Norwegen Teil III – Ab hier ist irgendwie Rückweg und Vorfreude auf Schweden.

Juli 2019

Habt ihr Teil I und Teil II bereits gelesen? Dann geht’s hier weiter!

Donnerstag, 18.7.

Nach unserer Nacht auf dem Stadt-Campingplatz (er war trotzdem schön ruhig) sitzen wir bei Lachs und frischen Brötchen in der Sonne. Die beiden Damen des Hauses haben sich eine schöne Sommergrippe eingefangen und schniefen um die Wette. Die Männer sind hart und ertragen das, fast widerstandslos.

Es geht weiter und wieder zu einer echten Berühmtheit bei den Sakindavientouristen. Heute wollen wir den Trollstigen bezwingen. Wir haben uns, zu Gunsten unserer Nerven, für den Weg außen herum entschieden. So stellen wir den Wohnwagen kurz vor Mittag auf dem Trollstigen Campingplatz am Fuße des Berges ab und sind froh, nur mit dem Auto unterwegs zu sein. Gefühlt ist halb Europa gerade hier und die tollen Haarnadelkurven befährt man dadurch in einer langen Autoschlange.

Wir kommen natürlich trotzdem oben, am Besucherzentrum an und machen uns mit Picknickausrüstung auf den Weg zu den Aussichtspunkten. Hier und da weichen wir mal vom Weg ab, ein Stück laufe ich dann allein. Der Kleine hat keine Lust mehr und die Große hat mit ihrer Grippe zu kämpfen.

Trotzdem sind wir am Ende knapp 3 Stunden unterwegs und beeindruckt von der Landschaft und der Straße. Wir machen uns auf den Rückweg, natürlich nicht, ohne ein Eis und ein paar leckere norwegische Erdbeeren zu essen (Tipp: unbedingt probieren, machen süchtig).

Der Weg bergab ist gefühlt. spannender als bergauf, das Licht ist anders und somit auch der Blick auf die Berge. Am Fuße des Wasserfalls werden wir von einem älteren Herrn, schon beim Aussteigen aufgeregt begrüßt. „Das ist das Jahrhundertfoto!!“ ruft er uns zu und erklärt uns, dass er darauf schon lange gewartet hat. (er meinte sogar, nach seinen Berechnungen, passt das ausschließlich an diesem Tag) Die Sonne steht perfekt und so schafft sie es, für ein paar Minuten durch die enge Öffnung bis unten, an den Wasserfall mit dessen Gischt, zu leuchten, dazu noch der klare Himmel und e voila da ist es:

Zurück auf dem Campingplatz suchen sich alle eine stille Ecke, die einen in der Sonne, die anderen wegen der Wärme im Schatten und dösen um die Wette.

Freitag , 19.7.

Wir verlassen Norwegen und starten in das Land der Elche. Es scheint als wolle Norwegen uns loswerden und schickt uns seit langem mal wieder einen Regenschauer – Frühstück drinnen. Danach ist es schon wieder vorbei. Wir sind gespannt. Der Weg vom Trollstigen führt immer bergauf, entlang eines Flusses der innerhalb weniger Kilometer sein Bild komplett ändert. Anfangs liegt er spiegelglatt neben uns und keine 5 km weiter schauen wir auf einen tosenden Gebirgsbach hinab. Auf dem Weg werfen wir noch einen Blick auf die Trollmauer, sozusagen die nördliche Rückwand des Trollstigen. Anhalten will keiner so richtig, wir wollen nach Schweden.

So geht das noch eine ganze Weile, dann ist es endlich soweit. Norwegen war schön aber nun liegt sie wieder vor uns, diese unglaubliche Weite. Soweit das Auge reicht, und es reicht hier weit, erstrecken sich die Wälder und riesige Flechtenteppiche.

Der Himmel sieht immer noch so aus, als würde dort all der Regen drin stecken, der uns zu Hause gerade fehlt. Aber es bleibt trocken. Quasi Win-Win für den Fotografen. Irgendwann meldet sich bei den Kindern der Hunger und bei uns Appetit – auf Kaffee. Wir müssen in dieser Gegend eine ganze Weile suchen bevor wir was finden, dafür ist es dann erneut überraschend. Wir rasten in einem Gemeindezentrum eines kleinen Dorfes. Damit die Bewohner sich überhaupt mal sehen und auch was zu tun haben, haben sie in den Sommermonaten, ähnlich der Schule letzte Woche, ein kleines Cafe eingerichtet. Hier hat jeder mal Dienst und so bedient uns eine sehr nette Dame, die sich redlich bemüht unser englisch zu verstehen. Als wir unseren jüngsten fragen was er mag, wechselt sie überraschend in ein akzentfreies Deutsch. Später sitzt sie mit ihrem Kaffee an unserem Tisch und erzählt uns von ihrem Leben. Als Lehrerin ist sie wegen der Liebe nach Norwegen ausgewandert und wohnt nun mit ihrem Mann im Sommer hier im Nichts. Eine gelungene Pause.

Später passieren wir die schwedische Grenze, völlig unspektakulär, und dabei reisen wir gerade in die EU ein.

Empfangen werden wir standesgemäß von einigen Rentieren, die an oder auf der Straße rumlungern. Danach sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserem Ziel. Vor zwei Jahren war diese Gegend unser nördlichster Punkt der Reise und wir fuhren vorbei, diesmal passiert uns das nicht. Wir sind heute bei Kathi und Martin von weiterweg.de. So viel haben wir in letzter Zeit auf Facebook und Instagram vom Camp gelesen und gesehen – die Erwartungen sind entsprechend hoch.

Erfüllt!!! Das Camp ist cool. Es liegt auf einer kleinen Anhöhe mitten im schwedischen Wald bei Nornäs und bietet nur Platz für eine handvoll Offroadbegeisterte. Wir haben reserviert und so bekommen wir den letzten Platz. Martin, der Chef, lästert auch nur kurz über unseren Mover, eigentlich ist er froh, dass er nicht mit anfassen muss – glaube ich! Leider überbringt er uns auch noch eine schlechte Nachricht, es gibt nur ein zweisitziges UTV und die Kinder sind beide zu klein um allein im Quad zu fahren. Wir müssen also umplanen aber erst morgen. Heute nutzen wir das auflockernde Wetter für eine kleine Safari. Von weiterweg gibt es eine Karte mit vielen Tourenvorschlägen. Einer davon verspricht Bären, Elche und Luchse, vor allem in der Abendstunde. Wir starten also nach dem Abendbrot (schwedische Kartoffeln und Lammwürstchen aus dem ersten schwedischen Supermarkt den wir nach der Grenze erreicht haben – lecker) auf unbefestigten Wegen ins Umland. Die gewählte Route ist ein Rundweg und wir fahren in Schrittgeschwindigkeit, um ja kein Tier zu übersehen. Haben wir trotzdem! Neben einem tollen Sonnenuntergang haben wir rein gar nix gesehen und so kehren wir erfolglos aber nicht unzufrieden ins Camp zurück.

Hier brennt das Lagerfeuer und so lassen wir den Abend ausklingen.

Samstag, 20.7.

Line ist zeitig wach und lockt mich, unter Vortäuschung der Chance auf einen Elch aus dem Wohnwagen. Es ist kurz vor 7 Uhr und wir schleichen zum See, der zum Camp gehört. Auf dem Weg dorthin hören wir die Auerhähne, genießen die Stille aber sehen keinen Elch. Wir beide hätten schwören können, dass sowohl Zeit als auch Ort perfekt dafür gewesen wären.

Wohin heute? Das ist die Frage, welche uns beim Frühstück beschäftigt. Wir einigen uns nach einigen sprachlichen Rangeleien auf folgende Reihenfolge:

1. Die Offroad-Karte nutzen und in die Wildnis fahren

2. Ein Stück wandern

3. Fika

4. Flammlachs

Solche Pläne erscheinen meist solange perfekt, bis man sie umsetzt. Es kommt anders. Den ersten Punkt streichen wir sofort, als wir die Gegend sehen. Ein Skihang ist uns im Sommer zu wenig Wildnis. Also gleich zu Punkt 2, wir fahren wieder ein Stück Schotterpiste zum Tangastugan und beginnen voller Euphorie unsere Wanderung. Der Weg führt herrlich über Holzbohlen entlang einer feuchte Wiese. Man könnte meinen unsere Fußtritte waren das Startsignal für das Festmahl. In diesem Moment fallen so viele Blutsauger über uns her, dass wir mit erschlagen nicht mehr hinterher kommen.

Wir drehen aus Angst vor Blutarmut um und rennen letztendlich, zurück zum Auto. Planänderung Nummer 2 muss her. Laut Karte gibt es einen schönen Platz am Flussbett in der Nähe, den steuern wir nun mit dem Auto an. Zumindest versuchen wir es. Irgendwo müssen wir falsch abgebogen sein, auf jeden Fall finden wir weder den Fluss, noch den Aussichtspunkt. Dank meines Handys finden wir zumindest den Platz, der am nächsten am Fluss ist. Wir steigen aus, schultern erneut unsere Picknick-Sachen und machen uns auf den Weg durchs Unterholz. Wir finden einen schönen Platz am Ufer, mit vielen tollen Holzstücken. Line ist sofort im Dekofieber und sammelt die schönsten Stücke ein. Zeitgleich trifft uns der erste Tropfen. Während ich noch behaupte, dass das vorbei zieht, wollen alle anderen auf einmal zurück. Und Picknick??? Später. Wir schaffen es bis ungefähr 50 Meter vor das Auto, als endglütig klar wird, dass es nicht vorbei zieht. Wir stürzen los, das Wasser auch. Nass sitzen wir im Auto und sehen, wie um uns alles runterkommt, was in den schwarzen Wolken war und das scheinbar gleichzeitig. Wir picknicken daher einfach im Auto und warten die halbe Stunde, die es dauert ab. (auch fahren ist unmöglich – NullSicht)

Aber was jetzt? Auf den dritten Wanderversuch hat irgendwie keiner Lust, also studieren wir erneut unsere Offroadkarte und finden einen alten Brandturm, den man besteigen kann. Er ist ganz in der Nähe und so machen wir uns auf, finden ihn sogar und genießen den tollen Ausblick von oben.

Fika verlegen wir sicherheitshalber gleich ins Camp, wer weiß, was uns heute noch passiert wäre. Danach schleppen wir auch unsere Kinder nochmal zu dem tollen See. Die Juniorchefs vom Camp nutzen den Steg gerade zum Baden, unsere Beiden sind scheinbar nicht hart genug. Die Badesachen bleiben trocken. Danach bereiten wir uns emotional auf das Abendprogramm vor. Wir tun also nichts, außer die Vorbereitungen fürs Abendbrot zu beobachten. Heute ist Flammlachsabend im Camp ( immer Mittwoch und Samstag) und die Frauen sind große Fischliebhaber. Das Wetter zeigt sich nun auch von seiner besseren Seite und es wird ein toller Abend. Die Chefin bereitet vor unseren Augen den Lachs zu und unsere Kinder dürfen ihn sogar selbst auf die Bretter nageln. Dazu gibt es Kartoffeln und Quark. Während wir warten und essen, sitzt Martin der Mann der Chefin 😉 bei uns. Er ist ein Geschichtenerzähler vorm Herrn und er erzählt. Von seinen Touren, von Bären und Elchen, vom Auswandern, von Schweden und vom Hausbau. Nebenbei beschert uns die Sonne einen krönenden Abschluss des Abends.

Sonntag, 21.7.

Es ist nicht nur ein toller Tagesabschluss sondern irgendwie auch einer für den Urlaub. Ab heute geht es zügig Richtung Süden. Wir frühstücken ein letztes Mal bei Weiterweg und nutzen dafür heute die Outdoorcooking-Area mit Schutzhütte. Danach brechen wir schweren Herzens auf. Die Strecke heute ist allerdings Schwedenurlaub pur, Wälder und Seen, wenig Menschen und viel Natur. Wir kommen gut voran und machen zu Mittag nur einen kleinen Flüchtigkeitsfehler. Wir hätten stutzig werden können, als vor uns 3 junge Cowboys mit hölzernen Hollandschuhen zum Restaurant laufen, sind wir aber nicht. Die zweite Chance haben wir beim Namen des Restaurants: „Dutch Mountain“. Wir sind zwar etwas belustigt, entscheiden uns aber nicht um, sondern gehen hinein. Drinnen erwartet uns ein seltsamer Kauz, offensichtlich der Chef, nämlich Holländer. Hätte ich raten sollen, welchen Job er macht, ich wäre auf alles gekommen aber nie darauf, dass er im Service arbeitet. Er tat es aber und natürlich geht bei der Bestellung einiges schief. Er stellt das falsche Essen jedoch einfach auf den Tisch, zeigt uns seinen Bon, auf dem steht es so und somit war die Diskussion für ihn erledigt. Ich esse also 2 Kinderportionen Hühnerspieße und die Kinder teilen sich meinen Burger. Line ist scheinbar cleverer und hat gleich Kuchen bestellt. Das geht per Fingerzeig. Weiter geht’s, gegen 20:00 kommen wir endlich in Udevalla an. Der Platz ist nicht so toll, wie erwartet aber dafür groß. Nachdem wir uns einmal richtig verfranzen und den Wohnwagen zum Wenden abhängen müssen (auf dem Platzplan sind Wege eingezeichnet, die es nicht mehr gibt) finden wir einen Platz. Gefühlt den letzten. Lustiger Weise schickt der junge Mann an der Rezeption aber weiterhin Gäste auf den Platz. Scheinbar auch mit der gleichen Aussage, wie bei uns, ‚einfach drauf fahren und sich was aussuchen‘

Heute gibt es dann nur noch Nudeln mit Tomatensoße und dann ab ins Bett.

Montag 22.7.

Heute starten wir gleich früh zur letzten echten Etappe. Wir steuern den Campingplatz Baersbeckcamping etwas nördlich von Malmö an. Von dort ist es morgen nur noch eine halbe Stunde Fahrt bis zur Fähre. Wir waren bereit 2017 hier und sehr zufrieden, sowohl mit dem Platz am Strand, als auch mit der Nähe zu Trellebourg. Kurz nach dem Mittag sind wir da, das Wetter ist noch gut und die Kinder gehen erstmal im Meer baden. Wir versorgen uns schnell im ICA Maxi, in der Nähe, mit allem was man so gern aus Schweden mit nach Hause nimmt und im Espresso-House mit leckerem Kuchen. Beste Vorraussetzungen also für ein tolles Fika mit Blick aufs Meer.

Leider schlägt das Wetter danach um treibt uns nach drinnen. Filmeabend für die Kinder und einen entspannten mit Tagebuch und Urlaubsfotos für uns beide. Vorm Bett stellt Line noch ihre Frage: Was war das schönste am Urlaub für euch?

Mit spitzem Bleistift wartet sie auf unseren Antworten:

Sohn: Der Urlaub und die Kanufahrt!

