, dass der leckerste Rohschinken San Daniele sei, der aber bestimmt nicht auf dem Focaccio war, weil zu teuer. Ich schwöre der war es!). So schnell waren bei uns noch nie 2 Pizzen alle. War das lecker, die Kinder lecken sich immer noch die Finger ab, um noch einen Rest Schinken zu erwischen. Also bestellen wir noch ein Focaccio nach, mit 2 Espresso. Wer in Bozen leckere Pizza essen möchte, dem sei das Nussbaumer ans Herz gelegt. Wir können es nur empfehlen. Das Leben kann so schön sein. Irgendwie ist das Mittag heute erst zur Kaffeezeit passiert, stört uns nicht. Dafür amüsieren wir uns über das Gespräch einer All-Inklusiv-Familie am Nachbartisch. Der Vater ruft zur Eile beim Essen auf, weil sie schon in 2 Stunden im Hotel zu Abend essen müssten. Hach ist Camping schön!

Wir bummeln noch ein wenig. Essen, auf einer Treppe sitzend, ein leckeres italienisches Eis und machen uns dann auf den Weg zum Busbahnhof. Die Menschenmenge verheißt nichts Gutes. Wir haben Angst nicht mitzukommen, haben aber gleich 2 mal Glück. Erstens, weil uns der Bus mitnimmt und zweitens weil wir ohne Übelkeit auf dem Berg ankommen. Den Tag lassen wir natürlich im Pool ausklingen, der verlockt einfach zu sehr.

Tag 10

Der Wetterbericht verheißt auch an diesem Morgen nichts Gutes, aber wenigstens sind die Gewitter vorbei. Daher beschließen wir unser Glück herauszufordern und machen uns auf, zu einer Wanderung ins Tschamintal. Wir starten sonnig in das urige Tal. Beginn der Wanderung ist eine alte Mühle, jetzt das Naturparkhaus, ich schiele beim Vorbeigehen auf die Speisekarte und bin in Gedanken kurz schon beim Kaffee. Aber erstmal ins Tal rein. Vor dem Kaffee kommt die Arbeit. Wir folgen immer dem kleinen Bach der sich zwischen den Bergen entlangschlängelt.

Auf der Hälfte des Hinweges erwischt es uns dann, es fängt an zu nieseln. Normaler Weise überlegst du nun, was gemacht wird, heute war es irgendwie anders, alle kramen ihre Regenjacken aus den Rucksäcken und laufen dann einfach weiter. Die Stimmung dort im Tal ist toll, ruhig und nach einsetzendem Regen auch wenig los. Langsam taucht der Rosengarten am Ende des Tals auf, durch den Regen und die Wolken nur schemenhaft zu sehen. Ich mag es so und kann die Kamera einfach nicht in ihrer Regenschutztasche lassen. Am Ziel des heutigen Tages, machen wir Picknick unter dem Stück Dach eines urallten Hausen. Unsere Kaminwurz und der Käse schmecken so, als wäre er genau hier im Haus gemacht.

Alle sind irgendwie im Laufflow und so beschließen wir sogar, noch etwas weiter rein ins Tal zu laufen, bis es dann doch so steil bergauf geht, dass wir aufgrund des Regens Bedenken um die Trittsicherheit unserer Kinder haben. Wir drehen um und laufen im großen Bogen wieder zur Mühle zurück.

Dort kommen wir endlich zu heißer Schokolade, Tee und für uns 2 leckere Cappuchino. Ganz so kalt kann den Kindern nicht sein, ein Eis geht auch noch.

Tag 11

Beim Aufstehen strahlt uns die Sonne wieder entgegen, so haben wir das bestellt. Passend zu unserem heutigen Ziel, ein Gipfelkreuz. Voelsegg heißt der Berg und die Wanderung startet da, wo die gestrige aufgehört hat. Allerdings diesmal nicht im Tal – da stehen einfach zu wenige Gipfelkreuze, sondern gleich steil bergauf. Schier endlos schlängeln sich die schmalen Serpentinen den Hang hinauf, zum Glück ist es recht schattig.

