Schweden 2017 – Unser erster Blog.

Es ist Dienstag der 27.6.2017 10:30. Ich sitze körperlich im Büro aber der Kopf ist schon lange auf dem Weg. Also beende ich die Quälerei und starte nach Hause. (Jacque)Line geht es scheinbar ähnlich, jeder sammelt Kinder ein und wir starten nach kurzem Mittagessen Richtung Rostock. Aber was wäre eine Abfahrt ohne sich sauber den Finger beim Stützrad hochkurbeln zu klemmen. Ein Dino-pflaster später geht’s dann endlich los.

Ok Nicht gleich ohne Zwischenstopp aber fast wären wir am Berliner Outlet vorbeigekommen. Nun es war Kaffee-Zeit und wir sind quasi im Urlaub: Kaffee – Shopping – Abendessen

Mit dicken Bäuchen geht’s dann endlich weiter zum Hafen. Das alles ohne Stau. Ein hoch auf den antizyklischen Urlaubsstart. Gegen 22:00 erreichen wir den Hafen und starten in unsere erste Urlaubsnacht.

28.06.2017

Ich gebe zu, so richtig entspannend ist so eine Nacht im Hafen nicht. Eine Bitte an die LKW-Fahrer unter den Lesern: macht doch bitte nachts im Hafen einen großen Bogen um unseren Wohnwagen! Danke 😉

Wir starten also gegen 7 auf unsere Fähre. Auf dem Weg dorthin fühlen wir uns erst mal wie Harry Potter auf dem Bahnhof… (na auf welchem Gleis stehen wir?)

Spur 12 3/4 ???

14:30 Schweden hat uns wieder und wir starten sofort in Richtung Norden.

Unser erster Platz wurde von Line sorgfältig ausgesucht und auch schon von zu Hause gebucht, sicher ist sicher. Wir haben uns für Bastad-Camping an Schwedens Westküste entschieden. Ein recht großer aber sehr sauberer Platz. Die Chefin spricht perfekt und gern Deutsch und gibt uns unseren Platz mit einigen Tipps. Unser Stellplatz ist top, wir müssen nicht mal abhängen, so mag ich das für eine Nacht. Einer der Tipps war: Kommt zum Abendessen zu uns! Unser Flammkuchen ist super. Wir kamen zurück und was soll ich sagen. Sowohl der große Flammkuchen (Warnung der Bedienung: bestellen sie für die Kinder lieber nur einen) als auch die Hamburger waren saulecker.

Auf dem Weg in den Norden

Am Abend des 28.6. statten wird der Ostsee noch einen ersten Besuch ab, dass der Campingplatz ca.900m vom Meer entfernt ist, ok die Kinder meckern aber am Ende findet es keiner schlimm. Vorbei durch ein verschlafenes Örtchen an einen noch verschlafeneren Strand. So mögen wir Schweden.

Auf in die Schären

Wir sind wieder unterwegs, an der Küste entlang bei sonnigem Wetter. Allerdings ist es verdammt windig und mit dem CW-Wert einer Schrankwand ist solch eine tolle Brücke schon ein Nervenkitzel.

Trotzdem kommen wir gut voran. Ja ok, nach kurzem Stopp im Hede Fashion Outlet-Center ( Kungsparksvägen 80, 434 39 Kungsbacka, Schweden) – hat sich dieses mal aber nicht gelohnt, auch wenn der Tenson-Store toll ist. Aber zurück auf die Straße, wir können unsere 3 auf der billigen Sitzbank davon überzeugen, nicht im Freizeitpark Göteborg anzuhalten und sausen demnach durch bis zur ersten richtigen Etappe: Kungshamn mitten in den Schären. Wir haben uns nicht für den Klassiker ( Johannesviks Camping) entschieden, sondern sind auf den kleineren Wiggersvik’s Camping ( wiggersvik.se ) gefahren. Wie sich herausstellt, eine sehr gute Entscheidung.

Wir bekommen zwar erst einen viel zu kleinen Eckplatz zugewiesen (zu klein hatten wir in Schweden noch nie…) aber ein Wechsel ist kein Problem. Die Damen (Mädchen) an der Rezeption sind genauso höflich, wie wir es hier in Schweden kennen und lieben gelernt haben und bieten uns einen Platz direkt am Ufer an. Platz kurz inspiziert – den nehmen wir! Ok Kind 2 meckert, weil es mehr Kies als Rasen ist, aber irgendwas ist ja immer. Der gute Eindruck des Platzes bestätigt sich auch bei einem Rundgang. Sehr saubere Duschen und WC’s. Es gibt Familienbäder mit Extra WC und Waschbecken. Und das erste mal in diesem Urlaub diese tollen Geschirrspüler, kostenlos und nach 3 Minuten fertig. Die Gegend ist toll, direkt am Zeltplatz können wir auf die Felsen der Schären klettern und so den Ausblick auf den Platz aber auch aufs Mehr genießen. Darauf ein buntes Bier…

Smögen – ein verträumtes Hafenstädtchen

Eins vorweg, das ist nicht das Schweden warum wir hier sind. Dafür sind in Smögen zu viele Menschen, sogar viel zu viele Häuser. Und zu wenig Bäume. Mögen wir Smögen trotzdem? Ja! Es ist eine herrliche kleine Stadt an den Schären. Mit Hafen zum bummeln, mit wundervollen roten, gelben, hellblauen Holzhäuschen und ganz viel Charme.

Wir parken auf dem erstbesten Parkplatz und ziehen ein 2h-Ticket. Ohne Parkschein kannst du in Smögen nicht mal ein Bobby-Car parken… Also schlendern wir los, das Wetter ist super und ich kann nicht aufhören die bunten Häuschen zu knipsen.

Am Hafen angekommen besorgen wir uns in einem total urigen kleinen Atelier unser erstes Urlaubsmitbringsel (ein Minigemälde der bunten Häuser, hab sie noch nicht genügend fotografiert). Hier im Bild:

Das Meer ist in Sichtweite, also beschleicht unsere Kinder das unstillbare Verlangen nach einem Schiff. Das muss an ihrem Opa liegen, der Seemann war. Also machen wir uns auf die Suche. Unsere nicht vorhandenen Schwedischkenntnisse werden durch eine Übersetzungs-App ersetzt und so finden wir ein Boot, welches in einer Stunde auf eine kleine Rundtour starten soll. Also lege ich einen kurzen Sprint zum Auto ein – ihr erinnert euch an unser 2-Stunden-Ticket – und hole noch ein Tagesticket. Als ich verschwitzt zurück komme, übersetzen wir das Schild nur aus Spaß weiter und erfahren, dass das Boot nur nach Anmeldung fährt. Verdammt! Was kann da helfen?! Erstmal ein Eis! Eis in Schweden ist ja ein Thema für sich. Verdammt lecker! Danach machen wir uns weiter auf die Suche. Boot Nr.2. fährt nicht, wegen zu viel Wind. Boot Nr.3, wir haben Glück.

Wir „Checken“ also für 15 Minuten ein und setzen über nach Kungshamn. Lohnt sich Kungshamn? Aus unserer Sicht nicht. Aber nun sind wir einmal da, also Picknick-Rucksack auf und an der Hafentreppe Mittagessen. Wir lieben übrigens Picknick! Scheinbar sind wir nicht die einzigen. Aber mit Möven teilen wir ungern. Danach geht’s zurück nach Smögen, da gefällt es uns besser…

Zurück in Smögen, bummeln wir weiter. So langsam kommt der Kaffee-Hunger auf. Eigentlich Picknicken wir nur, um uns immer guten Kaffee leisten zu können. Die Suche hat begonnen.

Im Hafen gibt es zwar überall tolle Sachen zu entdecken und nette kleine Boutiquen, aber ein richtig „nettes“ Kaffee finden wir dort nicht. Zum Glück erinnere ich mich an ein tolles Gartenlokal auf meinem Ticket-Sprint. Dort gehen wir hin um unser Glück zu versuchen. Was soll ich sagen!? Seid ihr in Smögen, geht in „The Barn“. Es ist toll dort. Lecker Kaffee, selbstgemachte Limonade und auch was zu naschen gab es für uns.

und auf keinen Fall den Besuch des süßen WC vergessen! Herrlich. So langsam starten wir wieder Richtung Campingplatz. Ein schöner Tag geht zu Ende. Abends ist das Wetter so schön, dass wir alle 5 versuchen zu baden. Leider heißt schön, nur schön, aber eben nicht warm. Wir haben es trotzdem geschafft! Die Mädels aus Spaß, Line wollte kein Spielverderber sein, unser Kleiner wurde mit Gummibärchen bestochen und ich, ich fürs Foto…

Tanumskustens Naturreservat

Manchmal rutscht man von Reihe 2 in Reihe 1 ohne den Wohnwagen zu bewegen! Dank der Abreise der Camper vor uns, stehen wir nun direkt am Wasser, die Temperaturen sind top – einem Frühstück draußen steht also nix im Wege…

Wo wir so gemütlich draußen sitzen (frische Brötchen gab’s auf dem Campingplatz) überlegen wir, was wir heute machen. Natur ist das Ziel, in der Hoffnung, dass dies nicht all zu viele Touristen planen. Line hat wieder mal ganze Arbeit geleistet und schlägt „Tanumskustens Naturreservat“ vor. Den Namen kann keiner Aussprechen, aber das ist ja auch gar nicht nötig. Das Naturreservat liegt direkt neben Smögen ( ihr erinnert euch? Hafen, Boot, Kaffee) und ist schnell erreicht. Wir suchen einen Parkplatz und zahlen diesmal etwas weniger, da weiter weg vom Zentrum. Auf dem Weg zum Parkautomat fällt mir dieser lustige blaue Pickup auf:

Schnell die beiden Blauen festgehalten und ab geht’s raus aus der Stadt. Es dauert nicht lange und wir sind mitten in einer tollen Landschaft, weichgespülte Felsen, kleine Teiche und was soll ich sagen, Schweden haben es mit dem Laufen nicht so, nach 5 Minuten ist kein Schwein (Mensch) mehr zu sehen.