Tochter: Gletscherwanderung und Babyrobbe

Micha: Gletscherwanderung

Line selbst: Gletscherwanderung und Flammlachsabend

Dienstag 23.7.

Wir haben heute Hochzeitstag und Line deckt den Tisch so feierlich, wie es eben geht, mit Tischdecke und extra Saftgläsern. Unsere Kinder interessiert das überhaupt nicht oder wie sie es selbst sagen: ist es ihnen ’sowas von egal…‘. Wir frühstücken trotzdem, alle zusammen ein letztes Mal in diesem Urlaub. Irgendwie will es keiner wahr haben und so verhalten sich auch alle. Trotzdem packen wir langsam zusammen und gehen ganz zum Schluss, genau wie vor 2 Jahren, noch einmal baden. Das Wetter gibt uns jetzt schon mal einen Vorgeschmack auf die 40 Grad, die uns zu Hause erwarten und wir blicken ein wenig sehnsüchtig Richtung Norden . Hilft nix, kurz nach 12 starten wir endgültig um die Fähre um 15:00 nicht zu verpassen.

Fazit: Norwegen ist toll! Man muss mal dort gewesen sein. Bestimmt kommen wir auch nochmal wieder, um weiter in den Norden zu fahren. Unsere Liebe gehört jedoch der Weite Schwedens. Auch hierher werden wir wieder kommen.

Viele weitere Blogs von Familien die mit Kindern Campen findet ihr in der Blogparade von unterwegsmitkind.de

Norwegen Teil II – Von den Fjorden in die Weite Schwedens

Juli 2019

Habt ihr Norwegen Teil I bereits gelesen? Dann geht’s hier weiter.

Donnerstag, 11.7.

Wir befinden uns immer noch auf unserem tollen Stellplatz direkt am Ufer des Sognefjords und genießen auch an diesem Morgen die Gesellschaft der Vögel und Robben.

Heute heißt es erneut, zeitig aufstehen. Die Kinder können uns schon nicht mehr so richtig leiden – hilft ihnen aber nicht! Dafür ist es früh schon wieder so warm, dass wir kurzärmlich frühstücken können. Zur Erinnerung, gestern kletterten wir noch, dick eingepackt über den Gletscher. Wir müssen pünktlich um 10 Uhr an unserem Treffpunkt am Lustrofjord sein, um unsere heutige Kajak-Tour nicht zu verpassen. Versprochen wurde uns im Internet eine spektakuläre Kajak-Tour, mit der Chance auf Robben und Schweinswale. Wir sind gespannt. Mit uns starten heute zwei weitere Familien. Unsere beiden Guides sind holländische Auswanderer, Vater und Sohn. Sie leiten das Familienunternehmen FjordSeal Kajak. Wir bekommen die obligatorische Sicherheitseinweisung und ab geht’s aufs Wasser. Dieses kommt exakt vom gleichen Gletscher wie wir und trägt die typisch türkis-milchige Färbung.

Das Wetter ist absolut norwegenuntypisch – nämlich warm und sonnig. Der Fjord liegt wie ein Spiegel vor uns, trotzdem steckt uns die Gletscherwanderung und Line vor allem, ihre Krankheit noch tief in den Knochen. Wir versuchen es trotzdem zu genießen (und völlig untypisch, den anderen hinterherzukommen) und halten die Augen offen. Neben der tollen Kulisse, sind wir natürlich scharf auf die tierischen Bewohner des Fjords. In der Ferne zeigte sich mal der Kopf einer Robbe, das war’s. So paddeln wir einige Kilometer, bis sich langsam unser Magen meldet und die Blasen an den Händen eine Pause anmahnen. Plötzlich gibt unser Guide Junior uns ein Zeichen, eine Mischung aus „Ruhe“, „bewegt euch langsam“ und „Wahnsinn, das müsst ihr sehen“. Wir versuchen genau das, ohne Geräusche und mit langsamen Zügen zur angezeigten Stelle zu kommen. Und ja, er hatte recht, Wahnsinn!!!! Da liegt in einer geschützten Bucht einfach so eine Robbenmama und ihr Baby und beide schauen uns neugierig an. Der Guide wird uns später erzählen, dass ihm das in 12 Jahren erst 2x passiert ist, sonst flüchten Robben mit Nachwuchs immer gleich in den Fjord. Die beiden haben brav gewartet, bis ich sie ausführlich abgelichtet habe – Danke ihr beiden!

Kurz danach erreichen wir unseren Picknickplatz und die Jungs haben sogar einen Kaffee für uns. Picknick und Wasser haben wir selbst dabei und so stärken wir uns, während einige sich im Fjord von der Hinfahrt erholen und abkühlen. Danach geht’s zurück und wir sind ehrlich gesagt glücklich, als wir das Basislager erreichen. Immerhin waren es über 13km, die merken wir jetzt.

Freitag, 12.7.

Guten Morgen Norwegen! Line und ich haben uns ans „frühe“ Aufstehen gewöhnt und wir genießen die Ruhe am Morgen. Bei einem Kaffee lassen wir unseren Blick über den Fjord schweifen, bis wir unsere Robbe beim Fischen entdecken und beobachten sie erst eine Weile, bevor wir die Kinder aus den Betten schmeißen. Heute soll es weiter gehen und das möglichst nicht all zu spät. Als ob der Fjord uns überreden will noch zu bleiben, schickt er mitten beim Frühstück noch einen Tümmler vorbei, wir winken zum Abschied und machen uns auf zum Nordfjord. Dank guter Streckenplanung ( Danke Line) haben wir keine riesigen Strecken zu fahren und kommen auch dieses Mal schon gegen Mittag am neuen Platz an – Mindresunde Camping. Dieser befindet sich mal nicht am Fjord, sondern an einem See. Klingt langweilig, ist es bei dem Panorama aber ganz und gar nicht. Der Platzbetreiber geht vor einer Zusage erst ganz tief in sich und gibt sich schließlich einen Ruck. Wir bekommen einen Stellplatz direkt am Strand des Sees. Ideale Voraussetzungen, um eine Runde SUP zu fahren. Noch dazu sind die Temperaturen aktuell immer noch sommerlich.

Als Ziel unserer Familien SUP-Tour wählen wir eine kleine, felsige Insel von der es sich herrlich ins Wasser springen lässt – das tun wir.

Die Sonne scheint auch noch auf dem Rückweg über den See, allerdings holt uns das Rufen unserer Tochter aus unserer Idylle. Wir drehen uns um und sehen sie stehend auf ihrem Board winken. Soweit also alles ok, doof nur, dass sie nur noch mit der Oberhälfte ihres Paddels winkt, das untere Ende sinkt zu dieser Zeit auf den Grund des Sees. Wir suchen kurz das Paddel, suchen dann einen Schuldigen, schimpfen auf unseren Sohn, der Wellen macht und uns damit die Sicht versaut und schließlich nutzt Line ihr Sicherheitsseil und schleppt sie zurück zum Campingplatz. Danach erwacht in uns natürlich das Elterngefühl und wenige Minuten später sitzen wir alle im Auto und klappern die Sportläden der Region ab, um ein neues Paddel zu kaufen. Gäbe es aber nur mit Board dazu, das ist ja aber noch da. Daher ist uns das dann doch zu viel. Im Supermarkt gibt es als Entschädigung wenigsten Garnelen und wir beschließen den Abend mit Grillen am Seeufer. Alle doch wieder irgendwie zufrieden….

Samstag, 13.7.

Die beiden Damen des Hauses (oder Wohnwagens) schleichen sich schon kurz nach 7 aus dem Bett. Sie denken, sie können vor dem Frühstück im See baden gehen, ohne eine Kamera im Nacken.

Falsch gedacht! Lange bleiben sie jedenfalls nicht, ist wohl doch recht kalt. Nach dem Frühstück wollen wir heute zum Wandern. Leider ziehen immer mehr Wolken auf, als wir auf dem Weg zu unserem Ausgangspunkt sind. Als wir am Skylift LOEN ankommen, mit dem wir eigentlich direkt vom Fjord auf über 1000m Höhe fahren wollen, sehen wir über uns nichts als graue Wolken. Spätestens nach dem Blick auf die Preisliste beginnen wir stark zu zweifeln, ob diese Wanderung heute so eine gute Idee ist. Aber hey, was sind schon 135,- € wenn die Chance auf einen, vom Nebel eingehüllten Berg besteht. Wir zahlen also und machen uns auf nach oben. Es kommt wie es kommen muss, die Seilbahn spuckt uns oben aus und wir stehen mitten in der Suppe. Dafür stehen wir ziemlich einsam dort.

Wir machen uns trotzdem auf den Weg zum Gipfel und es wird gefühlt bei jedem Schritt wärmer. Wir ziehen eine Schicht nach der anderen aus und nach 10 Minuten laufen, sehen wir zum ersten Mal blaue Lücken im Grau. Wir können unser Glück kaum fassen, als wir die tief hängenden Wolken tatsächlich hinter uns lassen und ein herrlicher Sonnentag vor uns liegt. Wir besteigen den 1155m hohen Skredfjellet und genießen den Blick über die Berge, die Wolken und zwischendurch auch mal über den Fjord.

Ein zünftiges Picknick darf natürlich nicht fehlen, wenn wir schon mal auf einem Berg sind. Zur Feier des Tages sind sogar die Kinder entspannt und laufen ohne zu murren. Was ein paar Steine zum drauf rum klettern so ausmachen…

Nach dem Mittag geht es langsam zurück,die Kinder hopsen fast die gesamte Strecke von Fels zu Fels.

Zwischendurch haut uns immer wieder der Anblick um, den die Wolken und Berge erzeugen.

Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir schon wieder den Lift. Die Kinder bekommen ein Eis und wir einen Kaffee, das Ganze auf der Terrasse mit toller Aussicht. Da sitzen wir nun in der Sonne, als direkt vor uns eine menschengroße Fledermaus aussieht, als wolle sie sich gleich den Berg hinunterstürzen. Tatsächlich bereitet sich dort ein Basejumper auf seinen Sprung vor und verschwindet kurz darauf in den Tiefen. Alle halten den Atem an, bis er endlich mit ausgestreckten Armen weit unten über den Fjord segelnd wieder auftaucht.

Zurück am Campingplatz steige ich mit unserer Tochter noch mal aufs SUP, während Line und unser Jüngster eine Runde entspannen. Zur Feier des Tages koche ich mit unserer Großen heute Kottbullar mit Kartoffelbrei, es scheint lecker gewesen zu sein. Zumindest haben das alle gesagt!

Sonntag, 14.7.

Die Sonne hat heute Morgen scheinbar frei aber gut vorgearbeitet, daher ist es trotzdem angenehm warm draußen und wir starten zu einem der Big-Points unserer Tour. Die Erwartungen sind hoch – wir sind unterwegs zum Geirangerfjord. Auf dem Weg dorthin sind wir nicht sicher ob es noch beeindruckender werden kann, die Straße schlängelt sich zwischen Seen, Bergen und schroffen Felsen und gibt immer wieder einen Wow-Blick frei. Vor allem das letzte Hochplateau, bevor es die Kurven in den Ford hinunter geht, hat es uns angetan.

Aber wir wollen hinunter und das tun wir auch. Für einen Moment ärgern wir uns, dass unten Im Fjord kein Kreuzfahrtschiff liegt, als wir im Ort ankommen fragen wir uns jedoch wo die 3000 Touristen hier noch hin wollten.

Wir haben bereits gestern online ein Ausflugsschiff gekapert und entern dieses nun, voller Spannung auf den Fjord. Leider waren wir nicht die einzigen, die dachten ‚ach zur Mittagszeit wird es schon nicht so voll sein‘. Es war voll! Ich entschuldige mich jetzt schon mal vorab, falls ich jemandem zu nahe trete! Seit dieser Bootstour kann ich keine sächsischen Rentner-Busreisegruppen mehr leiden. So richtig können wir die Schönheit des Fjords mit seinen vielen Wasserfällen und den steilen Felsen an beiden Ufern daher erst jetzt beim Betrachten der Fotos bewundern. Wir haben die Stunde überstanden, das Wetter war schön und wir saßen draußen – Punkt. Hier nun die Fotos von diesem Ausflug (ohne die Mitreisenden).

Seht ihr in dem Foto (Mitte rechts) auch das Gesicht eines Wikingers? Unser Kleiner hat es sofort erkannt und war begeistert. Falls ihr schon mal einen unserer Blogs gelesen habt, wisst ihr, wonach uns nach dem Schiff der Sinn stand?! Fika. Ok, wir sind noch nicht in Schweden aber hey, wir finden trotzdem ein herrliches Straßencafe und Line bekommt zu ihrem Kaffee sogar ein leckeres Stück Möhrentorte.

Das Beste dran, die Kinder trollen sich mit ihren Getränken an einen extra Tisch und werden sofort von 2 Hunden inspiziert. Alle sind glücklich. Danach schlendern wir durch den Ort, natürlich nicht ohne unsere Kinder aus sämtlichen Souvenirläden zu bitten. Sie brauchen einfach alles, was es dort gibt. Line liebäugelt kurz mit einer Wollstrickjacke, wenn der Kurs 1:100 wäre und nicht nur 1:10 hätte ich die 3000 NOK gern für sie ausgegeben, aber so ziehen wir ohne weiter. Unser Plan ist es, entlang des Wasserfalls bergauf zu wandern. Was? Wieso wandern, wandern war gestern. So zumindest, der lautstarke Protest unserer Kinder. Also, Planänderung, wir lassen sie am Wasser sitzen und laufen wenigstens noch ein Stück weiter. Wir kehren dann aber doch um und beschließen, wenigstens mit dem Auto noch ein wenig der Gegend zu erkunden. Auto ist auch den beiden kleinen Recht.

Dabei klappern wir natürlich alle Hotspots der Gegend ab. Höhepunkt dieser Tingeltour soll ein Felsen am Flydalsjuvek sein. Nichts für schwache Nerven – er ragt weit über das Tal und gibt einen herrlichen Blick frei. Wenn… Ja wenn nicht, mittlerweile eine Absperrung das Motiv verhindern würde. Sicherheit geht vor und wir suchen uns ein Stück weiter unseren eigenen Felsen. Hat geklappt oder was meint ihr?!

Auch die Rückfahrt zum Camp schaffen wir nicht, ohne weiteren Fotostopp, die Kinder und Line nehmen es gelassen.

Montag, 15.07.

Line hat in einem Reiseführer gelesen, dass man sich hier in der Region unbedingt die Wasserfälle ansehen soll. Wir beschließen, dass man dazu keinesfalls früh aufstehen muss und der erste krabbelt kurz vor 10 aus dem Bett. Nachdem alle wach und satt sind, fahren wir entlang des Nordfjords bis zu einem kleinen Parkplatz – eigentlich ist es der Schulhof der Gemeindeschule. In den Sommerferien aber in alternativer Funktion. Unterwegs passieren wir den coolsten Tunnel unserer Reise und sind froh, dass wir heute ohne Wohnwagen unterwegs sind.