Ungefähr auf der Hälfte überholt uns ein Herr. Rennend mit Nummer auf dem Rücken. Dieses Spiel wiederholt sich etliche Male und unser Kleiner läuft immer mal wieder ein Stück mit. Heute ist der Sky-Marathon, erkennen wir an den bunten Fähnchen am Wegesrand und dies ist nicht der einzige Berg, den die Läufer heute hoch und wieder runter rennen – Wahnsinn!

Uns reicht der eine und wir biegen kurze Zeit später von deren Laufstrecke ab, an der Almhütte vorbei (das fällt allen schwer) um die letzte halbe Stunde Anstieg in Angriff zu nehmen. Oben gibts, na was wohl, Picknick und wir genießen den echt gigantischen (Ben würde sagen epischen) Blick.

Der Abstieg erfolgt auf der anderen Bergseite und wir begegnen wieder ein paar Läufern. Hier ist es noch schöner, als beim Aufstieg und auch die Kids sind im Rhytmus.

Ich erkläre als Zwischenziel unserer heutigen Tour ein Foto vom Wunslegger Weiher in dem sich das Panorama der Dolomiten spiegelt. Ich soll es bekommen (vielleicht auch eher 10 davon)…

… und wir haben kurze Zeit später die gut 15 Kilometer hinter uns gebracht.

Wie kann man eine solche Wanderung würdig abschließen? Nur mit Apfelstrudel und Cappuccino. Den gönnen wir uns! Wir sind stolz auf die Kinder, so langsam müssen wir aufpassen, dass sie uns nicht abhängen…

Wir schaffen es sogar noch, ausgiebig im Pool zu baden – was für ein gelungener Tag.

Tag 12

Heute haben sich alle eine Auszeit verdient. Baden-Baden-Baden steht auf dem Plan. Das Wetter ist perfekt und wir starten, nach einem entspannten Frühstück mit Rührei, zum Völser Weiher. Die Fahrräder lassen wir hier, der Fußweg ist um eniges kürzer und die Kinder sind motiviert von der Aussicht auf das kühle Nass. Ich schnappe mir zwischendurch die Kamera und schlendere einmal um den kleinen See. Außer Baden passiert hier heute auch nicht viel. Nicht schlimm, die Gegend ist so toll, dass sie auch im Wasser liegend beeindruckt. Außerdem haben wir morgen Großes vor, die Kinder ahnen zum Glück noch nichts. Der Aufstieg gestern erscheint jetzt schon wie Spaziergang.

Retro ist ja in und alle Frauen sind vom süßen Fiat 500 begeistert. Der ist so klein und knuffig, zumindest, bis man ihn mal direkt mit dem Orignal vergleicht, dann sieht er riesig und sagen wir mal, etwas plump aus…

Tag 13

Wir wollen es wissen! Laut Bergführer ist die Tour „schwierig“. Also genau das richtige für uns. Ok, die Kinder wissen das noch nicht, aber das wird schon. Mittlerweile kennen wir eine Abkürzung über den Berg und so sind wir trotz gutem Frühstück bereits um 10 Uhr am Start der Wanderung, dem Parkplatz Weißlahnbad. Es geht bergauf, immerzu. Dafür werden die Ausblicke aus der Schlucht, von Kurve zu Kurve immer beeindruckender.

Gut, die Kinder schimpfen noch etwas, lassen sich aber von uns mitreißen und laufen weiter. Wir passieren die Bärenfalle mit den Leitern und Stiegen und sind begeistert, hier macht das Laufen richtig Spaß.

Allerdings weiß man nicht, ob man wirklich noch nach unten schauen soll. Es geht teilweise verdammt steil hinunter. Nach 2,5 Stunden Anstieg und immerhin fast 900 Höhenmetern erreichen wir einen Aussichtspunkt am Ausgang des Kletterpfades. Die Kinder haben einen riesen Hunger und wir bleiben zum Picknicken. Hier oben sind wir allein und genießen den herrlichen Ausblick zum Rosengarten und weit ins Land. Hinter uns sind die letzten 100 Höhenmeter bis zum Hochtal, die Kinder sind aber raus. Also schnappe ich mir die Kamera und breche auf, um wenigstens mal über den Kamm zu schauen. Den beeindruckensten Teil haben wir aber alle hinter uns und so machen wir uns kurz darauf an den Abstieg.