Unsere 3 Kids sehen wir bei diesem Ausflug kaum, sie klettern die ganze Tour von einem Stein zum nächsten und merken so gar nicht die 8km die wir über die Halbinsel laufen. Line hat wieder mal toll ausgesucht. Noch dazu ist das Wetter genial, also gibt’s ganz vorn auf der Halbinsel ein Picknick auf den warmen Felsen.

Die Wellen haben überall auf der Insel dazu geführt, dass zwischen den Felsen kleine Teiche entstanden sind. Manchmal sehen sie nur toll aus, aber ab und zu werden sie auch zur Forschungsstation von mir und den Kindern. Während ich meine ersten Erfahrungen in der Salzernte sammle,

…gehen die Kinder auf Streifzug durchs Tierreich. In einer Spalte hat sich allerlei Krabbelgetier angesammelt und ist verdammt zutraulich. Zumindest haben die Garnelen weniger Angst als unsere Kids.

Zum Glück haben sie von den Quallen die Finger gelassen…

Am frühen Nachmittag geht’s zurück, zwischendurch hängen wir ab und zu die Beine ins Wasser und die Kinder sind mehr Bergziegen als Wanderer, so darf es bleiben.

Zurück zum Auto beschleicht uns eine alt bekannte Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Fleisch! Der Supermarkt in Kungshamn hat noch offen und hält ein tolles Angebot bereit. Für mich gibt’s Rind, für Line eine Schippe Garnelen. Ich rieche die Holzkohle Quasi schon…

Das Steak wird natürlich mit selbst geerntetem Salz gewürzt. Ein Gedicht! Dazu ein buntes Bier. Schweden ich bin angekommen! Der Tag wird gekrönt von einem tollen Sonnenuntergang. Die Kinder sind auch im Urlaubsmodus angekommen, soll heißen, wir genießen diesen natürlich nicht romantisch zu 2. sondern, noch romantischer zu 5. 😉 Vor 22:00 Uhr ist hier niemand in den Wohnwagen zu bekommen…

Es zieht uns weiter…

Genug Küste, genug Menschen – wir wollen noch mehr von Schwedens Natur! Wir hatten uns vorgenommen, keine 500km Etappen zu fahren und so haben wir gestern schon einen kleinen Campingplatz an der E45 in der nähe von Torsby rausgesucht. Das verspricht 310km ohne Abbiegen durch die herrliche Landschaft Schwedens.

Der Tagesstart verläuft leider nicht so reibungslos wie geplant. Kennt ihr diese hinterlistig in den Weg springenden (meist steinharten) Hindernisse? Bei mir war es ein Blumenkübel, der erst in den Weg sprang als die hintere Wohnwagenecke dort lang wollte! Zum Glück habe ich es schnell gemerkt und großen Schaden verhindert. Ein beherzter Tritt vor den Steinblumenkübel und Zack, mein Aua war größer als das des Wohnwagens. Die demolierte Plastikecke im Wohnwagen verstaut (und wegen der doofen Blicke der Camper auf jedem Campingplatz wieder locker drangehangen) und auf zum Frustshoppen bei Biltema! Ein Traum der Laden. Später weiß ich, shoppen hier geht ohne Frust auch! Besser! 😉

Die (Auto) TV’s der Kinder bleiben heute aus, auf eigenen Wunsch – das sagt alles über die Gegend. Picknick machen wir an einer kleinen Kirche auf unserer Route. Es wird zwar kühler, je weiter wir in den Norden fahren, aber bis jetzt hält das Wetter.

Am Nachmittag sind wir in Torsby. Wir werden so nett empfangen wie noch nie!!! Frank, der Chef von Camping 45 ( camping45.com), kommt aus seinem Häuschen und begrüßt jeden von uns noch im Auto mit Handschlag. Und das auf eine so herzliche Art, als würden wir gute Freunde sein. Der Campingplatz liegt zwar genau an der Straße, ist dafür aber sehr gepflegt und sauber. In der Mitte ist ein Pool, die Temperatur unter 20 Grad, unsere Kinder interessiert das wenig – Badewetter ist wenn der Pool voll ist!

Während Kind Nummer 3 unter Aufsicht eines fachkundigen Publikums seine Technik im Arschbomben-Springen verbessert, gehen wir nochmal zu Frank. Dieser scheint nur auf unsere Frage gewartet zu haben und versorgt uns mit tollen Insidertipps zur Gegend. Zusätzlich erfahren wir einiges über seinen Campingplatz und ihn (aber das kann er euch selber sagen) nur so viel: sie haben eine Essenstauschkiste. Wer weiterreist und Lebensmittel nicht mitnehmen kann, legt diese einfach in die Kiste. Heute gäbe es Zwiebeln und Paprika, kostenlos.

Danach steht unsere Entscheidung fest, wir befinden uns auf einem klassischen Durchreiseplatz, also bleiben wir doch lieber eine Nacht länger 😉 Für morgen sind wir mit einem guten Wandertipp versorgt. Der Hunger meldet sich – heute Nudeln mit Tomatensoße, das geht immer. Am Abend erleben wir noch ein seltsames Schauspiel. Allerlei laute und auffällige Autos, meist mit Wohnwagen oder Autohänger donnern am Campingplatz vorbei, Tempolimit?! Egal! Für mich und den Stammhalter natürlich eine willkommene Abwechslung. Wir erfahren, dass es ganz in der Nähe eine Rennstrecke gibt und ein großes Rennen bevorsteht. Vor dem Schlafen ist der Spuk vorbei und der Platz wieder schön ruhig…

Auf den Pfaden der Schmuggler

Wie schon geschrieben, hat uns Frank von Camping 45 mit einer Wanderroute versorgt, die vielversprechend klingt. Dazu müssen wir ein Stück fahren. Erst Straße, später Schotterpiste und der Wegesrand übersät mit Lupinen.

Ich liebe Autofahren, von mir aus könnte die Fahrt 3 Stunden so weiter gehen, macht sie aber nicht. Unser Wanderstartpunkt ist nur 20 Minuten vom Campingplatz. Auf der Fahrt überraschte uns ein heftiger Schauer, beim Aussteigen ist es zwar wieder trocken, aber wir trauen dem Braten nicht. 5x Regenhosen, 5x Regenjacken, 5x Regenhauben über die Rucksäcke und schon kann es losgehen. Los zu einer Wanderung ohne einen weiteren Tropfen. Aber das kann man ja in Schweden nicht wissen.

Dem Tipp von Frank folgend, begeben wir uns auf eine 7-Hütten-Wanderung. Wie der Name sagt, wandern wir also von Hütte, zu Hütte und überqueren dabei, wie früher die Schmuggler, die Grenze zu Norwegen.

Teilweise sind die Hütten noch bewohnt (zumindest im Sommer), teilweise aber auch verlassen. Die verlassenen haben auf uns eine besondere Anziehungskraft. Sie sind frei zugänglich (wie auch einige stockdunkle Erdkeller) und versprühen den Charme der 60’er und 70’er. Sicher ist viel kaputt, aber man kann immer noch tolle Dinge wie Zeitungen, Flaschen, Konserven und alte Ski entdecken. Das ganze geht von superinteressant bis ein wenig unheimlich…

…dazwischen immer wieder die unglaubliche Natur Schwedens. Wir sind begeistert. Zum Mittag landen wir an einer Hütte, welche für ein Sommerfest (richtig einmal im Jahr) geöffnet hat, heute natürlich nicht, also picknicken wir auf den Bänken davor. Es gibt sogar ein Plumpsklo. Allerdings entscheiden sich nicht nur Kinder dafür, die Tür des Geruches wegen, offen zu lassen. Wir sind ja allein. Wie man Plumpsklos baut, muss man dem hiesigen Heimatverein wohl nochmal zeigen…

Kurz bevor wir den letzten Hof, ein Museumsdorf, erreichen, ziehen dunkle Wolken auf und erinnern uns daran, warum wir unsere Regenklamotten umsonst an den letzten sechs Hütten vorbeigetragen haben. Bei den ersten Tropfen erreichen wir den Hof und werden von einer uralten Frau mit den Worten „Come in“ in die Küche des Hauses gebeten. Das Haus, oder Museum, oder beides, war noch viel älter als das Mütterchen, aber scheinbar im Sommer eine Art Café. Frank hatte uns vorgeschwärmt, also perfekt für unseren Kaffee-Bedarf. Nach einigen Schwierigkeiten, „Come in“ waren scheinbar so ziemlich die einzigen Worte, die sie problemlos auf englisch beherrschte, was sie aber nicht abhielt, weiter Englisch zu sprechen, bekommen wir unsere Waffeln. Die Zubereitung ist Eintritt wert (hat aber keinen gekostet), das Waffeleisen und der Ofen übersteigen das Alter der Köchin / Bedienung / Bewohnerin um ein Weites. Waffeln vom Holzofen haben wir noch nie bekommen… Wir schauen uns ungläubig in der Hütte um und sind begeistert.