Die kleine Wanderung zu Tvinnefossen (2km) bringen wir schnell und entspannt hinter uns. Die Gegend ist schön aber nicht aufregend, die Wiesen bunt und es duftet nach Blumen und Heu. Wir haben uns diesen Wasserfall ausgesucht, weil man uns versprochen hat, wir können dahinter gehen, das wollen wir natürlich live sehen.

Nun dauert es nicht so lange Mal hinter einen Wasserfall zu laufen und zum Baden war es zu kalt. Line steht förmlich ins Gesicht geschrieben: ‚das kann es für heute noch nicht gewesen sein‘ und so beschließen wir, dem Weg flussabwärts zu folgen. Flussabwärts heißt in diesem Fall verdammt steil und ich muss daran denken, dass wir das im Anschluss alles wieder hoch müssen. Der Weg ist trotzdem lohnenswert und wir durchqueren eine uralte Bauernsiedlung und müssen anschließend leider auf der Straße zurück zur Schule laufen. Zum Glück ist hier keinerlei Verkehr. Dafür stehen hier überall Obstbäume mit reichlich Früchten, wir fühlen uns fast wie zu Hause.

Auch die Schule, auf deren Hof unser Auto steht, hat im Sommer eine andere Funktion. Schüler verkaufen hier frischen Kaffee und Kuchen in der Turnhalle. Dazu gibt es Selbstgemachtes aus der Region. Also Kaffee trinken und Waffeln mit Creme und Marmelade essen!

Dienstag 16.7.

Guten Morgen Sonnenschein. Ein kurzer Blick aufs Handy – sind wir wirklich noch in Nordeuropa??? Das Wetter ist schon wieder Top und der See liegt spiegelglatt vor uns. Wir nehmen trotzdem Abschied und ziehen weiter. Diesmal geht es nicht nach Norden, sondern Richtung Westen ans Meer. Die kurzen Etappen haben sich bewährt und so sind wir bereits vor dem Mittag am neuen Platz bei Bryggia. Ein Angestellter informiert uns, dass der Chef nicht da ist und wir uns erstmal einen Platz suchen sollen. Bezahlen können wir später. So wollen wir das! Wir nehmen eine Terrasse mit tollem Blick auf den Nordfjord und stellen den Wohnwagen ab. Mit einem Picknickkorb bewaffnet wollen wir noch ein wenig die Gegend erkunden. Die Gegend hier ist anders aber nicht weniger schön. Aus den Fjorden werden hier eher die weicheren Schären, mit unzähligen kleinen Inseln. Wir finden einen Platz direkt am Meer und genießen unsere regionalen Spezialitäten.

Kennt ihr das, dass man sich an einem Platz im Urlaub auf einmal angekommen fühlt? Für uns war das an einem Ort, von dem wir es nicht geahnt haben. Nach unserem Picknick fahren wir weiter die Küste entlang, die Straße wird immer schmaler – ein gutes Indiz für das Fehlen von Reisebussen. Ein Parkplatz und ein kleines Schild weisen auf die Attraktion hin, alles sehr unscheinbar und vor allem leer. Wir sind am Kannesteinen und genießen, sofort nach dem Aussteigen das Meeresrauschen und gleichzeitig die Ruhe.

Dieser Stein hat tatsächlich etwas magisches und alle sind sofort im Chillmodus. Wir bleiben eine ganze Weile, das Wetter lädt dazu ein und jeder macht irgendwie etwas anderes. Line hat sich einen tollen Liegeplatz gesucht, der Kleine spielt mit Stöcken und Steinen und die Große übt sich im Yoga. Ich fotografiere aber selbst das heute mit Stativ und 30 Sekunden pro Bild.

Irgendwann treibt uns doch die Aussicht auf einen Kaffee und ein Eis zurück in die kleine Stadt Maloy. Unterwegs machen wir Stopp in Vaegsberget, einem historischen Übernachtungsplatz mit alten idyllischen Holzhäuschen. Hier könnte man wohnen…

Wir finden ein Café, wenn auch nicht mit Blick aufs Meer, dafür mit einer hervorragenden Mandeltorte. Der Reiseführer in dem Stand, dass die Norweger nicht backen können, wird gedanklich gerade verbrannt.

Zurück auf dem Platz versuche ich zu bezahlen, allerdings geht hier aktuell gar nichts und ich einige mich mit dem Chef, dass 20,-€ auch ok sind. Er erzählt mir, dass er den Platz frisch übernommen hat, der Wartungsstau ist leider überall noch sichtbar. Soll uns nicht stören, die Lage macht einiges wett. Den restlichen Abend verbringen wir daher damit, aufs Meer zu schauen und zu entspannen. Die Stimmung wird von Stunde zu Stunde magischer, das Licht zwingt einen förmlich dazu, in die Gegend zu schauen. Mittlerweile ist es kalt geworden und wir sitzen drinnen, Line schreibt und malt ihr Reisetagebuch und ich krabble alle halbe Stunde raus und mache Fotos von immer der gleichen Landschaft, in immer neuem Licht.

Welches ist denn nun „DAS“ Bild des Abends?

Mittwoch, 17.7.

Line sträubt sich ein wenig, heute steht die Stadt Alesund auf dem Programm. Wir ziehen also mit samt Wohnwagen los und sind uns nicht sicher, ob wir den Trubel eigentlich wollen. Doch! Machen wir. Nach 2 Fährfahrten, tollen Straßen und Seen sind wir gegen 13:00 Uhr auf dem noch leeren Platz direkt in der Stadt, dem Volsdalen Camping. Davon merkt man zum Glück nicht viel, wir haben den Blich auf den Fjord und die Berge dahinter, von Stadt zeugt nur ein Hochhaus hinter uns. Als erstes steht das Meeresaquarium auf unserer Liste. Dazu müssen wir durch Alesund durch und auf eine vorgelagerte Insel. Es ist den Weg wert. Die Kinder laufen von einem Becken zum anderen, der Höhepunkt von allem, ist aber die Robbenfütterung (15:00) draußen im Landschaftsbecken. Eine Bucht, die mit großen Steinen vom Meer abgetrennt wurde und nun den Robben ein Becken bietet. Der Pfleger verrät uns im Anschluss, dass das Robbenbaby gerade mal 4 Tage alt ist und, weil es verstoßen wurde, nun per Hand aufgezogen wird.

Im Anschluss finden wir, neben den tollen Jugendstilhäusern, für die Alesund überall gelobt wird, direkt neben dem Fischereimuseum ein bis oben hin vollgestopftes Haus mit Antiquitäten. Es hat den riesigen Stadtbrand 1904 überlebt und man hat das Gefühl, dass die angebotene Ware schon damals dort zum Verkauf lag. Das allein hätte uns wahrscheinlich noch nicht hineingelockt, auf einem Schild wird jedoch behauptet, es gäbe dort Kaffee und Kuchen. Und so ist es, keine 5 Minuten später sitzen wir mitten im Laden an einem uralten Tisch und trinken einen leckeren Latte Macchiato und essen Schokokuchen (ok der war nicht selbst gebacken, dafür warm und gut). Die Kinder sitzen mit ihren heißen Schokoladen direkt am Fenster zum Meer und beobachteten Möwenbabies im Nest auf dem Fensterbrett. Seid ihr in dieser tollen Stadt – sucht diesen Laden!

418 ist die richtige Antwort auf die wohl meistgestellte Frage in Alesund. So viele Stufen sind es nämlich, direkt aus dem Stadtpark hinauf zu einem Aussichtspunkt. Die Kinder zählen natürlich mit, sind sich am Ende aber nicht einig. Das macht am Ausblick aber nix!

Auf dem Rückweg sind wir süchtig nach „Ausblick“ und beschließen das Abendessen direkt ans Wasser zu verlegen, statt auf dem nun recht vollen Campingplatz zu bleiben. Der Weg ist zum Glück kaum 100m lang und so sitzen wir wenig später und genießen kauend den Blick auf die schneebedeckten Berge rund um den Fjord. Unser Fazit: Alesund lohnt sich – uns hat aber der halbe Tag gereicht.

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Norwegen Teil I – Von Bergen bis ins ewige Eis

Juli 2019

11 Uhr gibt es Zeugnisse und kaum eine Stunde davor hat der Arzt grünes Licht gegeben, dass Line überhaupt mit darf. Ich habe am Vormittag noch schnell den Bürokram erledigt und die letzten Sachen zusammengepackt. Mittag wollen wir los, Richtung Hamburg. Eigentlich mit unserem nagelneuen Wohnwagen aber der hatte Verspätung. Also hat unser Händler einen Hobby mit Doppelstockbetten bereitgestellt und wir verlängern unsere Hobby-Phase um einmal Skandinavien. Nachdem wir sogar überpünktlich loskamen, scheinbar hatten auch die Lehrer keine Lust mehr, überrascht uns die Moderatorin im Radio mit der frohen Kunde, dass ab heute auch der Norden Ferien hat. Was soll’s, alles was wir heute schaffen, brauchen wir morgen nicht zu fahren und so stellen wir uns brav an allen Staus hinten an. Am Ende schaffen wir es doch noch bis kurz vor die dänische Grenze und steigen in den Skandinavienurlaub mit selbst zubereiteten Hotdogs ein. Am nächsten Morgen geht’s problemlos weiter, ab auf die Autobahn und nach den „Känguru-Apokryphen“ als Hörbuch sind wir schon am Fährhafen in Hirtshals – natürlich viel zu früh, aber besser als zu spät.

Wir suchen uns einen Parkplatz (hier war es trotz Hauptsaison recht ruhig) und versuchen in die Stadt zu schlendern. Irgendwer hat allerdings den Wind angestellt und so haben wir schon nach kurzer Zeit den feinen Nordseesand überall. Die Rettung verspricht ein Café , die Kinder essen Pancakes und wir trinken einen hervorragenden Cappuccino.

Auch danach haben wir auf bummeln keine Lust und setzen uns zum Essen in den Wohnwagen. Das tun wir solange, bis wir zum Anleger fahren können, eigentlich geht das erst 18:00 Uhr aber die lange Strecke von 500m liegt ja noch vor uns. Wer weiß, was da alles passieren kann. Punkt 17:15 Uhr stehen wir also am Anleger und machen uns das erste Mal Gedanken ob unser Schiff überhaupt fährt. Das Auto und der Wohnwagen schwanken gewaltig im Wind und die Wohnmobile neben uns, sehen aus wie Bodenwindspiele am Strand. Ein Blick ins Netz lässt nichts Gutes erahnen, auf der Seite von Fjordline stehen erste Verspätungen und Ausfälle aber von unserer noch nichts. Wir warten also weiter geduldig, mittlerweile war es kurz vor 8 und noch kein Schiff da, dafür verriet die Seite nun ’30 Minuten Verspätung‘. Später stellten wir fest, dass dies eine sehr diplomatische Aussage war, irgendwann ging es jedenfalls los. Rein ins Schiff, raus aus dem Auto, Koffer geschnappt und Zimmer bezogen – sauber, schöner Ausblick, reicht. Den Gang übers Schiff brechen wir nach wenigen Minuten, wegen des starken Seegangs ab. Es ist jetzt nur noch im Sitzen oder Liegen zu ertragen. Mit Reisetabletten und geschlossenen Augen ertragen wir tapfer die Nacht, einige Wellen erinnern sehr an die Schiffsschaukeln der Eisleber Wiese und ich überlege mir, wie sich das wohl im Bauch des Schiffes bei den Fahrzeugen bemerkbar macht. Die zweite Nachthälfte ist deutlich ruhiger und so verschlafen die meisten von uns den Zwischenstopp in Starvanger. Die Sonne weckt uns nur wenig später und wir machen uns auf die Suche nach unserem gebuchten Frühstück. (18,-€ pro Erwachsener und 9,-€ für Kinder haben sich für uns definitiv nicht gelohnt, zumal es zwar bis 10:30 Frühstück gab aber die Kabinen bereits bis 10:00 geräumt sein mussten, noch dazu verdiente der Kaffee seinen Namen nicht und war scheinbar nur dafür gedacht die Leute gleich anschließend in die Bordeigene Starbucks-Filiale zu locken – das nächste mal also ohne!) Wir hatten nicht mehr daran geglaubt aber pünktlich zur Zimmerabgabe kommt die Sonne raus und wir können die restlichen Stunden auf dem Deck verbringen. Schon jetzt genießen wir Norwegen, denn das Schiff schlängelt sich durch die Inseln vor der Küste, manchmal in Rufweite zu den Fischerhäusern.

Der Kapitän hat scheinbar alles gegeben und wir fahren bereits eine halbe Stunde vor dem Plan vom Schiff, direkt in das Gewimmel von Bergen. Erst einmal machen wir uns auf den Weg, die 10km aus Bergen hinaus und zu unserem ersten Campingplatz – Lone Camping.

Mit Blick zum See essen wir einen Happen bevor wir zurück in die Stadt fahren. Unser Ziel sollen eigentlich die Altstadt von Bergen und der Fischmarkt sein. An den Ständen arbeiteten fast ausschließlich junge und vor allem gut gelaunte Menschen aller Nationalitäten.

Für einen kurzen Besuch reicht es, dann macht uns die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Line geht es nicht gut, wir tippen auf die Nachwehen der Seekrankheit und brechen unseren Besuch ab – Bettruhe.

Samstag 6.7.

In der Nacht hat es viel geregnet aber morgens ist der Spuk vorbei. Leider sieht es mit Lines Wohlbefinden anders aus. Wir frühstücken kurz und brechen dann unser Lager ab. Es geht weiter zum Naeroyfjord. Zwar sind es bis zu unserem neuen Platz ( Flaam-Camping) direkt am äußersten Ende des Fjords nur 150km aber das heißt ja in Norwegen nichts. Unendliche Tunnel, Kurven und Kreisel später sind wir dort angekommen.

Gesundheitszustand: leider noch schlechter. Die Fahrt konnten wir demnach kaum genießen, ich bin mir jedoch sicher sie lud dazu ein. Der neue Platz ist schön in einer alten Obstwiese gelegen. Die Berge ringsum geben viele Wasserfälle frei, einzig der dauerhafte Ansturm von Reisebussen trübt die Idylle. Diese müssen nämlich die kleine Straße direkt am Platz passieren, um ihre Reisegäste 200m weiter direkt am Fjord aussteigen zu lassen.

Wir beschließen hier zu bleiben, bis alle wieder fit sind. Notfalls kürzen wir unsere Tour hinten raus.

Sonntag 7.7.