Wir wissen nicht, ob der Abstieg wirklich einfacher ist, er erinnert ebenfalls eher an Klettern als an Wandern. Die Steine und Stufen sind so groß, dass die Kinder wie die Bergziegen von Stein zu Stein springen. Nicht ohne ängstliche Blicke von uns, immer hin und her zwischen ihnen und dem Abgrund. Die letzten Kilometer ziehen sich, die Beine werden lahm, aber wir schaffen es, und sind alle mächtig stolz auf uns. 10 km sind es schon wieder geworden! Darauf einen leckeren italienischen Kaffee, für die Kinder Gelato. Am Abend wollen wir das Restaurant am Platz testen. Line geht schon vor, genießt die Ruhe bei einem Glas Rosé und schreibt ihr Urlaubstagebuch (welches übrigens die Basis für meine Zeilen darstellt). Wir folgen ihr und freuen uns über den Platz in erster Reihe mit herrlichem Ausblick auf den Schlern. Das Essen ist super lecker, die Kellner freundlich, so kann man den Urlaub genießen.

Tag 14

Unser letzter Tag auf der Seiser Alm. Irgendwie hat sich unser Schweden-System nun auch in den Alpen durchgesetzt. Wir bleiben ein paar Tage und ziehen dann weiter. Eine neue Tradition scheint sich hier einzuschleichen. Am letzten Tag auf dem Platz gibt es noch mal ein Highlight. Das heißt, für uns allerdings heute auch, dass 6:00 Uhr der Wecker klingelt. Irgendwie scheinen in Südtirol die Uhren anders zu ticken, wir können uns gerade gar nicht vorstellen, dass wir im Arbeitsalltag jetzt auch schon wach wären (zum Glück ist es noch nicht wieder soweit). Hilft nix, 06:30 gibt es Frühstück, danach ist Abfahrt. Unser heutiges Ziel ist zwar nur 60km entfernt, aber durch die Berge dauert es trotzdem etwas länger. Wir wollen nach Brunneck. Dort sind wir mit … verabredet. Er empfängt uns gut gelaunt und wir pressen uns wie Presswürste in Neopren-Anzüge. Damit der Schweiß so richtig wirken kann, geht es dann per Kleinbus in die Berge. Mit dabei ist eine Familie aus Braunschweig. Alle sind nett, es kann also ein toller Tag werden. Nach knapp einer halben Stunde Fahrt, halten wir in einem kleinen, verträumten Dorf an. Unser Guide eröffnet uns, dass wir ab hier laufen. Die Kinder finden das gar nicht witzig. Wie sich heraus stellt, ist es auch gar kein Witz. Also ziehen wir los. Es geht am Bach entlang und wir können schon einmal einen Blick auf unsere heutige Tour werfen. In Line und mir werden alte Erinnerungen wach – Canyoning steht heute auf dem Plan. Alle freuen sich, nur die Mama der anderen Familie scheint motivationsmäßig noch nicht bei 100% zu sein. Wie sagt man so schön, der Appetit kommt beim Essen.

Dann sind wir endlich da und kraxeln einen kleinen Abhang hinunter. Dieser endet im Wasser, im kalten Wasser. Alle genießen die Abkühlung, außer unser Kleinster, sein Energiehaushalt kapituliert ziemlich schnell und statt mit einer weißen Fahne, winkt er mit blauen Lippen. Egal, jetzt stehen wir im Fluss und es geht los. Ich bin ehrlich, Familie ist toll, wir waren uns aber unsicher, ob eine Familientour auch toll wird. Unsere letzte Tour haben wir noch ohne Kinder gemacht und waren schwer beeindruckt. Hoffentlich wird das heute kein Kindergarten.