Während wir weiterziehen, der Schauer ist vorüber, wäschst sie das Geschirr ab und winkt uns nochmal zu. Später erzählt uns Frank, sie ist 86 Jahre alt und lebt den Sommer über allein im Museumsdorf. Sie ist quasi das Personal. Dieses Jahr ist sie dran, im nächsten Jahr jemand anderes aus dem Heimatverein, viel jünger ist aber wohl keine der Damen. Wir laufen zum Ausgangspunkt zurück, 7 Hütten, 2 Grenzen und 1 Oma waren anstrengend. Auf dem Parkplatz finden die Kinder noch ein lustiges Detail in einem alten Citroen.

Wir machen uns auf zum Campingplatz, der Weg dorthin ist besser, als jede Stadtrundfahrt. Die Kinder sind schon langsam genervt, weil ich immer (mal) wieder aussteige um Fotos zum machen. Ich glaube die wollen schon wieder baden!

Durch Schwedens Wälder

Es fällt uns nicht leicht, Camping45 zu verlassen, aber wir wollen/müssen weiter. Eine Woche Urlaub ist leider schon um und wir machen uns auf zum nördlichsten Punkt unserer Reise. Dafür haben wir uns Särna am Österdaläfen ausgesucht. Wir kommen, wie üblich, erst am späten Vormittag los. Die Kinder nutzen bei 15 Grad Lufttemperatur ein letztes Mal den Pool und wir lassen uns auch nicht hetzen.

Von der E45 geht’s auf die E16. Leider quatschen wir vorn am Abzweig und rauschen so vorbei. Alles kein Problem! …denken wir. Die Straße ist recht eng und große Kreuzungen sind nicht zu finden. Also muss Line raus und absperren, ok eigentlich muss sie nur schauen, dass sich nicht zufällig ein Fahrzeug in unsere Gegend verirrt. Ich versuche in einer Einfahrt das Wenden in 3 Zügen. Hat man ja in der Fahrschule so gelernt, sollte also kein Problem werden. Die 11 Meter mehr ab Fahrersitz machen dann doch, aus den 3 Zügen locker 5, aber wir bekommen das hin. Wir beide schreien uns beim Rangieren auch kaum noch an und benötigen hinterher im Auto, nicht mal mehr eine Liedlänge, um uns wieder anzulächeln…

Ab jetzt läuft es aber ab, wie in einem Naturfilm. Endlose Wälder durch die sich die Straße schlängelt.

Aus passendem Anlass haben wir für alle Passagiere einen Wettbewerb ausgerufen: Wer den ersten Elch sieht bekommt 20 Gummitiere extra. Das mit den Süßigkeiten ist ja in Schweden so eine Sache, da wundert man sich nicht, dass viele Schweden (und -innen) ein Problem mit der Idealfigur haben (dazu später noch etwas mehr). Bei den Kindern hilft es und sie scannen, quasi dauerhaft, die Wälder. Wir auch!

Entlang der scheinbar endlosen Straßen mit Bäumen links und rechts, kommen immer wieder kleine Seen und Flussläufe zum Vorschein und machen die Fahrt zum Genuss.

Das ganze wird noch Perfektioniert, als wir auf die 311 abbiegen. Die Straße ist hier noch kleiner, der Verkehr noch weniger. Der Belag gleicht stellenweise eher Schotter, als Asphalt, aber die Kurven sind meist langezogen und so läuft es einfach. Ich könnte ewig weiterfahren…

Hab ich auch gemacht, zumindest bis kurz vor Särna. Mittag ist daher ausgefallen, hat aber kaum einer gemerkt. Einen Elch haben wir natürlich nicht gesehen. Allerdings scheint hier jede Gegend, die mit der höchsten Elchdichte zu sein. Entweder sind wir zu laut, zu blind, oder fallen auf die Schreiberlinge der Marketingabteilungen rein. Kurz vor Särna auf der 311 werden wir auf ein paar Schilder aufmerksam. Dort steht Bosse&Friends drauf, dazu die Info, dass es sich um einen Elchpark und eine Huskyfarm handelt. Das alles genau an der Straße. Klingt perfekt, um auf unserer Liste das Thema „Elche“ anzugehen. Wir fahren also ab (ihr erinnert euch: 14,5m lang und 2,5m breit) und müssen das Erste mal in Schweden feststellen: Parkplatz zu klein! Dies liegt aber eigentlich gar nicht am Parkplatz, sondern eher an den beiden Suzuki Jimny, die aussehen als würden sie gerade von der Expedition kommen und eben so dort parken, dass wir es nicht ohne großen Aufwand (abhängen) können. Später habe ich Ihre beiden Autos in einem Facebook-Post wieder erkannt und erfahren, dass ihre Route ganz ähnlich war, bei Bosse waren sie einfach die schnelleren: 1:0!

Bosse & Friends gefällt uns aber von außen ganz gut und wir beschließen dort nochmal hinzufahren, jetzt aber erstmal die letzten Kilometer nach Särna. Halb 2 passieren wir die Rezeption des Campingplatzes ( www.sarnacamping.se).

Leider wirkt der Platz von außen, als hätte er seine besten Tage hinter sich, dafür innen wie ein bewohntes Museum. Da wir lieber auf gemütlichen kleinen Plätzen stehen, sind wir skeptisch. Alternativen hier in der Region gibt es laut Stellplatzführern aber nicht, Line hatte schon alles abgesucht. Also lassen wir uns überraschen. Wir bekommen einen Platz auf der untersten Terrasse, sehr nah am See. Der Platz gefällt uns auf den ersten Blick recht gut, stellt sich aber als völlige Fehlplanung heraus. Die Eckplätze auf der Wiese sind angeordnet wie eine Pizza und innen auch genauso schmal. Drei mal hin und her rangiert und der Platz ist immer noch nicht größer. Also machen wir einen Spaziergang und entdecken die oberste Terrasse für uns. Leider ist die schon ausgebucht. Für euch der Tipp: Wenn ihr Fans von einem Tollen Ausblick seid, reserviert vorher einen der Plätze 51-54 und ihr habt einen wunderbaren Blick in die Berge und über den See (siehe nächstes Foto)

Für unser Problem findet sich aber auch eine Lösung und die nette Dame an der Rezeption blockt kurzerhand den Nachbarplatz für uns mit. Der Preis bleibt natürlich bei ca. 25,-€. (Das ist das tolle an Schweden für uns, Platz ist Platz egal wie viele Personen drauf schlafen, die meisten liegen bei 25,- also echt günstig). Wir sind zufrieden und bauen auf, die Berge sehen wir zwar so nicht, aber haben einen tollen Blick direkt auf den See. Am Nachmittag starten wir noch einmal zu Bosse&Friends. Wir wollen schauen, was es dort gibt und werden sehr herzlich auf Deutsch empfangen. Wir erfahren, dass es neben den Elchführungen auch allerlei andere tolle Sachen hier gibt. Spontan buchen wir eine Bibersafarie für übermorgen und verkrümeln uns auf den Campingplatz. Erst als der Hunger kommt merken wir, was die Sonne mit einem macht, wir esse Abendbrot und genießen im Anschluss einen tollen Sonnenuntergang – kurz nach 23:00 Uhr. Wir sind gespannt wann die kurzen morgen aufstehen.

Fulufjällets Nationalpark

Kurz nach 3 Uhr Morgens ist sie schon wieder da, die Sonne. Gott sei Dank, haben wir alle Rollos runtergelassen, so können wir die Nacht bis kurz vor 10 verlängern. Ist ja hier oben auch egal, wann man los kommt, dunkel wird es eigentlich gar nicht richtig, und die Sonne scheint bis spät. Trotzdem gibt’s Frühstück drinnen, ist uns zu frisch draußen. Dann geht’s los zum Fulufjället, Schwedens höchstem Wasserfall. Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir auf dem Parkplatz am Naturum an und sind ein wenig überrascht. Alles voller Autos und aus allen kommen Leute mit absoluten High-Tech-Outdoorsachen, also laufen wir gemeinsam mit den Massen zum Eingang. Neben mir laufen 2 Typen mit Isomatten und Schlafsack die so aussehen als würden sie frühestens in 7 Tagen wieder Zivilisation erreichen. Zum Glück biegt die Hälfte gleich ins Naturum ab, wir nehmen den (rollstuhlgeeigneten) Holzweg durchs Moor.

Am Ende dieses Weges biegen wiederum einige zu einem tollen Grillplatz direkt am See ab (siehe Bild oben). Mit dem Rest beginnt der Aufstieg. Nach gut einer halben Stunde Aufstieg erreichen wir die nächste Rasthütte, mit tollem Aussichtspunkt. Unser erster Blick auf den Fulufjället. Ein perfekter Platz zum picknicken.