Gleich nach dem Aufwachen ein kritischer Blick in Lines Gesicht macht klar, wenn wir heute etwas unternehmen, dann ohne sie. Nach dem Frühstück geht es also mit den Kids auf zum Bahnhof der Flaam-Bahn. Line lassen wir bei Tee und Zwieback zurück. Das Zugticket ist norwegentypisch recht teuer aber die Strecke soll es wert sein, erzählt man sich. Allerdings ist sie so beliebt, dass man beim Ticketkauf die Abfahrtszeit (hoch und runter) mit angeben muss. Ich will oben etwas laufen, die Kinder setzen sich durch und so kaufe ich hoch und runter mit der gleichen Bahn. Die Wagen sind aus längste vergangenen Zeiten aber bequem und jeder hat einen Sitzplatz, wir glücklicher Weise am Fenster. So kann der eine oder andere spektakuläre Blick auch auf der Kamera gespeichert werden. Das Wetter ist heute sehr nordisch, auf Fotos mag ich das ja, die Kinder eher nicht so aber sie nehmen die Stunde aufwärts klaglos hin.

Zwischendurch gibt es einige kleine Haltepunkte, hier können Wanderer ein und aussteigen. An einem großen Wasserfall stoppen wir etwas länger und lassen eine touristische Inszenierung auf uns „wirken“

Zu mystischer Musik tanzt eine (ja was ist es!? Fee, Elfe, Hexe!? Ich weiß es nicht) Dame und soll der Sage nach Männer in den Wasserfall locken. In unserer Runde hatte sie kein Glück, ich habe darauf geachtet! Danach geht es die letzten Minuten hinauf zum Bahnhof. Hier gibt’s leider auch nicht mehr, lediglich 2 Gleise und ein Bahnhofsgebäude. Das andere Gleis bringt Touristen direkt von Oslo hier her, die steigen nun zu und unten wahrscheinlich in ihr Kreuzfahrtschiff.

Wir waren (ohne Line) scheinbar schlecht vorbereitet, denn wir wussten nichts von der Möglichkeit des Radverleihs, daher hier als Tipp für diejenigen, die das hier mal aus Versehen lesen. Es gibt oben am Bahnhof die Möglichkeit sich Mountainbikes auszuleihen und den Rückweg auf einem wunderschönen Weg selbst zurück zu legen – fast nur bergab! Gebucht wird das bereits unten und man spart sich das Ticket für die Rückfahrt.

Und gleich der nächste Tipp: Wenn ihr doch wie wir (vielleicht auch wegen schlechtem Wetter wie bei uns) hoch und runter fahrt, dann tauscht oben am Bahnhof auf die andere Zugseite. Wir fanden 2 nette Holländer mit denen wir tauschen konnten und so hatten wir auf der Rückfahrt die Chance auch die Landschaft der anderen Seite zu genießen! Sogar das Wetter ist gnädig mit uns und schickt die Sonne zum Dienst.

Ehe wir wieder unten sind, ist es Nachmittag und Line geht es zumindest so gut, dass wir einen kleinen Spaziergang ans Wasser machen können. Wir sitzen am Fjord, genießen den Ausblick und die Kinder fordern ihr obligatorisches Urlaubstageseis ein – bekommen sie. Direkt auf dem kleinen Markplatz am Bahnhof gibt es neben Eis auch 6 Imbissstände – 5 davon bieten entsprechend der offenbaren Zielgruppe asiatische Speisen in jeder Form an, einer verkauft Elch- und Rentierfleisch, er beweist uns überzeugend, dass es ihm schmeckt.

Nach dem Abendessen – es ist ja zum Glück ewig hell hier oben – frage ich die Kinder ob sie mit mir noch einen Ausflug zum Stegastein machen wollen. Das ist ein Aussichtspunkt über dem Fjord. Die Kinder lehnen dankend ab, sie wollen lieber das Campingplatzleben auskosten und spielen. Wenn ich ehrlich bin, aber das bleibt unter uns, bin ich nicht böse darüber und starte. Das Wetter sieht sehr verheißungsvoll aus, überlegt es sich aber doch noch und so ziehen dunkle Wolken auf. Entscheidet selbst anhand der nächsten Fotos ob das gut oder schlecht war, ich jedenfalls, war hinterher nass! Schon auf dem Weg zum Aussichtspunkt muss ich immer wieder anhalten und den Blick genießen. Die Massen mit den Reisebussen sind durch, so geht das glücklicher Weise auch.

Ich hoffe noch auf Besserung und lungere eine Weile oben auf dem Parkplatz herum aber die dicken Wolken verziehen sich nur, um neuen Platz zu machen. Die Wartezeit nutze ich um „Schlechtwetterfotos“ zu machen. Eine Auswahl der Besten für euch, fällt mir hier besonders schwer, also müsst ihr da jetzt durch…

Die Rückfahrt gestaltet sich nicht weniger spektakulär und so setze ich, wenn man schon mal allein unterwegs ist, unser Auto in neuem Design nochmal richtig in Szene.

Dabei sprang mir noch ein unkonventionelles Vogelnest ins Auge, welches kurz danach mit wildem Gezeter seitens der Mövenmama wieder besetzt wurde. Sie scheint auch ein Fan von großen Reifen zu sein.

Nun aber schnell zum Rest der Familie…

Montag 8.7.

Juhu!!! Line ist wieder unter den Lebenden und können wieder gemeinsam losziehen. Das tun wir heute auch, nämlich 1,5 Stunden bis zum nächsten Campingplatz, schon die Fahrt dorthin ist wunderbar, vor allem weil wir sie wieder alle genießen können. Wenn es nicht durch gefühlt endlos lange Tunnel geht (unter anderem diesen toll beleuchteten 23km) dann schlängelt sich die Straße eng am Fjord entlang oder wir setzen per Fähre auf die andere Seite über.

Unser heutiges Ziel ist der Campingplatz Kjornes am Sognefjord. Gleich nach dem letzten Tunnel geht eine winzige Straße ab und führt uns zu dem sehr ordentlich angelegten Platz. Super gelegen, uns aber irgendwie etwas zu aufgeräumt. Alle Plätze sind geschottert und irgendjemand ist mit dem Winkelmesser durch das Gelände gelaufen, als er den Platz gebaut hat. Hilft aber nix, denken wir und erfahren dann an der wie immer netten Rezeption, dass der Platz erweitert wurde und 50m weiter hinten eine unparzelierte Wiese ist, auf der wir gern ein Platz aussuchen können. Nun macht sich die kurze Etappe bezahlt, denn wir finden die Wiese fast leer vor und können es kaum glauben als wir ein total ruhiges Plätzchen direkt am Wasser finden – unser Platz für die nächsten Tage.

Die Wege zum Waschhaus und zum Abwaschen sind hier zwar etwas weiter aber hey – das nehmen wir gern in Kauf, für diesen Ausblick. Im Aufbau haben wir mittlerweile auch mit dem Leihwohnwagen eine gewisse Routine und so unternehmen wir nach einem Kaffee mit Aussicht (der erste für Line) noch einen kleinen Ausflug zum Gletschercenter mit Museum in der Nähe.

Die Fahrt dorthin war herrlich, das Center hat uns jetzt nicht so vom Hocker gerissen, aber wir sind uns alle einig – macht ein Kreuz im Kalender – dass wir auf den Gletscher wollen. Die im Museum gesparte Zeit nutzen wir, um uns in der Gegend treiben zu lassen, bevor wir zum Wohnwagen zurückkehren.

Dienstag 9.7.

Das Wetter ist so toll, dass wir schon morgens kurzärmlich draußen frühstücken können. Mitten beim Frühstück macht uns lautes Platschen Aufmerksam. Im Fjord, direkt vor uns, zeigt sich eine Robb. Sie scheint ebenfalls zu frühstücken und wir können unser Glück kaum fassen.

Die Wärme steigt uns Erwachsenen scheinbar etwas zu Kopf. So zumindest wäre zu erklären, dass wir denken, auch unsere Kinder finden den Plan, heute zu wandern, super. Meckern hilft aber nichts. Wir haben den Plan gestern Abend schon ausgefeilt. Wir wollen zum Keippen, einem Berg mit Blick auf den Fjord. Google hat eine Wanderung ausgespuckt, die nicht zu lang ist und auch den passenden Parkplatz dafür (denken wir!). Die Fahrt dorthin wird immer spannender, die Straße ist herrlich gelegen und wird von Abzweig zu Abzweig immer enger. Dann noch schnell mit der Fähre über den Fjord. Natürlich müssen wir kurz warten bis das Schiff kommt und blicken neugierig übers Wasser, als Line ruft ‚Da ist was!!!‘ Irgendwie bin ich blind, ich seh erstmal gar nichts. Alle rufen durcheinander. Alle haben es gesehen, lange bevor ich es dann endlich auch entdecke. Auf dem Fjord schwimmen ganz entspannt eine Gruppe Schweinswale – zumindest wurden wir später aufgeklärt, bis dahin hielten wir sie für Delphine 🙁 . Ich habe es dann doch noch geschafft, wenigstens 2 zu fotografieren.

Die tolle Anfahrt gipfelt in einer Privatstraße mit Mautstation, wobei die Mautstation aus 2 Briefkästen besteht. Oben Umschlag rausnehmen und mit 50NOK (5,-€) befüllen, Kennzeichen darauf schreiben und in den unteren einwerfen. 100m später endet der Asphalt und ich freue mich endlich mal mit dem richtigen Fahrzeug (und dank Delta 4×4 auch mit den richtigen Rädern) unterwegs zu sein. Unser erster Stopp ist dann ein kleiner Gebirgsbach, in dem man herrlich spielen kann – kleine Kinder und große auch!

Danach geht’s weiter hoch. Zumindest, bis der Weg so schlecht wird, dass nicht an ein weiter fahren zu denken ist. Laut der Beschreibung im Netz, sind wir nun am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Wenn wir nur wüssten, wo es lang geht. Weit und breit ist kein Wanderweg zu sehen, nicht mal ein Berg, den man in der angegebenen Zeit besteigen könnte. Etwas ratlos laufen wir durch die Gegend, die unbestritten toll ist. Zu allem Überfluss gibt es hier oben (unglaublich) auch kein Netz. Ein Navigieren ist also nicht möglich. Wir beschließen, etwas zurück zu fahren, dort sind ein paar Häuser und wir können fragen. Die erste Familie auf die wir treffen, sind deutsche Auswanderer. Das macht nicht nur die Kommunikation einfacher, sondern begräbt auch unser Projekt Keippen. ‚Mit den Kindern nicht machbar‘ war die fachmännische Meinung der Auswanderer. Dafür gibt es aber einen neuen Wandertipp mit Anfahrtsbeschreibung ins nächste Tal. Zum Glück müssen sie in die gleiche Richtung wie wir und können uns das eine oder andere Mal vor dem falschen Abzweig bewahren. Wir sind im Urlaubsmodus und können uns nix merken. Zum Glück habe ich mir aufgeschrieben wie unser Ziel heißt und so schlängeln wir uns den nächsten ansehnlichen Berg hinauf – kurzer Stopp am Aussichtspunkt…

…und schon geht es auf den Gaularfjellet. Die Landschaft ändert sich schlagartig und man vermutet nicht, dass man vor 10 Minuten noch den Fjord passiert hat. Wir begrüßen kurz die Bewohner der Gegend und machen uns danach auf die Suche nach dem Parkplatz.

Den finden wir schnell, allerdings ist es mittlerweile schon Nachmittag und wir starten zum Wandern?! Ähnlich wie unsere Bedenken, sieht die Lust der Kinder aus. – Zum Glück verfliegt beides und nicht mal die vereinzelten Regentropfen, hindern uns am Weitergehen. Es ist herrlich hier, kleine Bergseen umschlossen von Felsen, Gebirgsbäche mit Steinen zum Balancieren, alte Hütten und immer wieder Schafe.

Irgendwann suchen wir uns einen Picknickplatz und verschlingen, viel später als geplant, unser Essen. Danach geht’s zurück zum Auto, gleicher Weg, trotzdem toll. Danke liebe Auswanderer (wir wissen den Namen leider nicht) für den Tipp.

Als wir am Wohnwagen ankommen ist es bereits Abends. Wir entscheiden uns für das schnellste, was der Kühlschrank hergibt – Tortellini und fallen ins Bett.

Mittwoch 10.7.

Bereits gestern haben wir unseren tollen Stellplatz um eine Nacht verlängert und so können wir heute zu einem Highlight aufbrechen. Als ich aufwache, ist Line bereits draußen. Sie hat Wasser für frischen Kaffee geholt und dann „unserer“ Robbe einen guten Morgen gewünscht. Dabei ist es erst 7… Sie ist doch nicht etwa aufgeregt?

Auch die restliche Meute ist heute recht schnell aufgestanden, denn wir wollen zum Gletscher. Die Tour sollte eigentlich mit dem Kajak über den Gletschersee führen. Nach einem Telefonat mit dem Guide, ist uns das allerdings zu riskant. Die Kinder müssten über 1,5h mit paddeln und Line ist immer noch geschwächt. Wir wählten also schweren Herzens die Motorbootvariante, freuen uns heute aber nicht weniger darauf.

Wir haben uns für die Agentur Icetroll entschieden und so warten wir, nach einer Stunde Fahrt am Gletschercentrum des Jostedal Glacier (der größte Gletscher des europäischen Festlandes) auf Kuba unseren Guide. Die Wartezeit nutzen wir, um das kleine Museum zu erkunden, kostenlos für alle die eine Führung gebucht haben. Es gibt auch einen kleinen Shop, die letzte Chance nach Handschuhen zu schauen. Ha, mitten im Sommer Handschuhe, wer braucht denn so was? Das haben die von Icetroll bestimmt nur aus marketingzwecken in die Mail geschrieben. Trotzdem habe ich bereits im Auto nach Handschuhen geschaut, Line zu Liebe… gefunden hab ich meine es-könnte-jederzeit-ein-Wintereinbruch-kommen-Notfall-Handschuhe und ein Paar Reifenwechsel-Arbeitshandschuhe. Im Laden gibt es tatsächlich Wollhandschuhe, allerdings in „groß“ – kaufen wir. Jetzt hat jeder welche, außer dem schmunzelnden Micha. Kuba kommt pünktlich und nimmt uns in Empfang, wir müssen noch auf eine belgische Familie warten. Die wollten eigentlich schon gestern aber haben die Abfahrt verpasst – irgendwie wie heute. Irgendwann starten wir dann ohne die Belgier, dafür mit einigen fiesen Kajak-Fahrern. Fies natürlich nur weil sie Kajak fahren. Der Tross folgt den Guides immer weiter den Berg hinauf, das Thermometer im Auto ist im Sinkflug.

Dann haben wir die Staumauer erreicht, unsere Autos tauschen wir gegen Schwimmwesten und machen uns zu Fuß auf, die letzten Höhenmeter zu meistern. Dann liegt er vor uns, der Gletschersee und als ob es das normalste der Welt ist, schwimmen Mitte Juli ein paar entzückende kleine Eisbergchen direkt vor uns. Wir „Alten“ sind ergriffen, die Jugend nimmt es irgendwie hin.