Unnötig! Es gibt auf dem Weg durch den Fluss alles, was unser Herz beghert. Wir klettern am Tau hinauf, springen vom Felsen in ein natürliches Wasserbecken, rutschen Wasserfälle hinab und lassen uns vom Guide rückwärts ins Wasser fallen. Ok nicht alle, Line versteht ihn nicht richtig und denkt er will ihr die Hand zum Sprung reichen. Kurzer Schockmoment, dann taucht sie aus dem viel zu flachen Wasser auf. Ihr beherzter Sprung blieb ohne Schmerzen oder Verletzungen, Glück gehabt!

Das Ergebnis: Tochter begeistert, Line begeistert, ich begeistert. Sohn? Ich zittiere: „Das war lebensgefährlich. Das würde ich nie wieder tun!“ (zum Glück ist er aber überall mit gesprungen und hat es hoffentlich bis zum nächsten Mal wieder vergessen)

Auf dem Rückweg zur Basis schnattern die Kinder mit denen der anderen Familie, als würden sie sich schon ewig kennen und sind traurig weil es schon zu Ende ist. Wir steigen in unser eigenes Auto um und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs wollen wir noch lecker essen. Stellt sich heute aber schwieriger dar. In das erste Bistro werden wir mit Werbefotos von Knödeln und anderen leckeren Sachen gelockt, drinnen gibt es dann aber nur Baguette, also weiter. Wir finden eine Pizzeria, sie ist ok aber lange kein Tipp wert ( unsere Ansprüche steigen irgendwie).

Am Campingplatz angekommen sind alle platt, wir ruhen eine Runde. Im Anschluss schauen wir uns den Himmel an und vermuten Regen. Da wir morgen abreisen, hätten wir das Vorzelt gern trocken verstaut, also schneller Abbau. Wir sind, natürlich, zu langsam oder der Regen zu schnell, wie man es nimmt. Das Vorzelt ist also etwas feucht, was aber viel schlimmer ist, dass der Regen den ganzen Abend nicht aufhört. Unser Plan zum Abschied nochmal laaaaaange draußen zu sitzen ist somit hinfällig. Abendbrot und Spieleabend gibts drinnen.

Nun haben wir ihn erlebt, Campingplatz Seiser Alm. Ein kleines Resümee: Ein wunderschön gelegener Platz der prinzipiell keine Wünsche offen lässt. Die Waschräume waren immer sauber und dufteten stets frisch. Der Shop und das Restaurant sind gut aufgestellt und haben alles, was man braucht. Unser Stellplatz war genial, wir waren mittendrin und hatten trotzdem Ruhe und einen herrlichen Blick. Bonuspunkte gibt es von uns für den tollen Pool (wobei Salzwasser nicht heißt ohne Chlor) und für die all abendliche Kinderanimation. Unsere Kiner haben sie immer mal wieder genutzt und abends für eine Stunde was gebastelt, gezeichnet oder gespielt. Bei schlechtem Wetter ist sie drinnen, ansonsten draußen. Was uns gestört hat waren die anonymen Camper (dafür kann natürlich der Platz nix) ein guten Morgen im Waschraum war eher selten – das ist doch eher ungewönlich.

Morgen gehts weiter an den Heiterwanger See. Alleine die Fahrt bis zur Brennerautobahn wird wohl schon spannend, jetzt erst mal die letzte Nacht genießen.

HIer geht’s zum dritten Teil unserer Sommertour: Klippenspringen, Kanu, Rafting am Plansee

Herbst in Venetien

Herbst in Venetien

Was machen ordentliche Eltern, wenn sich der Sohnemann zur Einschulung eine Reise mit Palmen und Meer wünscht? Genau – wir haben geschaut, wohin wir unseren Wohnwagen steuern können. Unsere Wahl viel auf die Adriaküste. Wir haben genau eine Woche in den Herbstferien Anfang Oktober. Allerdings wurden wir auf unserer ersten Recherche nach einem Campingplatz überrascht. Alle schon zu! Was denn da los? Die Erklärung ist manchmal so einfach – keine Heizung in den Waschräumen, da wird es auch im sonnigen Italien etwas frisch auf’m Klo. Einen haben wir dann aber doch gefunden, Dank an dieser Stelle an meine nette Kollegin Claudia für den Tipp: Enzo Stella Maris.