Während wir uns stärken (Knäckebrot + Elefantenfuß-Käse) beobachten wir die schwedischen Outdoorfreaks. Alle, aber auch wirklich alle entscheiden sich für den kinderwagentauglichen Weg zum Fuß des Wasserfalles. Ein Blick in die Runde und wir entscheiden uns für den Aufstieg! Wir wollen dahin wo das Wasser herkommt. Und wir wollen sehen, wie es nach unten fällt. Es folgen kilometerweise Klettertouren, Line und ich genießen die Gegend und unsere 3 haben Spaß beim klettern . Win-Win!

Unser Kleinster ist in seinem Element, die kompletten 9km ist er damit beschäftigt mit seinem Knüppel laustark unsichtbare Gegner (wir vermuten Ninjas) zu bekämpfen. Der Weg bis zum Gipfel vergeht daher wie im Flug. Wir haben es geschafft, der Blick ist beeindruckend und die Glücksgefühle stellen sich ein.

Natürlich ist mir nah am Wasserfall, nicht genug, ich möchte in den Wasserfall. Also suche ich einen Abstieg zu einem kleinen Vorsprung. Von hier aus stürzt das Wasser direkt nach unten und hier zu stehen ist schon irgendwie erhebend. Die Familie kommt nachgeklettert, bleibt aber vorsichtshalber am trockenen Ufer. Ich rüste die Technik für ein paar feuchte Bilder und schreite zur Tat.

Nachdem ich quasi im Auge des Falles war, wandern wir weiter an der Steinkante und können noch eine Weile die Aussicht genießen.

So langsam geht es aber wieder hinab in den Wald. Öfter sieht man nun wieder Wanderer und der Boden wird sumpfig. Das Wetter war wieder mal mit uns und die teils dunklen Wolken hielten dicht. So erreichen wir voller Eindrücke und mit einem tollen Gefühl das Auto. Zu unserem Glück fehlt uns jetzt noch ein kleines idyllisches Gartenkaffee. Was soll ich sagen, man kann nicht alles haben. Kaffee und Zimtteilchen gibt’s trotzdem, aber erst im Wohnwagen. Eigentlich wäre schon Zeit fürs Abendbrot, aber das lassen wir uns nicht vorschreiben. Kaffee ist Pflicht!

Bosse & Friends

Das Wetter meint es echt gut mit uns, 1000km nördlich von Trellebourg und wir können wieder mal draußen frühstücken. Seeblick und Sonne inklusive. Heute beginnen wir den Tag ganz entspannt und machen einen kleinen Ausflug zum Fjätfallen, zumindest wenn wir ihn finden. Nachdem wir jeden kleinen Weg rechts und links der Straße rein sind, finden wir den Fluß und ein paar kleine Wasserfälle und genießen einen herrlichen Vormittag am Wasser.

Wir alle lassen uns treiben, genießen die Natur, die Stille (des Wasserfalles ;)), also eher die Einsamkeit…. Kaum zu glauben, es ist Sommer und tolles Wetter und niemand ist hier… Was liegt näher, als unser geliebtes Picknick. Die Kinder hält es mit Knacker und Knäckebrot nicht auf ihrem Hintern, sie sind fasziniert vom Wasser. Allerdings macht sich unser straffes Urlaubsprogramm an so einem entspannten Tag doch bemerkbar – Stammhalter schwächelt und wir beschließen, uns vor dem aufregendem Abendprogramm noch etwas auszuruhen. Kaum am Wohnwagen angekommen und den Kleinen überredet sich wenigstens zu Testzwecken mal in unser Bett zu legen, pennt der ein. 5 Stunden lang, das war nötig! Die Mädels nutzen die Zeit und genießen die Ruhe / ein Buch / den Ausblick, auf jeden Fall genießen sie:

Wir beiden „Alten“ machen einen auf Kulturexperten und gehen am Seeufer entlang zu einer alten Holzkirche. Der „Marsch“ hält sich in Grenzen, die Kirche ist direkt neben dem Campingplatz und echt schön.

Unser eigentliches Tagesprogramm beginnt heute jedoch erst 19:00 Uhr. Ihr erinnert euch an Detlef von Bosse&Friends (schwedenteam.de). Bei ihm, besser gesagt bei seiner netten deutschen „Praktikantin“ (verzeih uns diese Bezeichnung) haben wir für heute eine Bibersafari gebucht. Detlef fährt uns mitsamt einer anderen Familie mit dem Ford Transit zum nahen Fluss. Als wir im Auto sitzen fällt unserem jüngsten sofort auf, dass wir in solchen Teilen sonst nur sitzen ,wenn es in Österreich zum Rafting oder Canyoning geht. Er checkt vorsichtshalber seine Kleidung, alles normal.

Haltet euch fest, nichtsahnend fahren wir durch Schwedens Hinterland und…

…Zack, begegnet uns unser erster wilder Elch. Zum Glück ist die Kamera bereit, wenn auch die Bilder nicht berauschend sind. Als Dokumentation, des nicht geglaubten reicht es. Alle sind happy, die Bibersafari hat sich schon gelohnt.

Am Fluss angekommen ziehen wir, was sich als sehr wichtig herausstellt, ALLE unsere Schwimmwesten an und bringen die Boote zu Wasser. Wir 5 in einem Boot, die andere Familie mit Guide im Zweiten.

Dank unseres traditionellen Spreewald-Paddelwochenendes (Dank an unsere Lieblingsnachbarn!!!) sind wir 5 ein gutes Team. Die 3 kurzen paddeln wie sie Lust haben und Line und ich erledigen unaufgeregt den Rest. Immer wieder werden wir von einer Handbewegung unserer Guide unterbrochen. Ihr erinnert euch: Bibersafari! Wenn sie die Hand hebt, ist einer in der Nähe. Ein ums andere Mal ist es kein Biber, sondern 3 blöde Enten, die jedes mal vor unseren Booten Flussabwärts fliehen.

Der Fluss liegt in der Abenddämmerung spiegelglatt vor uns. Niemand sagt einen Muchs, wir wollen die Biber ja nicht verschrecken. Und das war eine echte Meisterleistung vor allem für Kind 3 😉 das ganze geht so bis ca.23:00 Uhr. Wir sehen ein Eichhörnchen, ein Reh, ein Fuchs, eine Schleiereule und unendliche viele Biberbaue… Aber keinen Biber. Mittlerweile ist es uns egal, wir haben den 13-jährigen Rekord von Detlef eingestellt und Bibersafari ohne Biber gemacht.

Warum es wichtig war, dass wir Schwimmwesten anhatten?! Keine Ahnung. Auf halber Strecke legte ich Schuhe und Socken ab um unser Boot wieder von der Sandbank zu schieben, viel tiefer war es selten.

Müde und ein wenig kaputt kamen wir am Ziel an und wurden herrlich von Detlef empfangen. Er holte uns nicht einfach ab, nein er hat „gekocht“

Wir standen alle mit Würstchen ums Lagerfeuer und erfuhren warum Detlef mit Frau und Hunden erst nach Finnland und danach in sein Traumland Schweden ausgewandert ist und viele tolle Geschichten über diese Gegend. Wenn ihr aber denkt, ich erzähl es euch. Nix da, fahrt selber hin und fragt Detlef!

Pünktlich auf der Heimfahrt fängt es an zu regnen, wir scheinen echt lieb gewesen zu sein das ganze Jahr. Der Abend hat uns gut gefallen und wir beschließen morgen auf dem Weg zur nächsten Etappe nochmal halt zu machen und uns seine Tiere anzusehen.

Der nächste Morgen ( Kritiker würden es als Mittag bezeichnen), die Sonne scheint wir frühstücken draußen. Pünktlich um 12:00 Uhr sind wir am Elchpark und gespannt auf Bosse und seine Freunde. Wir lösen unsere Tickets, allein die sind spektakulär:

Natürlich waren wir schon in einem Elchpark aber so wie Detlef und seine Crew von den Tieren spricht kann das heute wieder was ganz besonderes sein. Im Park leben 5 (nur 5!) Elche, wer also riesige Elchherden aus einem vorbeifahrenden Traktor sehen will ist hier falsch. Wir stapfen hinter Detlef über eine Holzbrücke und sehen das erste Mal Bosse und Co.

Detlef blüht auf wenn wer von seinen Tieren spricht und man merkt, dass er ein super Verhältnis zu ihnen hat. Bei der Fütterung sind wir hautnah dabei und erfahren viel über diese riesigen Tiere. Auch dass man stinkt und klebt wenn man sie nur mal eben kurz streichelt…

Mir fällt es echt schwer hier die richtigen (schönsten) aus den hunderten Fotos rauszusuchen. Weil Detlef bemerkt wieviel ich fotografieren muss ich ihm versprechen, ihm Fotos zu schicken. Die bekommst du von uns Detlef, versprochen ist versprochen!

Das Highlight kommt jetzt. Natürlich ist so ein Riesentier beeindruckend aber irgendwie kommt unser Beschützerinstinkt hoch wenn wir die Riesen im Miniformat sehen. Elchbabies! 4 Wochen alt! Nicht hinterm Zaun, nein genau um uns herum. Tollpatschig, neugierig und frech, eben wie kleine Kinder. Erst gab es die Flasche und danach Grünzeug von den Kindern. Wir sind begeistert.