Schnell besteigen wir das Boot, mittlerweile ist auch die belgische Delegation zu uns gestoßen. Man hat einfach oben auf uns gewartet – verwirrt aber jetzt egal. Auf geht’s!

Kuba, unser Guide tut es dem Kapitän der Titanic gleich und hält Kurs auf die Eisberge, während wir uns dem Gletscher nähern, so kann ich meinen Zeigefinger durch dauerhaftes Auslöserdrücken warmhalten – guter Mann! Natürlich rammen wir keinen und halten, als wir ankommen noch mehr Sicherheitsabstand zum Gletscher. Im Sommer brechen dauerhaft große Eisbrocken ab. Die wollen wir gar nicht von unten im freien Fall sehen. Also anlegen und ab zum Eis. HALT! In Norwegen, so erklärt uns Kuba, herrscht Seilpflicht! Also bekommen wir neben Steigeisen, alle einen Karabiner und knoten uns, nacheinander alle an ein Seil, bevor es wirklich auf den Gletscher geht. Die folgenden Bilder geben nur einen ungefähren Eindruck des Ganzen. Wir haben ein Dauerlächeln im Gesicht, unserem Kleinsten ist kalt…

Wie ein Expeditionsteam kommen wir uns vor, als wir die ersten Gletscherspalten erkunden. Wenn die Kinder vorsichtig in eine Spalte schauen, natürlich nur nach Anleitung vom Guide, hält Line die Leine so fest, dass sie Mühe haben, überhaupt in deren Nähe zu kommen (man beachte die Leine im nächsten Bild). Jetzt sind alle begeistert.

Neben vielen Informationen hat unser Guide Kuba auch noch was viel interessanteres dabei – heißen Kakao. Spätestens jetzt hat er die Kids auf seiner Seite. Nach einer Tasse (für mich nach 2) machen wir uns auf den Rückweg, jetzt sind wir ja schon alte Hasen…

Auf dem Rückweg legen wir noch ein Picknick im Sonnenschein ein. Der Platz im steinigen Flussbett bot sich einfach an und die Wärme holt uns wieder in den Sommerurlaub zurück. Dann passiert das, worauf unsere Kinder schon lange warten – Nachmittag ist gammeln angesagt.

Ihr wollt wissen wie unsere Tour weitergeht? Hier geht’s zu Teil II

Plansee: Klippensprünge, Kanu, Rafting / Sommer 2018 Part III

Tag 15

Schon wieder Wecker stellen und das im Urlaub. Aber wir wollen weiter. Die „nette“ Dame vom Campingplatz am Heiterwanger See meinte, wenn wir eher kommen, sind die Chancen auf einen Stellplatz besser, reservieren geht nicht (weil wir keine 7 Nächte bleiben). Da der Platz laut deren Internetseite traumhaft schön am See liegt, verträumt und unparzelliert (also eine Wiese direkt am See, auf der sich jeder ein schönes Plätzchen sucht) wollen wir dort aber undingt hin, auch wenn die Dame am Telefon in ihre Kommunikationsschulung geschlafen hat. Wir starten also recht früh nach einem letzten Frühstück mit Dolomiten-Blick. Starten heißt ersteinmal bergab, wir sind ein ganzes Stück oberhalb der Brennerautobahn und auf die müssen wir. Welche Abfahrt die bessere ist, wissen wir nicht so richtig, entscheiden uns aber über den Norden zu fahren, so waren wir auch gekommen. Endlos schlängeln sich die Serpentinen hinab. Dem Amarok macht das nix aus, der Wohnwagen hängt scheinbar dauerhaft in der Auflaufbremse. Die mag das gar nicht und quittiert ihren Dienst. Zum Glück passiert das an einer Baustellenampel und wir können ihr eine kurze Verschnaufpause gönnen. Im Rückspiegel betrachten wir mit etwas Sorge den stinkenden Qualm der aus allen 4 Rädern steigt. Passiert nix, beruhige ich Line und tatsächlich nach dem Stop und der Abkühlung ist alles wieder schön und wir schaffen die letzten Kurven problemlos. Bevor wir auf die Autobahn fahren, stoppen wir noch an einem Eurospin. Wir wollen einkaufen und das ist der einzige Markt hier in der Nähe. Es geht unter die Erde und wir stehen in einer Art Rest- und Sonderpostenmarkt. Nach Lines erstem Schock stellt sich dieser aber als recht gut sortiert heraus und wir kaufen Südtiroler Leckereien. Neben Nudeln, Pesto, Schinken wandern auch ein paar unscheinbare Tüten Kekse in den Wagen. Wir nehmen sie mit, weil sie Palmölfrei ist, in Deutschland leider viel zu selten. Es soll sich herausstellen, dass wir nie leckere Kekse irgendwo gekauft haben. Eurospin kommt also in unsere Muss-man-mitnehmen-Liste.

Die weitere Fahrt läuft gut und wir kommen schnell voran. Als wir die Autobahn gegen Mittag wieder verlassen, hat es sich merklich abgekühlt. Ich friere beim Tanken. Dafür wird die Gegend schon wieder beeindruckend. Unsere Vorfreude steigt! Als wir laut Navi näher kommen, fangen wir an zu grübeln. Die Gegend kennen wir, hier in der Nähe waren wir im Herbst 2016. Damals zwar auf dem Zugspitzresort, aber einen Ausflug haben wir hier doch auch gemacht? Ungläubig schauen wir uns an. Ein komisches Gefühl beschleicht uns. Wir wollen es aber nicht wahr haben und fahren weiter. Rechts abbiegen, sagt die Navi und nun ist es klar. Wir steuern exakt den Platz an, den wir uns damals angesehen haben. Das machen wir immer gern, wer weiß ob man nicht mal einen Platz sucht. Trotzdem sind wir irritiert. Dieser Platz hier, hat so gar nichts mit der Beschreibung im Netz zu tun. Direkt daneben ein großes Hotel, den Seezugang teilt man sich mit den Touristen des Hotels, den vielen Reisebusse und mitten drin ist auch noch der Schiffsanleger. Camping am Seeufer ist hier gar nicht machbar. Hinzu kommt, dass der Platz fest in der Hand von Dauercampern ist, die Ihr Territorium sorgfältig mit Minigartenzäunen markiert haben – ein Horror für uns. Zum Glück ist gerade Mittagspause, so kommen wir gar nicht in Versuchung zu bleiben. Wir wollen unser Glück am Platz Seespitzcamping versuchen. Der liegt ganz in der Nähe am Plansee (Plansee und Heiterwanger See sind verbunden) und hat hoffentlich noch ein Plätzchen für uns. Ach ja und schöner als dieser hier sollte er auch sein. Jackpot!!! Nicht nur die Gegend ist noch schöner, der See noch türkiser, die Berge noch steiler, nein, nach kurzer Verhandlung bekommen wir einen schönen Terrassen – Platz und dürfen bis zur Abfahrt in 4 Tagen bleiben. Die Zufahrt ist so steil und eng, dass wir beschließen, unseren Mover zu aktivieren. Dazu muss natürlich das Auto vom Wohnwagen getrennt werden. An dem steilen Hang ein Fehler, wie sich herausstellt. Es ist so steil, dass der Anhänger einfach nach hinten kippt. Ich halte ihn mühsam fest, bis ein Kind von der Schaukel gesprungen ist und vorn auf der Deichsel Platz nimmt. Das reicht und nun geht es auch ganz easy. Line erholt sich auch schnell vom Schock und wir können den Rest vom Tag genießen.

Wir holen unsere Urlaubswunschliste raus, hier stehen noch 2 unerledigte Wünsche drauf: Rad fahren und Rafting. Kurze Manöverbesprechung mit Line und wir geben grünes Licht, das ist machbar! Damit sollten alle Mitreisenden glücklich sein. Ein unerwartetes Glücksgefühl beschert uns, dass auf dem Campingplatz angebotene Abendprogramm. Unser Sohn (keine Ahnung woher er das hat) entscheidet sich für Fußball. Heute läuft das Halbfinale im Biergarten. Unser Favorit Schweden ist ja schon nicht mehr dabei, also ist er für Kroatien und am Ende glücklich. Wir wählen Wellness. Der Platz hat ein Saunahäuschen gebaut. Ganz neu und sehr schön gemacht. Das wollen wir ausprobieren und genießen die halbe Stunde schwitzen.

Tag 16

Sonne! Wir frühstücken draußen mit Blick auf den See und die Berge. Noch einmal beglückwünschen wir uns zu der Entscheidung vom Vortag, weiter zu fahren. Wir sind glücklich. Heute soll es endlich die ersehnte Radtour geben. Die Wege sind gut ausgeschildert, so kommen wir direkt am Plansee entlang über eine Brücke und dann weiter am Ufer des Heiterwanger Sees. Die Gegend hier ist so schön, das Wasser so klar und trotzdem kräftig grünblau, dass es schon fast kitschig ist. Wir genießen die Tour und machen am Bootsanleger des Heiterwanger Sees Picknick (am Camping Heiterwanger See). Die Kinder entern ein angebundenes Floß und sind die nächste Stunde nicht mehr aus dem Wasser zu bekommen.

Wir liegen eine Weile am See, dann sammeln wir alle ein und radeln zurück. Auf dem Weg fällt unserem jüngsten und Line eine Halbinsel ins Auge, ein Weg führt dort hin und sie biegen spontan ab. Eine gute Idee. Hier gibt es eine kleine verträumte Badesetelle mit Steg, die beiden Zwerge sind angefixt vom Springen. Uns kann eine Abkühlung auch nicht schlecht tun, also finden wir uns kurze Zeit später alle im klaren, kalten Wasser wieder.

Nachdem wir wieder am Platz angekommen sind und es zum Kaffee die leckeren Kekse aus Südtirol gibt, beschleichen Line und mich die Lust nochmal los zu ziehen. Die Kinder wollen schaukeln – sollen sie. Wir machen zu Fuß einen Ausflug zu den Stuibenfällen. Diese bilden quasi das Ende des Plansees. Nach einer halben Stunde Fußmarsch haben wir sie erreicht. Kann es sein, dass das Wasser hier noch kräftiger schimmmert? Wir denken ja.

Die Stuibenfälle sind beeindruckend und wir können zwei Canyoninggruppen beim Abseilen und Springen beobachten. Das letzte Sprungbecken ist scheinbar gut erreichbar und so beschließen wir, hier nochmal mit den Kindern her zu kommen. (Ach, wenn der Urlaub nicht immer so schnell vorbei wäre). Als kleinen Vorgeschmack suche ich mir, mit den Kindern, die nächste Brücke am Campingplatz und wir springen einfach hier in den See. Gerade für den Kleinen eine große Überwindung. Hinterher ist er so stolz, dass er es jedem auf dem Platz erzählt. Egal ob der es wissen will oder gar kein Deutsch spricht.

Heute füllt sich der Campingplatz schon etwas. Durch die vielen Terrassen verläuft es sich aber gut. Wir haben neue Nachbarn. Ein Schweizer Pärchen mit Hund. Damit haben sie die volle Aufmerksamkeit unserer Kinder. Sie dürfen mit ihm spielen und wir bieten den beiden nach dem Abendessen einen Espresso an. Wir kochen sowieso und die Kanne ist groß genug für 4. Am Ende sitzen wir bis spät in die Nacht, zum Espresso gab es einen baskischen Kuchen mit Vanillecremefüllung, zum Rest des Kuchens gab es Wein und zum Wein einen Zirbenschnaps und zum Schnaps ein Radler. Das alles mit sehr angenehmen Gesprächen. Ein schöner Abend.

Tag 17

Heute haben wir Zeit! Die Kinder schlafen aus und wir frühstücken ausgiebig. Sie fordern ihre Zeit zum Schaukeln und bekommen sie auch. Gegen 12 machen wir uns auf zum Lech. Dort direkt am Ufer befindet sich die Rafting Base Fun Rafting, bei der wir heute Spaß haben wollen. Das Lechtal ist im Auto schon toll anzusehen und das Basislager von …. liegt genau mitten drin. Am Ufer schaukelt verträumt eine Hängematte, kurz überlege ich, ob ich nicht lieber hier bleibe.

Nein wir wollen Raften! Mitfahren werden bei uns, der Guide (ist klar) ein Vater-Sohn-Duo und ein Pärchen, wobei die Frau gar nicht glücklich schaute, als es los geht. Auch dabei, war noch ein junges Pärchen, die Ihr Glück im Kanu versuchen wollten. Wir fahren mit dem Guide und den Booten im Anhänger eine Weile flussaufwärts und schleppen anschließend die Boote ins Wasser. Nun folgte der unangenehmste Teil der Tour, das erste Bad im eiskalten Wasser, brrrrrrrr. Dann geht es endlich richtig los. Unser Guide ist lustig drauf, ebenso wie alle anderen im Boot.

Die Tour macht ordentlich Spaß, auch wenn etwas wenig Wasser im Fluss ist. Die Dürre war eben auch hier angekommen. Zwei Mal müssen wir unserem Boot über die Steine helfen. Für das wenige Wasser, sind wir wohl zu dick. Trotzdem gibt es ein paar Stromschnellen, die das Wasser ins Boot spritzen lassen. Wem das nicht reicht, der lässt sich einfach nach hinten hängen, bis der Kopf im Wasser hängt. Besonders angenehm wird das, wenn das Wasser beim wieder hinsetzen, den Nacken entlang in den Anzug läuft…

Kurz nach der Hälfte machen wir Pause. Obwohl Pause nicht das richtige Wort ist. Es macht nämlich nur unser Boot Pause. Wir nutzen die Chance, um im Lech zu schwimmen. Viel Tun müssen wir dazu anfangs nicht. Wir laufen etwas flussaufwärts und legen uns dann einfach mit den Beinen zu erst ins Wilde Wasser. Der Fluss nimmt uns einfach mit, die Schwimmwesten halten uns oben und wir haben unseren Spaß. Am Ende muss man dann ordentlich schwimmen, um wieder ans Ufer zu kommen. Die Erwachsenen fischen die Kinder raus und weiter geht es mit dem Boot.

Nach 3 Stunden ist der Spaß vorbei und unser Boot legt am Basislager an. An den Gesichtern können wir erkennen, dass es Spaß gemacht hat, aber auch anstrengend war. Jetzt noch schnell Grillzeug besorgen und ab zum Campingplatz. Wir sind erledigt und so wird der Abend recht kurz. Nur für einen kleinen Spaziergang zum See, können wir uns noch hinreißen lassen. Die Kinder und ich knipsen wie wild den Sonnenuntergang und dann geht es ab ins Bett.