Die Fotos im Netz reichen aus um auch die Kids vom Plan zu überzeugen.

Ihr wisst was jetzt kommt, genau die Überlegung wie es am Freitag möglichst zeitig losgehen kann. Die Zeiten für meine Dienstberatungen kann ich zum Glück selber steuern, Line hat keine festen Termine nur die Kinder, die sind mittlerweile schulpflichtig. Was für ein Mist, das verhindert schon geraume Zeit meine Teilnahme am Drachenfest auf Römö aber das ist ein anderes Thema. Der Zufall ( oder die Lustlosigkeit der Lehrer ) kommt uns zur Hilfe: Projekttag am letzten Schultag und ab 11:00 Schluss. Perfekt. Alles ist gepackt und wir starten pünktlich Freitag Mittag gen Süden. Und hey, ich hab mir nix weh getan!

Bis München lief alles halbwegs flüssig, ab da war uns klar, dass wir nicht die einzigen waren, die früh losgekommen sind. Die Navi sagt durch München – also ab durch die Mitte. Ok, dass Oktoberfest ist, kann man der Navi nicht vorwerfen, geht aber halbwegs gut durch. Nach München scheint dann ganz Deutschland auf unserem Kilometer A8 zu fahren (oder zu stehen). Wir sind ja im Urlaub und lassen uns nicht stressen, keine Ahnung was die Kinder für Kinderfilme geschaut haben aber auch sie schienen entspannt. So reihten wir uns einfach in den Stau ein und schauten rechts und links nach lustigen Autos. Links unter uns ein Ferrari in rot, drin eine aufgespritzte Beifahrerin die gelangweilt Kaugummi kaut. Ich kann mir nicht verkneifen meinen jüngsten darauf aufmerksam zu machen, dass das Auto nicht mal ne Anhängekupplung hat, wie wollen die einen Wohnwagen ziehen. Er straft die beiden da unten mit Kopfschütteln.

Wir schaffen es dann Abends bis zum Seehamer See direkt an der A8. Ein kurzer Anruf beim Betreiber des Campingplatzes, Platz frei, wir können kommen! Die Navi führt uns wie geplant von der Autobahn und direkt zu einer Einfahrt. Ein Schild bestätigt mir, genau da geht’s rein. Trotz starker Bedenken von Line (fahr da nicht rein, lass uns erstmal schauen, das sieht so eng aus…) setze ich den Blinker und ziehe unsere 14m langsam die enge Auffahrt rauf. Oben geht’s rechtwinklig um ein altes Bauernhaus herum. Ok, ganz herum geht’s nicht, bei der Hälfte ist Schluss. Einfahrt zu eng. Ich liebe es wenn mein Schatz recht hat! 😉 Wo wir aber einmal stehen, kann ich auch mal ins Handy schauen ob das hier wirklich richtig ist und siehe da: Nö. Wir versuchen gerade auf den „Platz“ Camping Groß-Seeham zu fahren. Hier gibt’s weder ne Rezeption noch ein Restaurant und der Platz ist eher ne Wiese, eine kleine Wiese!

Schatz, du musst raus und hinten schauen, ich fahr hier rückwärts wieder raus! Sie liebt es! Klappt aber alles super und keine 5 Minuten später stehen wir am richtigen Platz. Der Betreiber ist locker drauf und ein netter Typ, er weißt uns ein und achtet drauf, dass wir nicht abhängen müssen und morgen gleich problemlos starten können. Essen gehen wir im Restaurant gegenüber direkt am See. Dorfkneipe mit leckerem Essen. Line macht zum zweite mal den Fehler und bestellt sich ne Weinschorle. Der Abend ist gelaufen!