Hier ist uns auch die fettig triefende Streichelhand Wurst und wir kuscheln drauf los. Unser Jüngster und die Beiden halbstarken Elche sind sich bei der Rangordnung noch nicht einig. Die Beiden wittern ihre Chance (und Pepes Angst). Man kann einschreiten, muss man aber nicht 😉 Wir kommen alle unbeschadet und beeindruckt aus dem Gehege und die Tour kommt gleich zum nächsten Höhepunkt.

Detlef füttert noch seine Rentiere und wir schauen natürlich nicht über den Zaun zu, nein wir stehen daneben und staunen, erfahren, dass alle Rentiere in Schweden den Samen gehören. Obwohl Detlef noch nicht so lange hier ist, scheint er sich gut mit ihnen zu verstehen und so leben eben einige ihrer Rentiere bei Detlef. Ich glaube sie leben dort nicht schlecht. 😉

Wir denken, Detlefs Emotionen lassen sich nicht steigern und dann pfeift er…

…und wir erfahren warum er eigentlich hier ist. Schlittenhunde! Etliche Huskys stellt er uns vor, viele haben eigene Geschichten, oft schwärmt er und wir fangen an unsere Resturlaubstage im Kopf zusammenzurechnen. Reicht es um im Winter nochmal her zu kommen? Nicht 2017, aber irgendwann werden wir wiederkommen!

Zum Abschluss essen wir alle noch Waffeln und trinken Kaffee. Die Führung hat locker 2 Stunden gedauert und war keine Minute langweilig. Leider müssen wir weiter, es ist Halbzeit. Das heißt umkehren, umkehren ist ein wenig wie zurück fahren, zurück fahren ist wie Ende. Aber diese Gedanken schieben wir zur Seite! Heute Abend kommt eine völlig neue Facette vom Urlaub. Wir treffen Freunde…

Silijan mit Freunden

Den Kopf noch voller Bilder von Bosse& Friends machen wir uns auf den Weg, langsam geht es wieder Richtung Süden. Wir haben heute nur eine kleine Etappe vor uns, wir wollen zum Silijan. Viel haben wir schon davon gehört, alle Schweden wollen wohl dorthin – wir sind gespannt. Auf der Fahrt dorthin passieren wir den Laden von den Jungs von weiterweg.de in Nornäs / Sörsjön. Wir hatten vorher schon etwas davon gehört aber nie so richtig recherchiert. Da wir eher von einem klassischen Offroadpark ausgingen, wie aus Deutschland bekannt, haben wir dies nicht als Zwischenziel eingeplant. Das Haus aber macht neugierig und nach kurzem surfen im Netz ( Schweden hat überall so geilen LTE-Empfang…) steht fest: Das war ein Fehler. Sollte Schweden wieder auf dem Plan stehen, hier werden wir mal Station machen.

Diesmal fahren wir aber schweren Herzens weiter, unser nächster Halt heißt Sollerön-Camping. Ein gepflegter und (für unsere Verhältnisse) riesiger Platz direkt am Silijan-See. Der nette Herr am Empfang findet unsere Reservierung und fährt mit dem Golf-Car vornweg. Unser Kleinster darf neben ihm sitzen und mitfahren, den haben wir für heute schon mal glücklich gemacht. Wir stehen auf einem ganz neuen Teil des Campingplatzes. Direkt neben uns Dennis& Alena und Thorsten&Jessica und deren Zwerg Bo. Die 5 kennen wir aufgrund der gleichen Automacke, zwischenzeitlich ist daraus aber mehr entstanden, wir campen ab und zu zusammen und man trifft sich wenn’s passt mal irgendwo. Die Wohnwagen haben wir schon mal gefunden.

Kurz in die Whatsapp-Gruppe gerufen und einen Treffpunkt vereinbart.

Wir haben noch nix zum Abendessen also: ICA-Maxi! Kennt ihr diese Teile? Das ist nicht nur ein Supermarkt, dass ist der große Bruder davon. Line und ich bekommen kurz Panik, schließlich kommen wir geradewegs aus einem der am dünnsten besiedelten Gebieten Europas und dann gleich so eine Menschenansammlung!? Hilft nix, wir müssen da durch!

Da wir schneller dort sind als geplant, gehen wir schon mal rein. Ein Einkaufswagen vor uns der gefühlt größer ist als unser Doppelachser geht’s es los. So langsam kommt der Ruhepuls wieder. Mitten im Markt treffen wir dann die anderen, der ein oder andere Schwede schaut verwirrt als wir uns in den Armen liegen, das letzte Treffen war immerhin schon Pfingsten (am Hardausee). Vielleicht schauen die aber auch nur so, weil Kind 2 und 3 gerade prügelnd am Boden liegen, warum wissen sie hinterher auch nicht mehr.

Schnell einigen wir uns auf Grill und Burger. Die Damen der Runde wählen die gesunde Salatvariante mit Vollkornbrötchen. Wenn alle glücklich sind ist’s recht. Schnell noch den Rest einkaufen was so fehlt und ab zum Campingplatz. Wir haben uns jede Menge zu erzählen und so wird der Abend schön und lang. Das Wetter passt und so sitzen wir an einer langen Tafel und erzählen was wir alle für tolle Hechte sind…

Nebenbei besprechen wir natürlich das Programm für den nächsten gemeinsamen Tag. Abwägen, googeln, quatschen, denken, diskutieren, dann steht fest: Morgen geht’s in den Bärenpark nach Orsa. Bevor ich in den Wohnwagen krauche, zieht mich der See nochmal magisch an. Also schnapp ich mir die Kamera und genieße kurz die Einsamkeit am Ufer. Kaum zu glauben, dass direkt hinter mir ein großer Campingplatz voller Menschen liegt…

Nachtruhe!

Wenn wir schon mal so zusammen sitzen sollte der Tag auch mit einem guten Frühstück beginnen, die Männer kümmern sich um jede Menge Rührei mit Bacon, viel Bacon, die Damen um den Rest und die Kinder fast um sich selbst. Das Ei war lecker, die Stimmung gut.

Die Fahrt zum Park vergeht wie im Flug und wir stehen am Eingang. Der Park an sich ist allerdings ganz anders als erwartet und auch als gehofft. Die Tiere sehen zwar zufrieden und gesund aus, befinden sich aber hinter riesigen Absperrungen aus Maschen- und Stacheldraht, das macht die Stimmung kaputt.

Ich versuche mich trotzdem an ein paar Bildern, irgendwie schaffen wir es (ich und meine Freundin Corel PaintShop Pro) die Bilder brauchbar zu machen:

Wir ziehen trotzdem durch den Park, Berghoch und wieder runter, die Berge hier sind verdammt steil! Dafür hat man von oben einen hervorragenden Ausblick über die Landschaft und die endlosen Seen. Als wir weit unten ein kleines Kanu über einen einsamen See fahren sehen, überkommt uns ein wenig Sehnsucht nach der Wildnis…

Weiter geht’s!

Die Fütterungszeiten der Tiere sind gut verteilt, so können wir die Luchse beim Fressen beobachten und am Ende des Rundganges auch noch die Wölfe, wundervolle Tiere, die Aufgrund einer Brück über ihr großes Freigehege, gut zu beobachten sind.

Den Kindern hat es gefallen, vor allem die Bärenbabys, das ist die Hauptsache, so meine Devise für diesen Tag. Ich finde es gut mal mit den anderen zu quatschen und so geht der Tag schnell rum.

Line und mich überkommt der Kaffee-Appetit und so trennen wir uns. Die Anderen wollen nochmal shoppen fahren und wir machen uns auf die Suche nach einem netten Kaffee. Leider erfolglos, so landen wir wieder mal vor dem Wohnwagen und kochen Kaffee selbst. Das ist klagen auf hohem Niveau und vor allem die Kinder nutzen die Gelegenheit um die riesige Hüpfburg ausgiebig zu testen.

Am Abend gibt’s wieder die lange Tafel, jeder steuert was zum Essen bei, am Ende bleibt viel übrig, trotzdem sind alle mehr als satt. Duschen, abwaschen, Platzrunde und den Sonnenuntergang am See genießen. Thorsten, Jessica und wir gehen mit einem Gläschen Wein (die Frauen) nochmal zum Wasser und genießen die klare Luft. Schön hier!

Knäckebrot und rote Pferde

Am Morgen verabschieden wir unsere Freunde, sie ziehen weiter wir bleiben noch einen Tag. Keine Ahnung wann Dennis genau angefangen hat zusammenzuräumen, als ich als erster unserer Familie verschlafen den Kopf rausstrecke, sieht er aus als wollte er gerade abfahren.

Wir haben heute ein straffes Kulturprogramm vor uns.

„Musst du gesehen haben!“, „Sonst warst du nicht in Schweden!“ und „Da war jeder Schwedenurlauber schon mal!“ Scheinbar kommen auch wir nicht drum herum und machen uns auf nach Leksand zur weltberühmten Knäckebrotfabrik. Da wir uns scheinbar innerlich wehren, geht unsere Route erst mal zum Silijansnäs Naturreservat, ein kleines unaufgeregtes Reservat auf einem Hügel. Das Naturum bietet allerlei wissenswertes und spannendes für Kinder und die kleine Rundwanderung um den Gipfel, immer wieder durch tolle Ausblicke unterbrochen, genießen wir sichtbar.