Tag 17

Es ist unser letzter echter Urlaubstag, morgen müssen wir nach Hause fahren. Alles was wir heute nicht machen, muss wohl bis zum nächsten Urlaub warten. Das soll möglichst wenig sein, also wagen wir einen Blick auf die Liste. Eigentlich haben wir alles gemacht, was darauf steht. Allerdings sind im Laufe der letzten 4 Tage noch 2 Dinge dazu gekommen, das sollte doch klappen!? Heißt aber wieder mal, Wecker stellen. Er klingelt zuverlässig um 6 (wo ein Sonnenuntergang ist, muss auf der anderen Seite auch ein Aufgang sein…). Es ist wie verhext, wir wachen auf und hören – Regen. Also, das bekannte Prozedere, Wecker eine halbe Stunde vorgestellt, um sich exakt diese halbe Stunde wach im Bett zu wälzen. Nun tröpfelt es zwar immer noch, aber wir beschließen trotzdem zu starten. Bereits am Abend haben wir die Kanus des Campingplatzes reserviert, so können wir ohne Umweg zum See runter und los paddeln. Dank unserer Regenjacken und Hüte hört es umgehend auf zu regnen und wir genießen 2 Stunden auf dem absolut ruhigen See. Wir sind erstaunt, wie viele doch am Abend ihr Zelt am Seeufer aufschlagen. Natürlich weit ab von Wegen und Wanderern, aber jetzt vom Wasser aus, gut zu sehen. Einer liegt sogar nur im Schlafsack im Gras (ihr erinnert euch, bis eben hat es geregnet). Das kennen wir nur von Betrunkenen auf einem Festival.

Nachdem einen Teil des Sees befahren haben und ich doch ein paar Fotos schießen konnte, wenn auch nicht vom Sonnenaufgang, bekommen wir mächtig Hunger und paddeln zurück zum Frühstück. Das schmeckt jetzt doppelt so gut, sicher auch wegen dem Rührei mit leckerem Südtiroler Schinken.

Letzter Tag also volles Programm – aber ohne Stress. Wir satteln nochmal die Fahrräder und fahren am kleinen Plansee Richtung Stuibenfälle. Ab dem Seeende ist das Radfahren verboten und der Weg auch nicht wirklich geeignet, also laufen wir neben den Fällen hinab. Immer wieder können wir ein paar Blicke auf die Fälle erhaschen, bis wir endlich an dem Punkt sind, den wir bei unserer kleinen Runde vor 3 Tagen entdeckt haben. Hier ist es irgendwie unreal, so schön. Wenn das Wasser jetzt statt 8 Grad um die 20 hätte, ich wäre im Paradies.

Natürlich hält uns die Wassertemparatur nicht ab. Wir sind schließlich hier, um von den Felsen zu springen und das machen wir auch. Zwei übereinander liegende Becken, nur getrennt durch einen Wasserfall, laden dazu ein. Die Kinder sind begeistert, Line auch und ich sowieso. Erst als alle Felsvorsprünge erobert sind, kehren wir zu unseren Rädern zurück. Im Kopf und in der Kamera die Bilder dieses tollen Erlebnisses.

Jetzt sind wir 17 Tage unterwegs und haben außer den Murmeltieren, keine wilden Geschöpfe gesehen. Und das, obwohl wir immer wieder Ausschau gehalten haben. Aber letzter Tag ist Highlight Tag. Auf dem Rückweg entdecke ich auf dem gegenüberliegenden Waldhang etwas Braunes. Es läuft durchs Dickicht und immer nur kurz im freien Gelände. Die Kamera mit Teleobjektiv bestätigt die Vermutung – eine Gams.

Da ich mich ganz der Gamsfotografie hingebe, bemerke ich natürlich nicht den Sturz des Kleinen, der wie die anderen schon weiter gefahren ist. Der Ärger (bei Line und ihm) darüber vergeht aber schnell und nachdem ich die Riesenschildkröte aufgeblasen habe, bin ich wieder sein Freund. Wir verbringen den Rest des Tages (war ja auch genug Aktion bis jetzt) am See. Die Kinder wechseln sich mit der Nutzung der Schildkröten – Luftmatratze ab. Es gibt auch kaum Streit. Einen kurzen Schockmoment erleben wir dann doch noch, als unsere Tochter ziemlich weit weg von uns (aber in Ufernähe) von der Luftmatratze klettert und diese los lässt. Ihr Versuch, sie wieder einzuholen scheitert sichtbar. Ich sprinte am Ufer in ihre Nähe und schwimme zu ihr, da sie ok ist und es zum Ufer alleine schafft, mache ich mich an die Verfolgung der Schildkröte. Wer verdammt hat behauptet, dass Schildkröten langsam sind?! Nur mühsam und langsam hole ich sie ein und bin froh, dass ich die viertel Stunde, die ich für den Rückweg brauche, auf ihr liegend strampeln kann.

Wir genießen noch eine Weile das tolle Wasser und die Sonne, Line schreibt die letzten Zeilen in ihr Urlaubstagebuch.

Fazit: Wir haben es nicht bereut in die Alpen zu fahren. Wir haben auf 4 tollen Plätzen gestanden, wunderschöne Landschaften kennen gelernt und viel erlebt. Ganz nebenbei haben wir eine neue Urlaubs-To-Do-Liste begonnen. Klettern steht dort drauf. Ich freue mich!

Hier gehts zum Teil I und Teil II

Südtirol:Klettern, Schlemmen, Canyoning / Sommer 2018 Part II

Tag 6

Nach ein wenig Rangiererei sitzen wir Punkt 10 Uhr im Auto und verlassen den Zeinissee in Richtung Brenner. Es geht nach Südtirol und wir sind gespannt. Im Radio verkündet ein Österreicher, dass es auf dem Brenner Stau wegen einer Baustelle gibt. Wir haben keine Lust die Mittagszeit im Stau zu stehen und nutzen den MC Donalds an der Europabrücke für die Pause. Die Aussicht ist grandios, so verschmerzen wir die Gourmet-Küche aus der Friteuse. Wir scheinen heute Glück zu haben. Als wir eine halbe Stunde später im Auto sitzen, ist nicht nur der Stau weg, sondern auch die Baustelle abgebaut. So sind wir bereits 15 Uhr am neuen Platz angekommen. Campingplatz Seiser Alm. Das ist einer der Campingplätze, von dem man irgendwie immer wieder hört. Die Einen raunen ehrfürchtig wegen der Anfahrt – die ehrlich gesagt dauerhaft ein Wechselbad der Gefühle ist, zumindest bei 2,50 x 14,00 Metern. Man weiß nicht, ob man staunen soll, wegen der Gegend, Angst haben soll, dass man ins Tal stürzt, weil die Straße so eng ist oder Panik schiebt, dass einem auf der engen, steilen Straße ein LKW entgegen kommt. Wir beide teilen uns das gerecht auf. Ich staune und Line übernimmt dankenswerter Weise die Panik. Alles geht gut. Am Platz werden wir sehr freundlich empfangen. Wir haben bereits im letzten Jahr reserviert und dürfen uns nun sogar einen Platz aussuchen. Zur Wahl steht ein großer Platz mit Bäumen die Schatten spenden, auf einer Terrase, ruhig gelegen mit herrlichem Bergpanorama oder ein kleinerer, mitten zwischen anderen Wohnwagen ohne Bäume. Wir entscheiden uns für Variante 1 und sollen die nächsten Tage glücklich damit sein.

So schön der Platz am Zeinissee war, die Kinder sind froh über ein paar Grad mehr und den herrlichen Salzwasserpool. Während wir noch das Vorzelt aufbauen – zumindest das Dach gegen die Sonne, sind die beiden uns schon entschwunden und kommen auch erst wieder aus dem Wasser als 19 Uhr die Stunde Schwimmzeit nur für Erwachsene beginnt ( Morgens gibt’s die auch, eine gute Idee). Wir lassen den Abend vor dem Wohnwagen mit Blick auf den Schlern ausklingen. Das ist Urlaub.

Tag 7

Frühstück mit Bergpanorama und frischen Brötchen. Die Brötchen sind hier übrigens günstiger, als zu Hause beim Bäcker. Man zahlt nach Gewicht und das ergibt bei 4 Stück weniger als 1,50€ – wer da aufbackt, dem ist nicht mehr zu helfen. Da wir die Räder dabei haben, wollen wir hier eine Radtour starten. Laut Beschreibung gibt es eine einfache Familientour zum Völser Weiher, klingt perfekt. Nach ca 500m habe ich die Erzählung von Olaf wieder im Ohr. Er ist ein Bekannter, fährt auch mit Amarok + Wohnwagen und ebenso gern MTB wie wir. Ich hatte mich letztes Jahr lustig gemacht, weil er seine Teeni-Tochter hier oben nicht zum Fahren animieren konnte, es wäre ihr zu steil. Was soll ich sagen, die Hälfte der knapp 3 km zum Weiher schiebt unser Kleinster sein Rad, das steilste Stück schafft er nicht mal das, Line übernimmt. Unsere Mittlere zieht aber durch, mit ihren 10 Jahren schafft sie einige Anstiege, die ganz steilen Schotterpassagen muss aber auch sie schieben. Oben angekommen werden wir belohnt. Ein herrlicher kleiner Bergsee, die Dolomiten im Hintergrund und ein großer Badesteg mit angeschlossenem Restaurant. Wir bleiben fast den ganzen Tag und genießen das Leben. Während wir uns in den leckeren Südtiroler Kaffee verlieben, springen die Kinder unzählige Male vom Steg. Gewittergefahr lässt uns zurück fahren und selbst bergab ist es so steil, dass sich der Kleine nicht den Schotterweg hinab traut. Hieran müssen wir wohl arbeiten…

Unser Gefühl trügt nicht, wir sind zwar trocken angekommen aber danach geht’s richtig los. Ein schönes Alpengewitter geht über uns nieder und wir nutzen die Zeit, um mal zu überlegen, was wir im Urlaub auf jeden Fall noch machen wollen. Oha, der Urlaub wird wohl wieder mal zu kurz. Da stehen am Ende so Dinge wie Canoyning, Rafting, Klettern und noch vieles mehr. Sogar Rad fahren findet sich wieder auf dem Wunschzettel. Das verschieben wir aber lieber auf Station 3 unserer Reise. 20 Uhr ist das Gewitter vorbei und wir genießen wieder den Ausblick, diesmal bei herrlich klarer Luft und einem tollen Regenbogen.

Tag 8

Wir müssen langsam anfangen, unsere Liste von gestern abzuarbeiten. Also stehen wir bei herrlichem Sonnenschein 10:30 Uhr an der Bushaltestelle. Auch hier haben wir wieder die regionale Karte erhalten. Hier die Seiser Alm Karte. Damit können wir den Bus kostenlos nutzen, der uns heute zur Seiser Alm Bahn bringt. Lustiger Weise ist dies die einzige Bahn in dieser Gegend, welche nicht Inklusive ist. Egal, wir wollen da hoch und heute die Hexenbänke erkunden. Auf 1800 m angekommen, führt uns der Weg recht steil bergauf.

Nach knapp 2 Kilometern steilem Anstieg, lassen wir uns von den Kindern bequatschen und kehren ein, in das Bergrestaurant Puflatsch. Die Kinder hält es zwar nur kurz auf den Sitzen (sie haben die kleine Minirodelbahn mit Reifen entdeckt), dafür genießen wir den Ausblick und das Essen. Auf dem Berg geht doch kaum etwas über eine zünftige Brettljause (hier sogar mit Obstler) und eine Buttermilch dazu, also bestellen wir. Wir sind satt, trotzdem läuft uns das Wasser im Mund zusammen wenn wir die Marillenknödel am Nachbartisch anschauen. Hey wir sind hier in DER Knödelregion, also sind die bestimmt so lecker wie sie aussehen – bestellt und genossen!

Danach starten wir wieder Richtung Hexenbänke, aber nur, bis wir um den Gipfel herum kommen und freien Blick auf die nächsten Berge haben und auf den Himmel darüber. Schon wieder ziehen dicke Gewitterwolken auf. Wir und die meisten anderen Wanderer ziehen nun doch wieder Richtung Tal, dabei können wir beobachten wir ein Armeeflugzeug ettliche Fallschirmspringer mitten über den Bergen ausschüttet. Wie es denen wohl geht, wenn sie die Gewitterwolken sehen?!

In Seis angekommen, haben sich die Wolken wieder verzogen und die Sonne strahlt mit den Eis essenden Kindern um die Wette. Wir beschließen uns nicht zu ärgern und genießen einen Capucchino (noch immer Südtiroler Kaffee) – lecker!

Tag 9

Irgendwie will die Sonne heute nicht so richtig raus. Im Netz stehen Schauer und Gewitter also fallen die Berge heute aus. Da Südtirol auch einige schöne Städte bereit halten soll, beschließen wir, mit dem Bus (kost ja nix) nach Bozen zu fahren. Ihr erinnert euch an die haarstreubende Anfahrt?! Der Bus fährt zwar den anderen Weg, der ist aber genauso wild und gefühlt noch enger. Wir schaffen es bis fast ins Stadtzentrum, dann gibt der Magen unserer Tochter auf. Zum Glück springen wir rechtzeitig aus dem Bus und nach der unangenehmen Erleichterung ist alles wieder gut. Die Frage ist nur, wo sind wir hier! Wir tippen auf einen Vorort von Bozen aber ein Blick ins Handy gibt Entwarnung. So laufen wir durch ein paar enge Gassen, bewundern das Südtiroler Obst in den Läden, ok wir bewundern nicht nur, sondern kaufen auch und essen gleich auf. Bozen gefällt uns jetzt schon. Kurz darauf sind wir im Stadtzentrum. Ein schönes altes Städtchen, voller interessanter Menschen. Die Kinder sind absolut begeistert von den vielen Spielzeugläden, diese erscheien zwar von außen recht klein, bringen im Inneren aber ein riesiges Sortiment zu Tage. Unsere Kinder leiden im Gegensatz zu Anderen echt leise. Im 3.Laden gibt’s dann die begehrten Hexbugs und sie sind glücklich.

Wir wollen zum Obstmarkt. Ich liebe Märkte! Wir alle lieben Obst! Auch hier gilt: knipsen, kosten, kaufen. So probieren wir uns durch diverse Wurst-, Käse-, Nudel-, Pesto-, Trockenobst-, Schnaps- und Honigstände, bis das Portemonaie leer ist und die Kinderbäuche voll. Dachten wir!