Der nächste Morgen hält einen tollen Sonnenaufgang für uns bereit und ich starte mit einem kurzen Besuch am See:

Wir wollen aber nicht viel Zeit verlieren und starten in den schwierigsten Teil unserer Reise. Wie schon Atilla mit seinen Elefanten müssen wir auch über die Alpen. Ich habe zwar keine Bedenken, das zu schaffen aber Line und mich packt die Sehnsucht nach den Bergen. Erst recht wenn uns diese miesen Berge mit so einem Anblick in Versuchung führen wollen.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir schon in 3 Wochen wieder kommen, schaffen wir es und rutschen staufrei nach Italien durch. Am späten Nachmittag beziehen wir den Platz auf dem Campingplatz Enzo Stella Maris

Es handelt sich um einen 5-Sterne-Platz und wir haben vorher nicht geschaut was er kostet. Uns beschleicht, das könnte ein Fehler gewesen sein. Uns begrüßt der Juniorchef (wobei Junior auch nicht mehr „jung“ heißt) und führt uns gemeinsam mit 2 weiteren Mitarbeitern (alles Brüder wie sich herausstellt) zu unserem Platz. Der Campingplatz nimmt grundsätzlich keine Reservierungen an, im Herbst ist aber immer genügend frei. Am Platz angekommen (ich hatte schon Angst ich komme zwischen den Bäumen nicht durch) waren die 3 Italiener sichtlich erleichtert als ich die Fernbedienung des Movers holte und er auch seine Dienste tat. Sie versicherten mir, dass das nicht so selbstverständlich sei. Was für ein Service, sie hätten uns den Wohnwagen anstandslos in die richtige Position geschoben. Bis jetzt sind wir vom Platz begeistert. Wir bauen unser Vorzelt auf während die Kids den Platz erkunden. Das Vorzelt haben wir auf der Caravan-Messe 2016 gekauft und bisher noch nicht wirklich aufgebaut, daher sind wir gespannt ob es in einer Ehekriese endet. Aber 10 Jahre Vorzeltaufbauen auf dem stürmischen Römö trägt Früchte, das Vorzelt, der Wohnwagen und vor allem die Stimmung hält. Wir sind gerade fertig, da werden unsere Freunde vom Platzbetreiber auf unseren Nachbarplatz geleitet. Perfekt, der Abend kann beginnen!

Nach dem Essen machen wir noch eine kleine Nachtwanderung über den Platz. Wir sind echt beeindruckt. Es ist alles blitzblank sauber und ordentlich. Die Wege werden mehrmals täglich gekehrt und auch die Bäder sind immer Top.

Eigentlich ist in diesem Urlaub nicht viel geplant, wir wollen an den Strand und natürlich den beheizten Pool stürmen. Die Kinder hatten sich vorher schon abgesprochen und daher neben den Rädern auch Longboards und Inliner dabei. Was würden wir nur ohne großes Auto machen…

Natürlich geht so ein Urlaub nicht ohne Venedig-Besuch ab. Wir suchen uns also einen Tag mit strahlendem Sonnenschein und gut 20Grad aus und nehmen den Wasserbus nach Venedig. Ich schwöre euch, es waren alle in Venedig die noch am Freitag die Autobahn verstopft haben, nicht einer fehlte! Aber wir lassen uns die Stimmung nicht verderben und ziehen durch die Stadt. Wir lassen uns treiben soweit es unsere Kinder erlauben (also nicht so weit, Notiz an uns: beim nächsten mal ohne Kinder wieder kommen und die verträumten Gärten ansehen.) Trotzdem ist Venedig eine tolle Stadt und ich könnte den ganzen Tag fotografierend durch die Gassen ziehen. Hier mal ein mikroskopisch kleiner Ausschnitt meiner SD-Karte ( einzelne Bilder anklicken zum vergrößern):

Eins ist mir von meinem letzten Venedig-Besuch in Erinnerung geblieben und der ist immerhin schon 22 Jahre her. Und war übrigens genau mit dem Freund der auch diesmal dabei war, damals nur 5 Kinder und 2 Frauen eher 😉