Einen kleinen Regenschauer lang suchen wir Unterschlupf in einer uralten Hütte aus Baumrinde und Holz, urig aber auch (vor allem für die Kinder) etwas unheimlich. Zum Glück kennen wir Regen in Schweden nur als 5-Minuten-Husche und schnell können wir weiter. Der Holzaussichtsturm des Naturums ist leider baufällig und daher geschlossen, wir müssen unverrichteter Dinge weiter ziehen.

Leksand ist auch gleich um die Ecke und das Werk, etwas außerhalb, schon von weiten zu sehen. Irgendwie hatten wir uns das romantischer vorgestellt, eher so ein großes altes Holzhaus und einen Bäcker der die großen runden Knäckebrote per Hand in den Holzofen schiebt. Geht natürlich nicht bei den Mengen. Apropos Mengen, genau solche schleppen die Schweden aus dem Werksverkauf in ihre Autos, bis nix mehr reingeht… Wir schauen auch, die Auswahl ist riesig. Bald glüht die Deutsch-Schwedisch-App am Handy die uns helfen muss, bei den vielen Sorten die es gibt.

Neben Knäckebrot auch allerlei Gebäck und Süßigkeiten. Pepe überzeugt uns, eine Kilo-Dose „Schoko-Was-auch-immer“ zu kaufen. (von denen wir kein einziges Stück abbekommen, er hat sie am nachästen Tag am Stück ge- (sorry) fressen) Scheinen also lecker zu sein. Draußen genehmigen wir uns an der hauseigenen Imbissbude echt leckere Knäckebrotpizza. Das ist der neuste Schrei von Leksand und dort in jedem Kühlregal zu bekommen.

Unsere POI-Tour geht weiter. Im Auto läuft Alf hoch und runter und wir machen unsere Runde um den Silijan perfekt indem wir nach Nusnäs fahren. Wem Nusnäs nichts sagt (mir bis dato auch nicht) daher kommen die ganzen roten Dala-Pferde die es überall in Schweden zu kaufen gibt. (Also daher oder aus China um genau zu sein). Wir finden dort ein komplett auf Tourismus ausgerichtetes Dorf mit vielen Läden in denen es ausschließlich Souvenirs gibt. Das ganze ist aber weniger schlimm als es sich anhört, die Stimmung passt und die Sachen sind größten teils handgemacht. In einem dieser Läden haben wir die Möglichkeit hinter die Kulissen der Schnitzerei zu schauen, wir können den Schnitzern zusehen und auch alle anderen Schritte bis zum fertigen Pferd. Nur rot war früher, heute gibt es nichts was es nicht gibt.

Was fehlt uns heute zu unserem Glück? Genau, ein Cappuccino und ein Stück echt schwedischer Schokokuchen. Auch das gibt es, in der hinteren Ecke des Ladens findet sich ein typisch süßes Kaffee und wir werden glücklich gemacht. Sogar Waffeln gibt es für die Kids. Sollte am Sonntag den 9.7.17 kurz vor Feierabende jemand seine Tüte mit überteuerten handgemachten Mitbringsel dort im Kaffee liegen lassen haben, wir haben sie gefunden! Line die ehrliche Haut hat sie an der Kasse hinterlegt, kann dort abgeholt werden 😉 Wir hätten uns auch geärgert wenn wir es nicht zurückbekommen hätten, sagt Line. Recht hat sie! Wie meistens…

Das Wetter hält sich nun wieder an unsere Abmachung (kein Regen wenn wir unter freiem Himmel sind) und so können wir den Abend in Famile auf dem Steg am Silijan ausklingen lassen. Dazu gibt es ein Gläschen Wein für den Schatz und eine Tüte Chips für die Schätze.

Fazit 1: Kann man mitnehmen, wenn man in der Gegend ist aber extra hinfahren würde ich nicht.

Fazit 2: das faszinierende Blau des Silijansees blieb uns Banausen verborgen, schön ist er trotzdem.

Zwischen Vänern und Vättern

Nach einem letzten Frühstück am Silijan, packen wir unsere 7 Sachen und ziehen weiter Richtung Süden. Die Temperaturen steigen so langsam und wir sind gespannt ob uns am Vänern wieder mal nach Baden zumute ist. Die Fahrt entlang vieler toller Picknickplätze die wir heute alle rechts und links liegen lassen genießen wir. Da wir ja wissen, dass der Urlaub nicht unendlich ist, saugen wir alle jedes kleine Stück „Schweden“ gierig auf.

Gegen 14:30 haben wir das Etappenziel erreicht. Wir haben uns diesmal für die Ostseite des Vänern entschieden, also zwischen den beiden großen Seen. Die Campingplatzwahl fiel aufgrund der Fotos im Netz auf Askeviks Camping ( http://www.askevik.nu ) direkt am See. Schnell zur Anmeldung (wir hatten wie für uns normal, am Vorabend eine kurze Reservierungsmail geschrieben) und unseren Platz Nr.55 gesucht, abhängen, Sonnensegel raus und fertig! Da unsere Essenszeiten mittlerweile völlig durcheinander geraten sind, legen wir Mittag und Kaffee zusammen und starten dann einen Rundgang über den Platz.

Unser Fazit: Liebe Platzbetreiber, warum haltet ihr diesen tollen Platz nicht in Ordnung? Es ist schade! Das hier viele Dauercamper basteln (Boot, Auto, Wohnwagen überrall riecht es nach frischer Farbe oder altem Öl) damit können wir gut leben. Aber auch der Rest hat seine besten Zeiten hinter sich. Es gibt laut Internet eine Fass-Sauna, wir haben sie gefunden. Ich erspare euch den Anblick, sie war auf jeden Fall geschlossen, der Steg von der Sauna direkt in den See (oh man wie hatten wir uns auf dieses Erlebnis gefreut) ist auf Bild 2 oben zu sehen – traurig. Ähnlich geht es im Sani-Bereich und dem ehemaligen Kaffee weiter. Zur Erinnerung wir sind dort Mitte Juli, mehr Saison geht nicht. Unser Stellplatz ist aber nicht schlecht und die Felsen am See auf denen man sitzen kann entschädigen etwas. Am Abend haben wir uns noch einen Besuch in Hova (an der E20) vorgenommen. Hier soll die ganze Stadt in ein großes Mittelalterspektakel verwandelt sein, mit Ritterkämpfen und allem drum und dran. Ok es ist ein Ritterfest, vielleicht sind wir auch zu spät fürs Turnier aber die Kinder finden es interessant und haben ihren Spaß.

Die Masse an eigenen Kindern beschert uns als Familie einen Sieg beim Spiel „Welches Loch nimmt die Maus“ Wir sind stolz! Als jeder Spaß ausprobiert wurde und sich langsam der Hunger breit macht, stellen wir fest, dass wir nicht nur fürs Turnier zu spät waren. Scheinbar essen die Schweden zeitig, wir finden nix mehr was uns zusagt. Nach kurzer Beratung (Line ist über die örtlichen Gegebenheiten gut informiert) steuern wir den Göta-Kanal in Sjörtorp an. Sehr idyllische Gegend. Wir steuern den ersten Fischladen an und werden mit leeren Kühlregalen empfangen. Eigentlich gibt es hier Schrimps und Fisch auf die Faust, wie gesagt scheinbar essen die Schweden sehr zeitig. Wir finden noch ein tolles Restaurant ( KanalKrogen i Sjörtorp) mit echt leckerem Essen. Der Burger ist frisch und echt lecker und Line ist mit ihrer Kartoffel voller Schrimps auch glücklich…

Wer bei der Wahl des Campingplatzes darauf achtet, dass der See im Westen vom eigenen Standort liegt hat was? Richtig, einen Sonnenuntergang Richtung Wasser. Genau den nutzen wir als Ausklang des Tages noch bevor wir vor der aufziehenden Nachtkälte in den Wohnwagen flüchten.

Auf dem Weg zum Wohnwagen (kennt ihr das wenn ihr euch ständig umdreht um keinen tollen Augenblick zu verpassen) fällt mir auf, dass die Schweden manchmal einen verdammt guten Autogeschmack haben und wie schön sie ihn in Szene setzen, ein Traum…

Am nächsten Morgen machen wir uns auf nach nach Brommö, das ist eine kleine Insel, ein Naturreservat und autofrei. Dazu müssen wir über die Torsö-Brücke (verdammt kein Foto gemacht aber toll anzusehen) auf die Insel Torsö und überqueren diese. Für uns sportlich (ihr wisst, spät ins Bett und spät raus, Frühstück ist wichtig usw.) 11:05 Uhr stehen wir am Fähranleger. Haben Badesachen und alles fürs Picknick dabei. Die Zeiten der Fähre können wir ohne Übersetzung lesen: nächste Überfahrt 13:15 Uhr – schöne Schei…

Also machen wir uns auf den Weg am Ufer entlang, später durch den Wald und kommen zu einer idyllischen Stelle am See. Hier sind wir zwar nicht allein aber es gefällt uns so gut, dass wir die Handtücher auf den warmen Steinen ausbreiten und einen „Badetag“ ausrufen. Das Wetter ist toll und die Kinder im Wasser damit beschäftigt erfolglos Minifische zu fangen.