Ein Minieinkaufsbummel in der tollen Hauptverkaufsstraße später, haben alle Hunger und wir machen uns auf die Suche. Hier gibt es echt tolle Bars und Kneipen. Wir können uns nicht entscheiden. Schließlich tun es die Kinder. Wir sind in Italien, also wollen wir Pizza. Klar, wir sind in Italien! Ist uns noch gar nicht so bewusst gewesen, alle sprechen Deutsch…

In einer Nebenstraße finden wir einen freien Platz in einer Pizzeria, dem Nussbaumer. Das Wetter ist doch herrlich und so können wir draußen sitzen. Wir bestellen natürlich Pizza. Das heißt 1 Pizza und ein Focaccio mit Rohschinken ( Merker für uns: Eine Verkäuferin im Spar sagt, dass der leckerste Rohschinken San Daniele sei, der aber bestimmt nicht auf dem Focaccio war, weil zu teuer. Ich schwöre der war es!). So schnell waren bei uns noch nie 2 Pizzen alle. War das lecker, die Kinder lecken sich immer noch die Finger ab, um noch einen Rest Schinken zu erwischen. Also bestellen wir noch ein Focaccio nach, mit 2 Espresso. Wer in Bozen leckere Pizza essen möchte, dem sei das Nussbaumer ans Herz gelegt. Wir können es nur empfehlen. Das Leben kann so schön sein. Irgendwie ist das Mittag heute erst zur Kaffeezeit passiert, stört uns nicht. Dafür amüsieren wir uns über das Gespräch einer All-Inklusiv-Familie am Nachbartisch. Der Vater ruft zur Eile beim Essen auf, weil sie schon in 2 Stunden im Hotel zu Abend essen müssten. Hach ist Camping schön!

Wir bummeln noch ein wenig. Essen, auf einer Treppe sitzend, ein leckeres italienisches Eis und machen uns dann auf den Weg zum Busbahnhof. Die Menschenmenge verheißt nichts Gutes. Wir haben Angst nicht mitzukommen, haben aber gleich 2 mal Glück. Erstens, weil uns der Bus mitnimmt und zweitens weil wir ohne Übelkeit auf dem Berg ankommen. Den Tag lassen wir natürlich im Pool ausklingen, der verlockt einfach zu sehr.

Tag 10

Der Wetterbericht verheißt auch an diesem Morgen nichts Gutes, aber wenigstens sind die Gewitter vorbei. Daher beschließen wir unser Glück herauszufordern und machen uns auf, zu einer Wanderung ins Tschamintal. Wir starten sonnig in das urige Tal. Beginn der Wanderung ist eine alte Mühle, jetzt das Naturparkhaus, ich schiele beim Vorbeigehen auf die Speisekarte und bin in Gedanken kurz schon beim Kaffee. Aber erstmal ins Tal rein. Vor dem Kaffee kommt die Arbeit. Wir folgen immer dem kleinen Bach der sich zwischen den Bergen entlangschlängelt.

Auf der Hälfte des Hinweges erwischt es uns dann, es fängt an zu nieseln. Normaler Weise überlegst du nun, was gemacht wird, heute war es irgendwie anders, alle kramen ihre Regenjacken aus den Rucksäcken und laufen dann einfach weiter. Die Stimmung dort im Tal ist toll, ruhig und nach einsetzendem Regen auch wenig los. Langsam taucht der Rosengarten am Ende des Tals auf, durch den Regen und die Wolken nur schemenhaft zu sehen. Ich mag es so und kann die Kamera einfach nicht in ihrer Regenschutztasche lassen. Am Ziel des heutigen Tages, machen wir Picknick unter dem Stück Dach eines urallten Hausen. Unsere Kaminwurz und der Käse schmecken so, als wäre er genau hier im Haus gemacht.

Alle sind irgendwie im Laufflow und so beschließen wir sogar, noch etwas weiter rein ins Tal zu laufen, bis es dann doch so steil bergauf geht, dass wir aufgrund des Regens Bedenken um die Trittsicherheit unserer Kinder haben. Wir drehen um und laufen im großen Bogen wieder zur Mühle zurück.

Dort kommen wir endlich zu heißer Schokolade, Tee und für uns 2 leckere Cappuchino. Ganz so kalt kann den Kindern nicht sein, ein Eis geht auch noch.

Tag 11

Beim Aufstehen strahlt uns die Sonne wieder entgegen, so haben wir das bestellt. Passend zu unserem heutigen Ziel, ein Gipfelkreuz. Voelsegg heißt der Berg und die Wanderung startet da, wo die gestrige aufgehört hat. Allerdings diesmal nicht im Tal – da stehen einfach zu wenige Gipfelkreuze, sondern gleich steil bergauf. Schier endlos schlängeln sich die schmalen Serpentinen den Hang hinauf, zum Glück ist es recht schattig.

Ungefähr auf der Hälfte überholt uns ein Herr. Rennend mit Nummer auf dem Rücken. Dieses Spiel wiederholt sich etliche Male und unser Kleiner läuft immer mal wieder ein Stück mit. Heute ist der Sky-Marathon, erkennen wir an den bunten Fähnchen am Wegesrand und dies ist nicht der einzige Berg, den die Läufer heute hoch und wieder runter rennen – Wahnsinn!

Uns reicht der eine und wir biegen kurze Zeit später von deren Laufstrecke ab, an der Almhütte vorbei (das fällt allen schwer) um die letzte halbe Stunde Anstieg in Angriff zu nehmen. Oben gibts, na was wohl, Picknick und wir genießen den echt gigantischen (Ben würde sagen epischen) Blick.

Der Abstieg erfolgt auf der anderen Bergseite und wir begegnen wieder ein paar Läufern. Hier ist es noch schöner, als beim Aufstieg und auch die Kids sind im Rhytmus.

Ich erkläre als Zwischenziel unserer heutigen Tour ein Foto vom Wunslegger Weiher in dem sich das Panorama der Dolomiten spiegelt. Ich soll es bekommen (vielleicht auch eher 10 davon)…

… und wir haben kurze Zeit später die gut 15 Kilometer hinter uns gebracht.

Wie kann man eine solche Wanderung würdig abschließen? Nur mit Apfelstrudel und Cappuccino. Den gönnen wir uns! Wir sind stolz auf die Kinder, so langsam müssen wir aufpassen, dass sie uns nicht abhängen…

Wir schaffen es sogar noch, ausgiebig im Pool zu baden – was für ein gelungener Tag.

Tag 12

Heute haben sich alle eine Auszeit verdient. Baden-Baden-Baden steht auf dem Plan. Das Wetter ist perfekt und wir starten, nach einem entspannten Frühstück mit Rührei, zum Völser Weiher. Die Fahrräder lassen wir hier, der Fußweg ist um eniges kürzer und die Kinder sind motiviert von der Aussicht auf das kühle Nass. Ich schnappe mir zwischendurch die Kamera und schlendere einmal um den kleinen See. Außer Baden passiert hier heute auch nicht viel. Nicht schlimm, die Gegend ist so toll, dass sie auch im Wasser liegend beeindruckt. Außerdem haben wir morgen Großes vor, die Kinder ahnen zum Glück noch nichts. Der Aufstieg gestern erscheint jetzt schon wie Spaziergang.

Retro ist ja in und alle Frauen sind vom süßen Fiat 500 begeistert. Der ist so klein und knuffig, zumindest, bis man ihn mal direkt mit dem Orignal vergleicht, dann sieht er riesig und sagen wir mal, etwas plump aus…

Tag 13

Wir wollen es wissen! Laut Bergführer ist die Tour „schwierig“. Also genau das richtige für uns. Ok, die Kinder wissen das noch nicht, aber das wird schon. Mittlerweile kennen wir eine Abkürzung über den Berg und so sind wir trotz gutem Frühstück bereits um 10 Uhr am Start der Wanderung, dem Parkplatz Weißlahnbad. Es geht bergauf, immerzu. Dafür werden die Ausblicke aus der Schlucht, von Kurve zu Kurve immer beeindruckender.

Gut, die Kinder schimpfen noch etwas, lassen sich aber von uns mitreißen und laufen weiter. Wir passieren die Bärenfalle mit den Leitern und Stiegen und sind begeistert, hier macht das Laufen richtig Spaß.

Allerdings weiß man nicht, ob man wirklich noch nach unten schauen soll. Es geht teilweise verdammt steil hinunter. Nach 2,5 Stunden Anstieg und immerhin fast 900 Höhenmetern erreichen wir einen Aussichtspunkt am Ausgang des Kletterpfades. Die Kinder haben einen riesen Hunger und wir bleiben zum Picknicken. Hier oben sind wir allein und genießen den herrlichen Ausblick zum Rosengarten und weit ins Land. Hinter uns sind die letzten 100 Höhenmeter bis zum Hochtal, die Kinder sind aber raus. Also schnappe ich mir die Kamera und breche auf, um wenigstens mal über den Kamm zu schauen. Den beeindruckensten Teil haben wir aber alle hinter uns und so machen wir uns kurz darauf an den Abstieg.

Wir wissen nicht, ob der Abstieg wirklich einfacher ist, er erinnert ebenfalls eher an Klettern als an Wandern. Die Steine und Stufen sind so groß, dass die Kinder wie die Bergziegen von Stein zu Stein springen. Nicht ohne ängstliche Blicke von uns, immer hin und her zwischen ihnen und dem Abgrund. Die letzten Kilometer ziehen sich, die Beine werden lahm, aber wir schaffen es, und sind alle mächtig stolz auf uns. 10 km sind es schon wieder geworden! Darauf einen leckeren italienischen Kaffee, für die Kinder Gelato. Am Abend wollen wir das Restaurant am Platz testen. Line geht schon vor, genießt die Ruhe bei einem Glas Rosé und schreibt ihr Urlaubstagebuch (welches übrigens die Basis für meine Zeilen darstellt). Wir folgen ihr und freuen uns über den Platz in erster Reihe mit herrlichem Ausblick auf den Schlern. Das Essen ist super lecker, die Kellner freundlich, so kann man den Urlaub genießen.

Tag 14

Unser letzter Tag auf der Seiser Alm. Irgendwie hat sich unser Schweden-System nun auch in den Alpen durchgesetzt. Wir bleiben ein paar Tage und ziehen dann weiter. Eine neue Tradition scheint sich hier einzuschleichen. Am letzten Tag auf dem Platz gibt es noch mal ein Highlight. Das heißt, für uns allerdings heute auch, dass 6:00 Uhr der Wecker klingelt. Irgendwie scheinen in Südtirol die Uhren anders zu ticken, wir können uns gerade gar nicht vorstellen, dass wir im Arbeitsalltag jetzt auch schon wach wären (zum Glück ist es noch nicht wieder soweit). Hilft nix, 06:30 gibt es Frühstück, danach ist Abfahrt. Unser heutiges Ziel ist zwar nur 60km entfernt, aber durch die Berge dauert es trotzdem etwas länger. Wir wollen nach Brunneck. Dort sind wir mit … verabredet. Er empfängt uns gut gelaunt und wir pressen uns wie Presswürste in Neopren-Anzüge. Damit der Schweiß so richtig wirken kann, geht es dann per Kleinbus in die Berge. Mit dabei ist eine Familie aus Braunschweig. Alle sind nett, es kann also ein toller Tag werden. Nach knapp einer halben Stunde Fahrt, halten wir in einem kleinen, verträumten Dorf an. Unser Guide eröffnet uns, dass wir ab hier laufen. Die Kinder finden das gar nicht witzig. Wie sich heraus stellt, ist es auch gar kein Witz. Also ziehen wir los. Es geht am Bach entlang und wir können schon einmal einen Blick auf unsere heutige Tour werfen. In Line und mir werden alte Erinnerungen wach – Canyoning steht heute auf dem Plan. Alle freuen sich, nur die Mama der anderen Familie scheint motivationsmäßig noch nicht bei 100% zu sein. Wie sagt man so schön, der Appetit kommt beim Essen.

Dann sind wir endlich da und kraxeln einen kleinen Abhang hinunter. Dieser endet im Wasser, im kalten Wasser. Alle genießen die Abkühlung, außer unser Kleinster, sein Energiehaushalt kapituliert ziemlich schnell und statt mit einer weißen Fahne, winkt er mit blauen Lippen. Egal, jetzt stehen wir im Fluss und es geht los. Ich bin ehrlich, Familie ist toll, wir waren uns aber unsicher, ob eine Familientour auch toll wird. Unsere letzte Tour haben wir noch ohne Kinder gemacht und waren schwer beeindruckt. Hoffentlich wird das heute kein Kindergarten.

Unnötig! Es gibt auf dem Weg durch den Fluss alles, was unser Herz beghert. Wir klettern am Tau hinauf, springen vom Felsen in ein natürliches Wasserbecken, rutschen Wasserfälle hinab und lassen uns vom Guide rückwärts ins Wasser fallen. Ok nicht alle, Line versteht ihn nicht richtig und denkt er will ihr die Hand zum Sprung reichen. Kurzer Schockmoment, dann taucht sie aus dem viel zu flachen Wasser auf. Ihr beherzter Sprung blieb ohne Schmerzen oder Verletzungen, Glück gehabt!

Das Ergebnis: Tochter begeistert, Line begeistert, ich begeistert. Sohn? Ich zittiere: „Das war lebensgefährlich. Das würde ich nie wieder tun!“ (zum Glück ist er aber überall mit gesprungen und hat es hoffentlich bis zum nächsten Mal wieder vergessen)

Auf dem Rückweg zur Basis schnattern die Kinder mit denen der anderen Familie, als würden sie sich schon ewig kennen und sind traurig weil es schon zu Ende ist. Wir steigen in unser eigenes Auto um und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs wollen wir noch lecker essen. Stellt sich heute aber schwieriger dar. In das erste Bistro werden wir mit Werbefotos von Knödeln und anderen leckeren Sachen gelockt, drinnen gibt es dann aber nur Baguette, also weiter. Wir finden eine Pizzeria, sie ist ok aber lange kein Tipp wert ( unsere Ansprüche steigen irgendwie).

Am Campingplatz angekommen sind alle platt, wir ruhen eine Runde. Im Anschluss schauen wir uns den Himmel an und vermuten Regen. Da wir morgen abreisen, hätten wir das Vorzelt gern trocken verstaut, also schneller Abbau. Wir sind, natürlich, zu langsam oder der Regen zu schnell, wie man es nimmt. Das Vorzelt ist also etwas feucht, was aber viel schlimmer ist, dass der Regen den ganzen Abend nicht aufhört. Unser Plan zum Abschied nochmal laaaaaange draußen zu sitzen ist somit hinfällig. Abendbrot und Spieleabend gibts drinnen.

Nun haben wir ihn erlebt, Campingplatz Seiser Alm. Ein kleines Resümee: Ein wunderschön gelegener Platz der prinzipiell keine Wünsche offen lässt. Die Waschräume waren immer sauber und dufteten stets frisch. Der Shop und das Restaurant sind gut aufgestellt und haben alles, was man braucht. Unser Stellplatz war genial, wir waren mittendrin und hatten trotzdem Ruhe und einen herrlichen Blick. Bonuspunkte gibt es von uns für den tollen Pool (wobei Salzwasser nicht heißt ohne Chlor) und für die all abendliche Kinderanimation. Unsere Kiner haben sie immer mal wieder genutzt und abends für eine Stunde was gebastelt, gezeichnet oder gespielt. Bei schlechtem Wetter ist sie drinnen, ansonsten draußen. Was uns gestört hat waren die anonymen Camper (dafür kann natürlich der Platz nix) ein guten Morgen im Waschraum war eher selten – das ist doch eher ungewönlich.

Morgen gehts weiter an den Heiterwanger See. Alleine die Fahrt bis zur Brennerautobahn wird wohl schon spannend, jetzt erst mal die letzte Nacht genießen.

HIer geht’s zum dritten Teil unserer Sommertour: Klippenspringen, Kanu, Rafting am Plansee

Zeinissee: Staunen, Bouldern, runter kommen / Sommer 2018 Part I

Juli 2018

Wir starten heute kurz nach dem Mittag mit einem komischen Gefühl im Bauch. Einerseits freuen wir uns auf 18 Tage Urlaub in Österreich und Südtirol, andererseits hat uns letztes Jahr, bei unserem zweiten Schwedenurlaub, der Skandinavienvirus erwischt. Ein wenig haben wir Angst, dass uns Schweden fehlen wird. Wir lassen es auf uns zukommen, für alles andere ist es jetzt sowieso zu spät. Die Abfahhrt klappt problemlos, auch die Finger kommen ohne Pflaster aus ( siehe unseren Schweden-Start ). Leider endet die Fahrt nach knapp 70 km auf der Autobahn – nix Schlimmes, nur der übliche Stau. Da stehen wir also so ungefähr 2 Stunden rum, nach ner Weile kennt man seine Nachbarn und nickt diesen anerkennend zu, wenn es mal auf der anderen Spur etwas schneller geht.

Das ändert sich Punkt 16 Uhr – Anpfiff WM Deutschland gegen Südkorea. Auf einmal ist die Autobahn leer und wir folgen dem Spiel wie früher am Radio. Unser Plan, an München vorbei zu kommen, rückt also in Reichweite. Deutschland verliert und wir beschließen, ab sofort für Schweden zu sein.

Die Navi sagt, quer durch München, der Stau auf der Ostumfahrung will das wohl auch, also gehts einmal quer durch. Feierabendverkehr und wir mit 14m-Gespann dazwischen, alles geht gut. Line lässt in der Zeit schon das Handy glühen und sucht einen Campingplatz nahe an der Autobahn. Wir entscheiden uns für den Campingplatz in Wolfratshausen. Eine absolut tolle Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Der Platz ist toll, der Betreiber sehr entspannt und es gibt überall was zu entdecken. Angefangen bei die Außenküche im Mittelalterstil, über die alte, wild dekorierte Kastanie, bis hin zur Lagerfeuerstelle in der schon das Feuer brannte als wir kamen. Hier werden wir sicher wieder mal anhalten.

In der Nacht dann Alarm, die ganze Tüte Kesselchips, die unser Kleinster verdrückt hat, sollte sich rächen und so stehen Line und ich mitten in der Nacht im Waschraum. Einer wäscht Bettwäsche der andere duscht den Knirps. Kesselchips reihen sich seit heute in die Liste der verbotenen Lebensmittel im Wohnwagen ein…

Tag 2

Wir wachen durch dicke Regentropfen auf dem Wohnwagendach auf, Frühstück also drinnen und dann schnell weiter, nun locken die Berge richtig. Jeden Kilometer, den wir weiter fahren, werden die Berge spektakulärer. Viele Kilometer sind es heute nicht, aber durch die kleiner werdenden Straßen geht es nicht mehr so zügig voran. Stört uns nicht, wir sind schon im Genußmodus.

Gegen 13:00 und nach einer letzten steien Passage, kommen wir an der ersten echten Etappe an. Campingplatz am Zenissiee soll die nächsten Tage unser Basislager darstellen. Der Platz ist toll gelegen, auf 1800m Höhe direkt an einem Bergsee (nicht dem Zenissee sondern dem Zeinisbach – das erfahre ich aber erst später). Baden geht hier nicht, dafür kann ich nicht davon ablassen, ihn zu jeder möglichen Tages- und Nachtzeit zu fotografieren. Der Platz ist zwar sehr klein, die beiden Duschen pro Geschlecht schon etwas sportlich geplant, mehr gibts hier aber nicht zu meckern, alles ist sauber und ordentlich und die Dame am Platz stets nett. Die Brötchen hängen jeden Morgen frisch und pünktlich im Baumwollbeutel am vorgesehenen Haken. Toll!

Leider ist das Wetter bei Ankunft noch nicht besser, so findet das erste Urlaubskaffeetrinken im Wohnewagen statt. Danach nutzen wir eine Regenpause, um unsere Kinder auf die nächsten Tage einzustimmen – wir nötigen sie zu einem kleinen Ausflug zum Stausee, direkt neben dem Zeinisee. Sie mosern ein wenig. Wir bekommen schon so langsam einen Eindruck, wie toll es hier ist. Am Ende werden es 5 km Spaziergang und wir lassen uns müde zu einem Monopoli-Spiel überreden. Die Runde soll uns den ganzen Urlaub begleiten, da sie einfach nicht enden will…

Tag 3

Wir öffnen gegen 8 ganz vorsichtig das Rollo vom Wohnwagen, immerhin sind wir bei Regen eingeschlafen. Empfangen werden wir vom Tag mit traumhaftem Sonnenschein. Also raus und Frühstücken mit frischen Brötchen und Blick auf den See. Unser Plan heute: Silvrettahochalpenstraße. Vom Campingplatz haben wir die Silvretta-Card erhalten, die meisten Lifte und Passstraßen sind somit kostenlos zu nutzen. Die Straße ist echt spektakulär und wir wissen jetzt, warum sie für Wohnwagen gesperrt ist. Es vergeht keine Minute bis Adlerauge (der Jüngste) in unmittelbarer Straßennähe eine Horde Murmeltiere entdeckt. Kurzer Fotostopp – eingefangen.

Am Silvrettastausee stellen wir das Auto ab und starten zur ersten Wanderung. Das Ziel ist irgendwie noch unklar, um den See, ins Klostertal oder auf den Berg? Wir sind uns unsicher und die Kinder benötigen heute unsere volle Motivationskunst, um überhaupt zu laufen. Am Ende schaffen wir knapp 9 Kilometer am See entlang. Ein Picknick und Klettern am Fels stellt den Höhepunkt für heute dar.

Im Anschluss geben wir uns noch das Vergnügen der vollständigen Silvretta-Straße (ich wünsche mich gerade in Lines neuen GTI, sie dafür, glaube ich, auf den Campingplatz), eine irre Straße, auf der uns immer mal wieder ein paar Radfahrer begegnen – ihnen gehört unser Respekt!

Die Wanderung von heute ist ausbaufähig, finden wir. Zurück am Wohnwagen, entscheiden Line und ich beim Kaffee, dass heute noch mehr geht und wir starten alleine noch einen kleinen Aufstieg zum Zeinisee (diesmal der echte) überhalb des Platzes. Wir sind ganz allein und genießen den Ausblick. Ein Blick auf den inneren Kompass bestätigt, ein Sonnenaufgangsfoto hier oben könnte spannend sein, also müssen wir hier nochmal her.

Den Abend beschließen wir mit Wein, Bier und (nein kein Gesang) Grillfleisch.

Tag 4

Es ist nach halb 9 morgens. Juhu die Kinder sind im Urlaubsmodus und schlafen aus. Nachdem sie endlich aus dem Bett kommen, sucht heute unser Jüngster den Frühstücksplatz aus. Nein, nicht vor dem Wohnwagen, sondern direkt am Seeufer. Also tragen wir Tisch, Stühle und alles andere auch über den Campingplatz. Manchmal tun ja Kinder einfach etwas, was wir Erwachsene auch gern wollen, aber wir sind viiiiieeeel zu erwachsen, hier auch und so freuen wir uns, dass er es für uns getan hat.

Heute wollen wir von Ischgl auf die Idalpe. Laut Internet gibt es hier einen Erlebnispfad für die Kinder – der Adventure Stage. Dieser ist problemlos von der Mittelstation der Bergbahn zu erreichen. Es wurde nicht zu viel versprochen, gleich zum Start gibt es den ersten Bergsee mit kleinem Kletterturm und so geht es auch weiter. Immer wieder gibt es Stationen zum Klettern, Blancieren oder wir entdecken Frösche im kleinen Bachlauf. Am schönsten See machen wir Picknick und ärgern uns, dass wir nix zum Grillen dabei haben, denn hier gibt es mehrere Grillstellen und fertig gehacktes Brennholz. Lange hält es die Kinder nicht am Picknick-Platz, der Urinstinkt von Team Schwarz bricht durch und die beiden werfen ihre Sachen von sich, Baden ist angesagt. Also zumindest solange, bis der erste große Zeh im Wasser war. Es ist saukalt! Line und ich bleiben also draußen, die Kinder aber hält das nicht auf.

Im Anschluss an diesen kleinen Rundweg fahren wir noch ganz nach oben um mit toller Aussicht einen Capuccino zu trinken. Dazu gibt es einen Kaiserschmarn, nicht irgendeinen! Den teuersten, den wir jeh hatten. Die Hütte ist zwar toll aber ob der Preis gerechtfertigt ist!? Mhhh.

Hab ich schon erzählt, dass ich E-Bike-Fahrer, sagen wir mal, wenig mag!? Ich hasse sie! Wie war das früher? Auf dem Berg gab es 2 Arten von Menschen, Wanderer und Mountain-Biker. Beide waren oben verdammt stolz auf sich – zu recht. Und heute? Heute kauft sich so manches Pärchen die buntesten Fahrradklamotten, atmungsaktiv, schweißhemmend , was nicht alles. Um dann den Regler ihrer E-Bikes auf volle Leistung zu stellen und den Berg hinauf zu gleiten. Davon gibt es hier so viele, dass ich anfange, allen echten Bikern meine Anerkennung zuzurufen. Von dem Rest hält mich Line ab!

Im Anschluss laufen wir noch den Walk of Lyrics mit den Songtiteln vieler Künstler entlang. Für Leute mit Höhenangst sind die beiden Hängebrücken ein ganz besonderer Leckerbissen. Die Blicke wenn man auf der Brücke anfängt leicht zu springen – unbezahlbar…

Pünktlich vor Ladenschluss sind wir wieder in Ischgl und können uns mit diversen Landestypischen Leckereien eindecken. Natürlich landet auch Grillfleisch im Korb der Abend ist gerettet. Nach dem Abendessen zieht es mich nochmal zu den beiden Seen. Ich weiß nicht wie viele Fotos ich davon in den vergangenen Tagen gemacht habe…, ein paar passen bestimmt noch.

Tag 5

Line und ich sind aufgeregt! Heute ist der erste Höhepunkt unseres Urlaubs geplant. Ok, bis jetzt war es natürlich auch schön hier, aber heute haben wir etwas Besonderes vor. Lange geplant und nicht zuletzt deswegen auf den Campingplatz gestoßen. Aber von vorn! 8:00 stehen wir auf, Line startet eine Maschine Wäsche, wir anderen ziehen mit unserem Tisch zum Stammplatz am See. Nach dem Frühstück laufen wir los, das Auto kann heute stehen bleiben. Erst entlang des Stausees, geht es dann den Berg hinauf. Es ist die Zeit der Bergrosen und so kann ich kaum davon lassen sie fotografisch in Szene zu setzen. Danach folgt ein Latschenkieferwald, den wir durchqueren.

Heute ist es schon verdammt warm und die Kinder fragen zaghaft, wie weit es noch ist. Wir wissen es nicht, wir wissen nur, dass wir uns 13:00 mit Christoph dem Bergführer treffen wollen, irgendwo oben, neben einer Hütte. Am Ende sind wir doch schneller, als befürchtet und haben noch Zeit für ein ausgedehntes Picknick bis Christoph ( von den Bergführern Galtür) endlich eintrifft. Heute gehts Bouldern. Steht schon ein wenig länger auf unserer Mal-Ausprobieren-Liste und da die Kinder nun groß genug sind, probieren wir. Der Boulderpark hier ist recht berühmt. Zu Recht wie sich herausstellt. Es ist wunderschön hier, weit oben, trotzdem inmitten von Bergmassiven, ein kleiner Bergsee mittendrin und die großen Felsen erwecken den Anschein, ein Landschaftsgestalter hätte sich hier ein Denkmal geschaffen. Natürlich ist alles Natur und wir haben 2 Stunden Zeit es zu genießen. Christoph ist älter als erwartet und hat viel Erfahrung, er gibt uns viele hilfreiche Tipps und nimmt Line ein wenig die Angst (um die Kinder). Nach einer kurzen Einführungsrunde geht es schon an echte Felsen. Die gelingen, Dank der Tipps und den Schuhen schon recht gut. Nur die Füße fühlen sich an, als wären sie schon vor 10 Minuten abgestorben. Hilft nichts, Spaß kostet! Nach und nach werden die Felsen immer Höher und wir tasten uns Einzeln an unsere Grenzen.

Geflasht vom Erlebnis und nach einer Pause am Bergsee, machen wir uns an den Abstieg. Die Kinder sind zwar völlig erledigt und das Wasser ist alle, aber wir schaffen es dennoch zurück zum Wohnwagen. Zum Glück gibt es ja genug Quellen unterwegs, die den Durst löschen können.

Unseren letzten Abend wollen wir im nahen Alpengasthof feiern und sitzen wenig später, frisch geduscht (war nötig) auf der Terasse bei Kasspätzle und Radler. Wehmütig genießen wir den Ausblick auf den See. Sicher steuern wir diesen Platz nochmal an. Die Tage vergingen einfach zu schnell, um alles zu sehen…

Auf dem Weg zum Wohnwagen fragen wir die Kinder, ob sie Lust haben, am nächsten Tag um 5 aufzustehen. Wir wollen unsere Abfahrt noch etwas hinaus zögern und haben daher beschlossen, früh am Morgen zum Zeinissee aufzusteigen. Wider Erwarten sind sie begeistert! Der Wecker ist gestellt und wir gehen voller Vorfreude schalfen. Punkt 5 öffnen Line und ich nicht nur ein Auge, sonder auch das Wohnwagenrollo. Verdammt! Alles bewölkt, so macht das keinen Spaß! Also Wecker auf 6 Uhr gestellt, neuer Versuch. Zum Glück sind die Kinder nicht wach geworden. Nach der Stunde sieht es nicht viel besser aus, egal. Wir wecken die Kinder und staunen wie schnell die beim Aufstehen und Anziehen sind – wenn sie wollen. Kamera und Stativ gepackt (Stativ trägt die ersten 8 Meter großzügig mein Sohn) und hoch geht’s. Die Wolken verziehen sich langsam und so bekommen wir zwar kein perfektes Sonnenaufgangsbild aber die Stimmung ist herrlich. Die Wiesen voller Tautropfen, alles ruhig, fehlte nur der Steinbock, der am See steht und frühstückt…