Die Aufregung ist groß als die 3 eine Wasserschlange entdecken, das Vieh ist verdammt ängstlich (nicht halb so ängstlich wie der Kleine) und daher schnell, ich sprinnte mit der Kamera hinterher wie ein Jäger im Blutrausch und erwische sie. Nicht schön aber erwischt.

Nach ein paar Stunden und einem Picknick treten wir den Rückweg an. Eigentlich ist es eher ein Rundweg als Rückweg und wir finden im Wald jede Menge Beeren als Nachtisch. Lecker…

Am Göta-Kanal hat es uns so gut gefallen, dass wir beschließen unseren Kaffee&Kuchen-Gelüsten dort nachzukommen. Auf geht’s!

Wir bekommen wonach wir begehrten, original schwedischen Kuchen. Pepe schmeckt es so gut, dass er sich gleich noch ein Stück holt. Da stört es ihn nicht mal, dass er weder englisch noch schwedisch spricht. Keine Ahnung wie, er kommt mit einem neuen Stück wieder. Das sympathische an solchen Cafés ist, den Kaffee nimmt man sich einfach selbst, am Eingang steht eine Kanne und Tassen, bezahlt wird später…

Wir beobachten noch die Schiffe in den Schleusen und den Wärter (die Wärterin) bei ihrer Arbeit. Safety first, immer alle mit Schwimmweste! Auf dem Rückweg gelangt auf ungeklärte Weise Grillgut in unseren Kofferraum, tja hilft nix, müssen wir wohl grillen. Die Wetter-Website eines schwedischen Anbieters zeigt, die dunkle Wolke zieht vorbei. Machen wir heute mal was neues, Grill unter den Arm und ab auf den Fels im Wasser. Eine windschiefe Bank dient als Essensplatz. Ich habe die Grillanzündtechnik in diesem Urlaub stark verbessert und so brennt der Grill bald lichterloh

Pünktlich als das Fleisch drauf liegt fängt es an zu regnen, nicht von oben nach unten sondern waagerecht. So ein Mist!

Hilft nix, das Fleisch muss jetzt drauf bleiben. Line und die Kinder sind tapfer und halten auf der Bank durch. Zumindest bis die Garnelen halbwegs essensfertig sind. Schnell werden sie verputzt, wir sind ja nicht aus Zuckerwatte. Danach bin ich allein! Pepe versucht noch mir Gesellschaft zu leisten indem er sich hinter ner Kiste vor dem Regen versteckt, aber auch er gibt irgendwann auf.

Danach bin ich allein. Ich und einBier allein gegen den Regen. Pah, ich bin ein Mann und lasse mich von so ein wenig Regen doch nicht beeindrucken…

… schnell noch ein Selfie machen und dann ab in den warmen und trockenen Wohnwagen. Da gibt’s dann auch für mich ein leckeres Steak. Gute Nacht

Kinnekulle

Es stinkt! Gestern haben wir es bereits gemerkt, auf unserem Campingplatz stinkt es. Heute morgen war es wieder da, diesmal schlimmer. Also gehe ich der Sache auf den Grund. Der Geruch ist eine Mischung aus Gülle und Klärgrube und kommt scheinbar aus dem kleinen Wäldchen des Platzes. Der Boden dort ist bereits mit Brennnesseln besiedelt, laut Line ein klares Zeichen.

Und wessen Stellplatz ist neben der Stelle? Unserer! Eigentlich wollten wir erst morgen weiterreisen unter diesen Umständen suchen wir schnell einen neuen Platz auf halben Weg zwischen hier und Trellebourg. Da unser nächstes Etappenziel der Nationalpark Store Mosse ist, liegt es nahe auch dort nach einem Platz zu suchen. Wir finden ihn, ein kleiner Platz in Hillerstorp ( flatenbadetscamping.se) direkt an einem kleinen See, das könnte idyllisch werden.

Erstmal starten wir jedoch mit dem heutigen Programm, wir wollen in das Kinnekulle Naturreservat. Dieses liegt auch nah am Vänern und ist eine Erhebung die laut diverser Quellen durch ihren Reichtum an unterschiedlichsten Blumen berühmt ist. Wir sind in Schweden, daher machen wir uns keine Gedanken, dass wir dort mit Wohnwagen hinten dran hinwollen. Die Fahrt dorthin auf kleinsten Nebenstraßen ist dann doch etwas aufregender. Man fragt sich, was wohl passiert wenn uns in den einspurigen Serpentinen ein Auto entgegen kommt, an einen LKW wollen wir lieber nicht denken. Es geht alles gut und wir erreichen den ersten Parkplatz, ganz leer und daher kein Problem.

Als Erstes machen wir uns auf die Suche nach einem alten Steinbruch und finden ihn etwas unterhalb der Straße. Eigentlich schade, dass wir hierher zu Fuß gegangen sind, das Teil ist ein riesiger Spielplatz für’s richtige „Auto“ aber auch so ganz eindrucksvoll.

Da wir ja nicht so zeitig losgekommen sind machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Picknickplatz. Wir finden ihn, mit Aussicht auf den Vänern und den Steinbruch.

Frisch gestärkt machen wir uns auf die Wanderung, unser Ziel ist der Aussichtsturm auf dem Kinnekulle. Unser Weg wird aber nicht der direkte sein, sondern einmal um den Berg führen.

Die Gegend hier ist zwar schön aber die angepriesene Blumenvielfalt können wir nicht finden, auch nicht am Restaurant was kurz vor dem Gipfel kommt. Nicht wundern, natürlich geht von der anderen Seite eine Straße bis ran, nur so können sie mit schwedischer Kundschaft rechnen…

Das Restaurant lassen wir aus und nehmen Kurs auf den „Gipfel“.

Dieses Mal haben wir Glück, der Aussichtsturm ist geöffnet und wir können ihn entern. Die Aussicht oben ist schon herrlich (wenn man den Bereich Nord-West mal ausblendet – außer man mag Kernkraftwerke)

Danach machen wir uns auf den direkten Abstieg, der Weg ist recht kurz und so sitzen wir schnell im Auto und sind gespannt auf den ausgesuchten Campingplatz. Als wir Falköping passieren überkommt uns, was kann es anderes sein, der Appetit auf Kaffee. Wir beschließen die Augen nach einem Café offen zu halten, alternativ wäre uns auch ein nettes Plätzchen am See recht. Irgendwie haben wir heute kein gutes Händchen und finden nix passendes. Ein Blick auf die Karte verrät, wir können von der Bundesstraße 47 abfahren und eine kleine Straße nehmen die dicht an schönen Seen entlangführt. Beschlossen, hier sollte was zu finden sein. Bis zum Örtchen Sandhem suchen wir also und entdecken dann direkt am Ortseingang den See und direkt daneben ein Wegweiser zum Wohnmobilstellplatz. Perfekt! Also folgen wir diesem Schild und einem weiteren. Das Sackgassenschild macht uns nicht vervös, schließlich ist ja ein Stellplatz das Ziel. Ungewöhnlich, dass die Straße durch ein Wohngebiet führt, aber egal der Kaffeegeruch steigt uns schon in die Nase, also schlängeln wir uns durch die geparkten Autos…

…bis wir vor einem Bahnübergang stehen! …für Fußgänger! …mit Geländer! Ihr erinnert euch: 14,50×2,50. Line muss raus und fange an Rückwärts zu rangieren, durch die Autos. Eigentlich liegen noch locker hundert Meter vor mir bis die letzte Kreuzung kommt. Übrigens die Kreuzung an der ein Witzbold den Wegweiser für den Stellplatz verdreht hat. An dieser Stelle vielen Dank nochmal von uns! Auf jeden Fall fällt mir ein schön gepflegtes Grundstück auf. Da der Zaun scheinbar noch alt war, hat der Besitzer beschlossen ihn zu ersetzen. Der alte war größtenteils weg und der neue glücklicher Weise noch nicht da. Line bekommt den Auftrag zu schreien wenn es nicht passt und ich rangiere im rechten Winkel in den Vorgarten. Als wir sauber eingeparkt haben, schaut der Junior zur Eingangstür und ich schwöre seine Augen sind nicht viel kleiner als unser Wohnwagen. Nur noch raus und zack wir stehen wieder richtig rum und können weiter. Nächster halt, eine Raststätte an der Schnellstraße. Breite Straßen und Bank am See vorhanden, wir kochen Kaffee und holen die Kanelbullar raus. Schon ist die Stimmung wieder gut…

Danach geht’s nun endlich zum Campingplatz. Wir sind gespannt, im Hinterkopf immer noch den tollen Platz von 2015. Da kam dieses Jahr noch keiner ran. ( movantacamping.se) Als wir ankommen sind wir absolut zufrieden. Er liegt zwar direkt an der Straße, diese führt aber scheinbar nur in den Wald, Lärm kommt da keiner. Er liegt direkt an einem gaaaaanz flachen Moorsee und die Kinder nutzen die Chance für ein ausgiebiges Bad (zumindest soweit sie reinkommen). Wir bauen auf und genießen auch das schöne Wetter. Das bleibt gut und wir können draußen Abendbrot essen. Sogar der traditionelle Espresso aus der Bialetti hat noch draußen seinen Einsatz. ( Dank an Frank und Steffen, mittlerweile wissen wir gar nicht, wie wir früher ohne überleben konnten )

Der Abend hält noch tolle Farben für uns bereit und wir spazieren noch ein wenig am See entlang.

Store Mosse – oder zurück am Meer

Der Morgen beginnt mit einem ausgedehnten Frühstück, natürlich draußen und mit Blick auf den Flaten-See. Unser heutiges Ausflugsziel ist nur ein paar Minuten entfernt, wir steuern den Nationalpark Store Mosse an. Man merkt deutlich, dass wir wieder im Süden sind, das Touristenaufkommen ist höher, die Parkplatzsuche gestaltet sich schwerer, klappt aber noch ohne abkuppeln.

Wir hatten uns eine Wanderung durch oder um das Moor vorgestellt, der Pfad allerdings läuft ziemlich langweilig durch den Wald. Zwar gibt es immer mal Stege, die sind jedoch gar nicht nötig, es ist zu trocken, als das hier Moor wäre.

Etwas macht den Ausflug aber doch zum Erlebnis. Der Trollstieg. Ein liebevoll angelegter Kinderpfad mit allerlei Aufgaben, Rätseln und Reimen. All das in Englisch, Schwedisch und sogar Deutsch.

OK, ich gebe zu, Line und ich hatten auch unseren Spaß.

Der Weg führt zu einem tollen Holzhaus, dem Naturum. Beim Anblick der Terasse mitten im Wald, überprüfe ich kurz im Kopf unseren Kontostand – Kaufen kommt nicht in Frage. Rein gehen wir trotzdem, es gibt kostenlos Kaffee und Wasser und für die Kinder allerlei tolle Sachen zum experimentieren.

Zurück am Auto ist der Parkplatz gut gefüllt und wir sind froh, gut mit dem Gespann auf die Straße zu kommen. Nächster Stopp, Ostsee. Line hat für unseren letzten Stopp etwas ganz feines herausgesucht. Borstahusens Camping (motesplatsborstahusen.se) 4 Sterne, mit Wellness direkt am Meer. Wir freuen uns! Bis wir an der edlen Rezeption stehen, die Leute, die uns entgegen kommen sind mindestens 20 Jahre älter als wir und tragen alberne Karierte Hosen. Und ja ,sie ziehen Golftaschen hinter sich her. Vorsichtshalber beschließen wir, uns den Platz genauer anzusehen. Zwischen Meer und Wohnwagen sind ein Zaun und eine Straße. Mehr brauchen wir nicht sehen. Der Platz mag toll sein, die Sauna sieht von außen schon eindrucksvoll aus, aber das fühlt sich hier nicht nach Schweden an, nicht für uns. Kurzer Hand suchen wir uns einen Platz, ganz in der Nähe raus. Barsbäckestrand Camping ( barsebackstrand.se) auch nicht ganz so klein und auch am Meer. Das alle Plätze Meerblick haben stimmt zwar, interessiert uns aber nicht, wir haben einen Platz in der ersten Reihe ergattert, vor uns nur Wiese und Meer.

Hier gefällt es uns. Wir starten nochmal ins nahegelegene Einkaufszentrum und besorgen uns (neben einem leckeren Cappuccino) etwas essbares für den Abend. Trotz des Windes (wir sind kälteres gewohnt) beschließen wir, draußen zu essen. Das mag auch daran liegen, dass den Garnelengeruch keiner im Wohnwagen mag. So gibt’s das letzte Mal, frisches Meeresgetier mit Blick aufs Wasser.

Ein kurzer aber heftiger Schauer zwischen Essen und schlafen, hat den Kindern heute, die Tour mit dem Baden versaut. Die 3 hoffen auf morgen…

Weil wir uns an die Regel (Wasser im Westen) halten, beschließen wir den Abend mit einem tollen Sonnenuntergang.

Zum Abschied Lund

Der Wind und die Regenwolken sind mit der Nacht weitergezogen und wir starten unseren letzten, echten Urlaubstag Richtung Lund, einer verträumten Universitätsstadt. Wir suchen einen Parkplatz in Zentrumsnähe und ich verzweifle an der Bedienung des Parkscheinautomats. Legen wir eben die Abbruchquittung des Vorgangs rein ( Glück gehabt, nix passiert). Wir schlendern los, durch die schmalen Gassen von Lund. Echt eine schöne Stadt, wir lassen uns treiben…

Jedoch sind wir schon nach 5 Minuten am Kulturen i Lund (www.kulturen.com), zumindest sind wir an der Mauer, ehe wir den Eingang finden, dauert es noch etwas länger. Das liegt daran, dass Kulturen ein großes Freilichtmuseum mitten in der Stadt ist.

Der Eingang stellt sich dann quasi nochmal als eigenes Museum dar, bis auf einige Stücke aber eher für Erwachsene geeignet.

Wir gehen zwar durch die einzelnen Räume, eigentlich zieht es uns aber mehr nach draußen.

Als wir durch die Tür in den „Innenhof“ treten, erwartet uns das Schweden wie wir es mögen, nur 200 Jahre in der Vergangenheit, alte Häuser und Gärten und viel zu entdecken. Die Kinder bleiben schnell in einem großen Spielhaus hängen, dies ist aber echt toll gemacht, also gehen wir zu Zweit noch etwas auf Entdeckungsreise.

Kaum zu glauben, dass direkt hinter den Mauern der normale Alltag einer Universitätsstadt abläuft. Ich mache am Spielplatz erst mal Pause, während Line noch die restlichen Häuschen erkundet. Dabei beobachte ich die Touristengruppe, welche durch eine Art Schauspieler von einer Attraktion zur nächsten geführt wird. Teilweise haben die betagten Herrschaften ihre Stühle dabei und mir wird schnell klar, dass diese, wenn die Führung beendet ist, das tolle Café ansteuern werden, welches wir vorhin auf unserer Tour entdeckt haben. Als Line in Rufnähe ist, verständigen wir uns auf Belagerung! Ohne ein Besuch in diesem tollen Gartencafé wäre der Tag nicht perfekt. Wir schaffen es und genießen Kaffee, Waffeln und Eis in der Sonne.

Alt hatten wir, nun ist Lund in neu dran und wir ziehen weiter durch die Stadt. Alles fein und klein und wirklich einladend. Wir kommen an einem Laden voller Süßigkeiten vorbei. Falsch, wir kommen natürlich nicht vorbei sondern müssen rein und staunen. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich zum Thema Süßigkeiten nochmal was schreibe. Es gibt quasi in jedem Lebensmittelgeschäft in Schweden eine riesige Theke für Süßigkeiten. Lose und mit Schaufel zum selbst zusammen stellen. Die Kinder lieben diese riesigen Regale und wir lassen uns natürlich immer mal dazu überreden, dass sie sich was mitnehmen. Da gibt es Gummitiere in allen erdenklichen Farben und Formen sowie Schokolade in kleinen Stücken. Meistens fällt dann auch was für mich ab – Win-Win!

Aber hier in Lund, hier war uns klar, dass das alles nur Spielerei war. Hier gibt es den Laden, der nur aus Süßigkeiten besteht. Wisst ihr noch als Pippi Langstrumpf in dem Laden war und Süßes gekauft hat? Das war nur eine billige Kopie…

Falls jetzt jemandem der Zahn tropft: die Straße in Lund hieß: Lilla Fiskaregatan. Lasst es euch schmecken…

Zurück auf dem Zeltplatz ziehen dunkle Regenwolken auf und seit unserem letzten Erlebnis vertrauen wir der Wetter-App für Schweden nicht mehr. Zum Glück! Wir sitzen gemütlich drin während draußen ein heftiger Sommerregen runterkommt.

So schnell wie er gekommen ist, geht er auch wieder und wir wagen uns nochmal vor ans Meer.

Am nächsten Morgen ist es dann leider soweit, die Abreise steht bevor und als wäre das nicht schlimm genug, ist es ein herrlicher Badetag, warm und sonnig. Zum Glück geht unsere Fähre erst 15:30, so beschließen wir nochmal baden zu gehen.

Keiner will nach Hause und so schaffen wir es erst Punkt 12:00 vom Platz.

Es sind nur noch 30km bis zum Hafen, daher darf ich nochmal in einen Biltema (Gut geplant ist halb gekauft, der Katalog und ich, wir wurden in diesem Urlaub gute Freunde) und kurz vor dem Hafen decken wir uns nochmal mit den wichtigsten schwedischen Dingen aus dem ICA Maxi von Trelleborg ein. Jetzt ist noch Zeit für ein Picknick am Meer, witziger Weise sehen wir unserer Fähre zu, wie sie über das Meer geschippert kommt.

Der Urlaub ist vorbei, wir nutzen die Fähre für ein paar letzte Fotos, eigentlich hängen wir aber unseren Erinnerungen nach. Line schreibt sich noch ein paar Erinnerungen des Urlaubs auf (Danke dafür, hat mir beim Aufschreiben sehr geholfen) und die Kinder spielen die Akkus unserer Handys leer. Das übliche also, wenn man nicht gerade in Schweden ist…

Ein toller Urlaub geht zu Ende, wir sind fast 3000km durch Schweden gefahren und je höher wir kamen, desto wohler fühlten wir uns. Das wird sicher nicht unser letzter Schwedenurlaub gewesen sein…

2 Antworten auf „Schweden 2017 – Unser erster Blog.“

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